mini|Ein reifer Sporokarp von Scleroderma citrinum, der einem verbrannten Golfball ähnelt Golfballia ambusta ist eine vermeintliche Pilzart, deren Exemplare in den Kew Gardens in London aufbewahrt werden. Es handelt sich jedoch nicht um Organismen, sondern um verbrannte Golfbälle. Im Jahr 1962 beschrieb Richard William George Dennis, der damalige Leiter der Mykologie am Royal Botanic Garden in Kew, sie als neue Pilzart. Der küchenlateinische Name bedeutet in etwa „verbrannter Golfball“. Diese Artbeschreibung stellt damit einen wissenschaftlichen Witz dar.

Geschichte Im Jahr 1952 wurde ein verbrannter Golfball von einer anonymen Quelle aus Lancashire im Nordwesten Englands an Mykologen im Royal Botanic Gardens geschickt und im Fungarium der Kew Gardens in London hinterlegt. Der Einreicher behauptete, es handele sich um ein Exemplar einer seltenen Pilzart aus der Gattung Queletia, aber die Mykologen waren der Meinung, dass sein Aussehen eher dem von Scleroderma citrinum ähnele, das einen unregelmäßigen, fast kugelförmigen Sporokarp mit dicker, ledriger Haut und Farben von weiß bis hellbraun oder braun aufwies. Die Oberfläche eines Golfballs ist mit Vertiefungen versehen, und wenn er verbrannt wird, reißt seine Außenhülle auf und legt den Gummikern frei, der der dunklen Gleba eines reifen S. citrinum-Sporokarps ähnelt. Die Mykologen in Kew versuchten erfolglos, Sporen aus dem Exemplar zu gewinnen, bevor sie die Natur des Schwindels erkannten.

Ein ähnlicher verbrannter Golfball wurde 1962 aus Ostafrika nach Kew geschickt. Daraufhin veröffentlichte R. W. G. Dennis einen Artikel mit dem Titel A remarkable new genus of phalloid in Lancashire and East Africa (Eine bemerkenswerte neue Gattung von Phalloiden in Lancashire und Ostafrika) im Journal of the Kew Guild, wo er ihn offiziell als neue Pilzart beschrieb. In dem Artikel hieß es, dass die Exemplare kleinen, harten, aber elastischen Bällen ähneln, die bei bestimmten Stammesriten der Kaledonier verwendet werden, die die ganze Saison über in umzäunten Koppeln mit teilweise gemähtem Gras stattfinden, eine Anspielung auf das Golfspiel in Schottland.

Dennis beschrieb die Exemplare als nach altem oder erhitztem Kautschuk riechend und erklärte, dass keine Sporen gesammelt wurden, sodass die Fortpflanzungsmethode unbekannt blieb, und gab der angeblichen Art den Namen Golfballia ambusta. Ein dritter verbrannter Golfball wurde 1971 aus Kent nach Kew geschickt, wobei der Absender ausdrücklich angab, dass sie am Rande eines Feuers gefunden wurde. Die drei Exemplare von Golfballia ambusta befinden sich weiterhin in der Sammlung des Fungariums von Kew und sind unter den Nummern K(M)230939 bis K(M)230941 katalogisiert.

Auswirkungen Nathan Smith, Kurator und Forscher am Kew Fungarium, bezeichnete den Schwindel als Dada-Moment der Mykologie. Er schrieb, dass Golfballia ambusta unter den akademischen Hoaxes in der Geschichte der Mykologie eine besondere Bedeutung habe, da sie offiziell beschrieben und veröffentlicht wurde und Exemplare formell im Fungarium archiviert wurden. Gemäß dem Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen würde sie als gültige Pilzart gelten.

Weblinks

Einzelnachweise R. W. G. Dennis: A remarkable new genus of phalloids in Lancashire and East Africa. In: Journal of the Kew Guild. 8.67, 1962, S. 181–182, (PDF-Datei) auf journal.kewguild.org.uk

N. Smith: What Is a Fungus? Mycology’s Dada Moment. In: Environment & Society Portal. 5, 2023, Rachel Carson Center for Environment and Society, doi:10.5282/RCC/9598, (Online). B. M. Spooner, P. J. Roberts: Richard William George Dennis (1910–2003): mycologist and savant. In: Mycological Research. 108.9, 2004, S. 1097–1104, doi:10.1017/s0953756204000711.

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