Heinz Friedrich (* 14. Februar 1922 in Roßdorf (bei Darmstadt); † 13. Februar 2004 in München) war ein deutscher Verleger, Essayist und Autor.
Leben Heinz Friedrich, geboren als Sohn von Philippine Friedrich, geborener Ammann, und des Bahnbeamten Ludwig Friedrich, war von 1932 bis 1940 Schüler des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt. Sofort nach dem Abitur im März 1940 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und als Soldat bis zu einer schweren Verwundung 1945 im preußischen Königsberg eingesetzt. Von 1941 bis 1942 besuchte er Vorlesungen in Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Musik an der Universität Königsberg. Ende 1945 kehrte er nach kurzer sowjetischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück. Er war evangelisch und heiratete 1946 Maria Maser. Aus dieser Ehe stammen die zwei TöchterCurriculum vitae Heinz Friedrich. In: ‚Dein Brief kam wie gerufen ...‘ Heinz Friedrich als Verleger. Hrsg. von Wolfram Göbel. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990, S. 304–307. Ulrike und Ute-Sabine.Friedrich, Heinz. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, In: S. 336.
Friedrich gehörte zu den Mitbegründern der Gruppe 47. Er wurde 1947 Redakteur und Feuilletonchef der Frankfurter Wochenzeitung Die Epoche. 1948 schrieb er sein erstes Buch (Die Straße Nirgendwo); es folgten unter den Titeln Bänkelsang der Zeit und Deine Söhne, Europa zwei Gedichtbände. Bis 1961 schrieb Friedrich als Theaterkritiker für mehrere Zeitungs- und Hörfunkredaktionen.
Von 1949 an arbeitete er als Redakteur beim Hessischen Rundfunk und leitete dort von 1954 bis 1956 als Abteilungsleiter Nachtstudio/Feature das Abendstudio; in dieser Zeit machte er beispielsweise Aufnahmen mit Gottfried BennHeinz Friedrich: „Ich kann nicht lauter … “. In: Begegnungen mit Gottfried Benn. Taunusstein 1986, S. 77–82. und befasste sich mit Themen wie Verhaltensforschung, Ökologie und Kulturanthropologie. Von 1956 bis 1959 war er Cheflektor der Fischer-Bücherei im S. Fischer Verlag. Danach war er von 1959 bis 1961 Programmdirektor bei Radio Bremen.
Sein Lebenswerk ist der Aufbau des Deutschen Taschenbuch Verlags, für den er in München von 1961 bis 1990 als geschäftsführender Gesellschafter tätig war.
Zwischen 1962 und 1985 engagierte er sich in Gremien des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und des Bayerischen Landesverbandes der Verlage und Buchhandlungen. Unter anderem gehörte er dem Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Messe GmbH für die Buchmesse des Börsenvereins für den Deutschen Buchhandel an. 1966 schrieb er für den Bayerischen Rundfunk den „Bücher-Baedeker“, einen Begleiter in 34 Folgen durch die Literatur. 1972 erschienen die Marginalien Im Narrenschiff des Zeitgeistes. 1987 folgten die Titel Aufräumarbeiten, Mein Dorf und Leben ohne Zukunft?
mini|Grab von Heinz Friedrich auf dem Nymphenburger Friedhof Bekannt geworden ist Heinz Friedrich auch als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1983–1995), der er seit 1977 angehörte, als Honorarprofessor für neuere deutsche Literatur- und Buchwissenschaft an der Universität München sowie als Essayist und Kulturkritiker. Von 1978 bis 1984 war er Mitglied der Jury des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels; ferner amtierte er als Vorsitzender des Beirates der Langenscheidt KG.
Er war zudem Mitglied des Deutsch-Schweizerischen PEN-Zentrums, der Kuratorien der Ludwig Klages-Stiftung und der Volkshochschule München sowie Mitglied der Goethe-Gesellschaft, der Hölderlin-Gesellschaft und der Schiller-Gesellschaft.
Das Grab von Heinz Friedrich befindet sich auf dem Nymphenburger Friedhof in München.
Veröffentlichungen (Auswahl) als Mitverfasser: Deine Söhne, Europa. Kriegsgefangenenlyrik. 1941. Die Straße Nirgendwo. Drama. 1948. Bänkelsang der Zeit. Gedichte. 1948. Die Inschrift. Kurzprosa. 1951. als Mitverfasser: Almanach der Gruppe 47. 1962. als Hrsg.: Lebendiges Wissen. Rundfunkvortrag. 2 Bände. 1952–1954. als Hrsg.: Schwierigkeiten beim Versuch, die Wahrheit zu schreiben. 1964. als Hrsg.: Tier und Mensch. 1968. Im Narrenschiff des Zeitgeistes. Unbequeme Marginalien. München 1972. Kulturkatastrophe. Nachrufe auf das Abendland. Hamburg 1979, Kulturverfall und Umweltkrise. Plädoyers für eine Denkwende. München 1982, Aufräumarbeiten. Berichte, Kommentare, Reden, Gedichte und Glossen aus vierzig Jahren. Hrsg. von Lutz-W. Wolff. München 1987. Mein Dorf. Berlin 1987. Vom Gegenglück des Geistes. Zeit und Zeitgenossen. München 2002. Erlernter Beruf: Keiner. Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. München 2006, .
Auszeichnungen 1979: Bayerischer Verdienstorden 1982: Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 1982: Perthes-Medaille des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 1983: Bundesverdienstkreuz am Bande 1986: Medaille in Gold der Volkshochschule München 1987: Ehrendoktor der Universität Regensburg 1987: Medaille München leuchtet in Gold 1987: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 1988: Großes Bundesverdienstkreuz 1989: Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 1993: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1995: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber
Literatur Rahel Bacher: „Aber leben wir wirklich?“ Zum 100. Geburtstag von Heinz Friedrich. In: Bibliotheksforum Bayern. Bd. 16 (2022), Heft 3, S. 52–55 (online). Björn Göppl (Hrsg.): Heinz Friedrich. Erlernter Beruf: Keiner. Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, ISBN 978-3-423-24496-1. Sigrid Moisy u. a. (Hrsg.): Ein Leben im Gegenglück des Geistes. Heinz Friedrich (1922–2004). Verleger, Autor, Akademiepräsident. Bayerische Staatsbibliothek, Ausstellungskatalog Nr. 76. München 2005. Wolfram Göbel (Hrsg.): ‚Dein Brief kam wie gerufen ...‘ Heinz Friedrich als Verleger. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990, ISBN 3-423-11253-0. Claus Hinrich Casdorff (Hrsg.): Weihnachten 1945 – Ein Buch der Erinnerungen. Kapitel: „Versuch einer Erinnerung“. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1981.
Weblinks
Website der Heinz-Friedrich-Stiftung
Einzelnachweise
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