Der Braunohrsittich (Pyrrhura frontalis, Syn.: Psittacus frontalis, Pyrrhura frontalis kriegi) ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae), die in Brasilien, in Paraguay, in Argentinien und in Uruguay vorkommt. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.
Merkmale Der Braunohrsittich erreicht bei einem Gewicht von 72,0 bis 94,0 Gramm eine Körperlänge von etwa 24,0 bis 28,0 cm. Im Allgemeinen ist das Gefieder grün. Das Band auf dem vorderen Oberkopf ist rotbraun, der Zügel schwarz und die Ohrdecken rotbraun. Das Kinn bis zu den Seiten des Halses und die Brust sind gelblich grün mit braunem Rand, das dem ganzen ein schuppiges Antlitz verleiht. Der Bauch ist kastanienbraun. Die Handschwingen haben blaue Elemente. Der Schwanz ist olivgrün und im hinteren Drittel kastanienbraun. Die Unterseite ist matt rotbraun. Jungtiere sind im Gefieder etwas matter.Nigel Collar, u. a. (2020)
Lautäußerungen Der häufigste Ruf des Braunohrsittichs ist eine Reihe kurzer, nasaler, rauer Laute, die beispielsweise wie kara kek kek kek... klingen. Die gibt er sowohl im Flug als auch im Sitzen von sich. Im Sitzen hört man auch gedämpftere krek-Rufe von ihm. Im Flug rufen die Individuen in einer Gruppe häufig und gleichzeitig und erzeugen so ein lautes, raues Durcheinandergeschrei. Im Sitzen können die Vögel jedoch über längere Zeiträume hinweg still sein.
Fortpflanzung Die Brutsaison des Braunohrsittichs ist im Süden Brasiliens von Oktober bis Dezember. Das Nest ist eine Höhle im Baum ca. drei Meter über dem Boden. Er legt bis zu fünf Eier mit einer Größe von 25,5 bis 27,5 mm × 19,6 bis 21,2 mm. In Gefangenschaft dauert die Bebrütung der Eier ca. 30 Tage. Dort werden die Nestlinge nach 45 Tagen flügge.
Verhalten und Ernährung Zur Ernährung des Braunohrsittichs im Süden Brasiliens gehören Araukarien-Nüsse. Ebenso wurden in seiner Nahrung Früchte wie Gabiroba (Campomanesia xanthocarpa) die Steineiben-Art (Podocarpus lamberti), Palmnüsse, Myrciaria-Früchte, Orangen, Kakis, Mais und Larven aus Pflanzengalle. Eine Studie im Südosten Brasiliens zeigte, dass das Fruchtfleisch von Jussarapalme, die Samen von Pfefferbäumen, Xylopia, Ameisenbäume, Alchornea, Croton, Hieronyma, Tetrorchidium, Miconia, Tibouchina, Piptadenia, Coussapoa, Feigen, Myrcia, Guaven, Kiefern, Merostachis, Nachtschatten und Trema, Blüten von Traubenkräuter, Piptocarpha, Scheinastern, Norantea, Eukalypten und Arillus von Protium zur Nahrung des Braunohrsittichs gehören.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet (grün) des Braunohrsittichs Der Braunohrsittich ist vor allem dort verbreitet, wo auch Araukarien vorhanden sind. Daher ist sein bevorzugtes Habitat nicht klar zu definieren. Im nördlichen Verbreitungsgebiet kommt er in feuchten immergrünen Bergwäldern vor. Im südlichen Verbreitungsgebiet kommt er in tiefer gelegenen Gegenden mit Wald inklusive trockeneren Gebieten, in Galeriewäldern, teils freien oder Gebieten mit dünner Vegetation oder gar in den Parks von Städten vor. Er bewegt sich in Höhenlagen von Meeresspiegel bis 1400 Meter.
