mini|Ein kaum noch lebender Soldat des Unionsheeres in Georgia bei seiner Entlassung am Ende des Krieges. Sowohl die Kriegsgefangenen der Konföderierten als auch der Nordstaaten litten während ihrer Gefangenschaft unter großen Entbehrungen.

Die Gefangenenlager des Sezessionskrieges wurden zwischen 1861 und 1865 von den Nordstaaten und der Konföderation betrieben und beherbergten über 400.000 gefangene Soldaten. Vom Beginn des Krieges bis 1863 gab es ein System zum Austausch von Gefangenen, das es den meisten Gefangenen ermöglichte, relativ schnell nach Hause zurückzukehren. Dieses System brach jedoch zusammen, als die Konföderation sich weigerte, schwarze und weiße Gefangene gleich zu behandeln; danach stieg die Zahl der Gefangenen auf beiden Seiten sprunghaft an.

Aufzeichnungen zufolge wurden 211.411 Soldaten der Nordstaaten gefangen genommen, von denen 16.668 auf Ehrenwort freigelassen wurden und 30.218 starben; von denen der Südstaaten wurden 462.684 gefangen genommen, 247.769 auf Ehrenwort freigelassen und 25.976 starben in Gefangenschaft. Etwas mehr als 5,6 % der Gefangenen in nordstaatlichen Gefängnissen starben, im Vergleich zu 14,29 % in südstaatlichen Gefängnissen.James Ford Rhodes (1904). History of the United States from the Compromise of 1850: 1864–1866. Harper & Brothers. S. 507–508.

Die US-Historikerin Lorien Foote bemerkte: „Das Leiden der Gefangenen hat die Versöhnung nach dem Krieg stärker behindert als jeder andere Vorgang während des Krieges.“

Entlassung auf Ehrenwort Da zu Beginn des Sezessionskrieges keine Mittel zur Behandlung einer großen Anzahl gefangener Soldaten zur Verfügung standen, stützten sich sowohl die Regierung der Nordstaaten als auch die der Konföderation auf das traditionelle europäische System der Entlassung auf Ehrenwort und des Gefangenenaustausches. Ein Gefangener, der auf Ehrenwort entlassen wurde, versprach, nicht mehr zu kämpfen, bis sein Name gegen den eines ähnlichen Mannes auf der anderen Seite „ausgetauscht“ worden war; dann könnten beide wieder zu ihren Einheiten zurückkehren. Die Gefangenen wurden bis zu ihrem Austausch vorübergehend in permanenten Lagern festgehalten. Das Austauschsystem brach Mitte 1863 zusammen und die Gefängnispopulation auf beiden Seiten stieg daraufhin sprunghaft an. Es gab 32 große südstaatliche Gefängnisse, davon 16 in den Deep-South-Bundesstaaten Georgia, Alabama und South Carolina. Trainingslager wurden oft zu Gefängnissen umfunktioniert und es mussten auch neue Gefängnisse gebaut werden. Die Nordstaaten hatten eine viel größere Bevölkerung als die Südstaaten und General Ulysses S. Grant war sich bewusst, dass die Inhaftierung der Soldaten in nordstaatlichen Gefängnissen der Wirtschaft und den Kriegsanstrengungen der Südstaaten schadete.

Gefangenenaustausch mini|Zurückgekehrte Kriegsgefangene tauschen ihre Lumpen gegen neue Kleidung ein. Gezeichnet von William Waud. Bei Ausbruch des Krieges vermied die Bundesregierung jegliche Maßnahmen – einschließlich Gefangenenaustausch – die als offizielle Anerkennung der konföderierten Regierung in Richmond angesehen werden könnten. Die öffentliche Meinung erzwang eine Änderung nach der ersten Schlacht am Bull Run, als die Konföderierten über tausend nordstaatliche Soldaten gefangen nahmen.Hesseltine, William B. (1930). Civil War Prisons: A Study in War Psychology. Ohio State University Press. S. 9–12.

