mini|Das Oswald-Heer-Denkmal (2012) Das Oswald-Heer-Denkmal ist eine klassizistische Ädikula im Alten Botanischen Garten in Zürich. Es erinnert an den Botaniker Oswald Heer (1809–1883) und wurde 1887 eingeweiht. Der Entwurf stammte von Albert Müller. Die Marmorbüste ist ein Werk von Baptist Hörbst.

Geschichte Oswald Heer war aus Niederuzwil SG gebürtig und wuchs im Kanton Glarus auf. 1832 kam er nach Zürich, wo er zunächst als Konservator Heinrich Eschers entomologische Sammlung ordnete und 1834 zum Direktor des Botanischen Gartens ernannt wurde. Ab 1835 wirkte er als Professor für Botanik und Entomologie an der Universität Zürich, ab 1855 zusätzlich am Polytechnikum. Von 1850 bis 1868 gehörte er dem Zürcher Gemeindeparlament an. 1882 zog er sich aus der Lehrtätigkeit zurück. Er starb am 27. September 1883, mit 72 Jahren, während eines Kuraufenthalts in Lausanne und wurde am 1. Oktober in Aussersihl bestattet.

Im Juni 1884 beschloss der Vorstand des Landwirtschaftlichen Vereins, Oswald Heer als ehemaligem Präsidenten ein Denkmal im Strickhof zu setzen, und bewilligte dafür einen Kredit von 500 Franken. Der damalige Präsident Adam Hafter unterstützte das Vorhaben.Landwirthschaft. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Blatt. Nr. 164, 12. Juni 1884, S. 3 (online). Das Projekt wurde offenbar nie realisiert.Schlußprüfung an der landwirthschaftlichen Schule im Strickhof. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 94, 4. April 1885, S. 2 (online).

Im Herbst 1885 konstituierten einige Freunde Heers aus dem Umkreis der Zürcher Hochschulen ein Denkmalkomitee,Die Enthüllung des Heer-Denkmals im botanischen Garten. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Blatt. Nr. 297, 25. Oktober 1887, S. 1–3 (online). dessen Vorsitz Carl Schroeter, Heers ehemaliger Schüler und Nachfolger am Polytechnikum, übernahm. Der Bildhauer Baptist Hörbst, der fünf Jahre zuvor die Büste für das Ignaz-Heim-Denkmal geschaffen hatte, hatte bereits ein Tonmodell für eine Büste Heers angefertigt, das nun für das Denkmal in Marmor ausgeführt werden sollte.

Im Februar 1886 wandte sich das Komitee mit einem Spendenaufruf, den 32 Gelehrte aus der Schweiz und «fast allen europäischen Ländern» unterschrieben hatten, an die Öffentlichkeit. Hörbsts Büste sollte «auf steinernem Postament, mit geeigneter Bedeckung als Schutz gegen die Witterung», zu stehen kommen. Die Kosten waren ursprünglich auf etwa 5000 Franken veranschlagt,Kleine Mittheilungen. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 52, 22. Februar 1886, S. 2 (online). was weit übertroffen wurde. Im Juni 1886 verfügte das Komitee bereits über 7000 Franken,Kleine Mittheilungen. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Blatt. Nr. 159, 9. Juni 1886, S. 2 (online). der Schlussbetrag der Sammlung ergab 8800 Franken. Sowohl der Zürcher Stadtrat als auch der Regierungsrat des Kantons Zürich und der Bundesrat beteiligten sich, ferner auch zahlreiche kantonale Naturforschende Gesellschaften, der Schweizer Alpen-Club, die Botanische Gesellschaft des Kantons Glarus und das Zoologische Kränzchen Zürich. Rund ein Viertel der Gelder stammten aus dem Ausland, so aus dem Deutschen Reich, Schweden, Frankreich, Österreich-Ungarn, Nordamerika, Russland, den Niederlanden, Dänemark, Portugal, England und Italien.

Auf eine öffentliche Ausschreibung wurde verzichtet, und der Auftrag ging konkurrenzlos an den Architekten Albert Müller, einen ehemaligen Schüler und Mitarbeiter von Gottfried Semper. Bei der Beurteilung und Überarbeitung der Pläne standen die Professoren Alfred Friedrich Bluntschli, Johann Rudolf Rahn und Julius Stadler beratend zur Seite. Joseph Regl vom Kunstgewerbemuseum modellierte die Ornamente. Der Steinmetzmeister Oechslin führte das Denkmal in Schaffhausen aus.

Die Einweihung fand am 22. Oktober 1887 um 15 Uhr statt. Carl Schroeter hielt die Festrede und übergab das Denkmal der Direktion des botanischen Gartens, in deren Namen es Karl Eduard Cramer dankend in Empfang nahm. Regierungsrat Johann Emanuel Grob hielt eine weitere Ansprache, und zum Schluss überreichte Albert Heim den beiden Künstlern Hoerbst und Müller im Namen des Denkmalkomitees eine Urkunde. Beschreibung mini|Das Denkmal im Jahr seiner Einweihung 1887, Fotografie von Robert BreitingerDas Hauptelement des Denkmals bildet eine Ädikula aus rotem Sandstein. Das von einem Dreiecksgiebel bekrönte Bauwerk misst 5,0 m in der Höhe, 2,3 m in der Breite und 1,0 m in der Tiefe und steht auf einer 40 cm hohen, zweistufigen Krepis. Der Architrav wird von zwei korinthisierenden Säulen mit glatten, nicht kannelierten Schäften getragen. Sowohl der Fries als auch die unteren Bereiche der Säulenschäfte sind mit Laubornamenten versehen, die aus den Blättern der von Heer erforschten Pflanzenarten Französischer Ahorn («dreilappiger Ahorn»), Kampferbaum und Ginkgo («Farreneibe») zusammengesetzt sind.

In der zentralen, rundbogigen Nische steht das marmorne Brustbild Oswald Heers, das mit «B. Hoerbst» signiert ist. Als Postament dient ein verkürzter Pilaster, in den Geburts- und Todesjahr in römischer Zahlschrift eingehauen sind («MDCCCIX» und «MDCCCLXXXIII»). Über der Nische ist eine Zierleiste mit Vor- und Nachnamen in Majuskeln angebracht. Hinweise auf die berufliche Tätigkeit Heers, auf die Initianten des Denkmals oder auf die Denkmalintention fehlen.

Siehe auch Liste von Denkmälern in Zürich

Literatur Georg Kreis: Die öffentlichen Denkmäler der Stadt Zürich. Ein Bericht im Auftrag der Arbeitsgruppe KiöR. 30. Juni 2021, S. 96–98 (PDF; 8,3 MB).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in Zürich Kategorie:Bauwerk in Zürich Kategorie:Skulptur (1887)