mini|Ansichtskarte mit der Zigarettenfabrik Constantin AG in Hannover-List, ca. 1922
Die Constantin-Cigarettenfabrik geht auf das 1888 in Hannover gegründete Tabakgeschäft von Angely Constantin (1854―1916) zurück, der aus einer Familie griechisch-türkischer Tabakpflanzer kam.Constantin-Cigarettenfabrik Hannover, Werbeschrift, in: Beilage Nr. 3538 der Illustrirten Zeitung vom 20. April 1911. Stammsitz der Firma war Konstantinopel.Hubert W. Klostermeier: Geschichte der Zigarettenindustrie in Deutschland, 1862-1945. Handbuch Bd. 1 und 2, Eigenverlag, Wasserburg 2019, ISBN 978-3-00-062701-9.
Fabrik mini|Schutzmarke der Constantin-Cigaretten, um 1910 mini|Rückseite eines Zigaretten-Sammelbildes der Zigarettenfabrik Constantin für das in Kooperation mit der Universum Film AG (UFA) entstandene Doppel-Album zu den beiden Kino-Filmen Fridericus Rex und Wege zu Kraft und Schönheit, ca. 1926 Die Produktion startete in der Dietrichstraße in Hannover und die Zigaretten wurden im Geschäft am Theaterplatz 16 verkauft. Die Fabrik zog bald in die Weißekreuzstraße und schließlich in die Tivolistraße 4 hinter dem Bahnhof auf ein Grundstück um, das auch mehrere Gebäude in der benachbarten Augustenstraße einschloss. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf 1200 an, darunter viele Frauen.
1910 erfolgte der Bau eines mehrgeschossigen Fabrikgebäudes in Hannover-List, Wulhaustrift 12 (nach 1916 Umbenennung der Straße: Constantinstraße 40). Das repräsentative Haus mit Vorgarten und Springbrunnen hatte auf einer Länge von 110 m und 20 m Tiefe fünf Geschosse. Im Untergeschoss befanden sich das Tabaklager, im Erdgeschoss die Büro- und Konferenzräume sowie erste Verarbeitungsbereiche. In der ersten Etage waren die Maschinen- und Fabrikationssäle, darüber die Kartonnagenfabrikation. Die Zigarettenmaschinen hatten eine Tageskapazität von 200.000 Stück. Auf der gleichen Etage war die Packerei, im 3. Obergeschoss die Kantine und unter dem Dach das Materiallager. Die Einweihung erfolgte in Anwesenheit des Stadtdirektors Heinrich Tramm und lokaler Honoratioren. Auf dem Gelände standen darüber hinaus ein Gebäude mit Pferdeställen, Garagen und Wohnungen für sie Chauffeure und Werkmeister sowie ein Zoll-Transitlager.
1911 bestanden Niederlassungen mit Tabakspeichern in der Türkei, im nordgriechischen Xanthi und im damaligen Smyrna an der türkischen Westküste, wo Hunderte Arbeiter Tabak anbauten und verarbeiteten.
Als der Firmengründer 1916 verstarb, führte sein Sohn, Angely Constantin jun., die Geschäfte weiter. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete dieser Niederlassungen in Berlin, Breslau, Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, Königsberg, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart. Eine Zweitfabrik befand sich 1924 in Köln-Elberfeld, Körnerstr. 113.
