Kommunist ist eine filmische Biografie des letzten Partei- und Staatsführers der DDR, Egon Krenz (* 1937). Regisseur und Autor des zweistündigen Dokumentarfilms von 2026 ist Lutz Pehnert, Sohn des ehemaligen Filmministers der DDR, Horst Pehnert.

Handlung Im Film schildert Egon Krenz seine Geschichte: Wie eine Utopie sein Leben prägte, wie er sie aufnahm, als Politiker verkörperte – und schließlich daran scheiterte. Der Film fragt, wer Egon Krenz war, und verbindet biografische Stationen mit der Geschichte der DDR: von seiner Kindheit und Jugend in Kriegs- und Nachkriegszeit über seine kurze Amtszeit im Herbst 1989 bis zu den Folgen seines Rücktritts.

Am Ende war er Staatschef der DDR. Er führte das Land nur 50 Tage. Nach der Wiedervereinigung wurde er wegen seiner Mitverantwortung für die Mauertoten zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung 2003 lebt er in Dierhagen an der Ostsee. Funktionär, Aufsteiger, Apparatschik, Bonze, Hassfigur, Totschläger, Häftling, Vater und Großvater – wer ist Egon Krenz am Ende seines Lebens? In Kommunist zeichnet Regisseur Lutz Pehnert den Aufstieg und Fall des Mannes nach und beleuchtet seine politischen Entscheidungen im Kontext des Kalten Krieges. Gleichzeitig blickt der Film mit neuer Perspektive auf den Niedergang der DDR und auf die Wege der Menschen, die in diesem System aufwuchsen.

Der Filmtitel bezieht sich auf eine Passage in der Autobiografie von Egon Krenz, in der er sich bis zur Gegenwart als Kommunisten sieht, auch, nachdem ihn die Nachfolgepartei der SED aus der Partei ausgeschlossen hatte.

Im Film äußern sich über Egon Krenz unter anderem der Vertreter der kirchlichen Friedensbewegung in der DDR Werner Krätschell (1940) und Solveig Leo (* 1943), einst die jüngste LPG-Vorsitzende der DDR.

Produktion und Veröffentlichung Produziert wurde der Film von der Berliner Produktionsfirma solo:film in Koproduktion mit dem RBB. In Fördermeldungen wird das Projekt auch unter dem Arbeitstitel "Genosse Krenz" angekündigt. Die Weltpremiere wird am 8. Mai 2026 Rahmen vom Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Der deutsche Kinostart war am 11. Juni 2026. Der Verleih erfolgt durch Salzgeber.

Rezeption Markus Solty schrieb auf film-rezensionen.de, Kommunist bewege sich zwischen dem Versuch, eine historische Figur zu erklären, und dem Anspruch, sie einzuordnen. Der Film begleite Egon Krenz in seinem heutigen Leben an der Ostsee und zeichne mit Gesprächen, Archivmaterial und Erinnerungen dessen Weg zum letzten Partei- und Staatschef der DDR nach. Solty hob die sorgfältige Gestaltung und den ruhigen essayistischen Charakter hervor, kritisierte jedoch, dass Krenz’ Rechtfertigungen häufig weitgehend unkommentiert stehen blieben und dem Film an entscheidenden Stellen analytische Schärfe fehle.Markus Solty: Kommunist. In: film-rezensionen.de, 16. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.

Michael Meyns bezeichnete den Film auf programmkino.de als differenzierte Annäherung, die zugleich „erstaunlich“, „befremdlich“ und „wohlwollend“ ausfalle. Der Film versuche, einen Raum zwischen Verachtung und Verklärung der Person Krenz zu besetzen, wobei diese Balance jedoch nur bedingt gelinge.Michael Meyns: Kommunist. In: programmkino.de, 11. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.

Nach der Uraufführung beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern löste der Film eine öffentliche Kontroverse aus. Der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Bley, warf dem Film vor, ein geschöntes Bild der DDR zu vermitteln, historische Fakten zu unterschlagen und die Opfer des DDR-Grenzregimes zu verhöhnen. Auch die CDU-Landtagsabgeordnete Katy Hoffmeister kritisierte den Film und stellte die öffentliche Förderung infrage. Das Kulturministerium Mecklenburg-Vorpommern verwies demgegenüber auf die Unabhängigkeit des Vergabegremiums. Das Filmkunstfest verteidigte den Film als essayistische, künstlerische Annäherung an die öffentliche Person Egon Krenz; Pehnert erklärte, er habe Krenz in seiner Widersprüchlichkeit porträtieren wollen und keinen journalistischen Aufarbeitungsfilm beabsichtigt.Wirbel um neuen Egon-Krenz-Film. In: welt.de, 12. Mai 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.

Auch zum Kinostart blieb die Debatte Gegenstand der Berichterstattung. Der NDR berichtete, Bley kritisiere unter anderem, dass Krenz’ Verantwortung für die Mauertoten relativiert werde und zentrale Aspekte wie die Haltung zum Tian’anmen-Massaker nicht behandelt würden. Kulturministerin Bettina Martin verwies in diesem Zusammenhang auf die Kunstfreiheit und sprach sich für eine kritische Diskussion aus.Michael Seidel: Streit um Krenz-Doku: Zu viel Bühne für Legendenbildung? In: ndr.de, 11. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026.

Weblinks

Kommunist im Filmdienst Kommunist beim deutschen Verleih Salzgeber

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2026 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm