Wittmackia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 47 Arten sind in der Neotropis vom südöstlichen Mexiko und karibischen Inseln bis ins tropische Südamerika verbreitet.
Beschreibung mini|Bewehrtes Laubblatt von Wittmackia patentissima mini|Trichterförmiger Habitus und Fruchtstand von Wittmackia patentissima von oben mit einer geöffneten Blüte mini|Blütenstand von Wittmackia patentissima mini|Ausschnitt eines Blütenstands mit Hochblättern von Wittmackia patentissima nach der Anthese mini|Früchte von Wittmackia patentissima
Vegetative Merkmale Die Wittmackia-Arten sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie gedeihen epiphytisch, lithophytisch und terrestrisch. Manche Arten bilden durch Ausläufer Bestände. Die Sprossachse ist gestaucht. Diese Trichterbromelien bilden Zisternen, in denen oft Wasser gesammelt wird, also Phytotelmata entstehen.
Die Laubblätter sind deutlich in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die grünen, hell-brauen und unregelmäßig purpurfarbenen Blattscheiden sind elliptisch, länglich oder eiförmig und ihr Rand ist zum oberen Ende hin glatt oder gesägt; auf beiden Flächen sind Saugschuppen vorhanden. Die grünen oder manchmal rotweinfarbenen, derben, einfachen, parallelnervigen Blattspreiten sind linealisch bis zungenförmig mit zugespitztem bis gerundetem, gespitzem bis stachelspitzigem oberen Ende. Die Blattränder sind glatte bis stark stachelig gesägt. Bei manchen Arten sind die Blattspreiten zu ihrer Basis hin verschmälert. Die Blattspreiten können gefurcht sein. Die Blattflächen sind grün oder gezeichnet und besitzen auf beiden Blattseiten Saugschuppen, aber dichter auf der Blattunterseite.
Generative Merkmale Der grüne, matt-purpurfarbene oder weißliche, verkahlende bis dicht flockig behaarte Blütenstandsschaft ist oft mehr oder weniger kurz, dadurch überragt bei manchen Arten (Wittmackia guedesiae, Wittmackia neoregelioides) der Blütenstand den Blatttrichter nicht oder nur wenig oder er ist relativ lang. Die Hochblätter des Blütenstandsschaftes sind wirken verwelkt oder häutig und sind grün, matt-purpurfarben oder hell-braun, kahl bis dicht flockig behaart; sie sind kürzer bis länger als die Internodien, aufrecht bis aufsteigend und linalisch-lanzettlich, lanzettlich oder verkehrt-lanzettlich mit zugespitzem bis spitzem, bespitztem oder stachelspitzigem oberen Ende und glatten bis gesägten Rand. Im je nach Art 4 bis 70 Zentimeter langen, einfachen bis zwei- bis selten dreigeteilten ährigen Blütenstand sind die Teilblütenstände dicht bis locker angeordnet. Die Blütenstandsachsen sind sichtbar oder von den Tragblättern verdeckt. Die grünen, cremefarbenen, matt-purpurfarbenen, hell-braunen oder nur bei Wittmackia tentaculifera leuchtend roten Tragblätter sind eiförmig bis linealisch-lanzettlich mit zugespitzten bis spitzem oberen Ende, glatten bis gesägten Rand und spärlich mit Saugschuppen oder dicht mit flockigen Trichomen bedeckt. Die verwelkt oder häutig wirkenden Tragblätter werden langsam bis plötzlich kleiner je weiter oben im Blütenstand sie sich befinden, sie sind an den Blütenstandsachsen anliegend bis spreizend, sind kürzer bis länger als die Blütenstandsachsen. Die sitzenden oder auf einem 0,5 bis 15 Zentimeter langen, stielrunden bis leicht abgeflachten Blütenstandsschaft befindlichen, rispigen Teilblütenstände sind kugelig-zapfenförmig bis lang-zylindrisch und kahl bis flockig behaart. Die Blütenstandsachse der Teilblütenstände ist gerade und ist sichtbar oder von Deckblättern verdeckt. Die allmählich bis abrupt Richtung oberen Ende des Blütenstandes sich verkleinernden und spirallig angeordneten Deckblätter sind haltbar, sind kürzer als die Fruchtknoten bis die Kelchblätter überragend, symmetrisch, locker bis dicht sich dachziegelig überdeckend angeordnet, aufrecht bis spreizend, linealisch, dreieckig, lanzettlich, ei- oder kreisförmig. Die häutigen bis ledrigen Deckblätter sind grün, cremefarben, gelb, orange-, rotweinfarben oder nur bei Wittmackia tentaculifera leuchtend rot mit zugespitzten bis zurückgekrümmtem, bespitzem, beschwänztem oder stachelspitzigem oberen Ende, glatten bis gesägten Rand. Drei bis etwa hundert sitzende Blüten sind aufrecht bis spreizend, locker bis dicht im Teilblütenstand angeordnet.
