Der Tseax Cone () ist ein kleiner Vulkan in den Nass Ranges der Hazelton Mountains im Nordwesten der kanadischen Provinz British Columbia. Er hat eine Höhe von und liegt in einem von Ost nach West verlaufenden Tal, in dem ein Nebenfluss des Ksi Sii Aks strömt. Der Vulkan besteht aus zwei ineinander verschachtelten Strukturen und war die Quelle von Lavaströmen, die in die benachbarten Täler hinabflossen. Ein zweites eruptives Zentrum liegt unmittelbar nördlich des Tseax Cone an der gegenüberliegenden Seite eines von Lava gestauten Sees. Es entstand möglicherweise gleichzeitig mit dem Tseax Cone, aber die zeitliche Abfolge des Vulkanismus an den beiden Zentren ist nicht genau bekannt; beide waren irgendwann in den letzten 800 Jahren aktiv. Das Gebiet wurde als Provincial Park ausgewiesen, um diese Objekte zu schützen.
Der Tseax Cone liegt in einer Ökoregion, die durch bergiges Gelände und verschiedene Fließgewässer charakterisiert ist. Am Vulkan kommen sowohl Regenwälder als auch verschiedene Säugetierarten vor. Flechten und Moose bedecken den größten Teil der Lavaströme des Tseax Cone, auch wenn sie von Regenwäldern und Gewässern bedeckt sind. Der Vulkan ist Gegenstand von Legenden der lokalen indigenen Völker. Diese beschreiben die Zerstörung von Dörfern entlang des Nass River und den Tod vieler Menschen, die Rauch einatmeten. Neuerliche Eruptionen am Tseax Cone könnten Wald- und Landschaftsbrände auslösen und die lokalen Fließgewässer durch Lavaströme aufstauen. Der Vulkan und die Lavaströme können über Highways der Provinz und Landstraßen erreicht werden.
Namen und Etymologie Der Tseax Cone wurde verschiedentlich auch als Aiyansh Volcano, Aiyansh River Volcano, Tseax River Cone und Tseax Volcano bezeichnet. Aiyansh kommt aus der Sprache der Nisga'a und bedeutet „frühes Laub“ oder „frühe Blätter“, wogegen Tseax von einem Nisga'a-Wort mit der Bedeutung „neues Wasser“ stammt. Tseax bezieht sich möglicherweise auf die gestörten Abflussverhältnisse des Tseax River, die durch Eruptionen des Vulkans verursacht wurden. Der wohletablierte lokale Name für den Vulkan, Tseax Cone, wurde am 13. Dezember 1991 durch Eintrag auf der Karte des National Topographic System 103P/2 anerkannt. Die Nisga'a nennen den Tseax Cone Wil Ksi Baxhl Mihl; in ihrer Sprache bedeutet das „Where the Fire Ran Out“ (dt. woher das Feuer kommt), was sich auf die Eruptionen von Lava, die vom Vulkan ausgingen, bezieht.
Geographie Lage Der Tseax Cone liegt etwa 60 km nördlich von Terrace nahe der von den Nisga'a bewohnten Dörfern Gitwinksihlkw und Gitlaxt'aamiks. Er liegt in einem steilwandigen, 5 km von Ost nach West verlaufenden Tal, das die Nass Ranges der Hazelton Mountains durchschneidet. Der Tseax Cone liegt am Abfluss des Melita Lake, einer Aufweitung des Crater Creek, welcher westwärts in den Tseax River fließt. Der Crater Creek bekam seinen Namen von seiner Beziehung zum Tseax Cone, welcher an der Ostseite des Creek liegt. Die Haupt-Untereinheit des Katasters am Tseax Cone ist das Cassiar Land District, welches nördlich des 55. nördlichen Breitengrades liegt.
Der Tseax Cone liegt in der Ökosektion Nass Mountains, einer biogeographischen Einheit der Ökoregion Nass Ranges, die von schroffen Gipfeln, rundlichen Bergen und Graten gekennzeichnet ist. Sie grenzt im Westen an die Kitimat Ranges und im Osten an das Cranberry Upland sowie das Nass-Becken. Mehrere Fließgewässer strömen durch die Ökosektion Nass Mountains, darunter der Wedeene River, ein Nebenfluss des Kitimat River, der Zymoetz River, der Kitwanga River und der Kitsumkalum River, die alle Nebenflüsse des Skeena River sind, sowie der Kiteen River und der Tseax River, die Nebenflüsse des Nass River sind. Der Lakelse Lake, der Kitsumkalum Lake und der Lava Lake gehören zu den Seen in dieser Ökosektion.
