Die Baureihe G8 der Suomen Valtion Rautatiet (SVR – Finnische Staatseisenbahnen) waren 17 leichte Mehrzwecklokomotiven, die bei Richmond Locomotive Works in den USA bestellt wurden. Sie wurden 1898 mit den Fabriknummern 2749–2765 fertiggestellt und erhielten die Betriebsnummern 254–270.
Technische Ausführung Die Nassdampf-Verbundlokomotiven besaßen eine Stephenson-Steuerung mit Flachschiebern und eine Mellin-Anfahrvorrichtung.
Der Dampfkessel entsprach in Größe und technischen Werten dem der vorherigen leichten G-Lokomotiven der Baureihen G1–G7. Sein Betriebsdruck war jedoch höher, was den G8-Lokomotiven eine höhere Zugkraft verlieh. Die Lokomotiven besaßen teilweise Schraubenfedern anstelle der üblicherweise verwendeten Blattfedern. Durch diese Federung hatten sie ein charakteristisches Schaukelverhalten.
Die Lokomotiven verfügten über Gasbeleuchtung und einen zweiachsigen Schlepptender. Die Lokomotiven 254–259 und 261 wurden mit Holzfeuerung, die 260 und 262–270 mit Kohlefeuerung in Betrieb genommen.
An der Baureihe wurden im Laufe der Jahre geringfügige Änderungen vorgenommen: So wurde der ursprünglich spurkranzlose mittleren Antriebsradsatz später mit schmalen Spurkränzen versehen. Die Kolbenstangen und Pleuelstangen aller Lokomotiven mussten verstärkt werden, ebenso bei einigen Lokomotiven Teile des Lokomotivrahmens.
Der Betriebsdruck einiger der Nassdampfkessel musste in den 1920er Jahren auf 10 kg/cm² reduziert werden.
Lokomotive 258 wurde 1917 mit einer Kylälä-Saugzuganlage getestet. Bei einigen Lokomotiven der Baureihe wurde ein Ejektor zur Wasseraufnahme aus Gräben an der Strecke eingebaut. Alle mit Kohle befeuerten Lokomotiven wurden später auf Holzfeuerung umgerüstet.
VR Sk6 Mit der Reform des finnischen Betriebsnummernsystems 1942 durch Valtion Rautatiet (VR) erhielten die Lokomotiven die neue Baureihenbezeichnung Sk6.
Einsatz mini|SVR G8 269 mit Kohlefeuerung Die Lokomotiven 254–261 wurden bei Ablieferung in Viipuri (deutsch Wiborg) und die 262–270 in Seinäjoki beheimatet. Bereits 1900 wurden die Wiborger Lokomotiven nach Jyväskylä verlegt, um den Streckenabschnitt Haapamäki–Jyväskylä–Suolahti zu bedienen. Auch die in Seinäjoki stationierten Lokomotiven wurden in den 1920er Jahren nach Jyväskylä verlegt.
Später kamen sie in den Bahnbetriebswerken Oulu, Seinäjoki, Sortavala, Pieksämäki, Iisalmi und Tampere im Rangierdienst und mit Arbeitszügen zum Einsatz. Die Lokomotiven mit den niedrigen Nummern wurden im Westen Finnlands, die übrigen im Osten stationiert. Nach dem Ende der 1920er Jahre wurden die G8-Lokomotiven häufig im Eisenbahnbau eingesetzt.
Die Weltwirtschaftskrise führte Anfang der 1930er Jahre zu einem deutlichen Rückgang des Bahnverkehrs und damit des Lokomotivbedarfs. Lokomotive 260 wurde nach einer Beschädigung durch eine Kollision im Jahr 1929 außer Dienst gestellt. Da es sich um eine Baureihe mit wenigen Exemplaren handelte, wurden viele G8-Lokomotiven in den Jahren zwischen 1925 und 1939 verschrottet.
Im Zweiten Weltkrieg entstand wieder erhöhter Bedarf an Lokomotiven. Die noch vorhandenen letzten vier Maschinen 256, 257, 259 und 267 erhielten die neue Baureihenbezeichnung Sk6. Die Nr. 259 wurde 1944 durch einen Bombenangriff so stark beschädigt, dass sie außer Dienst gestellt werden musste. Die restlichen drei wurden erst nach dem Fortsetzungskrieg 1950 ausgemustert.
Die während und nach dem Krieg eingesetzten Lokomotiven waren in Oulu beheimatet.
Weblinks
Einzelnachweise
G8 Kategorie:Dampflokomotive Achsfolge 1C Kategorie:Schienenfahrzeug (Richmond Locomotive Works)