mini|Michael Schmidt-Salomon als Moderator bei einer Buchpräsentation von Rana Ahmad, Januar 2018 Michael Schmidt-Salomon (* 14. September 1967 in Trier als Michael Schmidt) ist ein deutscher Philosoph, Autor sowie Mitbegründer und Vorstandssprecher der evolutionär-humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung (gbs).

Leben und Werdegang Michael Schmidt-Salomon entstammt einer „liberal-katholischen“ Familie.So in diesem und dieser Autorenbiografie (PDF; 0,2 MB) Es ist unklar, ob damit eine Mitgliedschaft in der liberal-katholischen Kirche gemeint ist, oder nur ein katholischer Hintergrund mit geringem Rigorismus. In einem späteren Interview spricht er von liberalem Katholizismus, vgl. „Die Stärke unserer offenen Gesellschaft ist die Bildung“. Interview von André Boße mit Michael Schmidt-Salomon vom 22. Dezember 2016 auf Galore. Online. Seine Eltern, Horst und Doris Schmidt, betrieben einen Obst- und Gemüsegroßhandel. Er studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Trier, erwarb dort 1992 sein Diplom in Pädagogik und promovierte im selben Fach 1997 zum Dr. phil. mit dem Dissertationsthema Erkenntnis aus Engagement. Grundlegungen zu einer Theorie der Neomoderne mit der Bewertung summa cum laude.Referent Michael Schmidt-Salomon, Verein Philosophicum Lech. Archivversion vom 3. März 2016 in der waybackmachine, und Autorenbiografie. (PDF; 0,2 MB) Promo-Website zu Leibniz war kein Butterkeks.

1998 erhielt er den Ethik-Preis des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts. Von 1992 bis 2001 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Trier. Ab 2002 arbeitete er als Dozent, u. a. am Institut d’Études Éducatives et Sociales (IEES) in Luxemburg. Er war von 1999 bis 2007 Redakteur der Zeitschrift Materialien und Informationen zur Zeit.Michael Schmidt-Salomon. Der Religionskritiker. In: Tagesspiegel, 30. März 2008 2004 wurde er für seine Arbeit und für den Roman Stollbergs Inferno von 2003 mit dem Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann-Stiftung ausgezeichnet. 2019 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität in Liberec.Ehrendoktor für Michael Schmidt-Salomon, hpd vom 5. November 2019

Er war zunächst mit der Diplom-Pädagogin Natascha Salomon verheiratet, mit der er eine Tochter hat (* 1990). Mit seiner Tochter schrieb er 2011 das Buch Leibniz war kein Butterkeks.Biografie Lea Salomon. (PDF; 0,2 MB) Michael Schmidt-Salomons und Lea Salomons Seite zur Buchveröffentlichung Leibnitz war kein Butterkeks.Michael Schmidt-Salomons: Die zarteste Verblödung, seit es Esoterik gibt. New cAge – Esoterik 2.0, Mai 2017. Mit seiner zweiten Frau, der Diplom-Psychologin Elke Held, bildete er von 2001 bis 2005 das Text- & PR-Büro Held & Salomon, das 2001 für das Projekt Porta-L den Multimediapreis des Landes Rheinland-Pfalz erhielt. Auch aus dieser Ehe ging ein Kind hervor, ein Sohn (* 2001).Biografie Michael Schmidt-Salomon. (PDF; 0,2 MB) Michael Schmidt-Salomons und Lea Salomons Seite zur Buchveröffentlichung Leibnitz war kein Butterkeks.

Wirken

Gesellschaftliches Engagement Im Jahr 2004 gründete Michael Schmidt-Salomon mit Herbert Steffen die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs). Er war bis 2006 geschäftsführendes Vorstandsmitglied und ist seit 2006 Vorstandssprecher der Stiftung. Mit der gbs koordiniert er jährlich etwa 150 Veranstaltungen, außerdem Konferenzen und Kampagnen mit teilweise hoher gesellschaftlicher und medialer Resonanz – angefangen von der Veranstaltungsreihe Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual! anlässlich des katholischen Weltjugendtags 2005 in Köln.Lutz Kinkel: In: stern.de, 20. August 2005

Im Jahr 2005 veröffentlichte er das Manifest des evolutionären Humanismus, dessen Thesen er regelmäßig in die Öffentlichkeit einbringt. Das Manifest erfuhr mit einer verkauften Auflage von 50.000 Exemplaren eine weite Verbreitung im deutschsprachigen Raum. Insgesamt wurden seine Bücher nach eigenen Angaben über 300.000 Mal verkauft, zudem erschienen Übersetzungen u. a. in Polen, China, Südkorea, Italien und Schweden.

