Richard Kaspar Joseph Hillenbrand (* 8. Mai 1891 in Volkach; † 10. Mai 1968 in Igersheim) war ein deutscher Dirigent, Kapellmeister, Komponist und Musiklehrer. Er stand in den Monaten nach dem Zweiten Weltkrieg dem Städtischen Orchester Duisburg, Vorgänger der Duisburger Philharmoniker, als Generalmusikdirektor vor.Duisburger Philharmoniker: Die Generalmusikdirektoren, abgerufen am 17. Januar 2026.
Leben Jugend und Ausbildung Richard Hillenbrand wurde als Richard Kaspar Joseph Hillenbrand am 8. Mai 1891 in der Stadt Volkach im Bezirksamt Gerolzhofen in Unterfranken geboren. Die Familie bewohnte mit dem sogenannten Haus Haupt ein repräsentatives Anwesen in unmittelbarer Nähe zum Rathaus der Stadt. Die Mutter Babette, geborene Haupt, hatte das Haus in die Ehe mit dem Handelsmann Eugen Hillenbrand eingebracht. Möglicherweise wurde der junge Richard an der Orgel in der benachbarten Bartholomäuskirche ausgebildet.Günther Schmitt: Häuserchronik der Stadt Volkach als Spiegel des Bürgertums. Vom Ende des 17. Jahrhunderts bis heute (= Volkacher Hefte Bd. 19). Volkach 2017. S. 69.
Hillenbrand absolvierte eine Gymnasialausbildung in Bamberg und am Alten Gymnasium, dem heutigen Wirsberg-Gymnasium, in Würzburg. Am 20. September 1910 immatrikulierte er sich an der Königlichen Musikschule in Würzburg, die Vorgängerin der Hochschule für Musik. Parallel studierte er Philosophie an der Universität Würzburg. Musikalisch lernte er bei Simon Breu, Henry van Zeyl, Max Meyer-Olbersleben, Leo Gloetzner und Ernst Cahnbley. Als Abschlussprüfung war Hillenbrand mit der Würzburger Uraufführung der sogenannten Jenaer Sinfonie betraut worden. 1912 verließ er Würzburg nach dem Ende des Studiums.
Er fand anschließend Anstellung am Herzoglichen Hoftheater Altenburg, wo man ihn zum Kapellmeister machte. Immer wieder arbeitete er in dieser Zeit auch im Kurtheater Bad Elster. Zwischen 1914 und 1918 kämpfte Hillenbrand als Soldat im Ersten Weltkrieg, er verwies selbst auf die Kompositionen, die während des Krieges entstanden. 1919 kehrte er nach Deutschland zurück und erhielt am Theater Marienwerder und am Kurtheater Bad Bernburg an der Saale eine Anstellung. Im Jahr 1920 wurde er am Stadttheater Essen, dem heutigen Grillo-Theater, verpflichtet. Neben seiner Tätigkeit als Kapellmeister arbeitete Hillenbrand als Direktor des Essener Opernchors.Ferdinand Leuxner: Richard Hillenbrand (1891–1968). Ein Musiker an Main und Rhein. In: Jahresbericht 2025 für die Mitglieder des Heimatvereins Volkacher Mainschleife e. V. Kultur und Geschichte. Volkach 2025. S. 41.
In Duisburg Bereits 1921 wechselte Hillenbrand nach Duisburg, das damals über eine Spielgemeinschaft mit der Bochumer Oper verbunden war. Besondere Förderung erhielt Hillenbrand vor allem durch Saladin Schmitt, dem Intendanten der Duisburger Oper. Erstmals als Kapellmeister und Leitender Chordirektor trat Hillenbrand mit der Inszenierung von Richard Wagners „Parsifal“ in Erscheinung, wobei sein Vertrag einen Anspruch auf drei Premieren im Jahr festlegte. 1922 dirigierte er den personalintensiven Celesta-Part in Arnold Schönbergs „Gurre-Liedern“ und bezog hierzu auch die Laienchöre aus Duisburg und Mülheim an der Ruhr mit ein. Besondere Bedeutung hatte außerdem die Tausendjahrfeier des Rheinlands 1925 und die Inszenierung aller Wagner-Opern in einer Spielzeit 1927.