Unterarten Es sind folgende Unterarten bekannt:IOC World Bird List Parrots, cockatoos Pyrrhura frontalis frontalis (, 1818)Louis Pierre Vieillot (1818), S. 361 kommt im östlichen Brasilien vor. Pyrrhura frontalis chiripepe (, 1818)Louis Pierre Vieillot (1818), S. 361–362 ist im südöstlichen Brasilien über das südöstliche Paraguay, das nördliche Argentinien und Uruguay verbreitet. Die Unterart hat keine Braunfärbung am oberen Teil des Schwanzes. An der Flügelbiegung im Schulterbereich ist sie normalerweise orangerot gefärbt.
Psittacus vittatus , 1812George Shaw (1818), S. 404 wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet. Eigentlich hätte der Name Priorität, doch hatte 1783 Pieter Boddaert bereits den Namen Psittacus vittatusPieter Boddaert (1783), S. 49 für die Puerto-Rico-Amazone (Amazona vittata) verwendet. Ebenso ist Pyrrhura frontalis kriegi , 1932Alfred Laubmann (1783), S. 217 ein Synonym für die Nominatform. Pyrrhura borellii , 1894Tommaso Salvadori (1894), S. 3 wird als Synonym zu P. f. chiripepe betrachtet.
Etymologie und Forschungsgeschichte links|mini|Braunohrsittich illustriert von François Levaillant Die Erstbeschreibung des Braunohrsittichs erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Psittacus frontalis. Vieillot bezog sich auf La Perruche Ara à bandeau rougeFrançois Levaillant (1801), S. 40–41, Tafel 17 von François Levaillant aus Brasilien. Das Typusexemplar befand sich in der Sammlung von François Baillon. 1856 führte Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte die für die Wissenschaft neue Gattung Pyrrhura ein.Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, Nr. 14 in der Tabelle. Dieser Name leitet sich von und ab.Pyrrhura The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname leitet sich von abfrontalis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Chiripepe ist der Guaraní-Name für Sittich.chiripepe The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Vieillot bezog sich bei der Unterart auf Maracaná del chiripepeFélix de Azara (1805), S.. 429–431. von Félix de Azara. Kriegi ist Hans Krieg (1888–1970) gewidmet, borellii Alfredo Borelli (1858–1943). Schließlich bedeutet vittatus .vittatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay zwölf Bälge, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973), Michael Mathias Kiefer (1902–1980) und Hans Krieg in Zanja Moroti und Centurion im Bergland des Río Apa, am Cerro Galvàn, Puerto Casado im Gran Chaco und aus Nueva Germania, zur Verfügung. Durch die Hilfe von Alceste Arcangeli (1880–1965) und Enrico Luigi Festa (1868–1939) konnte er das Typusexemplar von Pyrrhura borellii untersuchen und kam zu dem Schluss, dass es sich lediglich um eine individuelle Variation handelt und P. f. chiripepe sehr ähnlich ist. In der Literatur sah er Nachweise in Lambaré durch Hans Hermann Carl Ludwig von BerlepschHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 25., in Ytanu durch John James DalgleishJohn James Dalgleish (1889), S. 82., in der Colonia von Pedro Risso, in VillaricaTommaso Salvadori (1895), S. 18 und TebicuaryTommaso Salvadori (1900), S. 18 durch Tommaso Salvadori, in Fortin NueveJohn Graham Kerr (1892), S. 140 durch John Graham Kerr, in SapucaiCharles Chubb (1910), S. 263 durch Charles Chubb, Puerto María AuxiliadoraClaude Henry Baxter Grant (1911), S. 326. im Departamento Alto Paraguay durch Claude Henry Baxter Grant, in Paso YuvayRoberto Raúl Dabbene (1912), S. 290 durch Roberto Dabbene, im Departamento Alto ParaguayArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 45. sowie Monte SociedadArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 247. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und Puerto PinascoAlexander Wetmore (1926), S. 197. im Departamento Presidente Hayes durch Alexander Wetmore als Nachweise für das Land.Alfred Laubmann (1939), S. 181–183.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Neuweltpapageien