Die BR‑Klasse 60 ist eine Baureihe schwerer Diesellokomotiven mit elektrischer Kraftübertragung der British Rail, die im Güterverkehr eingesetzt wird. Zwischen 1989 und 1993 lieferte Brush Traction insgesamt 100 Exemplare. Die Lokomotiven mit der Achsfolge Co’Co’ haben eine installierte Leistung von 2300 kW und gehören somit zum Typ 5 Diesellokomotiven mit einer installierten Leistung größer 2200 kW. Im Januar 2026 war der größte Teil der Flotte aufgrund einer fälligen Generalüberholung hinterstellt, es waren nur noch 15 Lokomotiven in Betrieb. Ihr Spitzname ist Tug ‚Schlepper‘, weil die Lokomotive die Zugkraft sehr gut auf die Schiene bringt. Die Klasse 60 gilt als die letzte britische Großdiesellokomotive, die vollständig im Großbritannien entwickelt und gebaut wurde.
Geschichte Ende der 1980er Jahre bestand die Güterzuglokflotte aus einer bunten Mischung – von der Klasse 20 aus dem Jahr 1957 bis zur brandneuen Klasse 58. Die Klasse 25 war gerade ausgemustert, doch die Klassen 20, 26, 27, 31, 33, 37, 47, 73 und 86, von denen keine jünger als Baujahr 1968 war, gehörten weiterhin zur Flotte. Zur Flottenerneuerung wurde die Klasse 56 beschafft, die ersten 30 in Rumänien gebauten Lokomotiven erwiesen sich jedoch als unzuverlässig und zeigten Traktionsprobleme, weshalb Foster Yeoman, ein großes Asphalt- und Baustoffunternehmen, eigene Lokomotiven der Klasse 59 aus den USA beschaffte. Die BR sah sich deshalb gezwungen, selbst zuverlässigere Lokomotiven zu beschaffen um die alten Baureihen abzulösen.
Die BR stellte eine Ausschreibung für 100 neue Lokomotiven auf, in der eine Verfügbarkeit von 95 % gefordert wurde, was weit über den Anforderungen an frühere BR-Diesellokomotiven lag. Für die Abgabe von Angeboten wurden sechs Hersteller eingeladen: Brush Traction, GEC Transportation Projects, EMD, General Electric , Metro-Cammell und das NEI Consortium. Nur drei Hersteller gaben Angebote ab: Metro-Cammell offerierte keine Leistungsgarantie wie in der Ausschreibung gefordert, GEC offerierte zusammen mit EMD den Bau von amerikanischen Diesellokomotiven in Großbritannien und Brush. Es gab Vermutungen, dass BR an dem EMD-Produkt interessiert war, aber aufgrund der Befürchtung vor Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften das Angebot von Brush annahm.
Die erste Lokomotive mit dem Namen Steadfast ‚unerschütterlich‘ wurde im Juni 1989 fertiggestellt, konnte aber wegen technischer Probleme mit dem mikroprozessorgesteuerten Schlupfregelungssystem und der Federung während 16 Monate nicht eingesetzt werden. Weil Brush 40 Lokomotiven trotz der Mängel auslieferte, hätte British Rail fast die Bestellung für die 60 noch nicht gebauten Lokomotiven storniert. Die Lokomotiven nahmen jedoch Ende 1990 den Regelbetrieb auf. 1993 wurde die letzte Lokomotive der Bestellung ausgeliefert.
Die Klass 60 war für den schweren Güterverkehr ausgelegt. Die Lokomotiven beförderten schwere Stahl-, Öl- und Steinzüge. Bei der Bestellung war vorgesehen, 42 Lokomotiven für Kohlenzüge, 13 für Baustoffzüge, 17 für Züge der Stahlindustrie und nochmals 17 für Zisternenzüge der Mineralölindustrie einzusetzen. Weiter sechs Lokomotiven sollten auf der Eurotunnel-Baustelle eingesetzt werden. Die restlichen Lokomotiven waren als Reserve für die Wartung vorgesehen. Bei Ablieferung gelangten die meisten Lokomotiven nach Toton in der Nähe von Nottingham (32), Immingham (27), Thornaby (20) und Cardiff Canton (11).
Im Zuge der Privatisierung von British Rail gelangte der gesamte Bestand der Klasse 60 Mitte der 1990er Jahre in das Eigentum von English, Welsh & Scottish Railway (EWS). Ein Großteil der Lokomotiven wurde jedoch abgestellt und später an andere Betreiber veräußert. Zwischen 2004 und 2007 waren typischerweise 50 bis 75 Prozent der Flotte außer Betrieb.
