Alice Adams (* 16. November 1930 in New York) ist eine US-amerikanische Künstlerin, die zunächst in den 1970er-Jahren durch Skulpturen und ortsspezifische Land Art bekannt wurde und seit 1986 vor allem für großangelegte öffentliche Kunstprojekte in Verkehrssystemen, Flughäfen, Universitätsgeländen und anderen urbanen Orten in den Vereinigten Staaten Anerkennung findet. Ihre frühen Arbeiten in Wandteppichen und gewebten Formen spielten eine bedeutende Rolle innerhalb der amerikanischen Textilkunst.
Leben Alice Adams wurde am 16. November 1930 in New York geboren und wuchs gemeinsam mit ihrer Schwester Mary Lou (die später den Pop-Art-Künstler James Rosenquist heiratete) im New Yorker Stadtteil Jamaica auf.
Adams studierte Malerei an der Columbia University bei Peppino Mangravite und John Heliker und belegte Kurse bei Meyer Schapiro. 1953 schloss sie das Studium mit dem Bachelor ab. Im Rahmen eines Stipendiums der französischen Regierung studierte sie von 1953 bis 1954 Bildwirkerei und Weben an der L'Ecole Nationale d'Art Decoratif d’Aubusson.
Nach ihrem Stipendium in Frankreich richtete Alice Adams dauerhaft ein Atelier in New York ein und arbeitete fortan überwiegend dort. Adams unterrichtete von 1960 bis 1980 an den New Yorker Hochschulen Manhattanville College in Purchase (New York), von 1979 bis 1980 am Pratt Institute sowie von 1980 bis 1986 an der School of Visual Arts. Im Jahre 1965 war sie zudem Dozentin an der California State University, Los Angeles. Ab den 1960er-Jahren veröffentlichte Adams außerdem regelmäßig Artikel in der Zeitschrift Craft Horizons und war Mitglied der American Abstract Artists.
Nach der Zerstörung ihres New Yorker Ateliers in der 92nd Street durch einen Brand im Jahr 1968 zog Alice Adams 1969 in die im Süden von Manhattan gelegene Straße Bowery, das sie sich bis 1972 mit dem Maler Steve Rosenthal teilte. Danach vermietete sie einen Teil des Ateliers zunächst an Cristos Gianakos und anschließend an Ethelyn Honig.1970 war sie zusammen mit sieben anderen Künstlerinnen und Künstlern Mitbegründerin der Galerie 55 Mercer, in der sie ortsspezifische Werke ausstellte.
Im Jahre 1975 zog Adams nach Tribeca. Sie heiratete den Filmemacher Bill Gordy, mit dem sie eine Tochter hat. Ab Anfang der 2000er-Jahre befindet sich ihr Studio in einem Gebäude der ehemaligen Feuerwehr in Linlithgo.
Werk Adams‘ künstlerische Karriere begann zunächst mit Wandteppichen. Nach der Rückkehr aus Frankreich im Jahre 1954 begann sie, von der traditionellen Webtechnik abzuweichen, arbeitete auf der zuvor unzugänglichen Rückseite des Webstücks, entwickelte neue Oberflächenstrukturen und fügte Materialien wie Seil, Sisalschnur und Fundstücke zur herkömmlichen Wolle- und Baumwollfläche hinzu, wodurch sie das Weben vom klassischen Webstuhl hin zu dreidimensionalen Formen entwickelte.
Adams’ frei hängende Webarbeiten verzichten bewusst auf rechteckige oder quadratische Formate. Nach Aussage der Künstlerin spiegeln diese formalen Abweichungen ihre kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Patriotismus und Militär wider. 1963 begann Adams, geteerte Seile, Maschendrahtzäune und Stahlseile in Skulpturen zu verwenden und etablierte die Verwendung solcher Materialien. Sie entwickelte Möglichkeiten, Knoten- und Schlaufe-Techniken einzusetzen, ähnlich denen, wie sie auch von Seeleuten verwendet werden.
Die Skulpturen nach 1968 erforschen die architektonischen Elemente von Wand, Ecke, Säule und Gewölbe und verwenden flexible Materialien. Adams begann, die Oberflächen ihrer Atelierwände direkt abzuformen. Durch Latexabgüsse, die auf Holzrahmen mit an Wandkonstruktionen erinnernden Abständen montiert wurden, entstanden Arbeiten, die architektonische Räume andeuten und deren materielle Spuren bewahren.
