Karl-Bernd Hüttenbrink (* 9. Juni 1952 in Essen) ist ein deutscher Hals-Nasen-Ohrenarzt und Hochschullehrer. Er war von 1993 bis 2004 Direktor der HNO-Universitätsklinik Dresden und von 2004 bis 2019 Direktor der HNO-Klinik der Universität zu Köln und in 2003 der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. Seine Spezialgebiete sind die Mittelohr-Physiologie, Ohrchirurgie sowie die Riech- und Schmeckforschung.
Leben Karl-Bernd Hüttenbrink wurde 1952 in Essen als Sohn des niedergelassenen Internisten Karl-Josef Hüttenbrink und dessen Frau Marie-Luise, geb. Pohlmann aus Rheine, geboren. Er wuchs ab seinem dritten Lebensjahr in Brilon in Westfalen auf und besuchte das Gymnasium Petrinum. In der siebten Klasse konnte er 1964 ein Auslandsjahr in Sao Paolo (Brasilien) verbringen und besuchte dort das Humboldt-Gymnasium.
Nach dem Abitur 1970 studierte er Medizin an den Universitäten Düsseldorf und Montpellier (Frankreich) und wurde 1978 promoviert. Von 1978 bis 1979 leistete er Wehrdienst als Stabsarzt in einem Fallschirmjägerbataillon.
Seine HNO-Facharztausbildung absolvierte er an der HNO-Universitätsklinik Münster als Schüler von Harald Feldmann (1979–1993). Der Prüfung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde 1983 folgte die Habilitation im Fach HNO-Heilkunde 1988 über die „Mechanik der Gehörknöchelchen und der Mittelohrmuskeln“. 1993 erhielt er einen Ruf als Direktor an die neugegründete Medizinische Fakultät der Universität Dresden. 2004 folgte er einem Ruf an die HNO-Klinik der Universität zu Köln, wo er bis zu seiner Pensionierung 2018 als Klinikdirektor tätig war. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.
Wissenschaftliche Arbeit und Wirken Otologische Chirurgie und Mittelohrmechanik Auf Grund der Zusammenarbeit von Ingenieuren und Ohrchirurgen gründete er 1996 die Gruppe „MEMRO“ (Middle Ear Mechanics in Research and Otosurgery), die erstmals Kliniker und Forscher zusammenführte. Alle drei Jahre trifft sich seitdem diese Gruppe an internationalen Zentren. Im Jahr 1997 entwickelte er zusammen mit dem Ingenieur Gerd Hofmann den eingesetzten „Dresdner Clip Prothese“ zur Rekonstruktion einer defekten Gehörknöchelchenkette. Er entwickelte die Knorpelplattentechnik zur stabilen Trommelfellrekonstruktion.
Implantierbare Hörsysteme Für das Vibrant-System, das weltweit verbreitetste implantierbare Hörgerät, entwickelte er für funktionslose Mittelohren die Kuppler zur Ankopplung des Wandlers an den Steigbügel, das ovale und runde Fenster des Innenohrs.
Cochlea-Implantate In Dresden konnte er das Sächsische Cochlea Implant Zentrum gründen als erstes in der neuen Bundesländern (nach Berlin). Für die Insertion der Elektrode des Implantats entwickelte er die Unterwasser-Technik zur Minimierung der Druckschwankungen im empfindlichen Innenohr.
Riech- und Schmeckstörungen In Dresden gründete er zusammen mit Thomas Hummel das Riechlabor. Von hier nahm der international weitverbreitete Test der Riechfunktion mittels „Sniffing Sticks“ (entwickelt von Kobal und Hummel) seinen Ausgang. Ausgehend von dem Phänomen, dass bei einer isolierten Anosmie (z. B. auf Androstenon) durch regelmäßiges Riechen diese anfangs geruchslose Substanz wahrgenommen wird, baute er das Riechtraining auf. In multizentrischen Studien konnte es als einzig wirksame Therapie bei postviralen Riechstörungen nachgewiesen werden.
Mitgliedschaften und Ämter Gründung und Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie/Gustologie der Deutschen HNO-Gesellschaft (1993) Gründung der Internationalen Gesellschaft Middle Ear Mechanics in Research and Otosurgery „MEMRO“ (1996) Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie (2003/2003) und Präsident des Jahreskongresses in Dresden (2003) Mitglied des Präsidiums der Deutschen HNO-Gesellschaft (1997–2009), Schriftführer (ab 1999), Generalsekretär (ab 2005) Präsident der European Academy of Otology and Neurotoloy “EAONO” (2006–2008) Mitglied des Collegium Oto-Rhino-Laryngologicum Amititiae Sacrum “CORLAS” (seit 1999), Sprecher der Deutschen Gruppe (2002–2012) HNO-Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft „DFG“ (1997–2003)
Auszeichnungen Anton-von-Tröltsch-Preis der Deutschen HNO-Gesellschaft für die Arbeiten zur Mittelohrmechanik (1988) Förderpreis der Universität Münster für den Einsatz der Röntgenmikroskopie in der Biologie und Medizin (1989) Prof. Dr. Ludwig Haymann Preis der Deutschen HNO-Gesellschaft (2021) Ehrendoktor der Med. Fakultät der Universität Tbilisi, Georgien (2002) Ernennung zum Mitglied der Georgischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (2011) Ehrenmitglied der Deutschen HNO-Gesellschaft (2022)
Publikationen (Auswahl) Insgesamt entstanden 260 Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften und 72 Buchbeiträge. Darunter sind:
Patente (Auswahl) Er hat mehrere Patente im Bereich der implantierbaren Hörgeräte und Mittelohrprothesen angemeldet. StatusDokumenttypNummerTitelErfinderJahrerteiltPatentDE 4232750GehörschutzvorrichtungHüttenbrink, K.-B.; Piltz, H.1994erteiltEurop. Patent92109800.0-2314 0521320Schutzhelm mit verbesserter akustischer WirkungHüttenbrink, K.-B.; Lindemann, J.; Piltz, H.1995erteiltPatentDE 19609315 C2Nasaler ProbenehmerHauswald, B.; Hüttenbrink, K.-B.; Hofmann, G.1996erteiltPatentDE 197 44 789 A1Gehörknöchelchenprothese zur Schallübertragung im MittelohrHüttenbrink, K.-B.; Hofmann, G.; Zahnert, Th.1997erteiltPatentDE 19821602 C1Vibrationsmesskopf zur Bestimmung der Beweglichkeit der Bestandteile des menschlichen MittelohrapparatesHofmann, G.; Zahnert, Th.; Hüttenbrink, K.-B.; Vögel, U.1998erteiltPatent19821602.5-09„Implantierbarer hydroacustischer Wandler“Hüttenbrink, K.-B.; Hofmann, G.; Zahnert, T.; Bornitz, M.2000
Weblinks Publikationen auf PubMed
Einzelnachweise
Kategorie:HNO-Arzt Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dresden) Kategorie:Hochschullehrer (Universität zu Köln) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Mann