Pia Turgel (geb. 20. April 1912 in Berlin; gest. 24. Januar 1988 ebenda) war eine deutsche Grafikerin.

Werdegang mini|hochkant|Zeugnis der Schule Reimann für Pia Turgel, 15. April 1930 bis 30. April 1931 Sophia „Pia“ Turgel wurde als Tochter von Oskar und Betty Turgel, geborene Sachsenhaus, in eine jüdische Familie geboren. Sie wuchs zusammen mit ihren drei Geschwistern Robert, Julietta und Anita in Berlin auf. Von 1930 bis 1931 studierte sie an der 1902 von Albert Reimann gegründeten privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule Schule Reimann in Berlin-Schöneberg. Dort belegte sie die Fächer Plakat, Schrift, Porträt, Studien und Tierzeichnen. Zu ihren Lehrerinnen gehörte Else Taterka, welche die Fächer Plakat, Schrift, Reklame und Dekoration unterrichtete, die Schülerinnen förderte und in ihrem Berufswunsch bestärkte. Nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitete Turgel, wahrscheinlich in Berlin, als Grafikerin.

Unter dem Druck der nationalsozialistischen Arisierungsmaßnahmen emigrierte Pia Turgel zusammen mit ihrer Familie Ende 1936 nach England und ließ sich in London nieder. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Bruder Robert 1940 als Enemy Alien zunächst auf der Isle of Man interniert und dann nach Kanada deportiert. Er gründete dort später eine Familie und blieb in Kanada. Pia Turgel lebte und arbeitete auch nach Kriegsende in London und wurde 1949 britische Staatsbürgerin.

Pia Turgel hielt aber von London aus Briefkontakt zu Frieda Bredow, einer Berliner Freundin, mit der sie die Reimann-Schule besucht hatte, und die in der Britischen Besatzungszone lebte. So lernte sie auch deren Berliner Mitbewohnerin Anneliese Lichtenberger (1912–2000) kennen, mit der sie ebenfalls in Briefkontakt trat. 1954 kehrte Pia Turgel nach Berlin zurück. Sie wurde Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde und zog mit Anneliese Lichtenberger zusammen, mit der sie bis zu ihrem Tod 1988 in einer Beziehung lebte.

Werk Zum Nachlass von Pia Turgel im Jüdischen Museum Berlin gehört neben privater Briefkorrespondenz und Fotos aus den Jahren 1929 bis 1980 auch ein Album mit Zeichnungen, die sie ab 1930 während ihrer Zeit an der Reimann-Schule gefertigt hatte, und das sie auch nach Kriegsbeginn in London weiterführte. Darin enthalten sind außer Zeichnungen und Texten ihrer Kommilitonen und Dozentinnen wie Else Taterka auch Eintragungen verschiedener Personen in unterschiedlichen Sprachen, die während der Bombardierungen Londons Anfang September 1940 im Luftschutzkeller entstanden.

Zudem sind Tuschezeichnungen, Scherenschnitte und ein Zeichenbuch im Nachlass enthalten sowie elf Fotos von künstlerischen Arbeiten Pia Turgels und drei Fotos ihrer Zeichnungen, die zwischen 1960 und 1980 in Berlin entstanden.

Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Pia Turgel vertreten war.

Literatur Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3.

Einzelnachweise Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 19. Januar 2026

Turgel, Pia In: Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 19. Januar 2026

Sammlung Pia Turgel In: Findbuch: Konvolut 159 Sammlung Pia Turgel, Jüdisches Museum Berlin. Abgerufen am 19. Januar 2026

Michal S. Friedlander (Hrsg.): Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hirmer, München 2025, ISBN 978-3-7774-4623-3, S. 74, 77.

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