Der Wäschemangler, im englischsprachigen Original The Mangler, ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Stephen King aus dem Jahr 1972. Sie erschien erstmals in dem amerikanischen Männermagazin Cavalier. 1978 wurde sie in Kings Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht (orig. Night Shift) aufgenommen. In der Geschichte verletzt und tötet eine zum Leben erwachte Wäschemangel mehrere Arbeiterinnen.

Entstehung und Hintergrund Der Wäschemangler gehört wie alle Kurzgeschichten des Sammelbandes Nachtschicht zu den frühen Werken von Stephen King. Das 1952 gegründete Cavalier-Magazin, in dem die Geschichte im Juni 1973 gedruckt wurde, veröffentlichte vor allem in den ersten Jahrzehnten wie frühere Pulp-Magazine vor allem Kurzgeschichten und Novellen verschiedener Autoren; später entwickelte es sich zu einem Männermagazin ähnlich dem Playboy. King veröffentlichte in den 1970er Jahren noch mehrere seiner Kurzgeschichten in diesem und ähnlichen Magazinen.

Inhalt und formaler Aufbau Bei Der Wäschemangler handelt es sich um eine fiktive Kurzgeschichte. Sie wird aus der Position eines Erzählers wiedergegeben, der die Aktivitäten des Officers John Hunton aus dessen Perspektive begleitet und entsprechend anfänglich auf Zeugenaussagen zu den Ereignissen angewiesen ist und daraus seine Schlüsse zieht. Im zweiten Teil der Geschichte begleitet der Erzähler ihn bei seinen eigenen Aktivitäten.

Officer John Hunton wird nach einem tödlichen Arbeitsunfall zur Blue Ribbon Wäscherei gerufen: Die Arbeiterin Adelle Frawley ist im „Hadley-Watson-6-Gang-Bügel- und Faltautomaten“ (dem „Mangler“) ums Leben gekommen, obwohl ein Sicherheitsmechanismus die Maschine hätte stoppen sollen. Hunton vermutet zunächst Wartungsmängel an der Maschine, doch mehrere Inspektoren erklären die Wäschemangel nach einer Überprüfung für technisch einwandfrei. Inspekteur Roger Martin äußert dennoch Zweifel und berichtet Hunton von einem früheren Fall um einen ausgedienten Kühlschrank auf einer Deponie mit einigen Todesfällen. In der Folge reißt eine Dampfleitung an der Mangel und mehrere Beschäftigte erleiden Verbrennungen, kurz darauf verliert der Vorarbeiter George Stanner bei Wartungsarbeiten einen Arm, nachdem der Mangler plötzlich anläuft und sich trotz Abschaltversuchen nicht stoppen lässt; erst das Abtrennen des Arms mit einer Feueraxt bringt die Maschine zum Stillstand. Hunton bespricht die Ereignisse mit seinem Freund Professor Mark Jackson, der eine übernatürliche Ursache annimmt und davon ausgeht, dass die Maschine besessen sein könne. Nachdem Hunton erfährt, dass die erste, die sich an der Maschine verletzte, Sherry Ouelette, Jungfrau war, hält er die Theorie für plausibel.

Jackson recherchiert entsprechende Rituale und plant einen Exorzismus, ohne zu wissen, dass Frawley kurz vor ihrem Tod eine Medikamentenschachtel mit Belladonna in die Maschine fallen ließ. Hunton und Jackson betreten nachts mit einem von Martin bereitgestellten Schlüssel die Wäscherei und beginnen den Exorzismus mit Bibel, Hostie und Weihwasser. Der Mangler reagiert, läuft an, steigert die Geschwindigkeit und löst sich dann aus seiner Verankerung und jagt die Männer. Hunton kann entkommen, Jackson wird getötet. Hunton erreicht schließlich Martin in seiner Wohnung. Er fordert, man müsse die Maschine aufhalten und zerstören, danach bricht er zusammen. Als Martin auf die Straße schaut, hört und sieht er die Maschine, die die Wäscherei verlassen hat und sich frei bewegt.

Rezeption Der Autor Marcel Feige gibt in seinem Großen Lexikon über Stephen King von 2001 zu der Geschichte eine Inhaltsangabe wieder und nimmt bezüglich der Handlung Bezug auf „Zeichentrickfilme der Warner Brothers“, nimmt jedoch keine Bewertung oder Interpretation vor.

