Die Produktion des relativen Mehrwerts bezeichnet in der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx die Vergrößerung der Mehrwertrate durch die sog. reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital. Diese reelle Subsumtion setzt die formelle Subsumtion (vgl. Absoluter Mehrwert) voraus und vollendet sie, indem sie den Arbeitsprozess selbst revolutioniert und produktiver macht. Fällt dadurch der Wert der Waren, die als notwendig gelten, damit sich die Arbeitskraft reproduzieren kann, so sinkt der Wert der Arbeitskraft. Dann sinkt die notwendige Arbeitszeit und die Mehrarbeitszeit steigt.

Prinzip Nach Marx ist der Wert der Arbeitskraft gleich derjenigen Menge an Lebensmitteln, die als notwendig gelten, damit sich eine durchschnittliche Arbeitskraft reproduzieren kann. Das Wort Lebensmittel ist dabei in einem weiten Sinne zu verstehen: es meint nicht nur Nahrungsmittel, Kleidung und Wohnung, sondern kann noch weitere Dinge umfassen. Es geht nicht nur um das Nötige zur Erhaltung eines Individuums, sondern auch um das Nötige zur Erhaltung einer Arbeiterfamilie, denn die Klasse als solche muss sich reproduzieren können; ebenso gehören auch die Bildungskosten für die heranwachsende Generation dazu. Was als notwendig gilt, hängt von historischen und moralischen Faktoren ab. Es kann von Land zu Land und mit der Zeit variieren. Ferner hängt der Umfang auch davon ab, was die jeweilige Arbeiterklasse als notwendig geltend macht. Der Lohn bzw. Preis der Arbeitskraft kann prinzipiell auch über oder unter dem Wert liegen. Der Preis kann nicht nur den Wert, sondern auch einen momentanen Überschuss oder Mangel an Arbeitskräften anzeigen und entsprechend fallen oder steigen. Der Wert der Arbeitskraft verändert sich aber nur dann, wenn sich der Umfang der notwendigen Lebensmittel oder deren Wert verändert.

Indem die Kapitalisten die Produktivkraft der Arbeit in denjenigen Bereichen steigern, die für die Produktion der Lebensmittel der Arbeiter relevant sind, senken sie den Wert dieser Lebensmittel und somit den Wert der Arbeitskraft. Zu den relevanten Bereichen zählen diejenigen Branchen, die die betreffenden gewöhnlichen Lebensmittel produzieren oder die Produkte schaffen, die erstere ersetzen können; ferner gehören auch diejenigen Branchen dazu, die die Produktionsmittel bzw. Rohstoffe oder Maschinen bereitstellen, mittels derer die Lebensmittel hergestellt werden. Marx nennt als Mittel, die der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit dienen, Kooperation, Arbeitsteilung und den Einsatz von Maschinerie bzw. Automatisierung.

Verlängerte ein Kapitalist die Arbeitszeit, brächte ihm das verständlicherweise Vorteile bzw. einen größeren Mehrwert. Im Falle der Produktivkraftsteigerung ist es zunächst weniger ersichtlich. Wenn z. B. ein Tischproduzent die Produktivkraft seiner Arbeiter steigert, dann werden Tische zwar billiger, aber nur insoweit Tische zu den notwendigen Lebensmitteln zählen, würde der Wert der Arbeitskraft sinken. Die Verbilligung der Arbeitskraft wäre relativ gering und bis zur Verbilligung würde es lange dauern. Marx fragt sich daher, was den einzelnen Kapitalisten antreibt.

Die Antwort findet sich in der Kategorie des Extramehrwerts: Indem der einzelne Kapitalist die Produktivität seiner Arbeiter steigert, kann er den individuellen Wert seiner Produkte reduzieren und zum üblichen gesellschaftlichen Wert verkaufen – die Differenz ist der Extramehrwert; wenn sich die neue Produktionsmethode verallgemeinert hat, dann ist der Extramehrwert verschwunden. Dann ist die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, um die betreffende Warensorte zu produzieren, gesunken. Ihr Wert sinkt. Nur wenn diese Ware zu denjenigen Lebensmitteln zählt, die als notwendig gelten, damit sich die Arbeitskraft reproduzieren kann, sinkt auch der Wert der Arbeitskraft. Das ermöglicht die Steigerung der Mehrwertrate. Der Arbeiter braucht weniger Zeit, um ein Wertäquivalent seines Lohnes zu schaffen. Sinkt nun der Lohn, so steigt der Mehrwert.

