Aimé Antoine Napoléon Péretié, allgemein bekannt als Aimé Péretié, (* 5. März 1808 in Marseille; † 8. April 1882 in Beirut) war ein französischer Diplomat und Sammler von Altertümern im Nahen Osten.
Leben und diplomatische Laufbahn mini|Todesanzeige Aimé Péretiés, Beirut 1882 Die Familie Péretié wanderte 1816 von Marseille nach Tartus (auch Tartosa oder Tortosa genannt) im heutigen Syrien aus. Der Vater Péretiés, ein sehr wohlhabender Kaufmann, scheint durch widrige Umstände sein Vermögen verloren zu haben. Er hatte zwei Söhne, die in Marseille geboren wurden: Antoine Gabriel (geb.1804) und Aimé Antoine Napoléon. Nach dem Tod seines Vaters musste dieser seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Erstmals reiste er, vermutlich 1829, als Privatsekretär des französischen Konsuls Jérôme Isaac Méchain nach Larnaka. Dort arbeitete er inoffiziell im französischen Konsulat. 1831 heiratete Péretié Marie Carpani, eine Französin, die mit ihren Eltern in Larnaka lebte. Ihr Sohn Alfred wurde im Januar 1832 in Larnaka geboren, und die Familie blieb bis etwa 1834 auf Zypern. Diese Details belegen die enge Verbindung der Familie Péretié zu Zypern. Wichtige Persönlichkeiten, wie der Dichter Lamartine (damals Abgeordneter), der Péretié 1832 bei dessen Besuch in Zypern kennengelernt hatte, setzten sich bei Ministern dafür ein, dem jungen Mann zu einer Festanstellung zu verhelfen, die er schließlich 1834 erhielt. Zunächst arbeitete er bis 1839 als „Drogman auxiliaire“ in Tripolis (Syrien).
1843 war er kurzzeitig als „Drogman Chancelier“ in Jerusalem tätig und schließlich 1844 als „Drogman Chancelier“ in Beirut, wo er bis zu seinem Tod im April 1882 wirkte. Laut den Archiven des französischen Außenministeriums starb er als „1er Drogman Chancelier du Consulat de France a Beyrouth, Officier de la Légion d’Honneur“ und „Consul honoraire“. Seine Tochter Louise heiratete 1853 Graf Edmond de Perthuis.
Gelehrter und Sammler mini|hochkant|Sarkophag von Eshmunazar II, Musée du Louvre Paris, Inv. Nr. AO 4806. Péretié war maßgeblich an der Sammlung und Dokumentation von antiken Inschriften und Objekten beteiligt, die in der Levante gefunden wurden. Seine Korrespondenz mit dem Archäologen und Diplomaten Melchior de Vogüé spannte sich über zwanzig Jahre (1855–1877). Péretié hielt Vogüé über interessante Entdeckungen auf dem laufenden und sandte ihm Kopien von Inschriften (Zeichnungen, Abklatsche, Fotografien) zur Veröffentlichung. Einige der im Archiv von Vogüé erhaltenen Briefe befassen sich mit zypriotischen Altertümern, insbesondere mit Cesnolas Entdeckungen in Golgoi-Agios Photios. Die Fotografien dieser Funde, die Cesnola an Péretié und dieser wiederum an Vogüé weiterleitete sind von großem Interesse für die Geschichte der Artefakte und ergänzen deren bisherige Dokumentation.
Zu bedeutenden Entdeckungen, an denen Péretié beteiligt war, gehörte 1855 die Auffindung des Sarkophags von Eshmunazar II, Der Sarkophag wurde zuvor von den Arbeitern von Alphonse Durighello, einem diplomatischen Agenten, südöstlich von Sidon entdeckt. Die Entdeckung war aufgrund der Größe des Monuments, seiner Verbindung zu Ägypten und seiner phönizischen Inschrift spektakulär. Sie hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Semitistik und legte den Grundstein für die Feldarchäologie in Phönizien. mini|291x291px|Bronzestatuette des Ptah, eh. Sammlung Péretié. Danach Louis De Clercq. Spätzeit, circa 664–332 v. Chr. Für die 1860/61 von Ernest Renan im Auftrag Napoleons III. durchgeführte archäologische Forschungsmission war Péretié ein unverzichtbarer Kontaktmann vor Ort. Im 1864 erschienenen Werk Mission de Phénicie vermerkt Renan wie sehr er von Péretiés Fachwissen und unvergleichlichen Ortskenntnissen profitiert. Péretié stellte Renan sein Wissen, seine Kontakte und seine Funde zur Verfügung, die das Rückgrat der ersten großen wissenschaftlichen Publikation über Phönizien bildeten.
Zahlreiche Fundstücke aus Péretiés Sammlung gelangten durch Schenkung und Kauf an den Louvre. Er wurde auch zum Lieferanten bedeutender Sammler wie dem Duc de Luynes, eines der Hauptmitglieder des in Rom angesiedelten Instituto di Corrispondenza Archeologica – dem Vorläufer der römischen Abteilung des deutschen Archäologischen Instituts, M. de Vogüé und W. H. Waddington, dessen Münzsammlung 1897 vom französischen Staat für das Cabinet des Médailles erworben wurde. Der Duc de Luynes erwarb durch Péretié auch die sog. Idalion-Tafel, welche 1862 als Schenkung ebenfalls an das Cabinet des Médailles kam. Die meisten seiner gesammelten Objekte, verkaufte Péretié jedoch an Louis De Clercq, dieser Verkauf ermöglichte es ihm, wie er in einem Brief am 31. August 1871 schreibt, ein eigenes Haus in Beirut zu erwerben.: "[…] aujourd’hui je puis vraiment dire chez moi, car la maison m’appartient […]".Lucie Bonato, S. 269
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