Ernst Plewe (* 22. Mai 1907 in Preußisch Stargard; † 18. Mai 1986 in Heidelberg) war ein deutscher Geograph, Geographiehistoriker und Hochschullehrer.Egon Riffel: Plewe, Ernst. In: Baden-Württembergische Biographien. Band 5, 2013, S. 297–300, zusammen mit dem Eintrag über Ernst Plewe in: LEO-BW (abgerufen am 16. Januar 2026).

Leben und Wirken Ernst Plewe wurde als Sohn von Margarete Plewe, geborener Tomaschke, und des Mediziners Karl Plewe geboren. Nach dem 1927 erfolgten Abitur in Allenstein studierte er Geographie, Geologie, Germanistik, Völkerkunde und Philosophie an den Universitäten Leipzig, Innsbruck und Greifswald. In Greifswald wurde er 1932 bei Gustav Braun zum Dr. phil. promoviert. Von 1932 bis 1938 war er als wissenschaftlicher Assistent am Geographischen Institut der Universität Heidelberg tätig und habilitierte sich dort 1937. Im selben Jahr wurde er Privatdozent. 1939 bis 1946 folgte sein Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg (u. a. als Wehrgeologe) und die Kriegsgefangenschaft. 1944 wurde er zum außerplanmäßigen Professor der Universität Heidelberg ernannt. Von 1946 bis 1948 hatte er Lehraufträge an der Wirtschaftshochschule Mannheim und der Technischen Hochschule Darmstadt inne. 1948 wurde er außerordentlicher Professor, 1957 ordentlicher Professor für Geographie an der Wirtschaftshochschule Mannheim (später Universität Mannheim) und baute dort das Geographische Institut auf. 1972 wurde er emeritiert. In seinen Veröffentlichungen beschäftigte sich der in Heidelberg lebende Plewe vor allem mit der regionalen Geographie und der Geschichte seines Fachgebiets.

Plewe gehörte mehreren wissenschaftlichen Fachgesellschaften an und wirkte 1963 bei der Wiederbegründung der Geographischen Zeitschrift mit. 1972 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, im selben Jahr Mitglied des Mannheimer Vereins für Naturkunde. Die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin verlieh ihm 1979 die Carl-Ritter-Medaille in Gold und 1982 erhielt er die Goldene Medaille der Universität Mannheim.

Ernst Plewe war ab 1937 verheiratet mit der promovierten Geologin Ilse Plewe, geborene Voelcker. Die 1940 geborene Tochter Barbara Plewe wurde zum Dr. med. promoviert.

Veröffentlichungen (Auswahl) Untersuchungen über den Begriff der »vergleichenden« Erdkunde und seine Anwendung in der neueren Geographie (= Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Ergänzungsheft 4). Berlin 1932; zugleich Dissertation Universität Greifswald. Geomorphologische Studien am pfälzischen Rheingrabenrand (= Badische geographische Abhandlungen. Band 19). Selbstverlag der Geographische Institute der Universitäten Freiburg im Breisgau und Heidelberg, Freiburg 1938; zugleich Habilitationsschrift Universität Heidelberg. Küste und Meeresboden der Tromper Wiek/Insel Rügen. In: Geologie der Meere und Binnengewässer. 1940. Die Landschaft um Heidelberg (= Heidelberger Vorträge. Band 1). Kerle, Heidelberg 1947. Alexander von Humboldt (= Schriftenreihe der Wirtschaftshochschule Mannheim. Band. 2). Jedermann-Verlag, Heidelberg 1951. Vom Wesen und den Methoden der regionalen Geographie. In: Studium Generale. Band 5, 1952, S. 410–421. mit Walther Tuckermann: Das Altpfälzische Oberrheingebiet von der Vergangenheit zur Gegenwart. 2. Auflage (= Abhandlungen der Wirtschaftshochschule Mannheim. Band 1). Mannheimer Grossdr., Mannheim 1953. Zur Entwicklungsgeschichte der Stadt Mannheim. Mannheim 1955. (Bearb.) Wirtschaftsgeographie (= Alfred Hettner: Allgemeine Geographie des Menschen. Hrsg. von Heinrich Schmitthenner. Band 2). Kohlhammer, Stuttgart 1957. Heinrich Schmitthenner (= Marburger geographische Schriften. Band 7). Geographisches Institut der Universität, Marburg 1957. Der kurpfälzische Raum in Geschichte und Gegenwart. Mannheim 1959. mit Rudolf Plank: Alexander von Humboldt (= Karlsruher akademische Reden. Neue Folge, Band 17). C. F. Müller, Karlsruhe 1957. Heinrich Barth und Carl Ritter. Briefe und Urkunden. In: Die Erde. Band 96, 1965, S. 245–278. (Hrsg.): Hans Pichler / Ganzheit und Gemeinschaft. Steiner, Wiesbaden 1967. Teleologie und Erdwissenschaften im Rahmen der Naturphilosophie von Henrich Steffens. In: Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde – Geographie, Geschichte, Kartographie. Festgabe für Ruthardt Oehme zur Vollendung des 65. Lebensjahres (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B. Band 46). Kohlhammer, Stuttgart 1968, S. 55–77. Die Entwicklung der französischen Geographie im 18. Jahrhundert. In: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte. Band 5, 1977, S. 714–732. (Hrsg.): Die Carl-Ritter-Bibliothek (= Erdkundliches Wissen. Band 50). Steiner, Wiesbaden 1978, ISBN 3-515-02854-4. mit Ute Wardenda: Der junge Alfred Hettner. Studien zur Entwicklung der wissenschaftlichen Persönlichkeit als Geograph, Länderkundler und Forschungsreisender (= Erdkundliches Wissen. Band 4). Steiner, Stuttgart 1985, ISBN 3-515-04421-3. Geographie in Vergangenheit und Gegenwart. Ausgewählte Beiträge zur Geschichte und Methode des Faches. Hrsg. von Emil Meynen (= Erdkundliches Wissen. Band 85). Steiner, Wiesbaden 1986, ISBN 3-515-04791-3.

Literatur Emil Meynen (Hrsg.): Geographie heute. Einheit und Vielfalt. Ernst Plewe zu seinem 65. Geburtstag von Freunden und Schülern gewidmet (= Erdkundliches Wissen. Band 33). Steiner, Wiesbaden 1973. Plewe, Ernst. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 953.

Einzelnachweise

Kategorie:Geograph (20. Jahrhundert) Kategorie:Geographiehistoriker Kategorie:Historischer Geograph Kategorie:Hochschullehrer (Universität Mannheim) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1986 Kategorie:Mann