mini|hochkant|Kupferstich mit einem Bildnis von Juliana von Collalto mini|hochkant|Holzsarkophag im Museo Correr in Venedig, in der bis 1733 die Reliquien von Juliana aufbewahrt wurden mini|Kostel blahoslavené Juliány z Collalta in Brtnice (2017) mini|hochkant|Glasfenster mit Bildnis der Juliana in der Pfarrkirche im österreichischen Mistelbach Juliana von Collalto oder Giuliana di Collalto (ital.) (* 1186 in Collalto, Susegana; † 1. September 1262 in Venedig) war Gründerin und erste Äbtissin des venezianischen Klosters Santi Biagio e Cataldo, dem sie von 1226 bis zu ihrem Tod vorstand. 1753 wurde sie von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen.
Biographie Leben in Venedig und Seligsprechung Juliana von Collalto war eine Tochter des Grafen Rambaldo VI. Ihre Mutter war Giovanna aus dem Geschlecht der Grafen di Sant’Angelo von Mantua. Sie wurde mutmaßlich im heute nur noch als Ruine existenten Castello di Collalto geboren. Im Alter von zwölf Jahren wurde Juliana Nonne im damaligen Kloster Santa Margherita der Benediktinerinnen in Calaone, einem Ortsteil von Baone bei Padua. Gemeinsam mit Beatrice I. d’Este wechselte sie 1221 in das neue Kloster auf dem Monte Gemola in den Euganeischen Hügeln bei Comoleda nahe Este. 1226 gründete sie das Kloster Santi Biagio e Cataldo auf der Giudecca (damals: Spinalonga) in Venedig und wurde dessen Äbtissin. Sie zeichnete sich durch „vorbildliches Verhalten und mehrere Wunder“ aus.
Juliana starb am 1. September 1262 im Alter von 76 Jahren. In ihren letzten Lebensjahren litt sie unter starken Kopfschmerzen, weshalb sie zum Schutzpatron derer wurde, die unter Migräne leiden. Sie gilt als eine der neun santi novellini Venedigs, um deren Reliquien in einer Zeitspanne von 300 Jahren (1200–1500) lokale, kurzlebige Kulte entstanden. Diesen Heiligen wurde eine besondere Affinität zu den Nöten und Bedrängnissen der venezianischen Jugend zugesprochen, was sich an der Zahl ihrer Wunder an Kindern zeige.
Juliana von Collalto wurde auf dem Friedhof der Kirche Santi Biagio e Cataldo beigesetzt. Dort ruhte sie in einem schlichten Grab, bis einige „wundersame Ereignisse“ 1290 eine Untersuchung des Grabes veranlassten. Nachdem die „wundersame Erhaltung des Leichnams“ bescheinigt worden war, die im Mittelalter als sicheres Zeichen der Heiligkeit galt, wurde er in einen kunstvoll verzierten Holzsarkophag gebettet, der heute im Museo Correr in Venedig ausgestellt ist. Ab 1733 wurden sie auf einem Altar in der Kirche präsentiert. Am 30. Mai 1753 bestätigte Papst Benedikt XIV. ihren Kult „ab immemorabili“ mit ihrem Gedenktag am 1. September. Nach der Auflösung des Klosters Santi Biagio e Cataldo unter napoleonischer Herrschaft 1810 wurden die Gebeine in die Kirche Santissimo Salvatore verbracht und von dort 1822 in die Kapelle St. Anna in der Pfarrkirche Santa Eufemia.
In ihrem Geburtsort Susegana wird Julianas in der kleinen Kapelle „Il Capitello della Beata Giuliana di Collalto“ gedacht, in der sich ebenfalls eine Reliquie befindet, ein kleines Knochenfragment in einem schnupftabakdosenförmigen Reliquiar. Die Kapelle wurde 2022 umfänglich restauriert. In der Kirche von Susegana werden weitere Erinnerungsstücke aufbewahrt. Im Ort ist der Kindergarten nach ihr benannt. In der Eremitage im russischen Sankt Petersburg befindet sich die Bildtafel Storie della vita della beata Giuliana di Collalto des „Maestro di San Matteo“ aus dem 14. Jahrhundert.
Das Kloster Santa Margherita in Calaone wurde 1572 durch Bischof Niccolò Ormaneto von Padua aufgelöst und das Anwesen verkauft. Das Gebäude des Klosters Santi Biagio e Cataldo wurde nach seiner Auflösung im Jahre 1810 als Krankenhaus genutzt. 1884 wurde auf dem Gelände die Molino Stucky errichtet. Seit 2007 befindet sich dort das Hotel Molino Stucky Hilton.
Brtnice In den 1580er Jahren beschloss die Familie von Wallenstein, in Brtnice (Mähren, heute Tschechien) eine neue lutherische dem Evangelisten Matthäus gewidmete Kirche zu errichten, die gleichzeitig als Familiengrabstätte dienen sollte. Die Kirche wurde um 1590 unter Hynek von Wallenstein († 1596) fertiggestellt. Die Domäne Brtnice ging an seinen Erben Zdeněk von Wallenstein, dem es wegen seiner Teilnahme am Ständeaufstand entzogen wurde. Nach der Schlacht am Weißen Berg verkaufte der Kaiser den Besitz 1623 an den italienischen Heerführer und kaiserlichen Kriegsrat Graf Rombaldo XIII. von Collalto und San Salvatore. 1626 gründete Rombaldo im Zuge der Rekatholisierung in Brtnice ein Paulaner-Kloster, und 1629 ließ er die Kirche nach einem frühbarocken Entwurf von Giovanni Pieroni umbauen. 1641 wurde die Kirche der Himmelfahrt Mariens und 1831 Juliana von Collalto gewidmet.
1914 erwarb Prinz Emanuel Collalto eine Reliquie seiner Vorfahrin Juliana – ein Teil ihrer Rippe – von der Pfarrei St. Euphemia in Venedig. Im folgenden Jahr ließ er sie nach Brtnice bringen, und am 23. Mai 1915 wurde sie in einem neuen silbernen Reliquiar mit Edelsteinen in der Kirche von Brtnice beigesetzt.
Die Kirche ist Kulturdenkmal seit 1958 und steht seit 1990 unter Denkmalschutz.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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