Das Bezeichnungssystem der deutschen Luftfahrzeuge von 1933 bis 1945 diente der systematischen Benennung militärischer und ziviler Flugzeugmuster der deutschen Luftfahrt. Es unterschied unter anderem zwischen Flugzeugmustern, deren Baureihen und Muster sowie besonderen Ausführungen und Rüstzustände. Das System wurde vom Reichsluftfahrtministerium (RLM) entwickelt und vorgegeben, unterlag jedoch im Verlauf der Zeit mehreren Änderungen, sodass es nicht durchgehend einheitlich angewandt wurde. Begriffe und Bezeichnungen deutscher Flugzeugtypen (1933–1945) Flugzeugmuster Das Flugzeugmuster bezeichnete den Grundtyp einer Flugzeugkonstruktion. Die Form der Benennung war einheitlich durch den Firmennamen, ein Firmenkürzel und eine Zahl gekennzeichnet, die Zahl wurde normalerweise nur ein Mal durch das RLM vergeben. Einen Überblick über die Flugzeugmuster ist in der RLM-Typenliste gegeben. Bei besonders erfolgreichen Flugzeugmustern wurde die Musterbezeichnung auch dann fortgeführt, wenn ein weitgehender oder vollständiger Neuentwurf vorlag; in diesen Fällen blieb die Grundnummer erhalten, während die Hunderterstelle anstieg (z. B. Junkers Ju 88 – Ju 188 – Ju 288 – Ju 388 – Ju 488).
Prototypen mini|Focke-Wulf Fw 190 V1
Prototypen von Flugzeugen wurden im Allgemeinen durch den Buchstaben „V“ gekennzeichnet, gefolgt von einer fortlaufenden Nummer. Beispiel: Junkers Ju 87 V21Pawlas: Ar 234, diverse Fundstellen. Schreibweisen mit und ohne Leerstelle zwischen dem „V“ und der Ziffer sind in Originaldokumenten nachweisbar, wobei die Schreibweise ohne Leerstelle am häufigsten verwendet wurde.
Baureihen eines Flugzeugmusters Die einzelnen BaureihenDer Begriff Baureihe oder konkret gefertigte Muster wird in der Literatur oft synonym verwendet. Z.B. Baumgartl, Bf 109, diverse Fundstellen und Griehl/Dessler, Fw 190/Ta 152. eines Flugzeugmusters, wurden im Allgemeinen durch Großbuchstaben gekennzeichnet. Diese Buchstaben bezeichneten eine grundlegende Ausführungs- oder Entwicklungsstufe eines Musters. Wird die Baureihe wesentlich weiterentwickelt wurde diese mit einem anderen, meist folgenden Buchstaben im Alphabet gekennzeichnet. Für Flugzeugbaureihen die für den Betrieb in großen Höhen entwickelt wurden, wurde der Buchstabe H häufig verwendet. Beispiele: Junkers Ju 87 D, Messerschmitt Bf 109 H
Muster Das MusterDer Begriff Muster findet sich auf Typenschildern und in Originaldokumenten. In den zeitgenössischen Quellen wurden für denselben Sachverhalt jedoch unterschiedliche, teils widersprüchliche Begriffe verwendet; die hier verwendete Bezeichnung folgt der in der Wikipedia gebräuchlichen Terminologie. wurde im Allgemeinen mit Großbuchstaben in Kombination mit einer Ziffer gekennzeichnet und bezeichnete einzelne Varianten innerhalb einer Baureihe. Sie entstanden im Rahmen der Weiterentwicklung eines Flugzeugmusters, beispielsweise aufgrund geänderter Anforderungen des Reichsluftfahrtministeriums, technischer Verbesserungen oder veränderte Einsatzanforderungen an das Flugzeug. Führten diese Änderungen zu konstruktiven Abweichungen, wurde meist eine neue Musterbezeichnung vergeben.z. B. Baumgartl: Bf 109, S. 554. Es gab bei der Messerschmitt Bf 109 G-6 während der langen Bauzeit viele Änderungen die zu keiner neuen Musterbezeichnung führten Muster wurden projektiert und gegebenenfalls auch in Serie gebaut; in einigen Fällen erfolgte jedoch keine Serienfertigung, da keine Beauftragung seitens des RLM erteilt wurde. Beispiel: Junkers Ju 87 D-5 Als Sonderfall wurden für Flugzeuge einer Nullserie mit der Kennzeichnung „-0“ versehen. Diese Vorserienflugzeuge wurden beauftragt und gefertigt, wenn das Reichsluftfahrtministerium die Einführung einer neuen Baureihe vorbereitete oder als zweckmäßig erachtete. Beispiel: Focke-Wulf Fw 189 A-0
Suffix an der Musterbezeichnung: „/B“ Das Suffix „/B“ wurde vorwiegend bei Messerschmitt verwendet, bekannt sind hier Bf 109 E-1/B, E-4/B und Bf 110C-4/B. Damit wurde kenntlich gemacht, dass diese Flugzeugmuster nach elektrischer und mechanischer Umrüstung mit Bombenaufhängungen ausgestattet waren. Diese Aufhängungen konnten bei Bedarf montiert oder demontiert werden, sodass das Flugzeug je nach Einsatzprofil entweder als Jagdbomber oder wieder als reines Jagdflugzeug verwendet werden konnte.Baumgartl: Bf 109, S. 196. Die Bombenaufhängungen wurden teilweise bereits ab Werk montiert ausgeliefert. Aufgrund der hohen Anzahl eingesetzter Flugzeuge ist jedoch davon auszugehen, dass diese Ausrüstung auch separat an die Truppe ausgegeben wurde. Bei dem Muster E-7 kam ein Verfahren zur Anwendung, das dem später formalisierten Rüstsatzsystem in seiner Funktion bereits entsprach, dabei wurde die Zelle so hergestellt, dass man Bombenträger und Zusatztanks über den Rüstsatz anbringen konnte.Baumgartl: Bf 109, S. 197.
