mini|Anatoli Georgijewitsch Safonow (Сафонов Анатолий Георгиевич) (*1919 - †1944), Held der Sowjetunion Anatoli Georgijewitsch Safonow (russisch Анатолий Георгиевич Сафонов; * 20. September 1919 oder 1923 in Tschertan, heute Rajon Duwan, Baschkirische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik; † 24. Juni 1944 nahe Sapolje (belarussisch Заполле), Weißrussische SSR) war ein Oberleutnant der Roten Armee. Er wurde postum als Held der Sowjetunion ausgezeichnet, nachdem er im Rahmen der Operation Bagration maßgeblich zum Durchbruch durch die deutschen Stellungen beigetragen hatte.
Biografie Zivile Ausbildung und Vorkriegszeit Safonow wurde in eine bäuerliche russische Familie geboren. Nach dem Abschluss der siebenjährigen Schule in Duwan 1935 absolvierte er eine Ausbildung am Geologischen Technikum in Ufa und arbeitete anschließend als Geologe. Parallel dazu engagierte er sich als Sekretär der Komsomol-Organisation. Um vorzeitig zum Dienst in der Roten Armee zugelassen zu werden, gab er bei seiner Einberufung im Oktober 1939 ein höheres Alter an (weshalb oft 1919 statt des eigentlichen Geburtsjahres 1923 in Dokumenten erscheint). 1941 schloss er eine Grenztruppenschule (Offiziersschule) ab.
Militärische Laufbahn Mit Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im Juni 1941 kam Safonow an die Front. Seine Laufbahn war geprägt von hoher taktischer Flexibilität und persönlicher Tapferkeit.
Schlacht um Moskau: Von Oktober 1941 bis Dezember 1942 diente er als Zugführer im 7. Motorisierten Schützenregiment der 2. Motorisierten Schützendivision des NKWD der UdSSR in Moskau. Bei der Befreiung von Moschaisk riss er seine Männer durch persönliches Beispiel mit und erlitt am 9. Dezember 1941 seine erste Verwundung. Einsatz an der Zentralfront: Im August 1942 wehrte sein Zug beim Antransport von Munition den Angriff einer deutschen Kompanie und zweier Panzer ab. Safonow nahm dabei persönlich zwei deutsche Soldaten gefangen. Am 12. August 1942 wurde er erneut verwundet. Scharfschützenausbilder: An der Wolchow-Front kommandierte er eine Scharfschützen-Lehrkompanie. Unter seiner Führung schaltete eine 60-köpfige Gruppe nach sowjetischen Angaben innerhalb von 15 Tagen 432 Gegner aus, wobei Safonow selbst 12 bestätigte Abschüsse erzielte.
Nach seiner Beförderung zum Leutnant Ende 1942 folgte die Versetzung zur Westfront, wo er zunächst einen Schützenzug und später eine Kompanie befehligte. Im April 1944 wurde seine Einheit der 1. Weißrussischen Front unterstellt.
Einsatz während der Operation Bagration Im Sommer 1944 befehligte Safonow eine Kompanie im 1345. Schützenregiment (399. Schützendivision, 48. Armee). Am 16. Juni 1944 wurde er aufgrund seiner Verdienste für den Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse vorgeschlagen.
Im Rahmen der Operation Bagration hatte seine Einheit den Auftrag, die deutschen Linien an der Nahtstelle der 9. und 4. Armee zu durchbrechen.
Am 24. Juni 1944 überquerte Safonow mit seiner Kompanie unter schwerem Feuer als einer der Ersten den Fluss Drut bei dem Dorf Bliznezy. Trotz des steilen und befestigten Westufers gelang es seiner Einheit, ein tief gestaffeltes Verteidigungssystem der Nahtstelle der deutschen 134. Infanterie-Division und 296. Infanterie-Division im Sturm zu nehmen. Safonow koordinierte die Verteidigung des Brückenkopfes gegen mehrere Gegenangriffe, was den nachfolgenden Regimentsteilen den Übergang ermöglichte. Während der Kämpfe in der zweiten Grabenlinie fiel Safonow durch eine Granatexplosion nahe der Ortschaft Sapolje .