Adams verstand das Ziel ihrer Arbeit darin, das Publikum in scheinbar vertraute Umgebungen hineinzuführen und diese durch subtile Eingriffe so zu verändern, dass sie neu und ungewohnt wahrgenommen werden. Adams arbeitete mit geläufigen Baumaterialien wie Holzlatten und verkleidete oder ließ Rahmen bewusst teilweise offen, um freistehende Wände, Säulen und gewölbeartige Strukturen zu formen.
1977 begann Adams, im Außenraum zu arbeiten und griff dabei auf traditionelle Techniken des Scheunenbaus zurück. Sie verwendete große Holzplatten und -balken sowie laminierte Holzbögen. Die Skulpturen erinnerten dabei an Teile größerer Gebäude und vermitteln häufig den Eindruck, dass ihr Maßstab über das Objekt selbst hinausgeht. Gleichzeitig erzeugt ihre Kunst eine Verbindung zwischen persönlichen Erinnerungen und gemeinschaftlichen Erfahrungen von gebauten Orten. Die Skulpturen aus den 1970er-Jahren waren dabei häufig temporärer Natur.
Ab den 1980er Jahren realisierte Adams großformatige Kunst im öffentlichen Raum, in Parks, auf Plätzen und an Universitäten. Adams war zum Beispiel an Großprojekten im öffentlichen Nahverkehr beteiligt, darunter das Downtown Seattle Transit Project (1985–90), die MetroLink (St. Louis) (1988–90), die Metropolitan Transportation Authority in New York sowie die West Midlands Metro in Birmingham im Jahre 1992. Im Jahre 1994–95 gestaltete Adams die Ronkonkoma Station in New York mit, 2004 folgte die Station der Montclair State University in Little Falls des New Jersey Transit Systems (2004). Gemeinsam mit Marek Ranis wirkte Adams an der Gestaltung von Landschafts- und Infrastrukturelementen des Charlotte Area Transit System (North Carolina) in den Jahren 2002–2006 mit.
Urban Renewal I und Urban Renewal II (1966–67) Beide Reliefs aus Holz, Drahtlatten und Gips benutzen Material, die Adams auf der Canal Street gefunden hat und reflektieren New Yorks kontinuierliche Veränderungen. In den Urban Renewal-Reliefs dient ein rechteckiges Blech als Träger für ein kleineres Drahtgewebe, das mit weißem, mattem Putz in unterschiedlichen, sichtbar belassenen Schichten und Texturen überzogen ist. Die Arbeiten thematisieren die gewöhnliche Putzwand als vieldeutige Oberfläche und sind weniger als Wandobjekte zu verstehen denn als Malerei mit Putz. Zugleich verweisen sie auf Adams’ Ausbildung in der Weberei sowie auf ihre Position innerhalb der Malerei des 20. Jahrhunderts. Der Titel des Werks verweist zugleich ironisch auf die gewaltsame Verdrängung historischer Stadtviertel durch funktionale Neubauten. In der Gegenüberstellung von industriell gefertigtem Blech und Drahtgewebe mit handaufgetragenem Putz thematisieren die Reliefs den Spannungsraum zwischen Maschine und Handarbeit, Altem und Neuem sowie Architektur und Malerei und spiegeln damit zentrale künstlerische Fragestellungen im New York jener Zeit wider.
Wall and Floor (1967) In dieser modularen Raumskulptur aus Drahtlatten, Metall, Gips und Vinylfliesen nutzt Adams Latten und Putz zur Herstellung einer wandähnlichen Oberfläche und macht so den Übergang von Wand und Boden isoliert sichtbar. Alte und neue Baumaterialien sowie Techniken werden dabei gegenüberstellt. Als skulpturales Objekt thematisiert das Werk vergängliche architektonische Strukturen.
Adams’s House (1977) Bei diesem Werk handelt es sich um eine Installation aus Holz (Douglasie, Fichte), die im Rahmen der Ausstellung Wood im Nassau County Museum of Fine Arts in Roslyn (New York) gezeigt wurde. Es entstand auf Grundlage von Erinnerungen und den Plänen ihres Elternhauses in Jamaica (New York City). Die Skulptur ist eine nicht-realistische Hommage an das bescheidene Vorstadthaus, das ihr Vater zusammen mit Adams’ Großmutter gebaut hatte. Obwohl die Arbeit die Dimensionen des Kindheitshauses annähernd aufgreift, war sie von hohen Hecken umgeben und nie aus der Distanz sichtbar, wodurch sie den Eindruck eines Traums oder einer Erscheinung vermittelte. Adams übernahm spezifische Details aus den Originalplänen, wie die eigens gefertigten Profile um Fenster und Türen, die es heute nicht mehr gibt. Nur zwei kleine Räume wurden realisiert, während weitere Durchgänge ins Leere liefen oder unfertige Bögen auf weitere, nicht gebaute Räume verweisen. Durch die verzerrten Proportionen fungiert die Skulptur als Behälter von Kindheitserinnerungen und ermöglichte der Künstlerin eine symbolische Rückkehr „nach Hause“.
