mini|300px|Allegorie: Ernst Dieffenbach erreicht den Gipfel des

Johann Karl Ernst Dieffenbach, im englischsprachigen Raum teilweise genannt (* 27. Januar 1811 in Gießen, Großherzogtum Hessen-Darmstadt; † 1. Oktober 1855 ebenda, Großherzogtum Hessen), war ein deutscher Mediziner, Geologe, Naturforscher und später auch Professor an der Universität in Gießen. Besondere Verdienste erwarb er sich durch seine naturwissenschaftliche Erforschung Neuseelands.

Frühe Jahre Ernst Dieffenbach wurde am 27. Januar 1811 in Gießen als Sohn von Ludwig Adam Dieffenbach, einem protestantischen Geistlichen und Professor der Theologie der Universität Gießen, geboren. Seine Mutter war Christiane Louise Henriette Hoffmann aus Ober-Mockstadt. Seine Schwester Christiane heiratete den späteren Landtagsabgeordneten Johann Gros. Von 1828 bis 1833 studierte er Medizin in Gießen, bekam aber auch Interesse an anderen Naturwissenschaften. So wurde er u. a. Schüler von Justus Liebig, Chemiker und Professor an derselben Universität.

Auch an Politik interessiert, schloss sich Dieffenbach während seiner Studienzeit der Demokratiebewegung der Burschenschaften an, die ihrerseits nach der Julirevolution von 1830 in Paris weiteren Auftrieb bekamen und im Mai 1832 mit dem Hambacher Fest und im April 1833 mit dem Frankfurter Wachensturm ihren Höhepunkt hatten. In Gießen wurde er 1828 Mitglied der Alten Gießener Burschenschaft Germania.Paul Wentzcke: Burschenschafterlisten. Zweiter Band: Hans Schneider und Georg Lehnert: Gießen – Die Gießener Burschenschaft 1814 bis 1936. Görlitz 1942, F. Germania. Nr. 270. Mit dem gescheiterten Versuch, eine Revolution auszulösen, wurden viele Studenten verhaftet oder flohen ins Ausland. Dieffenbach, vermutlich an dem Aufstand beteiligt und ebenfalls verfolgt, floh im August 1833 in das französische Straßburg. Im Mai 1834 folgte der Ausschluss von der Gießener Universität. Gut zwei Monate später ging Dieffenbach in die Schweiz nach Zürich um sein Studium der Medizin fortzusetzen. 1835 schloss er mit dem Doktortitel ab. 1836 wurde er steckbrieflich gesucht, wie im Schwarzen Buch der Frankfurter Bundeszentralbehörde (Eintrag Nr. 300) festgehalten ist. digitalisiert im Bundesarchiv.

Auch in der Schweiz politisch aktiv, schloss sich Dieffenbach der Schweizer Sektion Junges Deutschland an. 1836 wurde er wegen politischer Aktivitäten und der Mitwirkung an einem Duell für zwei Monate ins Gefängnis gesteckt. Im August 1836 schließlich wiesen die Schweizer Behörden Dieffenbach aus, auch auf das Betreiben der österreichischen Regierung hin.

England Über Frankreich ging Dieffenbach nach England, wo er Zuflucht in London fand. Dort schrieb er Artikel für die und den , lehrte Deutsch, arbeitete als Prosektor im und zeitweise auch als Arzt für eine Fabrik in London. Seine Lebensbedingungen während dieser Zeit waren prekär, die Tätigkeiten reichten insgesamt nicht zum Leben. Doch seine Arbeiten für wissenschaftliche Zeitschriften machten ihn in der britischen Fachwelt bekannt, und so kam es, dass er, nominiert von zwei Offiziellen der , im Frühjahr 1839 von der die Möglichkeit bekam, eine Expedition der Kolonisationsgesellschaft zur Erforschung Neuseelands zu leiten.

Neuseeland Im Mai 1839 segelte Dieffenbach auf der , einem Siedlerschiff der unter Leitung von , von aus in Richtung Neuseeland. Das Schiff erreichte im August 1839 die Nordinsel. Dieffenbach arbeitete zwei Jahre in der angehenden Kolonie. Er bereiste die , das , die Region , die Westküste der Nordinsel und das , reiste hinauf nach und besuchte für vier Wochen die . Er war damit der erste Wissenschaftler, der in Neuseeland forschte und lebte. Dieffenbach sammelte und dokumentierte die Flora und Fauna des Landes, sowie die Landschaft mit ihrem geologischen Gegebenheiten. Seine Sammlung fand später Eingang in den , im Londoner Stadtteil und in das .