Mit dem Weggang des Generalmusikdirektors Paul Scheinpflug im Jahr 1928 organisierte Hillenbrand die Gastdirigate, die unter anderem Franz von Hoeßlin, Fritz Stiedry, Eugen Papst und Hans Pfitzner nach Duisburg führten. Mit dem Amtsantritt von Eugen Jochum im Jahr 1931 endete das „Interregnum“. Allerdings wurde Jochum nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten schon nach zwei Jahren durch Otto Volkmann ersetzt. Unter Saladin Schmitts Nachfolger Rudolf Scheel komponierte Hillenbrand ab 1935 die sogenannten „Duisburger Fassungen“, unter anderem der „Undine“ von E. T. A. Hoffmann. Hillenbrand war bereits zum 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten (Mitgliedsnummer 2.864.189)Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/11070383 und wurde 1936 Mitglied der NSV.
Nach Kriegsbeginn wurde das Orchester von den nationalsozialistischen Machthabern vor allem für Propagandazwecke eingesetzt. Nachdem die Musikstätten in Duisburg durch Kriegseinwirkung unbenutzbar geworden waren, verlegte man das Ensemble 1934 ins besetzte Prag, wo Aufführungen von italienischen Opern gegeben wurden. Hillenbrand wurde im Januar 1945 zum Volkssturm eingezogen und erlebte das Kriegsende in einem Internierungslager in Tschechien. Von hier aus soll er, nach seiner Flucht, zu Fuß nach Duisburg gelaufen sein. Hillenbrands Wirken im NS-Staat wurde nach der Kontrollratsdirektive Nr. 38 in Artikel V eingeordnet, sodass er als Mitläufer galt.
Es gelang Hillenbrand die wenigen, in Duisburg verbliebenen Musiker zusammenzubringen und erste Konzerte in wechselnden Spielstätten, unter anderem in der Ruhrorter Maximilianskirche und im Hotel Duisburger Hof zu geben. Damit ist mit seinem Namen der kulturelle Neubeginn nach 1945 verbunden. Bereits 1946 gab Hillenbrand das Amt des Generalmusikdirektors allerdings an Georg Ludwig Jochum ab. Hillenbrand selbst wurde 1948 zum stellvertretenden Leiter des Duisburger Konservatoriums ernannt. 1957 ging Richard Hillenbrand in Ruhestand und verließ Duisburg. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Röttingen an der Tauber und in Igersheim. Dort starb er am 10. Mai 1968 kurz nach seinem 77. Geburtstag.Ferdinand Leuxner: Richard Hillenbrand (1891–1968). Ein Musiker an Main und Rhein. In: Jahresbericht 2025 für die Mitglieder des Heimatvereins Volkacher Mainschleife e. V. Kultur und Geschichte. Volkach 2025. S. 46.
Werke (Auswahl) Richard Hillenbrand komponierte Lieder, Klavierstücke, Kammermusikwerke, Chorwerke mit Orchester, symphonische Dichtungen, Melodramen, Messen und Kurzopern. Dabei wurde ein Großteil der Arbeiten während der Zeit in Prag durch Kriegseinwirkungen zerstört. Daneben besitzt das Archiv der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf einige Manuskripte aus der Hand Hillenbrands. Besondere Bedeutung für das Werk des Komponisten haben die sogenannten Duisburger Fassungen, die in den Jahren 1935 bis 1945 entstanden.
Literatur Ferdinand Leuxner: Richard Hillenbrand (1891–1968). Ein Musiker an Main und Rhein. In: Jahresbericht 2025 für die Mitglieder des Heimatvereins Volkacher Mainschleife e. V. Kultur und Geschichte. Volkach 2025. S. 38–46. Friedrich Meyer-Tödten: Duisburg als Musikstadt in Vergangenheit und Gegenwart. In: Duisburger Forschungen Bd. 3 (1960). Duisburg 1960. S. 1–22.
Weblinks Bayerisches Musikerlexikon: Hillenbrand, Richard Kaspar Joseph Deutsche Biographie: Hillenbrand, Richard Kaspar Joseph
Einzelnachweise
Kategorie:Dirigent Kategorie:Kapellmeister Kategorie:Absolvent der Hochschule für Musik Würzburg Kategorie:Musiker (Duisburg) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1968 Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher Kategorie:Bayer