mini|Tankstelle von TotalEnergies bei Bodenheim Die TotalEnergies SE (Aussprache [totalenɛʁˈʒi]) ist ein französisches Energieunternehmen mit Hauptsitz im Tour TotalEnergies Coupole im Hochhausviertel La Défense in Courbevoie bei Paris.

Mit einem Umsatz von über 200 Mrd. US-Dollar zählt es zu den weltgrößten Fossilindustrieunternehmen. TotalEnergies beschäftigt in 130 Ländern gut 100.000 Mitarbeiter. Das in 30 Ländern tätige Unternehmen fördert primär Erdöl und Erdgas, baut und betreibt im geringen Umfang aber auch Solaranlagen und Windparks. In Deutschland hat das Unternehmen Aktivitäten in den Bereichen Chemie, Raffinerie, Marketing & Services, Gas sowie Solarenergie und Batteriespeichertechnik. Die Aktie der TotalEnergies SE gehört dem Börsenindex CAC 40 an und ist an der New York Stock Exchange und der Euronext in Paris notiert.

In den Forbes Global 2000 der weltgrößten Unternehmen belegt TotalEnergies Platz 25 (Stand: 2024) und kam auf einen Börsenwert von ca. 171 Mrd. USD.

Geschichte Entwicklung des Unternehmens

Gegründet wurde TotalEnergies im Jahr 1924 unter dem Namen Total, wobei Ernest Mercier die Schlüsselfigur war.

1980 betrieb Total in Westdeutschland 313 Tankstellen, davon 173 mit Selbstbedienung.

1999 übernahm die französische Total den belgischen Konkurrenten Petrofina. Im Jahr 2000 fusionierte schließlich die entstandene Totalfina mit dem alten französischen Rivalen Elf Aquitaine. Das Unternehmen hieß für kurze Zeit TotalFinaElf. Die Aktivitäten von Total umfassen die Rohöl- und Erdgasförderung, Energieerzeugung und -transport sowie die Produktion verschiedener Chemikalien. Während des Bürgerkriegs in Syrien kündigte die Total S.A. an, dass sie ihre Tätigkeiten in Syrien vorübergehend einstellen will.Syrien will Beobachter akzeptieren. In: euronews.net.

Das Hauptbüro Tour Total wurde ursprünglich zwischen 1983 und 1985 für Elf Aquitaine gebaut. Nach der Fusion mit Elf im Jahre 2000 kam die Total S.A. in den Besitz des Gebäudes.Total: l’héritage de la fusion. In: journaldunet.com. Am 21. Juli 2020 wurde die Total S.A. in eine Societas Europaea (SE) formwechselnd umgewandelt.

2021 erfolgte eine Umfirmierung zu TotalEnergies, mit der die Umwandlung des Unternehmens von einem fossilen Energiekonzern in ein Multi-Energie-Unternehmen verdeutlicht werden solle. Zusammen mit der Namensänderung erhielt das Unternehmen ein neues Logo. Kritiker ordnen dieses Rebranding als irreführende PR-Kampagne und Greenwashing ein und verweisen auf eine ähnliche Umfirmierung von BP, das die Abkürzung für „British Petroleum“ zeitweise als „beyond petroleum“ verstanden wissen wollte. Mit Stand 2022 machen Fossile Energien weiterhin den Löwenanteil von Umsätzen und Investitionen aus. Erdgas erbrachte 48 % der Erlöse, Erdöl ebenfalls nicht ganz die Hälfte, während Erneuerbare Energien bei 9 % lagen. Rund die Hälfte der Investitionen gingen in Erdöl, weniger als ein Viertel in erneuerbare Energien, der Rest wurde in Erdgas investiert. Damit soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Umsatz bis zum Jahr 2030 auf 20 % gebracht werden, während der Erdgasanteil auf 50 % wachsen soll.Energieagentur: Krise kann „historischer Wendepunkt“ sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Oktober 2022. Abgerufen am 5. November 2022.

2023 gab das Unternehmen bekannt, sein Tankstellennetz in Deutschland mit ca. 1200 und den Niederlanden mit ca. 400 Tankstellen sowie den Tankstellen in Belgien und Luxemburg an die kanadische multinationale Convenience-Shop-Kette Alimentation Couche-Tard verkaufen zu wollen. Als Erklärung gab TotalEnergies an, sich dort zukünftig „auf die Entwicklung neuer Mobilität mit Elektro- und Wasserstoffantrieb konzentrieren“ zu wollen.Wegen Verbrenner-Aus. Total stößt sein deutsches Tankstellennetz ab . In: Spiegel Online, 16. März 2023. Abgerufen am 16. März 2023. Diese Vorhaben wurden Ende 2023 auch wettbewerbsrechtlich von der EU-Kommission gebilligt.