Der Kapitalist, der als Erster die Produktivkraft steigert, kann die übliche Warenmenge mit weniger Arbeitskräften produzieren oder die Produktion ausdehnen. Ersteres ist unwahrscheinlich. Oft rechnet sich die Einführung neuer Maschinen nur dann, wenn mehr produziert wird. Zudem wird er versuchen, seine vorübergehende Monopolstellung auszunutzen, um möglichst viel Extramehrwert zu erzielen. Schließlich ist der Kapitalist bestrebt, seine Maschine möglichst schnell zu verschleißen, bevor sie durch eine billigere Variante desselben Typs oder durch neue bessere Maschinen entwertet wird. Um die größere Warenmenge absetzen zu können, muss er einen größeren Absatzmarkt finden oder ansonsten den Preis senken; er wird dann unter dem gesellschaftlichen Wert, aber über dem individuellen Wert der Ware verkaufen. In diesem Fall setzt er seine Konkurrenten unter Druck: sie müssen ebenfalls die Produktivkraft steigern, da sie ansonsten weniger Gewinn erzielen können. Die Gesetze, die dem Kapital innewohnen, wie die Verlängerung des Arbeitstages und die Produktivkraftsteigerung, setzen sich gegenüber dem einzelnen Kapitalisten als Sachzwang bzw. Konkurrenzdruck durch.

Einfaches Rechenbeispiel Man kann ein stark vereinfachtes Beispiel konstruieren, das auf dem 15. Kapitel des ersten Bandes von Das Kapital beruht, um den Sachverhalt zu illustrieren. Man nehme an, dass sich schlagartig in allen Branchen die Produktivkraft der Arbeit verdoppelt, während andere Umstände gleich bleiben, wie vor allem die Länge des Arbeitstages und die Intensität der Arbeit. Dann werden in gleicher Zeit doppelt so viele Waren produziert. Der Wert der vorherigen Warenmenge wäre gleich dem Wert der vergrößerten Warenmenge. Jede Ware wäre halb so viel wert wie zuvor.

Man nehme ferner an, ein Arbeiter schuf vor der Verdoppelung der Produktivkraft pro Tag in seiner notwendigen Arbeitszeit einen Wert von 50 und in der Zeit der Mehrarbeit einen Mehrwert von 50. Durch die Produktivitätssteigerung wurde der Wert der notwendigen Lebensmittel halbiert. Der Wert der Arbeitskraft liegt nun bei 25. Der Kapitalist könnte den Lohn von 50 auf 25 senken. Die reale Kaufkraft des Lohnes wäre die gleiche wie zuvor. Der Mehrwert des Kapitalisten könnte entsprechend um 25 erhöht werden und steigt auf 75. Der Arbeiter schafft nun in kürzerer Zeit ein Wertäquivalent seines Arbeitslohnes und die Mehrarbeitszeit wird entsprechend ausgedehnt.

Bedeutung

Lebensstandard der Arbeiterklasse Die Arbeiter könnten die Produktivitätssteigerung nutzen, um ihren Lebensstandard zu erhöhen. Sind sie stark genug organisiert, dann können sie erzwingen, dass der Lohn nicht ganz auf den neuen Wert der Arbeitskraft fällt, sondern etwas darüber liegt. In unserem Beispiel hieße das, dass der Lohn nicht von 50 auf 25 gesenkt wird, sondern beispielsweise nur auf 40. Der Lohn des Arbeiters wäre nominal von 50 auf 40 gesunken, aber der Arbeiter kann bereits mit 25 die gleiche Menge an Waren kaufen wie vor der Steigerung der Produktivität. Sein Reallohn ist also gestiegen.

Krise Siehe Hauptartikel: Marxistische Krisentheorie

In Das Kapital gibt es keine zusammenhängende Krisentheorie, sondern es gibt im gesamten Werk verstreute Bemerkungen über das Thema. Wichtige Argumente sind unabhängig vom Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Nach Marx tendiert die kapitalistische Produktionsweise notwendig zu Krisen. Sie trennt das, was notwendig zusammen gehört, nämlich Produktion und Konsumtion. Sie tendiert dazu, die Produktion systematisch auszudehnen und zugleich die Konsumtion zu beschränken.

