mini|Lillie de Hegermann-Lindencrone. Reproduktion eines Gemäldes von B. C. Porter, 1880. Lillie de Hegermann-Lindencrone, geborene Anna Lillie Greenough (* 18. Juni 1844 in Cambridge, Massachusetts, Vereinigte Staaten; † 17. März 1928 in Kopenhagen, Dänemark) war eine US-amerikanisch-dänische Sängerin und Schriftstellerin. Durch ihre Ehe mit dem Diplomaten Johan Hegermann-Lindencrone (1838–1918) und einen 1913 veröffentlichten Briefband ihrer Memoiren wurde sie zu einer zentralen Figur in der europäischen Gesellschaft des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Biographie Lillie Greenough wurde in eine wohlhabende Familie in Massachusetts geboren. Schon als Kind entwickelte sie die bemerkenswerte Stimme, die sie später berühmt machen sollte. Als sie fünfzehn Jahren alt war, zog ihre Mutter mit ihr nach London, damit sie dort bei Manuel García Gesang studieren konnte. Zwei Jahre später heiratete sie Charles Moulton, den Sohn eines amerikanischen Bankiers, der seit den Zeiten Louis Philippes in Paris lebte. Als Madame Charles Moulton war sie ein geschätzter Gast am Hofe Napoleons III. Sie galt als eine der Favoritinnen der Kaiserin Eugénie und sang häufig bei den privaten Soireen in den Tuilerien und war in Kontakt mit führenden Komponisten wie Richard Wagner, Franz Liszt, Gioachino Rossini und Charles Gounod.
Nach dem Sturz Napoleons III. 1871 kehrte sie in die Vereinigten Staaten zurück, wo ihr Mann früh verstarb. Einige Jahre später heiratete sie Johan de Hegermann-Lindencrone in Cambridge, Massachusetts, damals dänischer Gesandter in den Vereinigten Staaten und später nacheinander dänischer Repräsentant in Stockholm, Rom, Paris und Berlin. Die folgenden vier Jahrzehnte verbrachte sie an der Seite ihres Mannes auf dessen diplomatischen Posten und baute dort jeweils einen einflussreichen literarischen und musikalischen Salon auf. In Berlin war sie eine bekannte Persönlichkeit am Hofe Wilhelms II. Nach eigenen Angaben war sie mit zahlreichen weiteren zeitgenössischen Königshäusern befreundet und verbunden. So pflegte sie enge Beziehungen zu Christian IX. von Dänemark und seiner Königin Louise von Hessen-Kassel, zu Umberto I. von Italien und seiner Königin Margarethe, zu Oskar II. von Schweden und seiner Königin Sophia von Nassau sowie zu den zahlreichen Nachkommen und Verwandten dieser Familien.
mini|Lillie de Hegermann-Lindencrone. Ihre Korrespondenz und ihre Tagebücher aus dieser Zeit bieten intime Einblicke in die Diplomatie und das Privatleben der europäischen Herrscherhäuser. Ihr Buch The Sunny Side of Diplomatic Life (: Die Sonnenseite des diplomatischen Lebens) erlaubt Einblicke in die Etikette des europäischen Hoflebens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, beobachtet durch sie als Diplomatin, Freundin und Vertraute des europäischen Adels. Mehrere Publikationen dokumentierten ihre Karriere als Sängerin.
Nach der Pensionierung ihres Mannes im Jahr 1912 ließen sie sich in Kopenhagen nieder. Lillie de Hegermann-Lindencrone starb dort 1928, zehn Jahre nach ihrem Ehemann, und wurde ebenfalls auf dem Garnisonsfriedhof der Stadt beigesetzt.
Literarisches Wirken Lillie de Hegermann-Lindencrone wurde vor allem durch ihre Memoiren bekannt, die ursprünglich als Briefe an ihre Familie verfasst wurden. Diese Werke sind bis heute bedeutende Quellen für die Kulturgeschichte:
In the Courts of Memory: Musical and Social Life during the Second Empire 1858-1875, veröffentlicht 1912: Beschreibt ihre Zeit am Hof von Napoleon III. und ihre Erlebnisse während der Pariser Kommune.
The Sunny Side of Diplomatic Life, veröffentlicht 1914: Behandelt ihre Erfahrungen in den verschiedenen Hauptstädten als Gattin des dänischen Gesandten.
Ihre Texte zeichnen sich durch einen lebendigen, oft humorvollen Stil aus und dokumentieren Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Giuseppe Verdi, Königin Victoria und dem jungen Kaiser Wilhelm II.
Literatur Bo Bramsen: Danske diplomater. Kopenhagen. 1990. Anthony Gronowicz: Introduction to "In the Courts of Memory". (Moderne Neuauflage ihres Werks - enthält einen biografischen Essays zu ihrem Einfluss auf die transatlantischen Beziehungen). Samuel S. Frizzell: The favorite songs of Mrs. Charles Moulton as sung by her at her concerts in America. Wm. A. Pond & Co. New York. 1871. Alfred H. Pease & Lillie de Hegermann-Lindencrone: Sleep! baby sleep! Cradle song, words from the German. Wm. A. Pond & Co. New York. 1874. Y. H. de Laurière: Une Américaine à la cour de Napoléon III. Calmann-Lévy. Paris. 1938. (enthält einige Angaben auch zu Lillie de Hegermann-Lindencrone, Informationen zur Ehe und zur sozialen Stellung der Familie).
Weblinks Die Werke der Autorin auf Project Gutenberg: Link. Abgerufen am 16. Januar 2026.
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