Nach der Darstellung von Tony Magistrale, der sich als einer der ersten Literaturwissenschaftler mit dem Werk von Stephen King befasste, stellt Der Wäschemangler neben anderen Geschichten wie Spätschicht und Lastwagen bzw. Trucks in Verbindung mit Herman Melvilles Geschichte Moby-Dick. Sowohl bei Moby-Dick wie auch bei den genannten Geschichten werden die Personen entmenschlicht und müssen sich einer Aufgabe fügen, die ihnen von einer übergeordneten Macht aufgezwungen wird.

Der Wäschemangler ist aber auch eines der frühen Beispiele für das Aufbegehren der Technik gegen den Menschen, das von King auch in mehreren anderen Werken genutzt wird. Die von Menschen gebauten Maschinen werden hier zu motorisierten Monstern, die sich wie Die Vögel von Alfred Hitchcock vom Menschen abgewandt haben und ihn nun direkt bedrohen. In Stephen Kings Werk kommen mehrfach Konflikte dieser Art vor, bei denen Maschinen vermeintlich zum Leben erwachen und sich gegen Menschen wenden. Beispiele sind neben den genannten auch das Auto in Christine oder der Heizkessel in Shining.

Veröffentlichungsgeschichte mini|hochkant|Cover der Erstausgabe von Night Shift, 1978 Als eine der frühen Geschichten von Stephen King entstand The Mangler zu einer Zeit, als er noch weitgehend unbekannt war, und auch die Veröffentlichung in Herrenmagazinen wie dem Cavalier brachte ihm keine sonderliche Bekanntheit abseits der Leserschaft dieser Zeitschriften. Erst als Teil der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht von 1978, auf Deutsch 1984 veröffentlicht, wurde die Geschichte bekannter.

Englischsprachige Ausgaben: The Mangler, In: Cavalier, Dezember 1972 The Mangle In: Night Shift, Doubleday, Garden City 1978, ISBN 978-0-385-12991-6.

Deutsche Ausgaben: Der Wäschemangler, In: Nachtschicht. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13160-0. Das Buch wurde zudem in Lizenz in der Deutschen Buchgesellschaft bei Bertelsmann veröffentlicht. Der Wäschemangler, In: Joachim Körber: Das erste Buch des Horrors. Heyne, München 1991, ISBN 978-3-453-04578-1

Zudem gibt es sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch Hörbuchfassungen der Geschichtensammlung und damit auch der Geschichte. So veröffentlichte sie der Lübbe Audio Verlag von 2006 bis 2009 in drei Teilen. Der Wäschemangler wurde auf dem zweiten Teil Nachtschicht von Uli Krohm gelesen.

Verfilmungen und Hörbücher Die Geschichte wurde 1995 von Tobe Hooper als The Mangler für die Produktionsgesellschaft New Line Cinema verfilmt. 2001 folgte mit The Mangler 2 eine lose Fortsetzung um einen Computervirus, der in einem Computersystem Maschinen dazu nutzt, Menschen umzubringen. 2005 wurde mit The Mangler Reborn eine alternative Fortsetzung zur ersten Geschichte verfilmt, bei der ein selbstlernendes Computerprogramm ein eigenes Bewusstsein entwickelt und beginnt, menschliche Emotionen zu analysieren und gezielt zu manipulieren sowie über elektronische Geräte und computergesteuerte Maschinen mehrere Morde begeht.

Belege Stephen King: Der Wäschemangler. In: Nachtschicht, C.A. Koch’s Verlag Nachfolger GmbH, Gütersloh o. J., im Auftrag für die Bertelsmann Club GmbH, Lizenzausgabe mit Genehmigung von Bastei-Lübbe, Seite 107–129. Tony Magistrale: Landscape of fear: Stephen King's American Gothic, Bowling Green State University, Popular Press, 1988, ISBN‑10 0‑87972‑404‑8. Der Wäschemangler In: Marcel Feige: Das grosse Lexikon über Stephen King, 2. Auflage, Lexikon Imprint, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-228-8; Seite 145.

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