Das Gebiet hat ein Klima, das eine Art Übergang zwischen den Küsten- und den kontinentalen Klimaten darstellt. Es ist aufgrund des Zugangs von Luftmassen vom Pazifik feuchter als andere Gebiete in der Ökoregion Nass Ranges. Ein Großteil dieser vom Pazifik stammenden Luftmassen gelangt über das Tal des Skeena River in das Gebiet oder überwindet die Kitimat Ranges, was zu Bewölkung und schweren Regenfällen führt. Kurze Perioden mit extrem tiefen Temperaturen und starken Schneefällen kommen gelegentlich aufgrund des Zustroms arktischer, kalter Luftmassen aus dem Norden vor. Coastal Western Hemlock und subalpine Mountain Hemlock bilden Regenwälder in dem Gebiet. Zu den lokal vorkommenden Tierarten zählen Waldmurmeltiere, Ziegen, Bären und Elche.
Bereich der Lavaströme mini|rechts|alt=Schroffe, moosbedeckte Felsen in einem von leicht verschneiten Bergen begrenzten Tal|Moosbedeckte Lava im Nass Valley Flechten und Moose bedecken große Teile einer Lavastrom-Sequenz, die vom Tseax Cone stammt. Sie haben Farben von grün bis gelb, und ihre Matten erreichen wenige Zentimeter Dicke. Im Tal des Tseax River sind die Lavaströme nahezu vollständig von dichtem Regenwald bedeckt. Teilweise sind sie auch unter Fließgewässern und kleinen Seen verborgen, so unter Vetter Creek, Ross Lake und Tseax River, die sich alle im Tal des Tseax River befinden. Der Melita Lake und der Lava Lake wurden von einer Lavastrom-Sequenz aufgestaut, obwohl der Lava Lake schon vor dem Ausstoß der Lava existierte; seine Tiefe nahm durch den Aufstau zu.
Abseits von der Bedeckung mit Flechten, Moosen, Regenwäldern und Gewässern ist die Lavastrom-Sequenz auf Luft- und Satellitenbildern sowie in der Feldforschung leicht erkennbar. Dies könnte sich jedoch bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ändern, wenn Küsten-Kiefer- und Pappel-Wälder sich weiterhin auf den Lavaströmen und in einem zunehmend feuchteren und milderen Klima entwickeln. Das Wachstum dieser Wälder wird von der Ablagerung von Geschiebemergel auf den Lavaströmen durch die vorhandenen Fließgewässer unterstützt, die dadurch geeigneten Boden für die Vegetation zur Verfügung stellen.
Geologie und Geomorphologie Hintergrund Der Tseax Cone ist einer der südlichsten Vulkane der Northern Cordilleran Volcanic Province. Das ist ein weitläufiges Gebiet mit Schildvulkanen, Lavadomen, Schlackenkegeln und Schichtvulkanen, das sich vom Nordwesten von British Columbia nordwärts durch das Yukon-Territorium bis ins östlichste Alaska erstreckt. Die dominanten Gesteine, aus denen diese Vulkane bestehen, sind Alkalibasalte und Hawaiite, aber auch Nephelinit, Basanit und peralkaliner Phonolith, Trachyt und Comendit sind lokal häufig. Diese Gesteine wurden durch Eruptionen vor 20 Millionen Jahren bis in die Gegenwart vor wenigen hundert Jahren abgelagert. Als Ursache der vulkanischen Aktivität in der Northern Cordilleran Volcanic Province wird das Rifting der Nordamerikanischen Kordillere angesehen, die von Änderungen in der relativen Plattenbewegung zwischen der Nordamerikanischen und der Pazifischen Platte angetrieben wird.
Aufbau mini|rechts|alt=Ein spärlich mit Bäumen bedeckter Vulkankegel mit einem schüsselförmigen Krater an der Spitze|Der Tseax Cone von Südosten Der Tseax Cone hat eine Höhe von und besteht aus zwei ineinander verschachtelten Strukturen: einem kleineren inneren Kegel und einem größeren äußeren Schweißschlackenkegel. Der innere Kegel ist 65–75 m hoch und hat einen Durchmesser von 290 m; er besteht hauptsächlich aus schwarzen Ejekta wie Scoria, Geschossen und Lapilli. Er enthält einen etwa 33 m tiefen Vulkankrater mit einem Durchmesser von 80 m. Dieser Kegel war die Quelle einer langgestreckten Tephra-Schicht, die sich 2,5 km nach Nordosten erstreckt, was auf einen Südwestwind zum Zeitpunkt der Eruption schließen lässt. Der äußere Schweißschlackenkegel ist etwa 15–25 m hoch und hat einen Durchmesser von 460 m. Er besteht aus Schweißschlacke und Scoria, die farblich von rötlich bis bräunlich und von Schwarz bis grau rangiert. Der westliche und der südliche Fuß des Schweißschlackenkegels sind durch Ejekta des jüngeren inneren Kegels verschüttet.