Im Dezember 2024 übernahm TotalEnergies die deutsche VSB-Gruppe, womit sich das Unternehmen die 18 Gigawatt Projektpipeline an Wind-, Solar und Batteriespeichertechnologie in Deutschland, Polen und Frankreich sicherte. Der Erwerb der VSB für 1,57 Milliarden Euro ist Teil der Neuausrichtung des Unternehmens; dessen Zielsetzung vorsieht, bis 2030 eine Bruttokapazität von 100 Gigawatt bei erneuerbaren Energien zu installieren.

Umgang mit der Klimakrise

Die Führung von Total war sich seit mindestens 1971 der schädlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung bewusst. Dennoch leugnete das Unternehmen bis in die 1990er-Jahre offen die Erkenntnisse der Klimawissenschaften und verfolgte anschließend eine Reihe von Strategien zur Verschleierung der Gefahr der Klimakrise und des eigenen Beitrags. In diesem Jahr veröffentlichte die Total-Hauszeitschrift in einer vom Total-Vorstandsvorsitzenden mit Vorwort gewürdigten Spezialausgabe einen Artikel von François Durand-Dastès, damals außerordentlicher Professor für Geografie in Paris, mit dem Titel „Atmosphärische Verschmutzung und Klima“. In diesem erklärte Durand-Dastès, dass der Kohlenstoffdioxidanteil der Luft binnen 150 Jahren um 15 % gestiegen sei und bei „gleichem Rhythmus“ des Kohle- und Erdölverbrauchs etwa um das Jahr 2010 herum bei 400 ppm liegen werde. Er nannte die schnelle Zunahme der CO2-Konzentration „ziemlich besorgniserregend“, da ein höherer Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre zu einer Erwärmung des CO2 führt. Daher sei es möglich, dass ein Anstieg der Erdtemperatur befürchtet werden müsse, samt Folgen wie der Veränderung von Zirkulationsmustern. Insgesamt sei es einfach, sich katastrophale Folgen vorzustellen. Die Prognosen erwiesen sich im historischen Rückblick als ziemlich genau. Tatsächlich wurde der von Durand-Dastès genannte Wert von 400 ppm im Jahr 2015 erreicht. Möglicherweise war Total schon früher über den Klimawandel informiert, denn in den späten 1960er Jahren trat es dem American Petroleum Institute bei, einer Lobbyorganisation der US-Erdölindustrie, die bereits in den 1950er Jahren vor der Erderwärmung gewarnt wurde und in den späten 1960er Jahren eigene Studien dazu in Auftrag gab, die zum Ergebnis kamen, dass eine weitere Ausweitung der Verbrennung fossiler Energieträger bis zum Jahr 2000 eine nennenswerte Erderwärmung mit negativen gesellschaftlichen Folgen verursachen würde.

Nach dieser Warnung, die keine isolierte Einzeläußerung war, und trotz sich weiter intensivierenden internationalen Forschungsanstrengungen zum Klimawandel während der 1970er Jahre begann Total mit den weiteren französischen Ölkonzernen zum Thema Klimawandel öffentlich zu schweigen. Zwischen 1972 und 1988 thematisierten Magazine der Konzerne Total und der später übernommenen Elf Aquitaine kein einziges Mal den Klimawandel, auch nicht bei wichtigen Wegmarken der Klimapolitik wie der Klimakonferenz 1979 in Genf oder nach der Publikation des Charney-Reports im gleichen Jahr, infolge dessen Nature den Klimawandel als „wichtigstes Umweltthema der Welt heute“ bezeichnete. Innerhalb der Ölindustrie wurde der Klimawandel Mitte der 1980er Jahre aber immer intensiver diskutiert, da sich die Unternehmen Sorgen um die Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell machten. 1984 wurde Elf schließlich deshalb von Exxon wegen des Klimawandels kontaktiert. Anfang 1986 sandte der Umweltdirektor von Elf, Bernard Tramier, einen Jahresbericht zum Vorstand, in dem er darlegte, dass der Klimawandel sicher auftreten werde und ein „Schlüsselthema“ sei, für das die Ölindustrie eine Verteidigungsstrategie benötige:

Infolgedessen wandte sich die französische Ölindustrie im Jahr 1987 an die Erdöllobbyorganisation IPIECA (International Petroleum Industry Environmental Conservation Association), die die international koordinierte Verteidigungsstrategie der Ölbranche umsetzen sollte. Die Organisation gründete eine „Arbeitsgruppe zum globalen Klimawandel“, die von dem Exxon-Manager Duane LeVine geleitet wurde und der weitere hochrangige Mitglieder von verschiedenen Ölfirmen sowie des American Petroleum Institutes angehörten, u. a. Tramier von Elf. Diese Arbeitsgruppe sollte unter anderem den Stand der Klimaforschung zusammenfassen, „No-Regret-Strategien“ entwickeln, die der Ölindustrie nutzten, und Effizienzsteigerungen und „industriefreundliche Antworten auf die globale Erwärmung“ finden wie z. B. den Umstieg von Kohle auf Erdgas. Verhindert werden sollte eine Klimaschutzpolitik, die den Energiemix weg von fossilen Energieträgern bewegte, eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 % anstrebte oder „sogar die Abkehr von Ressourcen“ zum Ziel hatte. Um dies zu erreichen, empfahl LeVine 1989, die Unsicherheiten in der Klimaforschung zu betonen, die Notwendigkeit weiterer Forschungen hervorzuheben, die Kosten von Klimaschutz zu betonen und eine „alternative Umweltschutzpolitik“ zu fordern, die nicht das Kerngeschäft der Ölindustrie bedrohe. Gleichzeitig setzte sich IPIECA dafür ein, jede nennenswerte Beschränkung des Kohlendioxidausstoßes so weit zu verzögern, bis eine klare „Verifizierung des Klimawandels“ vorliege, ein statistischer Nachweis, von dem Exxon 1982 vermutete, dass es noch Jahrzehnte dauern könnte, bis er vorliege, und es dann möglicherweise bereits zu spät sei. Tatsächlich lag dieser Nachweis schließlich 1996 mit Erscheinen des zweiten Sachstandsberichtes des IPCC vor. Insgesamt verfolgte die französische Erdölindustrie während dieser Periode die von Exxon angeführte Rolle, strategisch Zweifel am wissenschaftlichen Forschungsstand zu säen und Unsicherheiten in der Klimaforschung zu betonen. 1993 sprach sich der Strategiedirektor von Elf aus Sorge vor einer Besteuerung von fossilen Energien explizit für eine Strategie des aggressiven Zweifelsäens aus, um „voreilige Entscheidungen“ hinsichtlich der Nutzung fossiler Energieträger zu verhindern. Dabei sollte das Unternehmen unter anderem betonen, dass es wissenschaftliche Zweifel bezüglich des Treibhauseffektes gebe, und zugleich „bedeutende Wissenschaftler“ suchen und unterstützen, die sich „auf positive Art in die Debatte einbringen können“.

Nachdem sich diese Leugnung der Erkenntnisse der Klimaforschung angesichts der wissenschaftlichen Beleglage ab Mitte der 1990er Jahre in Europa zunehmend negativ auf die Ölindustrie auszuwirken begonnen hatte, änderte Elf seine Strategie und inszenierte sich stattdessen als grüner Vorreiter. Statt den überwältigenden wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel weiter zu leugnen, identifizierte der Konzern Möglichkeiten, wie er seine eigenen Treibhausgasemissionen senken konnte (jedoch nicht die Emissionen, die bei der Verbrennung seiner Produkte freigesetzt wurden) und setzte sich politisch für marktbasierte Klimaschutzpolitik ein. So sollten z. B. durch freiwillige Maßnahmen und die Einführung eines Emissionshandels alle weitere staatlichen Eingriffe unnötig werden. Der Konzern kündigte zudem an, mehrere vergleichsweise ineffiziente Produktionsstätten zu schließen, während der Vorstandsvorsitzende weiterhin öffentlich verlautbarte, dass der Klimawandel kein dringendes Problem sei. Nach der Übernahme durch Total setzte der Gesamt-Konzern bis in die frühen 2000er Jahre auf die Strategie, den Klimawandel zwar öffentlich anzuerkennen, zugleich aber die Dringlichkeit zu bezweifeln und Unsicherheit bezüglich des Forschungsstandes zu schüren. Unter anderem betonte der Konzern dabei den natürlichen Treibhauseffekt, die maßgebliche Bedeutung von Wasserdampf für diesen und erklärte – im Widerspruch zur Forschungsstand –, dass menschliche Emissionen die Ursache für den Klimawandel sein könnten, obwohl der Nachweis hierfür schon Jahre zuvor erfolgt war.