Die Kräfte der Nord- und Südstaaten tauschten sporadisch Gefangene aus, oft als Akt der Menschlichkeit zwischen gegnerischen Befehlshabern. Die Unterstützung für Austausche wuchs in den ersten Kriegsmonaten, als immer mehr nordstaatliche Soldaten gefangen genommen wurden. Petitionen von Gefangenen in den Südstaaten und Leitartikel in nordstaatlichen Zeitungen übten Druck auf das Kabinett Lincoln aus. Am 11. Dezember 1861 verabschiedete der US-Kongress eine gemeinsame Resolution, in der Präsident Lincoln aufgefordert wurde, „systematische Maßnahmen für den Austausch von Gefangenen in der gegenwärtigen Rebellion einzuleiten“. Bei zwei Treffen am 23. Februar und 1. März 1862 trafen sich der nordstaatliche Generalmajor John E. Wool und der konföderierte Brigadegeneral Howell Cobb, um eine Vereinbarung über den Gefangenenaustausch zu erzielen. Sie diskutierten viele der später im Dix-Hill-Abkommen verabschiedeten Bestimmungen, doch Differenzen darüber, welche Seite die Kosten für den Transport tragen sollte, blockierten die Verhandlungen.

Dix-Hill-Kartell von 1862 Dank der informellen Austauschprogramme waren die Gefangenenlager Mitte 1862 weitgehend leer. Beide Seiten einigten sich darauf, das System zu formalisieren, und die Verhandlungen wurden im Juli 1862 wieder aufgenommen, als sich der nordstaatliche Generalmajor John A. Dix und der südstaatliche Generalmajor Daniel H. Hill trafen. Das Abkommen legte eine Äquivalenzskala für den Austausch von Offizieren und Mannschaften fest: Ein Marinekapitän oder ein Armeeoberst entsprach fünfzehn Soldaten oder einfachen Matrosen; Personal gleichen Ranges wurde Mann für Mann ausgetauscht. Jede Regierung ernannte einen Beauftragten, der für den Austausch und die Entlassung auf Ehrenwort von Gefangenen zuständig war. Das Abkommen ermöglichte auch den Austausch von Nichtkombattanten, wie beispielsweise Bürgern, denen „Illoyalität“ vorgeworfen wurden, und zivilen Mitarbeitern des Militärs, sowie den informellen Austausch oder die Freilassung von Gefangenen zwischen den Befehlshabern der gegnerischen Kräfte.

Die Behörden sollten alle Gefangenen, die nicht innerhalb von zehn Tagen nach ihrer Gefangennahme offiziell ausgetauscht worden waren, auf Ehrenwort freilassen. Die Bedingungen des Kartells verboten es den auf Ehrenwort freigelassenen Gefangenen, in irgendeiner Funktion zum Militär zurückzukehren, einschließlich „der Ausübung von Feld-, Garnisons-, Polizei- oder[sic] Wach- oder Ordnungsdienst“.

Ende des Austausches Das Tauschsystem brach 1863 zusammen, weil die Konföderation sich weigerte, schwarze Gefangene genauso zu behandeln wie weiße. Sie sagten, die seien wahrscheinlich ehemalige Sklaven und gehörten ihren Herren, nicht der nordstaatlichen Armee. Die Südstaaten benötigten den Handel dringender als die Nordstaaten, da in der Konföderation ein gravierender Mangel an Arbeitskräften herrschte. 1864 erkannte Ulysses S. Grant diese „Gefangenenlücke“ (die Lager der Nordstaaten hielten weit mehr Gefangene als die der Konföderation) und kam zu dem Schluss, dass ihm diese wachsende Gefangenenlücke einen entscheidenden militärischen Vorteil verschaffte. Er lehnte daher den Austausch insgesamt ab, bis das Ende in Sicht war. Etwa 5.600 Konföderierte durften sich der nordstaatlichen Armee anschließen; diese als „galvanisierte Yankees“ () bekannten Truppen wurden im Westen stationiert, wo sie gegen die Indianer kämpften.

