mini|Claudio Hils (2013) mini|Portraet Claudio Hils Ausstellung heimatfront. Bühnenbilder des Krieges, Artist Claudio Hils, Kunstmuseum Thurgau 2021 Claudio Hils (* 6. Januar 1962 in Mengen, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Fotograf, Kommunikationsdesigner und Hochschullehrer.
Fotografische Arbeiten Claudio Hils studierte von 1985 bis 1993 Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Bildjournalismus an der GHS Universität Essen, unter anderen bei Angela Neuke. Durch die Arbeiten der Fotoklasse von Angela Neuke an gesellschaftlichen Problemstellungen wurde er u. a. von Fotografen der New Topographics Bewegung, den amerikanischen Bildautoren Diane Arbus, Lee Friedlander, Richard Misrach sowie den europäischen Bildautoren Michael Schmidt, und Martin Parr beeinflusst.
Bereits während seines Studiums arbeitete er als Bildjournalist für internationale Magazine wie Der Spiegel, ZEIT Magazin, Vanguardia, El País oder Geo. Parallel dazu arbeitet er aber auch bereits an seinen eigenen fotografischen Langzeitprojekten in Form von Ausstellungen und Publikationen.
Neuland Claudio Hils begann 1989 mit einer fotografischen Langzeitstudie über die Wandlungsprozesse in den neuen Bundesländern nach der Maueröffnung. Sein Fokus richtete sich vor allem auf die Einflüsse des Westens auf den Osten. Seine Publikation Neuland. Fotografien von Claudio Hils erschien dann im Jahr 1999 im Braus Verlag, Heidelberg. Begleitet wurde die Publikation von einer Reihe von Ausstellungen, sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern sowie im europäischen Ausland.
Red Land, Blue Land Bereits ein Jahr später erschien seine nächste Publikation, Red Land, Blue Land, beim Kunstverlag Hatje Cantz. Dieses Ausstellungs- und Buchprojekt zeigt Fotografien, die auf dem Truppenübungsplatz Senne in Nordrhein-Westfalen aufgenommen wurden – Red Land steht für Feindes-, Blue Land für Freundesland im Manöver. Die begleitenden Essays von Rolf Schönlau und Anna M. Eifert-Körnig bieten dem Leser sozialhistorische Informationen zur Sennelandschaft und eine genaue Analyse der künstlerischen Arbeit Claudio Hils'. Für diese Arbeit erhielt seine damalige Galerie Sabine Schmidt eine Sonderkoje des Landes NRW auf der Fotomesse Paris Photo 2001. Durch die Ausstellung 2001 in der kommunalen Galerie „Belfast Exposed“ im Rahmen eines Fotofestivals wurde die Arbeit auch im Vereinigten Königreich und Irland bekannt. Er bekam in der Folge ein Stipendium des Arts Council of Northern Ireland und begann dort ein neues Projekt (Archive-Belfast) zu bearbeiten.
Archive-Belfast 2004 veröffentlichte er dann das Ergebnis dieses Stipendiums beim Kunstverlag Hatje Cantz unter dem Titel Archive-Belfast. Zeitgleich wurde die Ausstellung erstmals in der Galerie „Belfast Exposed“ in Belfast gezeigt. Diese Projektarbeit dokumentiert die Spuren, die Jahre der Gewalt in Belfast hinterlassen haben. In jedem Archiv der Stadt, das fotografische Mittel zur objektiven Beweisführung für die Auswirkungen von Gewalt verwendet, finden sich Spuren des Konflikts. Auch private und halböffentliche Sammlungen von Memorabilien des Konflikts wurden während des Projekts in öffentliche Archive umgewandelt.
Dream City Im Jahr 2001 ergab sich eine Zusammenarbeit mit dem Architekten und Städteplaner Max Stemshorn aus Ulm. Max Stemshorn konzentrierte sich auf die wissenschaftliche Beschreibung der Entwicklung des europäischen Stadtraums über mehrere Jahrhunderte hinweg, während Claudio Hils einen aktuellen Fotoessay über die weltweite Entstehung und Entwicklung von Megacities zu dieser Zusammenarbeit beigetragen hat. Die daraus resultierende Ausstellung mit dem Titel „Dream City“ fand dann erstmals im Stadthaus Ulm statt. Die Publikation erschien 2001 unter demselben Titel beim Hatje Cantz Kunstverlag.