Doch Dieffenbach reizte nicht nur die naturwissenschaftliche Herausforderung. Im Dezember 1839 bestieg er im zweiten Anlauf den . Damit zählt er zusammen mit , der gemeinsam mit ihm den viertägigen Aufstieg bewältigte und 20 Minuten eher den Gipfel erreicht haben soll, zu den Erstbesteigern des 2.518 m hohen aktiven Vulkans. Die Initiative zur Besteigung ging von Dieffenbach aus.

Ihm zu Ehren wurde die von ihm 1840 katalogisierte, aber bereits 1872 ausgestorbene Dieffenbach-Ralle (Gallirallus dieffenbachii) nach ihm benannt. Der Mount Diffenbach in Neuseeland trägt ebenfalls seinen Namen.

Zurück in England Im Oktober 1841 kehrte Dieffenbach nach England zurück, gab sein erstes Buch heraus und arbeitete an seinem Werk , welches in zwei Bänden im Jahr 1843 in London erschien. In einem Artikel der vom 6. April 1844 wurde sein Buch besprochen und als sehr wertvoll für alle bezeichnet, die aus den unterschiedlichsten Gründen Interesse an der neuen Kolonie hatten. Die beiden Bände wurden so zu Handbüchern für Reisende und Kolonialisten und waren eine gute Grundlage für spätere Forschungsreisende.

Im Januar 1843 wurde Dieffenbach Gründungsmitglied der und vertrat dort Johann Gottfried Herders Auffassung, dass die Individualität jedes Volkes ein Produkt einer Dialektik zwischen der global-menschlichen Natur, dem individuellen Charakter der Rasse und der spezifischen Umgebung, in die Rasse sich entwickelt. Dieffenbach unterstellte in seinem Essay , dass mit der relativ stabilen Einordnung von Rassetypen, Ethnologen Rassen mit der Präzision eines Botanikers eine Ethnologische Weltkarte erstellen könnten, welche die geografischen Grenzen in der jede Rasse lebt, aufzeigen würde.

Zurück in Deutschland Im Laufe des Jahres 1843 kehrte Dieffenbach nach Deutschland zurück und sah sich Anfangs auf Grund seiner früheren politischen Aktivitäten erneuten Schwierigkeiten ausgesetzt. Doch Unterstützung kam von Liebig und Humboldt. Auf einer kurzen Reise nach England im Auftrage von Liebig hoffte Dieffenbach in einem Gespräch mit einen weiteren Auftrag für eine Expedition nach Neuseeland zu bekommen. Das Angebot, eine wissenschaftliche Reise nach Südamerika machen zu können, lehnte er aber ab. Zurück, übersetzte Dieffenbach ins Deutsche, beteiligte sich mit Arbeiten an wissenschaftlichen Zeitschriften und konnte erst nach der deutschen Revolution 1848 freier arbeiten. Er übernahm die Redaktion der liberalen Freie Hessische Zeitung und wurde 1849 Privatdozent an der Universität in Gießen. Ob er ein Angebot, einen Sitz in dem ersten deutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung zu bekommen, ablehnte, ist nicht belegt. 1850 bekam er eine außerordentliche Professur für Geologie angetragen und veröffentlichte 1852 seine Übersetzung des Werkes von .

Im April 1851 heiratete Dieffenbach Katharina Emilie Reuning. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Klara und Anna. 1855 erkrankte Dieffenbach an Typhus und verstarb am 1. Oktober desselben Jahres in Gießen. Sein Grab befindet sich seitdem auf dem Alten Friedhof in Gießen. Es wurde 2016 relokalisiert und mit einer Gedenktafel versehen.

Werke

Literatur Gerda Elizabeth Bell: Ernest Dieffenbach. Rebel and Humanist. The Dunmore Press, Palmerston North 1976. Ludwig Gebhardt: Zur Geschichte der naturwissenschaftlichen Erkundung Neuseelands, (Der Anteil mitteleuropäischer Forscher im 19. Jahrhundert), in: Bonner Zoologische Beiträge,heute: Bonn zoological Bulletin. Band 20, Heft 1, 2, 3, 1969, S. 219–227, (PDF, enthält u. a. Darstellungen zu Ernst Dieffenbach, Ferdinand von Hochstetter und Julius von Haast.)

Herman Haupt, Georg Lehnert: Chronik der Universität Gießen, 1607–1907. Alfred Tölpelmann, Gießen 1907, S. – (Digitalisat). Dirk van Laak: Im Schatten von Riesen: Johann Karl Ernst Dieffenbach (1811–1855), in: Klaus Ries (Hrsg.): Zwischen Stadt, Staat und Nation, Bürgertum in Deutschland, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-30169-2, S. 225–238.

Weblinks

Einzelnachweise Mitteilung des Oberhessischer Geschichtsverein Gießen e. V.

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