Ende Oktober 2010 stellte DB Schenker, der Nachfolger von EWS die ganze Flotte außer Dienst, mit Ausnahme der Lokomotiven 60040 The Territorial Army Centenary und 60074 Teenage Cancer Trust, die frisch überholt waren. Bis Ende 2011 wurden zwei weitere Lokomotiven überholt und wieder in Betrieb genommen, gefolgt von der Ankündigung, dass 2012 insgesamt 21 Lokomotiven der Klasse 60 überholt werden sollten, was bis Ende 2013 abgeschlossen war. Die überholten Lokomotiven wurden als Super 60s bezeichnet und sollten bis etwa 2025 eingesetzt werden.
Im Juni 2014 kaufte das Bauunternehmen Colas Rail zehn generalüberholte Lokomotiven von DB Schenker. Diese wurden für Bitumenzüge der Lindsey-Ölraffinerie vom Hafen Preston sowie für andere Massengutzüge eingesetzt. Später ersetzte Colas die Lokomotiven der Klasse 60 durch solche der Klasse 70 und verkaufte 2019 die Klasse-60-Lokomotiven an GB Railfreight (GBRf), die sie im Rahmen eines Sale-Lease-Back-Vertrags an Beacon Rail weitergaben. Zusätzlich erwarb GBRf drei weitere Lokomotiven direkt von DB Schenker als Ersatzteilspender. GBRf setzte die Lokomotiven unter anderem für Massenguttransporte zum und vom Kraftwerk Drax, ein, obwohl in den letzten Jahren Probleme mit der Zuverlässigkeit gemeldet wurden.
2020 wurde die erste Lokomotive der Klasse 60, die Nr. 60006 Scunthorpe Ironmaster verschrottet.
Im Januar 2026 waren 52 Lokomotiven der Klasse 60 im Besitz von DB Cargo UK, die seit 2024 alle hinterstellt sind. DCRail ist im Besitz von 19 Lokomotiven, von welchen noch fünf in Betrieb sind. 13 Lokomotiven sind bei GB Railfreight, wovon zehn in Betrieb sind und drei als Ersatzteilspender dienen. Die 12 Lokomotiven von Land Recovery und die drei im Besitz von Organisation zur musealen Erhaltung der Klasse 60 sind alle nicht in Betrieb. DCRail, steht für Devon & Cornwall Railways – das 2003 gegründetes Eisenbahnunternehmen der Cappagh Group, das hauptsächlich Baustofftransporte durchführt. Land Recovery tritt als Zwischenhändler und Schrottverkäufer auf. Das Unternehmen lagert die Lokomotiven in einer Kiesgrube unter offenem Himmel in der Nähe von Alsager, Cheshire East.
Museale Erhaltung Die folgenden Lokomotiven sind an einer musealen Erhaltung der Klasse beteiligt: NummerNameStatusOrtAnmerkung60050Roseberry ToppingErsatzteilspenderPontefractErsatzteilspender für Nr. 6008660081Bleaklow Hillstatisches AusstellungsobjektTotonfür die Ausstellung im Eisenbahnmuseum One:One Collection des Modellbahnhersteller Hornby Railways in Margate, Kent, vorgesehen.60086Schiehallionin AufarbeitungPontefractSeit Mai 2021 zusammen mit Nr. 60060 auf einem Lagergelände im Freien abgestellt
Farbgebungen Von Railfreight bis DB Cargo UK Railfreight Die Klasse 60 wurden an den Bereich Trainload Freight (TLF) von Railfreight, der Güterverkehrssparte von British Rail, geliefert. TLF kümmerte sich um das profitable Ganzzuggeschäft und war nach zu transportierenden Produkten in vier Sektoren aufgeteilt: Coal, Construction, Metals und Petroleum . Der Triple-Grey-Anstrich der Lokomotiven bestand aus drei Grautönen: Dunkelgrau für das Dach, Mittelgrau für die oberen Seitenwände und Hellgrau für die unteren Seitenwände. Jeder Sektor hatte sein eigenes quadratisches Emblem, das aus farbenfrohen Sparren, Wellenlinien und Rauten bestand.