Suffix an der Musterbezeichnung: trop Wurde von einem Grundmuster eine für den Einsatz in tropischen Gebieten vorgesehene Variante gefertigt, so wurde dies durch das Suffix „trop“ an der Serienbezeichnung kenntlich gemacht. Diese tropentauglichen Ausführungen waren unter anderem mit Sandfiltern für die Motoren, zusätzlicher Notverpflegung, Wasserrationen sowie Jagdwaffen ausgestattet. Die Tropenausrüstung konnte auch nachgerüstet werden.Baumgartl: Bf 109, S. 218. Beispiel: Junkers Ju 87 D-3 tropGriehl: Ju 87, S. 86–87.
Suffixe an der Musterbezeichnung für Umbauten und Umbausätze: /U Flugzeugbestände wurden im größeren Stil in der Deutschen Luftwaffe umgebaut, um den geänderten Anforderungen und neuen Aufgaben gerecht zu werden.Baumgartl: Bf 109, S. 220. Flugzeuge, die umgebaut wurden, sind je nach Umfang des Umbaus oder dem Zeitraum, in dem das geschah, unterschiedlich dokumentiert worden. Teils hatte es keinen Einfluss auf ihre Bezeichnung, teilweise wurde das bei größeren Stückzahlen in Flugzeugwerken und Lieferplänen sehr genau dokumentiert. Hierbei wurde das Suffix „/U“ verwendet. Beispiel: Messerschmitt Bf 109 E-7/U2Baumgartl: Bf 109, S. 221.Umbautennummerierung: Die Nummerierung der Umbauten begann in der Regel mit „/U1“, womit ein definierter Umbauzustand gekennzeichnet wurde. Diese Systematik fand insbesondere bei Versuchsmustern Anwendung, bei denen einzelne Umbauten klar voneinander abgegrenzt dokumentiert wurden.
Bei Serienmustern hingegen wurden zahlreiche Flugzeuge umgebaut, ohne dass die entsprechenden Umbaukennzeichnungen zwingend eine zeitliche Abfolge widerspiegelten. Die Bezeichnungen erfassten vielmehr unterschiedliche Umbauzustände, die parallel bestehen konnten und nicht notwendigerweise aufeinander aufbauten. Daneben wurde auch im Prototypenbau und im Vorserienbau mit dem Suffix „/U“ gearbeitet. Dieses dokumentierte dann einzelne Umbauzustände von Flugzeugen. Beispiel: Focke-Wulf Fw 190 A-0/U10Griehl/Dressel: Fw 190/Ta 152, S. 17.
