mini|Johanneskirche Nabern Die evangelische Johanneskirche steht in Nabern, einem Stadtteil von Kirchheim unter Teck im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte Erste Hinweise auf einen sakralen Bau in Nabern ergeben sich aus dem Ortsnamen, der vermutlich auf eine Kapelle zum Heiligen Nabor zurückzuführen ist, die das Kloster Lorsch um 800 errichtete. In den schriftlichen Unterlagen taucht Nabern 861 erstmals auf. Die Kirche gehörte spätestens seit 1122 zum Besitz des katholischen Klosters St. Peter im Schwarzwald, dem Herzog Berthold III. von Zähringen die Kirche mit Pfarrei und Einkünften vermachte. Das Kloster war fortan für den baulichen Unterhalt der Kirche sowie für die Besetzung und Besoldung der Pfarrstelle zuständig. Die weltliche Vogtei lag zunächst bei wechselnden Adelshäusern und ging ab 1386 an Württemberg über.
Die Johanneskirche wurde nach einer heute nicht mehr erhaltenen Inschrift im Chorbogen im Jahr 1487 errichtet (Exaedificatum 1487). Der spätgotische Chor bestätigt diese Datierung stilistisch. Über die genauen Umstände des Neubaus ist nichts überliefert. Der Turm wurde wahrscheinlich erst einige Jahre nach dem Kirchenschiff errichtet.
Mit der Reformation wurde Nabern im 16. Jahrhundert evangelisch. Trotz des Konfessionswechsels blieb das Patronatsrecht weiterhin beim katholischen Kloster St. Peter, das damit verpflichtet war, evangelische Pfarrer einzusetzen und die Kirche zu unterhalten. Diese rechtlich und konfessionell ungewöhnliche Konstellation führte über Jahrzehnte zu Konflikten, insbesondere hinsichtlich der Pfarrerbesoldung und der Stellenbesetzung. Erst 1806 endeten diese Verhältnisse mit der Aufhebung des Klosters St. Peter und der Eingliederung seines Besitzes in das Königreich Württemberg, von da an waren die Naberner Pfarrer staatliche Beamte.
Im 18., 19. und 20. Jahrhundert erfuhr die Kirche mehrere bauliche Veränderungen. 1778 wurde vermutlich die Sakristei auf der Südseite der Kirche angebaut. 1862 wurde die Umfassungsmauer auf ihre heutige Höhe reduziert und ein zusätzlicher Zugang zum Kirchplatz geschaffen. Das frühere Satteldach des Turms wurde 1871 durch ein spitzes Dach ersetzt und 1959 renoviert. Die Nutzung des ummauerten Geländes als Friedhof endete 1837.
Von 2013 bis 2014 wurde die Johanneskirche umfassend saniert. Im Zuge der Maßnahmen wurden unter anderem verwitterte Holzteile ersetzt, das Mauerwerk stabilisiert, das Norddach neu gedeckt, Fassaden erneuert sowie die Aufhängung der Glocken instand gesetzt.
Architektur und Ausstattung Die Johanneskirche steht auf einer leichten Geländeerhebung unmittelbar am Gießnaubach und ist von einer massiven Umfassungsmauer umgeben. Der Kirchturm steht mit geringem Abstand neben dem Kirchenschiff.
Der Chorraum wird von einem gotischen Kreuzrippengewölbe überspannt. Die bemalte Decke wird durch zwei Schlusssteine zusammengehalten, die erst 1898 mit Motiven versehen wurden: den gekreuzten Schlüsseln des Klosters St. Peter sowie einem Lamm und dem Haupt Johannes des Täufers. Im hinteren Bereich der Kirche sind Reste von Rötelzeichnungen erhalten, darunter eine Darstellung des heiligen Nabor als Soldat an der Westwand sowie eine figürliche Darstellung im Emporenaufgang. Die heutige Gewölbedecke des Kirchenschiffs wurde 1868 eingebaut und ersetzte eine frühere flache Decke.
Zur Ausstattung gehören ein barockes Kruzifix von 1681, der Altar aus dem Jahr 1898, der Taufstein von 1898 mit Taufschale und Kanne von 1895 sowie die Kanzel von 1959 mit einem Kanzeldeckel aus der Zeit zwischen 1720 und 1750. Drei Abendmahlskelche stammen aus der Zeit um 1500, aus dem Jahr 1792 und aus dem Jahr 1980. Hinzu kommen drei Gemälde: ein Stammbaum Christi von 1817, ein Lutherbild von 1929 und eine sogenannte Tabula Chronologica, ein Weltenziffernblatt, das auf Studien zum Weltende nach Philipp Matthäus Hahn basiert.
Taufbecken Aus dem 13. oder 14. Jahrhundert ist ein zehneckiges Taufbecken aus Neckartenzlinger Stubensandstein erhalten, das 1898 ersetzt wurde. Das alte Taufbecken wurde zunächst in einem Privatgarten aufgestellt und 2018 wieder vor der Johanneskirche aufgestellt und mit einem neuen Sockel ergänzt. Es wird seitdem wieder für Taufen eingesetzt.
Orgel Die erste Orgel wurde 1743 auf der Nordempore aufgestellt. Sie hatte zunächst nur 4 Register, wurde aber von Johann Ludwig Goll aus Weilheim auf 7 Register erweitert. Nachdem sie in den Chorraum versetzt worden war, musste sie 1855 aufgrund von Feuchtigkeitsschäden durch Johann Viktor Gruol den Jüngeren repariert werden. Weil sie bis 1898 dann irreparabel beschädigt war, erbaute die Orgelbaufirma C. L. Goll & Sohn 1898 ein neues Instrument mit 10 Registern auf zwei Manualen und Pedal und einem neugotischen Orgelprospekt.
1980 brach man die alte Orgel ab und Kurt Oesterle errichtete als Opus 94 ein neues Instrument mit 13 Registern auf 2 Manualen und Pedal mit Schleifladen und mechanischer Traktur. Diese wurde auf der östlichen Nordempore aufgestellt um keine guten Sitzplätze aufgeben zu müssen. Der historische neugotische Orgelprospekt von 1898 wurde dekorativ an der Westwand der Empore aufgestellt. Im Chorraum befinden sich zudem zwei Bläserengel, die ursprünglich ebenfalls zur Orgel von 1898 gehörten.
Glocken Im Turm hängen drei Glocken, gestimmt auf das dreistimmige Gloriamotiv a’, h und d. Zwei der Glocken stammen aus den Jahren 1950 und 1970, eine ältere Glocke aus dem Jahr 1738 ist erhalten geblieben. Die älteste Glocke von 1738 wurde 2013 wegen eines Risses abgehängt und fachgerecht geschweißt.
Literatur
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Informationen zur Orgel und Orgelgeschichte
Einzelnachweise
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