Mit dem Eisenbahngesetz von 1993 wurde British Rail privatisiert und der Güterverkehr für den Verkauf in die drei Schattengesellschaften Load-Haul, Mainline und Transrail aufgeteilt. Bei der Aufteilung der Lokomotiven der Klasse 60 erhielt Load-Haul 31 Maschinen, Mainline 52 und Transrail 17. Die Lokomotiven behielten meist den Triple-Grey-Anstrich, sodass nur das neue Logo des neuen Betreibers das Sektor-Logo ersetzte. Wenige Lokomotiven von Load-Haul und drei von Mainline erhielten einen kompletten Neuanstrich in den Farben der neuen Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Triple-Grey-Anstrich:
komplette Neuanstriche:
English, Welsh & Scottish Railway (EWS) Die drei Gesellschaften Load-Haul, Mainline und Transrail wurden im Februar 1996 an North and South Railways Limited verkauft, die seinerseits im Besitz eines Konsortiums von US-amerikanischen Unternehmen unter der Führung von Wisconsin Central war. Der neue Eigentümer änderte im Juli 1996 seinen Namen zu English, Welsh & Scottish Railway (EWS), unter dessen Führung die drei Schattengesellschaften von British Rail wieder zusammengelegt wurden. Die Lokomotiven behielten zum Teil den Triple-Grey-Anstrich, der teilweise mit dem Big-Beasties-Logo ‚Große-Biester-Logo‘ ergänzt wurde oder ohne Logo blieb. Alternativ erhielten sie das Maroon and Gold Livery ‚Kastanienbraun-und-Gold-Anstrich‘.
Stahlverkehr Die beiden Lokomotiven Nr. 60006 und Nr. 60033 kamen im Stahlverkehr von British Steel zwischen Wales und den Industriezentren in den Midlands und im Yorkshire zum Einsatz. Sie erhielten einen blauen Spezialanstrich mit der Aufschrift British Steel sowie Namen mit Bezug zu den Stahlwerken. So hieß die Nr. 60006 hieß Scunthorpe Ironmaster und die Nr. 60033 Tees Steel Express. Damit wurde der Bezug zur Stahlindustrie entlang des Flusses Tees im Raum Middlesbrough und Stockton-on-Tees hergestellt. Im November 2000 erhielt die Nr. 60006 einen silbergrauen Anstrich in den Farben von Corus, dem Nachfolger von British Steel. Im Dezember 2000 wurde auch die 60033 entsprechend lackiert. Nachdem Tata Steel Europe Corus übernommen hatte, erhielt die Nr. 60099 im Jahr 2010 eine silberne Lackierung und das Logo von Tata Steel.
Spezialanstriche Die Lokomotive Nr. 60081 erhielt im Jahr 2000 eine grüne Lackierung in den Farben der Great Western Railway (GWR) sowie den Namen Isambard Kingdom Brunel zur Ehre des Oberingenieurs der historischen Bahngesellschaft. In den Jahren 2007/08 erhielten zwei weitere Lokomotiven eine Sonderlackierung: Die Nr. 60074 erhielt eine blaue Lackierung und wurde im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung für den Teenage Cancer Trust auf den Namen Teenage Spirit getauft. Die Nr. 60040 erhielt eine rote Lackierung und wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der britischen Territorialarmee auf den Namen The Territorial Army Centenary getauft. Beide Lokomotiven erhielten später die Standardlackierung von DB Schenker.
Deutsche Bahn Im Jahr 2007 kaufte die Deutsche Bahn EWS, im Zuge weiterer Veränderungen bei der Deutschen Bahn, wurde EWS im Jahr 2009 in DB Schenker umbenannt, worauf sieben Jahre später eine weitere Umfirmierung folgte, zum heutigen Namen DB Cargo mit der Tochtergesellschaft DB Cargo UK für das Großbritannien-Geschäft. Einige Lokomotiven erhielten Spezialanstriche, wie zum Beispiel die Nr. 60066 im Dezember 2013 mit dem Schriftzug powering tomorrow – drax im Zusammenhang mit den Transporten für das Biomassenkraftwerk Drax. oder 2020 die Nr. 60074 einen grauen Anstrich mit Puma-Logo des Schweizer Ölhändlers Puma Energy.
DCRail DCRail besitzt 17 Lokomotiven der Klasse 60. Die einen tragen eine graue Lackierung mit dem Schriftzug DCRail, die anderen eine Lackierung in blau mit dem Schriftzug des Mutterhauses Cappagh.
Colas Rail und GB Railfright Die Colas-Lokomotiven hatten einen auffälligen Anstrich in einer Kombination aus leuchtendem Orange und Gelb. Nach dem Verkauf an GB Railfreight erhielten die Lokomotiven einen Anstrich in Orange und Blau.
Technik Die Lokomotiven wurden im Brush-Werk in Loughborough montiert, der selbsttragende Kasten wurde bei Procor in Horbury in der Nähe von Wakefield hergestellt. Der Maschinenraum ist in drei Abteile unterteilt: das Kühlerabteil, das Maschinenabteil und das Reinluftabteil. Der Mirrlees-Blackstone-Achtzylinder-Viertakt-Dieselmotor vom Typ 8MB275T hat einen Hubraum von 145 Litern und einen Kraftstoffverbrauch von 189 Gramm Kraftstoff pro Kilowattstunde. Er wurde in Stockport gebaut.