Industrie_Zeit_Raum mini|Cover Publikation "INDUSTRIE ZEIT RAUM", Artist Claudio Hils, Edition Heckenhauer ISBN 3-9809619-6-6 2005 erhielt Claudio Hils eine Einladung des Zeppelin-Museums Friedrichshafen, die im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstörte Rüstungsindustrie-Stadt Friedrichshafen mit ihren, auch heute wieder großen Rüstungskonzernen, fotografisch zu erkunden, zu publizieren und auszustellen. Im Klappentext der Publikation schreibt Christoph Schaden dazu: "… die Fotografien von Claudio Hils dokumentieren die industriellen Areale, die die Identität der Stadt Friedrichshafen, in der sie verortet sind, bis heute entscheidend geprägt haben. MTU, EADS, ZF-Konzern, Zeppelin GmbH. Die Namen der Großkonzerne verweisen auf ein zwiespältiges Erbe, das sowohl von Utopie als auch von Zerstörung zeugt. Hils legt in seinen Bildern den weitgehend tabuisierten Verarbeitungsprozess frei, der mit dem Fortbestehen der Rüstungsindustrien verbunden gewesen ist. Er spürt die spärlich erhaltenen Relikte des Vergangenen auf und positioniert sie in eine Gegenwart, die abermals vom Diktat der Utopien bestimmt wird. Die Koordinaten seiner Spurensuche heißen Industrie, Zeit, Raum."
„abseits – aside – à l'écart“ mini|Sonderausstellung "Menschengemacht. Fotografische Blicke auf die Landschaften unserer Zeit", Totale, Bauernhaus Museums Wolfegg, 2022 mini|Sonderausstellung "Menschengemacht. Fotografische Blicke auf die Landschaften unserer Zeit", Bauernhaus Museums Wolfegg, 2022 mini|Ausstellung "Menschengemacht.Fotografische Blicke auf de Landschaften unserer Zeit", Andreas Weinand, Wandtotale, Bauernhaus Museum Wolfegg 2022 Nach seinem Umzug von Essen zurück nach Baden-Württemberg im Jahr 2000 folgte eine sehr persönliche Arbeit über seine alte Heimat mit dem Titel „abseits – aside – à l'écart“. Strukturwandlungsprozesse verändern immer schneller und in dramatischer Weise den ländlichen Raum. Diese Prozesse sind hier exemplarisch in Süddeutschland dargestellt und um wissenschaftliche Essays in der Publikation und Ausstellung ergänzt. In der Folge entwickelte sich daraus eine von Claudio Hils kuratierte Saisonausstellung 2021 für das Bauernhaus-Museum Wolfegg unter dem Titel „Menschengemacht. Fotografische Blicke auf Landschaften unserer Zeit“. Die daran teilnehmenden Künstler waren Arnold Stadler (Autor), Andreas Weinand (Fotograf) und Joachim Brohm (Fotograf).
Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges Für seine Ausstellung und gleichnamige Publikation „heimatfront – Bühnenbilder des Krieges“ fotografierte Hils in militärischen Tabuzonen und anderen militärischen Anlagen im Südwesten Deutschlands. Zusätzlich verwendete er virtuelle Bilder aus Übungssoftwares der Bundeswehr. Die Ausstellung und die Publikation entstanden in Kooperation mit dem Kunstmuseum Thurgau und dem LRA Sigmaringen. Im Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, wurde die Ausstellung dann erstmals 2021 ausgestellt, gefolgt von einer Ausstellung in der Kreiskunstgalerie Schloss Meßkirch.
Fotografische Auftragsarbeiten
The Making of the Euro Im Auftrag der Europäischen Zentralbank dokumentierte Hils die Entstehung des neuen Euro. Dabei wurden sowohl technische als auch sozialgesellschaftliche Faktoren einbezogen.
TEAM.NL 2004 wurde Claudio Hils vom Fotografie-Museum Amsterdam beauftragt, eine künstlerisch-dokumentarische Arbeit über die Niederländische Fußballnationalmannschaft zu erstellen. Er begleitete die Mannschaft bei verschiedenen Vorbereitungsspielen auf die Fußball-Europameisterschaft.
Hölderlin. Eine Winterreise Hölderlin. Eine Winterreise ist eine Zusammenarbeit von Hils mit dem Historiker Thomas Knubben. Knubben ging Friedrich Hölderlins Reise von Nürtingen nach Bordeaux im Winter 1801/1802 nach. Die von ihm dabei erstellten Fotografien bearbeitete Hils. Eine Auswahl der fast 800 Fotografien wurde zusammen mit historischen Abbildungen und Dokumenten in diesem Bildband veröffentlicht.
