Leopold Aschenbrenner (* 2001 oder 2002) ist ein deutscher Forscher und Investor im Bereich künstliche Intelligenz (KI). Er war Mitglied des „Superalignment“-Teams von OpenAI, bevor er im April 2024 entlassen wurde. Er hat einen verbreiteten Aufsatz mit dem Titel Situational Awareness über die Entstehung allgemeiner künstlicher Intelligenz (AGI) und damit verbundene Sicherheitsrisiken veröffentlicht und ist Gründer und Chief Investment Officer (CIO) von Situational Awareness LP, einem Hedgefonds, der in Unternehmen investiert, die sich mit der Entwicklung von KI-Technologie befassen.
Leben
Aschenbrenner wurde als Sohn eines deutschen Ärzteehepaares geboren. Er besuchte die John-F.-Kennedy-Schule in Berlin, übersprang zwei Klassen, gewann bei Jugend forscht 2016 mit vierzehn Jahren einen Preis in Geo- und Raumwissenschaften und schloss 2017 sein Abitur ab. Im Jahr 2021 schloss er im Alter von neunzehn Jahren sein Studium an der Columbia University als Jahrgangsbester mit den Hauptfächern Wirtschaftswissenschaften sowie Mathematik und Statistik ab. Während seines Studiums an der Columbia University engagierte er sich in der Effektiver-Altruismus-Bewegung und gründete einen lokalen Ableger an der Universität. Er forschte für die Global Priorities Initiative an der Oxford University. Aschenbrenner war Mitglied des FTX-Future-Fund-Teams, einer philanthropischen Initiative, die von der FTX Foundation ins Leben gerufen wurde, von Februar 2022 bis zu seinem Rücktritt vor der Insolvenz von FTX im November desselben Jahres.
Seit Sommer 2026 ist Leopold Aschenbrenner mit Avital Balwit verheiratet, der Stabschefin von CEO Dario Amodei bei Anthropic. Er lebt in San Francisco.
Karriere OpenAI Aschenbrenner kam 2023 zu OpenAI und arbeitete in einem „Superalignment“-Team unter der Leitung von Jan Leike und Ilya Sutskever. Das Team strebte nach technischen Durchbrüchen, um KI-Systeme intelligenter als Menschen zu steuern und zu kontrollieren und die KI-Sicherheit zu garantieren.
Im April 2023 verschaffte sich ein Hacker Zugang zum internen Nachrichtensystem von OpenAI und stahl Informationen, ein Vorfall, den OpenAI geheim hielt. Anschließend schrieb Aschenbrenner ein Memo an den Vorstand von OpenAI über die Möglichkeit von Industriespionage durch chinesische und andere ausländische Unternehmen und argumentierte, dass die Sicherheit von OpenAI unzureichend sei. Laut Aschenbrenner führte dieses Memo zu Spannungen zwischen dem Vorstand und der Unternehmensleitung, und er erhielt eine Verwarnung von der Personalabteilung. OpenAI entließ ihn später im April 2024 wegen einer angeblichen Informationspanne, bei der es sich laut Aschenbrenner um ein harmloses Brainstorming-Dokument handelte, das drei externen Forschern zur Rückmeldung vorgelegt worden war. OpenAI erklärte, dass die Entlassung nichts mit dem Sicherheitsmemo zu tun habe, während Aschenbrenner behauptete, dass ihm damals ausdrücklich mitgeteilt worden sei, dass dies ein wichtiger Grund gewesen sei. Das „Superalignment“-Team wurde einen Monat später aufgelöst, nachdem weitere Forscher wie Ilya Sutskever und Jan Leike OpenAI verlassen hatten.
Investment Nach der Veröffentlichung von Situational Awareness im Jahr 2024 gründete Aschenbrenner die Investmentfirma Situational Awareness LP, die von Patrick und John Collison, Daniel Gross und Nat Friedman unterstützt wird. Benannt nach seinem Essay Situational Awareness verwaltete der auf KI spezialisierte Hedgefonds 2025 bereits über 1,5 Milliarden US-Dollar. Mitte 2026 lag der Wert des Portfolios bei über 20 Milliarden US-Dollar. Im Juli 2026 erlitt der Fonds aufgrund komplexer Hebel- und Shortpositionen allerdings starke Verluste, weshalb ein Großteil des Portfolios an Citadel von Ken Griffin veräußert werden musste. Bei Situational Awareness verblieben u. a. Anteile an dem KI-Unternehmen Anthropic mit Milliardenwert.
Essay Situational Awareness
Im Jahr 2024 verfasste Aschenbrenner einen 165-seitigen Aufsatz mit dem Titel Situational Awareness: The Decade Ahead („Situationsbewusstsein: Das kommende Jahrzehnt“). Es enthält Abschnitte, die das Aufkommen von AGI vorhersagen, einen Weg von AGI zu Superintelligenz aufzeigen, vier Risiken für die Menschheit beschreiben, einen Weg für den Umgang des Menschen mit superintelligenten Maschinen skizzieren und die Prinzipien eines „AGI-Realismus“ formulieren. Er warnt insbesondere davor, dass sich die Vereinigten Staaten gegen den Einsatz von KI-Technologien durch Länder wie Russland und China verteidigen und entsprechende Investitionen in KI tätigen müssten (Manhattan-Projekt für KI), was unweigerlich zu einem Wettrüsten führen werde. Aschenbrenner stellte auch Hypothesen zur künftigen Leistungsfähigkeit von KI-Systemen auf und spekulierte, dass bereits 2027 sich selbstverbessernde Systeme kommen würden, die zu Superintelligenz führen könnten.
Das Essay erhielt viel mediale Aufmerksamkeit und wurde zu einem der meistgelesenen Texte zum Thema KI. Es wurde in den Medien breit diskutiert und die Thesen auch in wissenschaftlichen Publikationen untersucht und teilweise in Frage gestellt. Sie üben außerdem auch Einfluss auf Unternehmer und politische Entscheidungsträger in Washington, D.C. aus.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (OpenAI) Kategorie:Investor Kategorie:Person (Künstliche Intelligenz) Kategorie:Absolvent der Columbia University Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 21. Jahrhundert Kategorie:Mann