Die Steigerung des relativen Mehrwerts ist ein zentraler Faktor, der Krisen begünstigt. Im Abschnitt Prinzip wurde erwähnt, dass die Steigerung der Produktivkraft sehr wahrscheinlich damit einhergeht, dass die Produktion ausgedehnt wird. Wenn Kapitalisten miteinander konkurrieren, dann müssen sie versuchen, den Profit zu maximieren. Nur so können sie sicherstellen, dass sie genügend Mittel haben, um in ihr Unternehmen zu investieren und modernisieren zu können. Diese Logik erfordert, dass die Kapitalisten versuchen, die Arbeitskosten zu minimieren, also möglichst wenig Arbeitskräfte einzusetzen und ihnen möglichst wenig zu zahlen. Das beschränkt die Nachfrage der Arbeiterklasse. Des Weiteren wird auch die Nachfrage der Kapitalisten nach Produktionsmitteln beschränkt. Sie kaufen nur dann Produktionsmittel, wenn sie sich davon Profit erwarten und wenn dieser erhoffte Profit größer ist als der Profit, den sich der Kapitalist von anderweitigen Verwendungsmöglichkeiten seines Kapitals verspricht, wie z. B. als zinstragendes Kapital.

Laufen Produktion und Konsumtion lange genug auseinander, dann kommt es zur Überproduktion und Überakkumulation. Es gibt dann zu viel Kapital, das nicht verwertet werden kann: zu viel Warenkapital, das nicht abgesetzt werden kann, zu viel produktives Kapital, das überflüssig ist, und zu viel Geldkapital, das nicht realisiert werden kann. Das Ziel der kapitalistischen Produktionsweise, die Kapitalverwertung bzw. Profitmaximierung, wird dadurch stark beeinträchtigt. Viele Menschen werden arbeitslos und Unternehmen gehen unter.

Vom Extramehrwert zum Extraprofit Der Ausdruck Extramehrwert taucht bereits im ersten Band von Das Kapital auf, in dem Marx primär den Produktionsprozess behandelt. Im dritten Band kann er die Einsicht, dass die Produktion und Zirkulation des Kapitals eine Einheit bilden, voraussetzen und befasst sich mit dem Gesamtprozess. Er versucht seine bis dahin entwickelten Kategorien konkreter zu fassen, um sich dem empirischen Kapital anzunähern. Er unterscheidet den Mehrwertbegriff vom Profitbegriff, mit dem eine Mystifikation einhergeht, und entsprechend die Mehrwertrate von der Profitrate. Dass die Einzelkapitale miteinander konkurrieren, bewirkt, dass die individuellen Profitraten dazu tendieren, sich zu einer allgemeinen Profitrate auszugleichen. Der Kostpreis einer Ware, der die Kosten für konstantes und variables Kapital pro Wareneinheit umfasst, multipliziert mit der durchschnittlichen Profitrate ergibt den Durchschnittsprofit.

Die Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals, dessen sparende Nutzung oder ein schnellerer Umschlag des Kapitals können dazu dienen, dass ein Kapitalist seine Profitrate steigert. Die wesentliche Quelle der Mehrwertproduktion ist jedoch, dass Lohnarbeiter ausgebeutet werden. Die beiden wesentlichen Wege, um die Ausbeutung zu erhöhen, sind die Arbeitszeitverlängerung und die Steigerung der Produktivität der Arbeit.

Ein Kapitalist kann unter bestimmten Umständen einen überdurchschnittlichen Profit erzielen, den sogenannten Extraprofit oder Surplusprofit. Wie im ersten Band bereits erwähnt betrifft das einen Kapitalisten, der als Erster eine Erfindung in die Produktion einführt, billiger produziert als seine Konkurrenten, aber zum Marktpreis verkauft. Bis zur Verallgemeinerung der Erfindung kann er so einen Extraprofit erzielen. Eine weitere Möglichkeit bietet der Außenhandel. Ein Kapitalist könnte Waren über Wert exportieren und die Konkurrenten im Importland, die die betreffende Ware schwerer produzieren können, preislich unterbieten. Ferner könnte ein Kapitalist über natürliche Ressourcen verfügen, mit denen er die Produktivkraft seiner Arbeiter steigern kann, und diese Ressourcen monopolisieren. Marx nennt als Beispiel einen Kapitalisten, der einen Wasserfall nutzt und somit billiger produzieren kann als seine Konkurrenten, die auf Dampftechnologie setzen.

Ein Surplusprofit kann jedoch auch dadurch erzielt werden, indem der Kapitalist ein Produkt verkauft, das einen limitierten Bereich der Natur erfordert, wie im Falle eines seltenen Weines. Der Preis dafür richtet sich nur nach der Kaufkraft und danach, wie sehr die Käufer das betreffende Produkt schätzen. Der Preis hängt nicht vom eigentlichen Wert des Produkts ab.

Fordismus als historisches Beispiel