Das Markenzeichen der Firma entwarf der Grafiker Walter Maria Kersting. F. H. Ehmcke: Wahrzeichen. Warenzeichen. Reckendorf, Berlin, München 1921. S. 30. Zahlreiche Plakate und Anzeigen gestaltete Ferdy Horrmeyer.Schubert, Walter F.: Deutsche Werbegraphik. Francken & Lang, Berlin 1927, nach S. 78. Digitalisat Von Paul Kammüller stammt das Titelblatt der zehn-seitigen Werbebeilage in einer Sonderbeilage der Illustrirten Zeitung vom 20. April 1911. mini|Titelblatt der Beilage Nr. 3538 der Illustrirten Zeitung vom 20. April 1911, Werbeschrift der Constantin-Cigarettenfabrik Hannover, Gestaltung Paul Kammüller
Die Fabrik wurde 1923Waldemar R. Röhrbein: Constantin-Cigaretten-Fabrik. In: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Klaus Mlynek u. a. Schlütersche, Hannover 2009, S. 116. oder 1926 durch den zur British American Tobacco Company gehörenden Betrieb von Georg Jasmatzi in Dresden übernommen. Die Produktion der verschiedenen Constantin-Marken wurde nach Dresden verlagert. Michael Weisser: Cigaretten-Reclame. Über die Kunst blauen Dunst zu verkaufen. Die Geschichte der Zigarette, ihrer Industrie und ihrer Werbung, von 1860 bis 1930. Doell-Verlag, Bassum 2002, ISBN 3-88808-274-9. Damit verlor die Firma ihre Selbständigkeit, wie viele der deutschen Zigarettenfirmen, die nach Krieg und Inflation u. a. aus Kapitalmangel Opfer der verstärkten Konzentration in der deutschen Zigarettenindustrie wurden.Otto Trautmann: Konzentrations-Bewegung und Standortsveränderung der deutschen Zigaretten-Industrie. Diplom-Arbeit, Handels-Hochschule Mannheim, 1930. Die Jasmatzi AG hatte sich bereits seit 1924/25 zu einer Interessengemeinschaft mit Reemtsma und der Dresdner Zigarettenfabrik Yenidze zusammengeschlossen.Tino Jacobs: Rauch und Macht. Das Unternehmen Reemtsma 1920 bis 1961. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0313-3. Der Vertrieb der Constantin-Zigaretten erfolgte nach der Übernahme durch Jasmatzi zuerst über die Vertriebsorganisation Jasconsa, einem Zusammenschluss von Jasmatzi, Constantin und der Yenidze-Hauptmarke Salem. 1931 wurde der Vertrieb sämtlicher Marken der damaligen Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH in der Frischdienst GmbH mit dem Ziel konzentriert, alle Zigarettenmarken Reemtsmas reichsweit innerhalb eines Tages an die Händler ausliefern zu können.
Das Constantin-Fabrikgebäude und die Produktionsanlagen gingen 1925 oder 1926 an die Reemtsma Cigarettenfabriken über. Um 1930 wurde in Hannover die Reemtsma-Marke Ova produziert. Die hannoversche Produktionsstätte bestand bis 1971 als „Werk Hannover“ der Reemtsma AG. Das Grundstück mit dem Fabrikgebäude wurde in den 1970er Jahren mit einem Gebäudekomplex der VHV-Versicherung überbaut, der wiederum um 2016 zur Errichtung von Wohngebäuden abgerissen wurde.Bebauungsplan Nr. 1821 Stadtteil List Constantinstraße vom 31. Oktober 2016
Unter dem Titel Die Welt in Bildern gab es um 1930 vier Bände von Sammelalben der Jasmatzi- und Constantin-Zigaretten, so zum Beispiel von Constantin ein Sammelalbum mit Filmschauspielern in Farbe auf goldenem Grund.
Die Liquidation der Firma Constantin erfolgte 1938.
Zigarettenmarken (Auswahl) mini|Werbeplakat für die Constantin-Marken Constantin No 85 und Reitschule mini|Werbung für die Zigarettenmarke "Dagmar" der Constantin-Zigarettenfabrik in Hannover, aus: Echo Continental, 1924, S. 215 Aco, zwischen 1906 und 1924 Constantin, verschiedene Nummern ab 1906 Dagmar, um 1900 bis 1927 Dubec, um 1900 bis 1926 Ernst August, um 1900 bis 1938 Herzog Ernst August, 1915 bis 1918 Kaiserpreis, 1909 bis 1918 Kolibri, 1906 bis 1926 Levante-Blume, 1916 bis 1930 Orplid, 1920 bis 1924 Reitschule, um 1906 bis 1926 Revonnah, 1913 bis 1928Karin Orchard (Hrsg.): Revonnah. Kunst der Avantgarde in Hannover. Ausstellungskatalog, Sprengel Museum Hannover, Snoek, Köln 2017, ISBN 978-3-86442-225-6, S. 8 f. mit Abb. Sefira, 1910 bis 1926 Softa, 1888 bis 1931 Victoria, 1904 bis 1918
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Einzelnachweise
Kategorie:Konstantinopel Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Hannover) Kategorie:Ehemaliger Tabakwarenhersteller (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1888 Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Hannover)