Das Internierungslager Camp de Rouillé befand sich in Rouillé, Département Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Es wurde 1941 vom Vichy-Regime eröffnet. Nach Kriegsende diente es als Kriegsgefangenenlager.

Geschichte mini|Fotografien des Internierungslagers Rouillé – Eingangsbereich Das Camp de Rouillé wurde am 6. September 1941 vom Vichy-Regime als Centre de Séjour Surveillé (CSS, Überwachtes Aufenthaltszentrum) eröffnet.Die in den Weblinks unter a, b, c und d aufgeführten Quellen weichen in der Darstellung der Geschichte des Lagers nur in wenigen Details geringfügig voneinander ab. Deshalb erfolgt in der nachfolgenden Darstellung nur dann eine konkrete Quellenangabe, wenn auf andere Quellen zurückgegriffen oder wörtlich zitiert wird. Viele Informationen über das Camp sind auch bei Peschanski zu finden, der auf das „umfangreiche Archiv des Lagers Rouillé“ verweist. (Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938-1946), S. 495) Das Camp erstreckt sich über eine Fläche von ca. 1,5 Hektar und lag direkt an der Bahnstrecke von Poitiers-La Rochelle. Es war von einer doppelten Umzäunung umgeben und von zwei Wachtürmen überragt. Der jenseits der Bahnlinie gelegene Bahnhof und die Häuser von Rouillé befanden sich in Sichtweite. mini|Lageplan des Internierungslagers Rouillé Über die Anzahl der auf dem Gelände befindlichen Holzbaracken gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Peschanski sollten 9 Baracken, die zur Unterbringung von Flüchtlingen errichtet worden waren, umgebaut und 9 Baracken für Schlafräume, Speisesäle und Verwaltung neu errichtet werden.Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938-1946) Das auf der Webseite der Association Vienna Resistance Internment Deportation abgebildete Modell zeigt zwar auf der einen Lagerseite neun Baracken, auf der gegenüberliegenden Seite aber deutlich weniger, was auf die insgesamt 24 Baracken verweist, von denen Joseph Robert White berichtet. Unabhängig davon war das Camp zur Unterbringung von 800 Personen ausgelegt. Diese Kapazität wurde aber während seiner Nutzung als Internierungslager nie ausgelastet.

Die Menschen, die in Rouillé interniert wurden – 1780 während der knapp vierjährigen Existenz des Camps –, kamen aus unterschiedlichen Gründen hier unter: Die politischen Gefangenen, überwiegend Kommunisten, machten etwa 35 % der Gesamtzeahl der Internierten aus. Eine nicht näher bezifferte Gruppe bestand aus Personen, die von den Behörden als „gefährlich für die öffentliche Ordnung“ angesehen wurden. Weitere 19 % waren nach öffentlichem Recht („droits communs“) verurteilt worden. Schwarzmarkthändler machten 40 % der Inhaftierten aus. 6 % der Internierten galten als unerwünschte Ausländer (indésirables étrangers), was insbesondere für die spanischen Bürgerkriegsflüchtlinge galt.

Die ersten 127 Häftlinge im Lager waren Kommunisten aus der Region Paris, die zuvor im Lager Aincourt festgehalten worden waren.Joseph Robert White: ROUILLÉ In den Folgejahren schwankten die Belegungszahlen des Camps erheblich: Im November 1941 waren es 577 Internierte, im November 1942 638, im November 1943 274 und im Juni 1944 379. Für die Schwankungen in den Belegungszahlen nennt White drei Gründe:

Am 7. März und 9. April 1942 wurden neun kommunistischen Geiseln aus dem Camp de Rouillé auf dem Butte de Biard erschossen.

Die materiellen und sanitären Bedingungen im Camp werden übereinstimmend als völlig erbärmlich eingestuft, und ebenso einhellig wird hervorgehoben, dass es für die Internierten fast ausschließlich vegetarische Kost gab. Eine Ausnahme hiervon gab es nur, wenn Hilfspakete das Lager erreichten. Für diese sorgte eine katholische Nonne, Schwester Jeanne Chérer.Zum Wirken von Soeur Jeanne Chérer siehe: Raymond Picard: Soeur Jeanne Chérer, Zeitzeugenbericht auf der Webseite von VRID (Association Vienna Resistance Internment Deportation) Sie spielte für das Camp de Rouillé eine ähnlich bedeutsame Rolle wie Pater Jean Fleury im Camp de la Route de Limoges.

