Ernst Brückler (geb. Ernst Pinezich; * 16. November 1912 in Wien; † für tot erklärt vom Amtsgericht Bremerhaven mit Datum 31. Dezember 1950) war ein österreichischer Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien. Er beteiligte sich an Deportationen aus Wien, Frankreich, Griechenland und dem Protektorat Böhmen und Mähren.
Leben Der aus ärmsten Verhältnissen stammende Ernst Pinezich wuchs bei seinen Großeltern nahe Ödenburg/Sopron auf. In Wien besuchte er die Bürgerschule und absolvierte anschließend eine Möbeltischlerlehre. Durch die späte Heirat seiner Eltern erhielt er den Nachnamen und die österreichische Staatsbürgerschaft des Vaters.
Zum 1. November 1932 trat Brückler in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.305.306)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4680466 und schloss sich im selben Jahr der SS an. Nach dem Verbot der NS-Organisationen 1933 setzte er sich nach Deutschland ab und trat der Österreichischen Legion bei. Seine militärische und ideologische Ausbildung erhielt er im SS-Hilfswerklager Dachau, dem Fliegerhorst Lechfeld, bei der SS-Wachtruppe Brandenburg in Oranienburg und im SS-Lager Ranis in Thüringen. Danach arbeitete Brückler als SS-Wachmann am Flugplatz Bremerhaven. Dort lernte er 1937 seine spätere Frau Elfriede Specht kennen.
Brückler kehrte infolge des Anschlusses Österreichs an NS-Deutschland im März 1938 nach Wien zurück. Zunächst fungierte er als SS-Wache bei der Vermögensverkehrsstelle, jener NS-Behörde, die mit der Arisierung jüdischen Privatvermögens beauftragt war. Nach der Vertreibung eines jüdischen Ehepaares bezog er mit Frau und Kind eine Gemeindewohnung im heutigen George-Washington-Hof im 10. Wiener Gemeindebezirk.
Im August 1939 begann Brückler in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung zu arbeiten. Zunächst im Wachdienst beschäftigt, wechselte er bald in die Abteilung „Befristete Aufenthalte“. Zeitweise war er in der Gestapo-Abteilung und der Bemessungsabteilung beschäftigt. Im September 1939 wurde Brückler vorübergehend an die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag entsendet. Nach dem deutschen Überfall auf Polen beteiligte er sich im Oktober 1939 an den ersten aus Wien abgehenden Deportationen in die Gegend von Nisko am San im besetzten Polen. Ab 1941 gehörte Brückler der Leitung des Sammellagers in der Kleinen Sperlgasse an. Von diesem Lager aus wurden die meisten Menschen aus Wien in die Konzentrations- und Todeslager verschleppt. Später war Brückler auch in der Slowakei, in Griechenland (Saloniki) und Frankreich (Drancy) an der Vorbereitung der Deportationen beteiligt.
Über Intervention der Gestapo erhielt Brückler 1942 eine „arisierte“ Hochparterre-Wohnung mit Garten in Wien-Penzing. Der vormalige Eigentümer wurde im Ghetto Theresienstadt ermordet, seine Verwandten ließ Brückler verschleppen. Einrichtungsmöbel erhielt er aus der Wohnung eines ebenfalls nach Theresienstadt deportierten Wiener Rechtsanwalts.
Nach Kriegsende 1945 verlieren sich Brücklers Spuren. 1950 erfolgte die offizielle Todeserklärung durch das Amtsgericht Bremerhaven. Ein Verfahren, das 1951 gegen Brückler wegen „Arisierung“ sowie Misshandlung unter Ausnützung seiner dienstlichen Gewalt eingeleitet worden war, wurde 1955 eingestellt, ebenso ein 1980 eröffnetes Verfahren gegen Brückler und Konsorten wegen Beteiligung an Gewaltverbrechen und Deportationen aus dem ehemaligen Protektorat Böhmen und Mähren.
Einzelnachweise
Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Österreichischer Emigrant in Deutschland Kategorie:Person (deutsche Besetzung Griechenlands 1941–1945) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Frankreichs 1940–1945) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Erste Slowakische Republik) Kategorie:Angehöriger des Eichmannreferats Kategorie:Person (Wien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1950 Kategorie:Amtlich für tot erklärte Person (20. Jahrhundert) Kategorie:Mann Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person des Nationalsozialismus (Österreich)