Mound for Viewing Slope and Sky (1981) Die permanente, öffentlich zugängliche Arbeit befindet sich an der Princeton University in New York und wurde gezielt aus den räumlichen, topografischen und landschaftlichen Gegebenheiten des Ortes entwickelt. Die Skulptur besteht aus einem bepflanzten Erdhügel und einer hölzernen Konstruktion und erschließt sich durch körperliche Bewegung und Perspektivwechsel der Betrachtenden. Sie misst und markiert den Ort zugleich, indem ihre Form und Ausrichtung Geländeformen, Übergänge zwischen Wald, Wiese und Weg sowie unterschiedliche Landschaftszonen aufnehmen. Auf diese Weise artikuliert das Werk das Verhältnis von natürlicher Landschaft und menschlicher Gestaltung als räumliche Erfahrung. Eine Studie für dieses Werk befindet sich im Princeton University Art Museum in Princeton.
The River (1992) Diese Installation am Riverview Hospital for Children and Youth in Middletown (Connecticut) besteht aus bootförmigen Elementen wie einer bankartigen Konstruktion in Form eines Bootsrahmens, einer gestuften, an einen Steg erinnernden Plattform und einem umgekehrt aufgehängten Birkenrindenkanu. Gefertigt aus hochwertigen Hölzern wie Mahagoni sowie hell lackiertem Ahorn und Kirsche und in Zusammenarbeit mit Bootsbauern realisiert, verweist die Arbeit auf frühere temporäre Plattform- und Geländerstrukturen der Künstlerin. Zugleich dient sie dazu, eine klinische Umgebung zu humanisieren und den Aufenthalt für Besucherinnen und Besucher sowie für die dort untergebrachten Kinder zu verbessern.
The Roundabout (1992) Die zur Land Art gehörende Arbeit aus Beton, Polygonalplatten, grüner, rosafarbener und weißer Granit, Sandstein, mit bronzenen Bodenplatten und landschaftlicher Bepflanzung befindet sich auf dem Campus der Thomas Jefferson University in Philadelphia.
In Anlehnung an Thomas Jeffersons Anwesen Monticello, wo Wege als „roundabouts“ bezeichnet werden, verbindet das Werk Kunst, Architektur und Landschaft zu einem begehbaren Gesamtraum. Auf einer Fläche von etwa 4000 m² strukturieren geschwungene Mauern, ein zentraler Grashügel, Wege, Baumsetzungen sowie eine Wasserwand mit Kaskade und Becken das Gelände und nehmen auf die leichte Geländeneigung Bezug. Architektonisch verweist die Arbeit mit beleuchteten Tür- und Treppenformen auf Philadelphias Reihenhausbebauung. Ergänzt wird die Anlage durch botanische Elemente und in Bronze eingelassene Pflanzenmotive, wobei der jahreszeitliche Wandel der Bepflanzung wechselnde Grade von Offenheit und Rückzug ermöglicht.
Die sanft ansteigende Rasenflächen und die linear geführten, sitzhohen Mauern ermöglichen das Beobachten anderer Menschen und gleichzeitig die Ausrichtung auf Sonne und Straßenraum. Die Elemente des Werks sind bewusst zur Sonne und zur Straße hin orientiert und fungieren als Einladung, natürliche Verhaltensweisen im öffentlichen Raum aufzunehmen und fortzuführen.
African Garden (1994) Adams schuf zwischen zwei Spielplätzen einen Schulgarten mit Sitzgelegenheiten in Brooklyn. Das Werk ist von afrikanischer Kunst und traditioneller Holzarbeit inspiriert und besteht aus vierzehn Sitzbänken aus Gusseisen, Stahl und Holz, die einen Weg säumen und von unterschiedlichen Pflanzen umgeben sind.
Beaded Circle Crossing (1994)