Heinz Paller (* 9. Juli 1900 in Rettenbach bei Graz; † 15. April 1976 in Graz), bis 1919 Ritter von Paller, auch Heinz Paller-Hohenau, war ein österreichischer Journalist deutschnationaler und sozialdemokratischer Ausrichtung. Von 1946 bis 1965 war er Chefredakteur der steirischen SPÖ-Parteizeitung Neue Zeit.
Leben Bis 1945 Paller studierte an den Universitäten Graz, Wien und Jena deutsche Philologie und promovierte 1924 mit einer Arbeit über Ludwig Tieck und Gottfried Keller. Von Jugend an deutschnational eingestellt, gehörte er der studentischen Korporation VDSt Graz an und publizierte u. a. in der Zeitschrift Südmark.
Von 1924 bis 1926 war er Universitätsassistent in Marburg an der Lahn und 1927/28 Mitarbeiter der Reichszentrale für Heimatdienst. Die Reichszentrale unterstützte auch seine Publikationen, so etwa das gemeinsam mit Friedrich F. G. Kleinwächter herausgegebene Werk Die Anschlussfrage in ihrer kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bedeutung (1930), für das die damals amtierenden Präsidenten des deutschen Reichstages Paul Löbe, SPD und des österreichischen Nationalrates Alfred Gürtler, CSP ein gemeinsames Vorwort beitrugen. Um 1930 schrieb er für die Wiener Neuesten Nachrichten, die den Großdeutschen nahestand. 1931/32 sowie von 1935 bis 1937 war der damals parteilose Paller jeweils Chefredakteur der deutsch-freiheitlichen Klagenfurter Tageszeitung Freie Stimmen, die von der Regierung Dollfuß mehrfach zensiert bzw. beschlagnahmt wurde.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war Paller Chef vom Dienst beim Neuen Wiener Tagblatt, was nach dem Krieg kommunistische Angriffe auf ihn als „Naziredakteur“ auslöste. Laut dem NS-Journalisten und Schriftleiter Manfred Jasser war Paller in der Redaktion allerdings „als Roter bekannt“.Uwe Mauch: Schriftleiter Jasser. Die fortgesetze Karriere eines NS-Journalisten. Eichbauer Verlag, Wien 1999, ISBN 978-3-901699-14-6, S. 82. Beim Tagblatt gehörte er ab 1941 einem „illegalen Betriebsrat“ an, der nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 die provisorische Verwaltung des Zeitungsverlages und der mit ihm verbundenen Steyrermühl-Druckerei übernahm.Christina Köstner: „Wie das Salz in der Suppe“. Zur Geschichte eines kommunistischen Verlages – Der Globus Verlag. Diplomarbeit, Universität Wien, 2001 Link.
Ab 1945 Im Juni 1945 bot ihm Bruno Pittermann bei einer zufälligen Begegnung in der Wiener Innenstadt an, im Auftrag der SPÖ nach Graz zu gehen, um dort ein neues Parteiblatt aufzubauen. Von Anfang an galt Paller als kompromissloser Verfechter journalistischer Qualität, selbst wenn es zu Konflikten mit der Parteilinie und der britischen Besatzungsmacht kam. Vor allem wollte er ein breiteres Publikum auch über die sozialdemokratischen Kernschichten hinaus erreichen. So engagierte er für die Neue Zeit etwa Heinz Brantl, Ulrich Baumgartner, Rupert Gmoser und den jungen Günther Nenning, der Paller als seinen „journalistischen Lehrherren“ bezeichnete:
Im Oktober 1946 erhob die KPÖ-Zeitung Die Wahrheit heftige Vorwürfe gegen Paller wegen seiner journalistischen Vergangenheit. Vor einem Untersuchungsausschuss der Journalistengewerkschaft, den er selbst beantragt hatte, führte Paller zu seiner Entlastung an, seit 1933 „in ununterbrochenem Kampf gegen jede Art von Faschismus gestanden“ zu sein und bis 1938 auch illegalen Sozialdemokraten in den Freien Stimmen mehrmals Veröffentlichungen ermöglicht zu haben. Er erwähnte auch seine Kontakte zu kommunistischen Widerstandskreisen, etwa zu Karl Altmann.Theodor Venus: Kontinuitäten und Brüche in der sozialdemokratischen Tagespresse und im Journalismus 1938 bis 1945. In: Maria Messner (Hrsg.): Entnazifizierung zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und Kaltem Krieg. Das Beispiel der SPÖ. Oldenbourg, Wien/München 2005, ISBN 978-3-7029-0534-7, S. 186–265, hier S. 321ff. Der Ausschuss entschied einstimmig, es liege nichts gegen Paller vor; auch der steirische SPÖ-Vorsitzende Reinhard Machold stärkte ihm öffentlich den Rücken:
Veröffentlichungen (Auswahl) Eine Einführung in grenz- und auslandsdeutsche Arbeit. Dünnhaupt Verlag, Dessau 1925. Der großdeutsche Gedanke. Seine Entstehung und Entwicklung bis zur Gegenwart. Mit einem Anhang von Dokumenten und Reden über die Anschlussbewegung seit 1918. Hofstetter Verlag, Leipzig 1928. (mit Friedrich F.G. Kleinwaechter): Die Anschlussfrage in ihrer kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bedeutung. Mit Geleitwort von Paul Löbe und Alfred Gürtler. Braumüller, Wien/Leipzig 1930.
Einzelnachweise
Kategorie:Chefredakteur Kategorie:Journalist (Österreich) Kategorie:Absolvent der Universität Graz Kategorie:SPÖ-Mitglied Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1900 Kategorie:Gestorben 1976 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Cisleithanien)