Er ist Gründungsmitglied der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), des Humanistischen Pressedienstes (hpd), des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) und des 2020 gegründeten Hans-Albert-Instituts (HAI). Zudem koordinierte er u. a. 2007 die islamkritische Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ und wirkte bei der Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime und der Gründung der Säkularen Flüchtlingshilfe mit.

Laut Global Thought Leader Index zählt Schmidt-Salomon zu den einflussreichsten Ideengebern im deutschsprachigen Raum. Er gilt als Deutschlands bekanntester Religionskritiker.;

Kinderbuchautor Im Jahr 2008 veröffentlichte Schmidt-Salomon mit dem Illustrator Helge Nyncke das religionskritische Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Im Dezember 2007 beantragte das Bundesfamilienministerium, dieses Buch auf die Liste der jugendgefährdenden Schriften zu setzen, was die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien jedoch ablehnte.Religionskritisches Kinderbuch soll Jugend gefährden. In: Die Presse, 29. Januar 2007Religionskritisches Kinderbuch darf weiter erscheinen. In: Tagesspiegel, 6. März 2008 Nachdem der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller in einer Predigt Schmidt-Salomon wegen des Buches u. a. als „geistigen Amokläufer“ bezeichnet hatte, verklagte dieser den Bischof.Paul Tiedemann: Religionsfreiheit - Menschenrecht oder Toleranzgebot? Springer (2012), S. 39. Die Klage wurde in erster Instanz aus formalen Gründen abgewiesen. Im Berufungsverfahren stellte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof fest, dass die Behauptungen des Bischofs im Widerspruch zu Schmidt-Salomons Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Der Bischof habe seine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit“ nicht erfüllt. Das Gericht verurteilte die Diözese Regensburg zur Erstattung der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten an Schmidt-Salomon. Dieses Urteil wurde vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt.Rudolf Neumaier: Grenzen der Verkündigung. In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2011

Eine weitere Zusammenarbeit mit Nyncke ist das 2008 erschienene Kinderbuch Die Geschichte vom frechen Hund. Warum es klug ist, freundlich zu sein, das den Anspruch hat, Kindern eine naturalistisch begründete Ethik zu vermitteln.

Zum 200. Geburtstag Charles Darwins erschien 2009 das Buch Susi Neunmalklug erklärt die Evolution.Mirjam Zimmermann: Von Religionskritischen „Buskampagnen“, „Heiliger Scheiße“ und Besserwissern wie „Susi Neunmalklug“. Didaktische Anregungen zur Auseinandersetzung mit medialer Religionskritik. In: Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik, 2013, 12, Heft 1, S. 170 Online, abgerufen am 8. Mai 2026

2015 veröffentlichte er Big Family – Die phantastische Reise in die Vergangenheit gemeinsam mit der Illustratorin Anne-Barbara Kindle. Darin geht es um die Darstellung der Geschichte der Evolution als Familiengeschichte, bei der die Leser über ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter zu ihren Vorfahren bis zu dem Ursprung allen Lebens auf der Erde zurückreisen. Aus dem Buch entstand ein Kurzfilm, der u. a. zusammen mit dem Buch in den Evokids-Lehrmaterialien für Grundschulen verwendet wird.

Musiker Schmidt-Salomon komponierte und textete Anfang der 1990er Jahre das Musical Das Maria-Syndrom als Hommage an den US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa. Das Stück wurde 1994 unter Bezugnahme auf § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen) verboten.Christian Schicha, Carsten Brosda (Hrsg.): Handbuch Medienethik. Springer VS (2010), S. 410–411. ISBN 978-3-531-92248-5

Im Darwin-Jahr 2009 komponierte und textete er Children of Evolution für das gleichnamige Musikvideo von Ricarda Hinz, der Frau von Jacques Tilly. In der Rolle des rockenden Darwin ist der Schauspieler Walter Gontermann zu sehen. Die gbs verwendete das Video bei der Kampagne „Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt“.