Suffix an der Musterbezeichnung: „/R“ (Rüstsätze) mini|Bf 109 G-2/R1
Rüstsätze waren standardisierte Bausätze für Flugzeuge der Luftwaffe, die vor allem in der späten Phase des Zweiten Weltkriegs hergestellt wurden um Serienflugzeuge zu modifizieren damit diese ihre Aufträge erfüllen konnten.Vogt, Bf 109 Einsatzmaschinen, S. 342. Sie wurden in der Regel als separat verpackte Bauteilsätze ausgeliefert, meist direkt vom Flugzeughersteller und ermöglichten Feldmodifikationen an verschiedenen deutschen Flugzeugmustern. Es war möglich, identische Rüstsätze über mehrere Serienmuster hinweg zu verwenden, wie dies beispielsweise bei der Messerschmitt Bf 109 der Fall war. Diese Mehrfachverwendung erforderte jedoch eine erhöhte planerische und fertigungstechnische Abstimmung, was den Aufwand in der Produktion deutlich erhöhte. So konnten unter anderem die Serien Bf 109 G-1, G-2, G-3, G-4, G-5, G-6, G-8, G-10 und G-14 den Rüstsatz 1 aufnehmen. Dabei handelte es sich um eine verkleidete Bombenaufhängung, die an den hierfür vorgesehenen Aufnahmepunkten am Rumpf befestigt wurde. Die dafür erforderlichen elektrischen Verkabelungen waren bei den entsprechenden Serienflugzeugen bereits werkseitig vorhanden.Vogt, Flugzeug Profile 21, Messerschmitt Bf 109 G/K Rüstsätze, S. 8. Es gab darüber hinaus, auch die Fälle das die Rüstsätze bereits bei der Serienproduktion in den Flugzeugfabrik eingebaut wurde Zum Beispiel wurde bei Ago direkt die Focke-Wulf Fw 190 A-7/R6 von Ende 1943 bis Februar 1944 mit dem Rüstsatz gebaut. Siehe unter Rodeike, Fw 190, S. 238., da die Nachfrage für bestimmte Modifikationen so hoch war. Somit ist eine trennscharfe Abgrenzung zwischen Rüstsatz und Umbausatz nicht möglich. Die Kennzeichnung „/R“ in Verbindung mit einer Nummer bezog sich auf den jeweils verwendeten Rüstsatz. War ein solcher Rüstsatz an einem Flugzeug montiert, wurde dies als dessen Rüstzustand bezeichnet. Spätere Vereinfachungen und Fehlinterpretationen in der Fachliteratur lassen sich unter anderem darauf zurückführen, dass es in der frühen Phase der Einführung des Rüstsatzsystems Fälle gab, in denen der Rüstzustand auf dem Typenschild des Flugzeugs vermerkt war. Dies geschah insbesondere dann, wenn der betreffende Rüstsatz bereits ab Werk montiert ausgeliefert wurde.
Flugzeuge bei denen Rüstsätze bekannt sind: Focke-Wulf Fw 190Lange, Typenhandbuch, S. 148–149. Focke-Wulf Ta 152Lange, Typenhandbuch, S. 151. Heinkel He 111Lange, Typenhandbuch, S. 164. Heinkel He 177Lange, Typenhandbuch, S. 168–169. Henschel Hs 129 Junkers Ju 87Griehl: Ju 87, S. 85. Junkers Ju 88Lange, Typenhandbuch, S. 195. Messerschmitt Bf 109Lange, Typenhandbuch, S. 216–217. Messerschmitt Bf 110Mankau/Petrick, Bf 110, S. 219. Dornier Do 217Griehl, Dornier Do 217, S. 71.
Bauausführung eines Flugzeuges Als Bauausführung im Flugzeugbau wird die konkrete technische Realisierung, also der Bau eines Flugzeugentwurfs bezeichnet. Sie umfasst unter anderem die aerodynamische Güte, den Aufbau der Zelle sowie die tatsächliche Ausführungsqualität der Konstruktion. Zur Bauausführung zählen auch abweichende Einbauten und Modifikationen, die gegenüber dem ursprünglichen Entwurf oder im Verlauf der Einsatzzeit eines Flugzeugs vorgenommen wurden. Insbesondere bei einer langen Produktionszeit mit vielen Hersteller hatte dies negative Auswirkungen ein Beispiel davon war die Messerschmitt Bf 109 G.Gersdorff, Bölkow, S. 24, Die Baureihe der Messerschmitt Bf 109 G (G-1 bis G-16) wies insgesamt 82 unterschiedliche Bauausführungen auf, was zu erhöhtem Aufwand bei Wartung und Instandsetzung führte.
Schmucknamen und Spitznamen Schmuck,- oder Suggestivnamen deutscher Flugzeuge entstanden zwischen 1933 und 1945 ohne einheitliches Regelwerk. Sie wurden teils von den Herstellern vergeben, teils propagandistisch genutzt oder entwickelten sich als inoffizielle Truppenbezeichnungen. Eine verbindliche Normierung durch das Reichsluftfahrtministerium bestand hierfür nicht.
Spitznamen wurden vor allem durch Piloten und Besatzungen der Flugzeuge vergeben und spiegelten häufig praktische Erfahrungen im Einsatz, charakteristische Flugeigenschaften oder besondere äußere Merkmale der jeweiligen Muster wider.
Literatur
Einzelnachweise
Siehe auch RLM-Typenliste
Kategorie:Flugzeug als Thema