mini|Theodor Schmidt Weichsel Theodor Schmidt Weichsel (* 5. Juli 1834 in Darmstadt, Großherzogtum Hessen; † 29. Juli 1924 in Temuco), auch unter seiner hispanisierten Form Teodoro Schmidt Weichsel genannt, war ein deutscher Ingenieur, der durch seine Arbeiten in der Agrarmessung und im städtebaulichen Planungswesen im Süden Chiles hervorgetreten ist.

Leben mini|Büste von Theodor Schmidt Weichsel auf dem nach ihm benannten Platz in Temuco (2023) Theodor Schmidt wurde am 5. Juli 1834 in Darmstadt im damaligen Großherzogtum Hessen als Sohn von Johann Ludwig Schmidt und Pauline Weichsel geboren. In seiner Jugend arbeitete er in verschiedenen Regionen des Deutschen Bundes sowie im Kaisertum Österreich, wie es in den 1840er und 1850er Jahren politisch bestand. Im Jahr 1858 wurde er im Hafen von Hamburg von dem chilenischen Diplomaten und Politiker Vicente Pérez Rosales angeworben und wanderte anschließend nach Chile aus. Dort wurde er zunächst von einer vermögenden chilenischen Familie spanisch-kreolischer Herkunft als Agrimensor für ihre Ländereien im Zentraltal beschäftigt. In den folgenden Jahren führte Schmidt zahlreiche weitere Aufgaben im Bereich der öffentlichen Arbeiten aus, darunter den Bau ländlicher Wege, neuer Verkehrsverbindungen und Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft. Später wurde er vom chilenischen Staat für den Bau von Hafenanlagen, unter anderem von Molen in Valparaíso, herangezogen. In den 1880er Jahren erhielt er den Auftrag, in die Nordgrenze der damals neu kontrollierten Region Araukanien zu gehen. Er ließ sich für neunzehn Jahre in Angol nieder, wo er die staatlichen Bemühungen zur städtebaulichen Entwicklung und zur infrastrukturellen Planung im Zuge der europäischen Siedlungstätigkeit – insbesondere durch Schweizer, Deutsche und andere Einwanderergruppen – unterstützte. Zudem war er dafür verantwortlich, mehrere Flüsse der Region durch ein Netz von Kanälen und Bewässerungsgräben zu verzweigen und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Dort lernte Schmidt die Chilenin Juanita Quezada del Río kennen, die er 1869 heiratete. Das Paar hatte insgesamt zehn Kinder. Zu den bekanntesten zählen Eduardo Schmidt Quezada, der unter anderem Intendant der Provinz Malleco, Gobernador von Angol und Bürgermeister von Temuco war; Luis Schmidt Quezada, der als erster Bürgermeister von Arica amtierte, später Unterstaatssekretär für Industrie, Verwalter der Bahnstrecke Arica–La Paz, Minister für Förderung (Fomento) sowie über 25 Jahre lang Vizepräsident der Zentralbank von Chile; María Virginia Schmidt Quezada, Angehörige der Kongregation der Schwestern der Vorsehung, die schließlich zur weltweiten Generaloberin der in Kanada gegründeten Gemeinschaft aufstieg; sowie Teodoro Schmidt Quezada, nach dem die heutige Kommune Teodoro Schmidt benannt wurde.

In Temuco leistete Theodor Schmidt Weichsel einen wesentlichen Beitrag zur frühen Stadtentwicklung. Auf Grundlage seiner topografischen Arbeiten und Vermessungen entwarf er 1881 den ersten Lageplan des damaligen Militärvorpostens am Fluss Cautín, in dem er die grundlegenden Achsen, Platzanlagen und öffentlichen Räume festlegte. Seine Arbeit bildete die planerische Basis für die spätere Urbanisierung der Siedlung und prägte maßgeblich die räumliche Ordnung, in der Temuco sich im späten 19. Jahrhundert weiterentwickelte.

Er starb am 29. Juli 1924 im Alter von 90 Jahren in Temuco und wurde auf dem Cementerio General (Allgemeiner Friedhof) der Stadt beigesetzt. Als Anerkennung für sein Wirken in der Stadt wurde in Temuco ein Platz nach ihm benannt, auf dem auch eine Büste von ihm steht.

2020 erschien das spanischsprachige Buch Teodoro Schmidt Weichsel, un inmigrante ejemplar („Teodoro Schmidt Weichsel, ein vorbildlicher Einwanderer“), verfasst von Andrés Montero Jaramillo, einem Urenkel Schmidts.

Einzelnachweise

Kategorie:Ingenieur Kategorie:Stadtplaner Kategorie:Person (Temuco) Kategorie:Deutscher Emigrant in Chile Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1834 Kategorie:Gestorben 1924 Kategorie:Mann