Die pentazyklischen (fünf Blütenblattkreise), zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig. Der Blütenkelch in konisch bis seitlich abgeflacht und zusammengerollt oder nur bei Wittmackia turbinocalyx kreiselförmig-zusammengerollt. Die drei deutlich asymmetrischen, ledrigen Kelchblätter sind an ihrer Basis verwachsen und bilden eine häutigen seitlichen Flügel, der die angrenzenden Kelchblätter überlappt. Die weißen, grünen, gelben, creme-, lila-, purpur-, rosafarbenen oder leuchtend roten Kelchblätter sind kahl bis dicht flockig behaart oder selten braun-wollig beschuppt und sie können stark stachelspitzig sein. Die haltbaren Kelchblätter verdicken sich manchmal nach der Anthese. Die drei freien, weißen oder grünen Kronblätter sind elliptisch oder fast-spatelförmig mit spitzem bis stumpfem oberen Ende. Die Kronblätter können 2 Millimeter oder mehr über ihrer Basis gelappte Schüppchen besitzen oder sie fehlen. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden; sie überragen die Blütenkrone nicht. Die Staubfäden sind abgeflacht und etwas verdreht am Ansatzpunkt des Staubbeutels. Die Staubbeutel sind rechteckig mit bespitzten bis stachelspitzigen Enden. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die kahlen bis dicht flockig behaarten Fruchtknoten abgeflacht-eiförmig, ellipsoidal, zylindrisch, verkehrt-eiförmig oder keulenförmig und weiß, gelb, creme-, orange-, rosa-, purpurfarben oder leuchtend-rot. Im Fruchtknoten sind in zentraler Plazentation etwa 30 Samenanlagen enthalten. Die Narbe ist gefaltet-spirallig und papillös.
Blütenformel:
Die bei Reife gelben, roten, blauen oder schwarzen Beeren sind abgeflacht-eiförmig, eiförmig, ellipsoidal, zylindrisch, verkehrt-eiförmig oder keulenförmig und enthalten relativ viele Samen.
Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Wittmackia wurde am 1. November 1891 durch den deutschen Botaniker Carl Christian Mez in Carl Friedrich Philipp von Martius: Flora Brasiliensis, Band 3, 3, S. 180, 274 aufgestellt. Typusart ist Wittmackia lingulata aufgestellt. Sie hat ursprünglich drei Arten enthalten. Der botanische Gattungsname Wittmackia ehrt den deutschen Botaniker Ludewig Wittmack (1839–1929), dem Autor des Bromelien-Abschnittes in Engler: Die Natürlichen Pflanzenfamilien, 1. Auflage, II. Teil, 4. Abteilung, 1887–1888, S. 32–59. Ein Synonym von Wittmackia ist Wittmackiopsis subgen. Wittmackiopsis.
Botanische Geschichte Alle Arten wurden durch Smith 1955 in die Untergattung Aechmea subg. Aechmea gestellt. Durch Aguirre-Santoro 2027 bis 2020 wurden Arten aus der Untergattung Hohenbergia subg. Wittmackiopsis in die Gattung Wittmackia gestellt.
Die Verwandtschaft rund um die Gattung Ronnbergia wurde durch Aguirre-Santoro et al. 2016 und Aguirre-Santoro 2017 untersucht und es ergaben sich wesentliche taxonomische Änderungen mit einem erheblich größeren Umfang dieser Gattung. Die Gattung Ronnbergia und Wittmackia gehören zur RonnbergiaAllianz in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie Bromeliaceae.