Trotz der durch das Lagerleben erzwungenen Entsagungen gab es aber auch Ansätze zu einem kulturellen Leben im Camp. Es existierte ein kleines Orchester, und gelegentlich gab es Theateraufführungen. Kulturelle Aktivitäten dienten aber auch der Tarnung für heimlich abgehaltene Kurse der Häftlinge, die zum Beispiel Fremdsprachen- und Mathematikkurse abhielten.

In Rouillé gab es mit Unterstützung von außen Ausbruchversuche der Internierten, und eine gelungene Flucht führte schließlich auch zur Schließung des Camps.

Peschanski geht davon aus, dass die Intervention von außen in Zusammenarbeit mit einigen Bewachern des Lagers organisiert wurde, die selber dem Maquis angehörten.

Die an dem Ausbruch beteiligte Maquis-Einheit geriet am 27. Juni 1944 in einen deutschen Hinterhalt. 31 Widerstandskämpfer wurden massakriert. An sie erinnert seit 1946 ein Denkmal, das Monument de la Route de la Liberté nahe dem zu Celle-Lévescault gehörenden Weiler VaugetonFotos des Denkmals werden bei Google-Maps angezeigt. Zum Hintergrund des Massaker beim Weiler Vaugeton siehe: Dictionnaire Biographique des Fusillés Guillotinés Exécutés Massacrés 1940 - 1944: Celle-Lévescault (Vienne), Vaugeton, 27 juin 1944 ().

Nach dem 11. Juni 1944 wurden die noch verbliebenen Internierten in das Camp de la Route de Limoges verlegt. Im Zuge der Befreiung Frankreichs wurde aus dem Camp de Rouillé ein Lager für gefangen genommene deutsche Offiziere.Les dépôts de P.G. de l'Axe en mains françaises In Rouillé existiert noch ein Silo, das 1945–1946 von deutschen Kriegsgefangenen gebaut wurde.Camp d’internement : dernier vestige sauvegardé

Auf dem ehemaligen Lagergelände befindet sich heute die École élémentaire Robert Domineau. Zwischen der und den Bahngleisen verläuft die Rue de l'Augerie, an der sich als Teil der Chemins de Liberté ein Gedenkstein befindet (). Dessen Inschrift lautet: „1941-1944 Sur l’emplacement de cette école, se dressait un camp hitlérien de concentration. Des hommes luttèrent, souffrirent et moururent, pour la France et la Liberté“ (zitiert nach Centre Régional Réstistance & Liberté, Quelle d). Bei Christine Hinckel: Une cérémonie ... findet sich ein Foto von einer Gedenkfeier am 24. Juni 2018, auf dem der Gedenkstein gut zu erkennen ist.

2016 erwarb die Stadt aus Privatbesitz eine erhalten gebliebene Baracke des Camp de Rouillé, die 2018 abgebaut und eingelagert wurde. Sie soll Teil eines geplanten Informationszentrums über die Internierung in Rouillé werden.

Literatur Le Patrimoine des Communes de la Vienne. Band 1, Flohic Editions, Paris 2002, ISBN 2-84234-128-7, S. 487–491. Denis Peschanski: Les camps français d’internement (1938–1946) – Doctorat d’Etat. Histoire. Univer-sité Panthéon-Sorbonne – Paris I, 2000. (Online1 oder Online2)

Weblinks

VRID (Association Vienna Resistance Internment Deportation): LE CAMP D’INTERNEMENT DE ROUILLÉ ( VIENNE ) Fondation Pour La Memoire De La Deportation: Camp d'internement : Rouillé Joseph Robert White: ROUILLÉ, in: The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945, Volume III: Camps and Ghettos under European Regimes Aligned with Nazi Germany, Chapter 169 (Online) Centre Régional Réstistance & Liberté: CAMP D'INTERNEMENT ADMINISTRATIF DE ROUILLÉ Denis Peschanski: L'internement : La France des camps (1938-1946), online auf: Ministère des Armées: Chemins de Mémoire Camp d’internement : dernier vestige sauvegardé, la Nouvelle République.fr, 6. August 2018. Christine Hinckel: Une cérémonie pour ne pas oublier les prisonniers du camp de Rouillé dans la Vienne, france3 auf francetvinfo.fr, 24. Juni 2018

Einzelnachweise

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