Positionen Weltanschauliche Positionen Schmidt-Salomon vertritt einen „evolutionären Humanismus“, den er im Manifest des evolutionären Humanismus beschreibt. Programmziel ist eine säkulare Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Basis, die die Religion in sozialen und persönlich-spirituellen Belangen ersetzen soll. Schmidt-Salomon betont jedoch, dass der evolutionäre Humanismus nicht von unerschütterlichen Dogmen ausgeht, sondern von Hypothesen, die ständiger Revision durch die Wissenschaft unterliegen. Er richtet sich gegen die Idee ewiger Wahrheiten, heiliger Schriften oder unfehlbarer Propheten.

Schmidt-Salomon nimmt Anleihen bei Positionen Peter Singers. Wie dieser kritisiert er Speziesismus, plädiert für Grundrechte für Menschenaffen und die Förderung von effektivem Altruismus.Grundgesetz für Gorillas?, Zeit Wissen 5/2012 auf Zeit online, 31. Juli 2012 2015 sagte er jedoch eine Beteiligung als Laudator am Festakt zur Verleihung eines Tierschutzpreises an Singer ab. Bereits im Vorfeld hatte es Proteste von Behinderten-Organisationen gegeben. Anlass war ein Interview Singers in der Neuen Zürcher Zeitung, in dem dieser seine angegriffenen Positionen klarstellte und bekräftigte.„Peter Singer hat in diesem Interview Positionen vertreten, die meines Erachtens nicht nur im Widerspruch zu einem humanistisch-emanzipatorischen Politikverständnis, sondern auch im Widerspruch zu seinen früheren Standpunkten stehen.“ Von Menschen und anderen Tieren. Zeit online Blog, 26. Mai 2015Laudator von Philosoph Peter Singer sagt ab. Welt online, 26. Mai 2015Michael Stallknecht: Philosophiefestival lädt Bioethiker Singer aus. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2015 Die Idee der absoluten Willensfreiheit und die Kategorien von „Gut“ und „Böse“ lehnt Schmidt-Salomon aus evolutionsbiologischen sowie ethischen Erwägungen ab und bezieht sich dabei auf Friedrich Nietzsche. Von einer Aufgabe dieser Denkweisen verspricht er sich eine Stärkung des ethischen Bewusstseins und zugleich eine „entspanntere […] Weltsicht“, nicht im Sinne eines „Paradies[es] auf Erden“ ohne Konflikte, aber einer vernünftigeren, gelasseneren und humorvollen Grundhaltung.Jenseits von Gut und Böse. 2009, S. 9–22Rolf Dietrich Herzberg: Willensunfreiheit und Schuldvorwurf. Mohr Siebeck Verlag, 2010, S. 41.

Regelmäßig bezieht Schmidt-Salomon auch Position in aktuellen Debatten. In der Beschneidungsdebatte fordert er das Verbot von Beschneidungen an Minderjährigen zu nichtmedizinischen Zwecken, zudem vertritt er das Recht auf Sterbehilfe., SWR Fernsehen Landesschau Rheinland-Pfalz, 6. November 2015Oliver Tolmein: Braucht die Beschneidungs-Debatte ein Update? In: FAZ, 23. August 2012 Gemeinsam mit Uwe-Christian Arnold verfasste Schmidt-Salomon das Werk Letzte Hilfe, in dem er sich für das Recht auf Sterbehilfe einsetzt. Die Idee einer multikulturellen Gesellschaft, in der verschiedene Kulturen nebeneinander existieren, sieht er als gescheitert an und bietet stattdessen eine transkulturelle Gesellschaft als Alternative.Hoffnung Mensch. 2014, S. 294–303 Durch Kontakt mit Michael Braungart ist er überzeugter Verfechter des Cradle-to-Cradle-Prinzips geworden.Monika Griefahn, Edda Rydzy: Der Grundwiderspruch der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Cradle to Cradle als möglicher Lösungsweg. Ansatzpunkte und strategische Potentiale von Kulturpolitik. Berlin (2012). S. 369–370