Infolge des Durchbruchs wurden die beteiligten deutschen Divisionen bis zum 29. Juni 1944 in der Kesselschlacht von Bobruisk zusammen mit dem XXXV. Armeekorps weitgehend vernichtet.
Anatoli Georgijewitsch Safonow wurde in einer Kriegsgräberstätte in einem Massengrab im Dorf Bliznezy (Блізняцы) (Woblast Homel, Belarus) am rechten Ufer des Drut beigesetzt. Das Massengrab mit Mahnmal liegt im Wald 1,4 km nordöstlich des Dorfes Bliznezy .
Posthume Ehrungen Gemäß dem Dekret des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 23. August 1944 wurde Oberleutnant Anatoli Georgijewitsch Safonow für die vorbildliche Führung von Kampfeinsätzen an der Front im Kampf gegen die deutschen Besatzer und für den dabei bewiesenen Mut und Heldenmut posthum mit dem Titel Held der Sowjetunion ausgezeichnet.
Original-Begründung für die Verleihung des Titels „Held der Sowjetunion“ (russisch: Наградной лист – Verleihungsblatt).
Übersetzung der Verleihungsbegründung:"Im Angriffsgefecht des Regiments am 24. Juni 1944, beim Durchbruch der dauerhaft befestigten Verteidigungslinien der Deutschen beim Dorf Sapolje (Rajon Rogatschew, Gebiet Gomel), überquerte Genosse Safonow als Kommandeur einer Schützenkompanie mit einer Stärke von 50 Bajonetten [Soldaten] unter offensichtlicher Lebensgefahr – den Tod missachtend – als Erster unter schwerem feindlichem Artillerie-, Maschinengewehr- und Granatwerferfeuer den Fluss Drut.
Er erreichte das westliche Ufer und durchbrach als Erster mit seiner Kompanie im Sturm das mächtige Verteidigungssystem der Deutschen auf der ufernahen Anhöhe gegen überlegene feindliche Kräfte und natürliche Hindernisse – das steile, schroffe Ufer. Nachdem er dem Feind den Hauptstützpunkt seines Widerstands entrissen hatte, entschied Genosse Safonow den Erfolg beim Durchbruch der deutschen Verteidigung mit großen Verlusten für den Gegner.
Während er einzelne deutsche Soldaten vernichtete, die in Erdbunkern zurückgeblieben waren, um das Vorrücken unserer angreifenden Infanterieverbände aufzuhalten, fiel Genosse Safonow den Tod der Tapferen. Er hinterließ seine heroische Tat dem gesamten Personal des Regiments als Beispiel für den Beginn der endgültigen Vertreibung der deutschen Invasoren aus unserem freiheitsliebenden Land.
Verdient die Verleihung des Titels „Held der Sowjetunion“.
Kommandeur des 1345. Schützenregiments Oberst (Unterschrift) Oniskow 29. Juni 1944"
Auszeichnungen Goldene Sternmedaille des Helden der Sowjetunion (23. August 1944, posthum) Leninorden (23. August 1944, posthum) Orden des Vaterländischen Krieges II. Klasse (1. Juli 1944) Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse (Vorschlag vom 16. Juni 1944)
Heute erinnern eine Gedenktafel auf der Heldenallee in Mesjagutowo sowie eine nach ihm benannte Straße an sein Wirken.
Weblinks (Datensatz zu Anatoli Georgijewitsch Safonow in der Zentralen Datenbank des Verteidigungsministeriums) (Datenbank der Orden und Auszeichnungen von Anatoli G. Safonow)
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann Kategorie:Oberleutnant Kategorie:Rote Armee