Arten und ihre Verbreitung Das Verbreitungsgebiet der etwa 47 Arten reicht vom südöstlichen Mexiko und karibischen Inseln bis ins tropische Südamerika. Es gibt zwei Diversitätszentren, das eine ist der Mata Atlântica, davon die meisten Arten im südöstlichen brasilianischen Bundesstaat Bahia, das andere ist Jamaika, die Großen Antillen (ohne Hispaniola), ihre angrenzenden Inseln in der westlichen Karibik sowie die Yucatan-Halbinsel. Etwa 17 Arten kommen im karibischen Raum vor. Die Arten der beiden Diversitätszentren unterscheiden sich auch morphologisch.
In der Gattung Wittmackia gibt es seit 2025 etwa 47 Arten:mini|Wittmackia pernambucentris Wittmackia abbreviata (Syn.: Hohenbergia abbreviata ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Dieser Endemit gedeiht epiphytisch an schattigen oder exponierten Standorten auf bewaldeten Karsthügeln in Höhenlagen von 275 bis 840 Metern nur im zentralen Jamaika. Wittmackia altocaririensis (Syn.: Aechmea altocaririensis ): Die Erstbeschreibung erfolgte 2011 und diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch im Unterwuchs oder am Waldboden im feuchten, montanen Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 900 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Wittmackia amorimii (Syn.: Aechmea amorimii ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch im Unterwuchs im feuchten Bergwald in Höhenlagen von 100 bis 400 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia andersoniana (Syn.: Aechmea andersoniana ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch im Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 800 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia antillana (Syn.: Hohenbergia antillana , Hohenbergia tetaensis ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch auf bewaldeten Karsthügeln in Höhenlagen von 0 bis 275, selten bis 840 Metern auf den Inseln Puerto Rico sowie Britische Jungferninseln. Wittmackia aurantiolilacina : Die Erstbeschreibung erfolgte 2025. Sie wurde bisher nur im Mata Atlântica in einem dichten Bergwald in Höhenlagen von 380 bis 950 Metern in der Alto-Cariri-Region an der Grenze der brasilianischen Bundesstaaten Bahia sowie Minas Gerais. Sie gilt als CR = „Critically Endangered“ = „vom Aussterben bedroht“. Hauptsächlich gefährdet durch Habitatverlust, Fragmentierung sowie Zunahme von Feuerereignissen. Wittmackia bicolor (Syn.: Aechmea bicolor , Ortgiesia bicolor ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht im Unterwuchs in Höhenlagen von 400 bis 600 Metern von feuchten Bergwäldern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia brasiliensis (Syn.: Ronnbergia brasiliensis , Streptocalyx laxiflora , Streptocalyx subintegerrimus , Aechmea subintegerrima ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht im Unterwuchs von feucht Tieflandwäldern und Bergwäldern in Höhenlagen von 200 bis 700 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia burle-marxii (Syn.: Aechmea burle-marxii , Ortgiesia burle-marxii ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht im feuchten Bergwald in Höhenlagen von 300 bis 400 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Wittmackia canaliculata (Syn.: Aechmea canaliculata ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch im feuchten Mata Atlântica in Höhenlagen von 500 bis 800 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia carvalhoi (Syn.: Ronnbergia carvalhoi ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von 50 bis 100 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia caymanensis (Syn.: Hohenbergia caymanensis ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Sie kommt nur auf Grand Cayman der Cayman-Inseln und auf der kolumbianischen Insel Providencia vor. Sie gedeiht epiphytisch an schattigen, bewaldeten Standorten auf Kalksteinformationen in Höhenlagen von 0 bis 70 Metern. Wittmackia conduruensis : Die Erstbeschreibung erfolgte 2023. Sie gedeiht epiphytisch im Mata Atlântica in Höhenlagen von 100 bis 200 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Wittmackia distans (Syn.: Aechmea distans , Hohenbergia distans , Hohenbergia brittoniana ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Dieser Endemit gedeiht epiphytisch fragmentierten Waldgebieten in Höhenlagen von 15 bis 550 Metern nur im westlichen Jamaika. Wittmackia eriostachya (Syn.: Hohenbergia eriostachya ): Diese Neukombination erfolgte 2017. Dieser Endemit gedeiht epiphytisch in feuchten Bergwäldern an Waldrändern in Höhenlagen von 300 bis 1250 Metern nur im östlichen Jamaika.