Der Gefangenenaustausch wurde Anfang 1865, kurz vor Kriegsende, wieder aufgenommen, wobei die Konföderierten 17.000 Gefangene in die Nordstaaten schickten und im Gegenzug 24.000 Männer erhielten. Am 23. April, nach Kriegsende, beförderte das Flussschiff Sultana 1.900 ehemalige Gefangene auf dem Mississippi in Richtung Norden, als es explodierte und etwa 1.500 von ihnen tötete.

Sterberaten Die Gesamtsterblichkeitsraten in den Gefängnissen auf beiden Seiten waren ähnlich und recht hoch. Viele Gefängnisse in den Südstaaten befanden sich in Regionen mit hohen Krankheitsraten und litten regelmäßig unter einem Mangel an Medikamenten, Ärzten, Lebensmitteln und Eis. Die Nordstaatler glaubten oft, dass ihre Männer in den Gefängnissen der Konföderierten absichtlich geschwächt und getötet würden und forderten, dass die Bedingungen in den nordstaatlichen Gefängnissen ebenso hart sein sollten, obwohl es in den Nordstaaten keine Versorgungsengpässe gab.

Etwa 56.000 Soldaten starben während des Krieges in Gefängnissen, was fast 10 % aller Todesopfer des Sezessionskrieges entspricht. Während eines Zeitraumes von 14 Monaten starben in Camp Sumter in der Nähe von Andersonville, Georgia, 13.000 (28 %) der 45.000 dort inhaftierten nordstaatlichen Soldaten. In Camp Douglas in Chicago, Illinois, starben 10 % der konföderierten Gefangenen während eines kalten Wintermonates. Elmira Prison im Bundesstaat New York hatte eine Sterblichkeitsrate von 25 %, die fast der von Andersonville entsprach.

Hauptlager in den NordstaatenNameOrtNotizenBildCamp ChaseColumbus, OhioGegründet im Mai 1861 und geschlossen 1865. Die ursprüngliche Kapazität des Lagers betrug 4.000 Mann, zeitweise wurden jedoch mehr als 7.000 Gefangene untergebracht. Die Kapazität wurde auf 7.000 erhöht, aber gegen Ende des Krieges waren bis zu 10.000 Männer in der Einrichtung untergebracht.Siehe auch das Denkmal für die gefallenen Soldaten der Konföderation in Chase Camp, das 1909 eingeweiht wurde.200pxCamp DouglasChicago, IllinoisCamp Douglas, manchmal auch als „Andersonville der Nordstaaten“ bezeichnet, war das größte nordstaatliche Kriegsgefangenenlager. Die Armee der Nordstaaten nutzte das Lager erstmals 1861 als Organisations- und Ausbildungslager für Freiwilligenregimenter. Anfang 1862 wurde es zu einem Kriegsgefangenenlager und ist aufgrund seiner schlechten Lebensbedingungen und einer Sterblichkeitsrate von etwa 15 % bemerkenswert. Von den 26.060 Internierten starben in den vier Jahren etwa 4.000 an Hunger, durch Hinrichtung oder Erfrierungen.200x200pxFort SlocumDavids Island, New York CityDavids Island wurde von Juli bis Oktober 1863 als provisorisches Krankenhaus für südstaatliche Soldaten genutzt, die während der Schlacht von Gettysburg verwundet worden waren.200x200pxElmira PrisonElmira, New YorkUrsprünglich als Camp Rathbun, ein Trainingslager, gegründet, wurde der Standort 1864 in ein Kriegsgefangenenlager mit einer Kapazität für etwa 12.000 Gefangene umgewandelt. Vor seiner Schließung 1865 starben dort 2.963 Gefangene aus verschiedenen Gründen.200x200pxFort DelawareDelaware City, Delaware200x200pxFort WarrenBoston, Massachusetts200x200pxGratiot Street PrisonSt. Louis, Missouri200x200pxJohnson's IslandLake Erie, Sandusky, Ohio200x200pxOhio PenitentiaryColumbus, Ohio200x200pxOld Capitol PrisonWashington, DC200x200pxPoint LookoutSaint Mary's County, Maryland200x200pxRock Island PrisonRock Island, IllinoisEine Insel im Mississippi River, die sich im Besitz der US-Regierung befindet.200x200pxCamp MortonIndianapolis, Indiana200x200px