Lester Frederick Johnson (* 27. Januar 1919 in Minneapolis, Minnesota; † 30. Mai 2010 in Westhampton, New York) war ein US-amerikanischer Maler, Grafiker und Kunsterzieher. Er zählt zu den prägenden Vertretern des figurativen Expressionismus in den Vereinigten Staaten der Nachkriegszeit.
Leben Lester Johnson wurde 1919 in Minneapolis geboren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine handwerkliche Ausbildung bei der Cosmopolitan Art Company, in der er unter anderem das Anfertigen von Bilderrahmen und das Kopieren von Kalenderlandschaften erlernte. Mit dem Ziel, freier Künstler zu werden, schrieb er sich an der Minneapolis School of Art ein, wo er bei Alexander Masley studierte. Dieser war ein ehemaliger Schüler von Hans Hofmann. Nach Masleys Entlassung wechselte Johnson an die St. Paul School of Art, wo er bei Cameron Booth weiterstudierte. Auch Booth war ein Schüler Hofmanns. Später setzte er seine Ausbildung am School of the Art Institute of Chicago fort. 1947 zog er nach New York. Dort teilte er sich eine Zeit lang ein Atelier mit Larry Rivers und Philip Pearlstein. 1949 heiratete er Josephine Valenti. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Später lebte Johnson in Southampton auf Long Island.
Er war mit dem Kreis der abstrakten Expressionisten verbunden und nahm als figurativer Künstler an den Treffen des sogenannten Eighth Street Club teil, einer informellen Gesprächsrunde von Künstlern in New York. Neben Johnson gehörten auch andere figurativ arbeitende Künstler wie Larry Rivers und Edwin Dickinson zu diesem Kreis. In den 1970er Jahren änderte Johnson sein thematisches und farbliches Repertoire. Er wandte sich Darstellungen von Menschenmengen im urbanen Raum zu, die er häufig in leuchtenderen Farben und mit stark stilisierten, flächig angeordneten Figuren darstellte. Diese Arbeiten zeigen dicht gedrängte Gruppen von Passanten, die sich durch die Stadt bewegen.
Seine erste Einzelausstellung hatte Lester Johnson 1951 in der Artists Gallery in New York. Ab 1964 war er als Hochschullehrer tätig. Auf Empfehlung von Jack Tworkov erhielt er eine Anstellung an der Yale University. Dort unterrichtete er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1989 Figurenzeichnen und war von 1969 bis 1974 Direktor des Graduate Painting Program. Auch im späteren Verlauf seines Lebens blieb Johnson künstlerisch aktiv. Im Jahr 2004 zeigte die James Goodman Gallery in New York die Überblicksausstellung Lester Johnson: Four Decades of Painting. 2005 folgte im William Benton Museum of Art in Storrs, Connecticut, eine Retrospektive mit dem Titel People Passing By: Paintings, Drawings and Prints by Lester Johnson, die sein 50-jähriges Schaffen umfasste. Lester Johnson starb am 30. Mai 2010 im Alter von 91 Jahren in einem Pflegeheim in Westhampton, New York.
Werk In seinen frühen New Yorker Jahren malte Johnson zunächst kleinformatige Stadtlandschaften und abstrakte Werke. Allmählich verlagerte er seinen Schwerpunkt auf die Darstellung der menschlichen Figur. Dabei stand seine Malweise unter dem Einfluss der Techniken des Abstrakten Expressionismus sowie der Werke von Alberto Giacometti, die Johnson 1948 in einer Ausstellung der Pierre Matisse Gallery gesehen hatte. Der Kunstkritiker Hilton Kramer stellte später fest, dass Johnson von Giacometti weniger formale Stilmittel als vielmehr eine grundsätzliche Haltung im Umgang mit der Figur übernommen habe. In den 1960er Jahren entstanden Johnsons bekannt gewordene figurative Gemälde mit massiv wirkenden, blockhaften Gestalten, die häufig frontal zum Betrachter positioniert sind. Dabei griff er teilweise auf Personen aus seinem Umfeld, insbesondere aus dem New Yorker Stadtteil Bowery, zurück.
Aus dem abstrakten Expressionismus übernahm er eine gestisch-pastose Malweise, die er auf seine blockhaften Menschen- und Gruppendarstellungen übertrug. Diese sind häufig in dunklen, erdigen Farbtönen gehalten und wirken existenziell aufgeladen. Beispiele hierfür sind die Werke Bowery Patriarch (1963), Bathers in Milford (1965) und Crowd (1967). Die Figuren erscheinen oft mit breiten schwarzen Konturen, teilweise als Akte oder stark reduzierte Silhouetten. Neben Gruppenbildern schuf Johnson zahlreiche Selbstporträts, darunter Self-Portrait with Wrought Iron Fence (1967) und Portrait with Two Male Figures (1968). Ab den 1970er Jahren hellte sich seine Farbpalette deutlich auf. Es entstanden stilisierte Szenen mit Frauengruppen in farbigen Kleidern und Männern mit Hüten, die an formale Vorbilder wie Fernand Léger erinnern. Beispiele hierfür sind City Women aus dem Jahr 1973 oder Three Ladies aus dem Jahr 1976.
Literatur Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 6, Leipzig, 1962. Paul Cummings: Dictionary of Contemporary American Artists. St. Martin's Press 1977. Irving Sandler: The New York School: The Painters and Sculptors of the Fifties. New York, 1979. Peter Hastings Falk: Who Was Who in American Art. Band II, Madison (Connecticut), 1999. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 7: Herring – Koornstra. Paris, 2006.
Weblinks Smithsonian American Art Museum, Sammlung askART Nachruf in der New York Times. Lester Johnson, Expressionist Painter, Dies at 91
Einzelnachweise
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