Etwa 470 m nördlich des Tseax Cone und 150–200 m nördlich des Melita Lake gibt es einen viel kleineren, unbenannten, asymmetrischen Flankenvulkan. Er ist etwa 20 m hoch, hat einen Durchmesser von 50–55 m und ist stark oxidiert; außerdem enthält einen im Durchmesser 4 m bis 7 m messenden Gipfelkrater. Südwestlich des Flankenvulkans gibt es einen Spaltenvulkan, der aus drei oder vier Tephra-Hügeln besteht. Diese Hügel sind nur wenige Meter hoch und vollständig von schwarzer Tephra bedeckt. Rot oxidierte Tephra nahe der schwarzen Tephra wurde durch Lavafontänen aus einem größeren Flankenvulkan abgelagert.
Der Tseax Cone und seine eruptiven Produkte sind von ihrer Zusammensetzung her basanitisch und trachybasaltisch. Sie bedecken etwa 36 km², haben ein Gesamtvolumen von rund 0,5 km³ und lagern diskordant auf glazialem Geröll und Sedimentgesteinen der Bowser-Lake-Gruppe. Die Gesteine der Bowser-Lake-Gruppe stammen aus dem Jura und der Kreidezeit, bestehen aus grauen Sandsteinen und dunkelgrauen und schwarzen Konglomeraten, Schluffsteinen und Mudstones. Einige eozäne Granite und Granodiorite des Coast Plutonic Complex sind in der Nachbarschaft des Tseax Cone gleichfalls vorhanden.
Lavaströme Der Tseax Cone war die Quelle von vier einzelnen Lavaströmen, die alle über einen Zeitraum von jeweils Wochen oder wenigen Monaten ausgestoßen wurden. Der erste Strom ist der längste und voluminöseste; er macht etwa 84 % des gesamten Volumens vom Tseax Cone ausgestoßener Lava aus. Er strömte über 31,6 km durch die Täler des Crater Creek und des Tseax River bis zum Nass River, wo er ein 3 km breites und 12 km langes Lavafeld bildet. Der zweite Strom, der etwa 13 % des gesamten Lavavolumens ausmacht, bewegte sich über 21,6 km hinweg durch das Tal des Crater Creek bis nahe an die Mündung in das Tal des Tseax River. Beide Lavaströme bestehen aus Pāhoehoe-Lava mit nur wenigen Einsprenglingen. Der dritte Strom macht weniger als 2 % des Gesamtvolumens an Lava aus. Er bewegte sich über 7,2 km hinweg durch das Tal des Crater Creek bis in die Nähe des Ross Lake im Tal des Tseax River. Der vierte Strom ist der kürzeste und am wenigsten voluminöse aller Lavaströme vom Tseax Cone. Er repräsentiert nur etwa 1 % des gesamten Lavavolumens und bewegte sich im Crater Creek Valley über 5,3 km hinweg. Die letzten beiden Lavaströme bestehen aus ʻAʻā-Lava und sind reich an Einsprenglingen. Alle diese Lavaströme enthalten intakte und kollabierte Lavaröhren sowie von Bäumen hinterlassene Hohlräume.
mini|links|alt=Ein rundes Loch in vulkanischem Gestein, entstanden durch das Ausbrennen eines Baumstamms|Eine horizontale Lavaröhre, die ein verbrannter Baumstamm hinterlassen hat Mindestens vier Lavaröhren sind in der Nähe des Tseax Cone vorhanden und verlaufen auch unter den Berg. Sie liegen auf einer Höhe von und waren 1975 Untersuchungsgegenstand eines glaziologischen Projekts. Zur Zeit der Untersuchung waren zwei der vier Lavaröhren über die meiste Zeit des Jahres eisfrei. Eine dieser Röhren enthielt einen kleinen verflochtenen Fluss, während die andere Röhre trocken war und auch keine Sedimente eines Fließgewässers enthielt. Das Fehlen dieser Sedimente in der anderen Röhre zeigte an, dass sie ständig trocken war und keine permanenten Eisablagerungen aufwies. Die beiden anderen, leicht höher gelegenen Röhren wurden durch Eismassen blockiert. Das Eis war im Sommer mit bis zu 20 cm hoch stehendem Wasser bedeckt, was anzeigt, dass sie im Gegensatz zu den anderen beiden Lavaröhren keinen Abfluss an ihrem tiefsten Punkt hatten. Es gab keinen Hinweis auf eine Dissipation im Eis wie in vielen anderen Eishöhlen trotz einer mittleren Jahrestemperatur von 5 °C. Die petrographischen Merkmale der Eisablagerungen erwiesen sich als ähnlich zu denen in alpinen Höhlen wie der Eisriesenwelt in Österreich und der Coulthard Cave in den Canadian Rockies.
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