Lehre und kuratorische Arbeiten
Lehraufträge Bereits seit 1998 arbeitet Claudio Hils, parallel zu seinen journalistischen und freien Autorenarbeiten, als Dozent an verschiedenen Hochschulen. Von 1998 bis 2002 war er als Dozent am der Freien Schule für Gestaltung in Ravensburg tätig. 1999 wurde er berufenes Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie. Von 2000 bis 2005 war er Kurator und Projektleiter des Fotografenstipendiums der Stadt Ravensburg. Zusammen mit dem damaligen Kulturamtsleiter Thomas Knubben initiierte er das erste Stadtfotografen-Stipendium in Deutschland.
2003/2004 übernahm Hils Lehraufträge an der Fachhochschule Vorarlberg im FB Intermedia in Dornbirn, Österreich. 2004 wurde er berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Von 2004 bis 2009 war er Projektkoordinator und Kurator des Europan Central Bank „Annual Photography Award“. 2005/2006 lehrte er als Dozent für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Anschließend war er von 2005 bis 2008 als Hochschullehrer an der FH Vorarlberg im Fachbereich Mediengestaltung in Dornbirn. 2008 wurde er zum Professor für Fotografie und Gestaltung an die Fachhochschule Vorarlberg berufen.
Hils arbeitete von 2010 bis 2017 als Kurator der FHV Galerie, Dornbirn, der Galerie im Kreuzgang, Kloster Obermarchtal von 2012 bis 2016 und der Sonderausstellung „Menschengemacht. Fotografische Blicke auf die Landschaften unserer Zeit“ im Bauernhaus-Museum Wolfegg 2022.
Ausstellungsdesign und Szenografie
Neben seiner fotografischen Laufbahn und der Lehre engagierte sich Claudio Hils ebenfalls im Bereich des Ausstellungsdesigns und der Szenografie. Durch seine rege Ausstellungstätigkeit wurden ihm auch andere Ausstellungsprojekte zur Bearbeitung von verschiedenen Museen und Auftraggebern angeboten.
Von Königskindern und anderen. Friedrich Pöhler – ein Photograph in Wilhelmsdorf, 1909–1910 Bis heute weiß niemand, woher der Wanderphotograph Friedrich Pöhler 1909 ins oberschwäbische Wilhelmsdorf gekommen war, warum er sich ausgerechnet hier ein photographisches Atelier eingerichtet hat und wohin er nach weniger als zwei Jahren Sesshaftigkeit weitergezogen ist. Nicht einmal der Wert seines Wilhelmsdorfer photographischen Nachlasses wurde, als man die rund 350 Glasplattennegative 1995 gefunden hat, sofort erkannt. Umso überraschter war man, als die inzwischen im Keller eines Antiquitätenhändlers gelagerten Aufnahmen von Claudio Hils genauer betrachtet wurden. Sie sind nämlich weit mehr als nur ein Fund alter Photographien für den nostalgischen Blick. Pöhler war Meister und Künstler in seiner Profession, er schuf bestimmte, bis heute nachwirkende Bildtraditionen und hielt ambitioniert die Lebensformen der Wilhelmsdorfer Pietistengemeinde und ihrer katholischen Nachbarn fest.
Neben einer aufwändigen Publikation, unter anderem mit Texten des Büchner-Preisträgers Arnold Stadler und dem Historiker Andreas Gestrich, kam es zu einer Ausstellungsreihe im Bauernhaus-Museum Wolfegg, Stadthaus Ulm und Museum Quadrat Bottrop. Im Folkwang Museum Essen wurden die Arbeiten von Friedrich Pöhler in einen Dialog mit Bildern aus der fotografischen Sammlung von August Sander und Bernhard Fuchs gesetzt. Klaus Armbruster verfilmte die Recherchen zur Lebensgeschichte des Fotografen in einem semidokumentarischen Spielfilm mit dem Titel Pöhler’s Passagen für Arte und das ZDF.
"Im Fluss", eine Auftragsarbeit für das Weserrenaissance-Museum Lemgo mini|Cover Publikation "Im Fluss", Artist Claudio Hils, ISBN 3-9806079-5-X