Der Railway Heritage Trust (RHT) ist eine gemeinnützige britische Organisation, die sich dem Erhalt historischer Eisenbahn-Immobilien widmet.
Geschichte Seit den 1960er und 1970er Jahren wurden, bedingt durch Betriebseinstellungen von Nebenbahnen, der Umstellung vom Dampf- auf den Dieselbetrieb, modernere Signalisierung und den Wegfall vieler früher üblicher Dienstleistungen, zahlreiche mit dem Eisenbahnbetrieb verbundene Gebäude nicht mehr oder nur noch teilweise gebraucht. Anfangs wurden sie abgerissen oder verkauft. Das war aber bei Gebäuden, die teilweise weiter dem Eisenbahnbetrieb dienten, nicht möglich. Hinzu kam ein zunehmendes Bewusstsein für die historische Bedeutung vieler dieser Bauten. Das führte dazu, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wurden. So sah sich British Rail dem Problem ausgesetzt, über zahlreiche Bauten zu verfügen, die sie betrieblich nicht mehr brauchte, aber erhalten musste, ohne damit noch Einnahmen erzielen zu können.Savage, S. 307.
So gründete British Rail 1985 den Railway Heritage Trust als unabhängige Organisation, um die Eisenbahn beim Erhalt und der Instandhaltung denkmalgeschützter Gebäude und Bauwerke zu unterstützen und die Übertragung nicht mehr genutzter Gebäude an Dritte zu erleichtern, die bereit sind, sich um deren Erhaltung zu kümmern. Nach der Privatisierung der britischen Eisenbahnen wurde die bisherige Rolle von British Rail in diesem System von Network Rail – nun für die Eisenbahninfrastruktur zuständig – und von Highways England (Historical Railways Estate) übernommen. Letztere verwaltet ehemalige, für den Bahnbetrieb nicht mehr benötigte Anlagen von BR, etwa auf stillgelegten Strecken.Homepage des Railway Heritage Trust.
Organisation Trotz des Namens ist die RHT kein Trust (Stiftung), sondern eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter HaftungIm deutschen Recht entspricht das in etwa einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH)., deren Gesellschafter ihre Direktoren sind. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in London.Railway Heritage Trust (Hg.): Railway Heritage Trust.
Die RHT hat einen Vorstand aus drei Direktoren. Er besteht aus einem hauptamtlichen Geschäftsführer und zwei ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern, von denen eines der Vorsitzende des Unternehmens ist. Insgesamt arbeitet die RHT mit zwei oder drei Vollzeitmitarbeitern und einer Reihe von ehrenamtlich Tätigen.
Die RHT kann auf den umfangreichen Erfahrungsschatz eines Beirats zugreifen. Der besteht aus leitenden Eisenbahnmitarbeitern, Architekten, Politikern und Journalisten. Er hat etwa 40 Mitglieder und trifft sich einmal im Jahr zu einer formellen Sitzung. Die Mitglieder stellen Zeit und Erfahrung ehrenamtlich zur Verfügung, um die Arbeit der RHT zu unterstützen.
Etwa 90 % der Einnahmen der RHT stammen von Network Rail, 10 % von Highways England (Historical Railways Estate). Die RHT berät und gewährt Zuschüsse für Arbeiten an historischen Anlagen beider Einrichtungen. Das Jahresbudget beträgt etwa £ 2,7 Mio.Savage, S. 308.
Zuwendungen Der RHT hat zwei Zielstellungen: Zum einen den Erhalt von für den Eisenbahnbetrieb nicht mehr benötigten baulichen Anlagen, insbesondere dadurch, dass für sie eine neue, ihren Erhalt tragende Nutzung durch bauliche Maßnahmen mitfinanziert. Zum anderen fördert sie die Bemühungen, im Eisenbahnbetrieb nur noch teilweise genutzte Anlagen wiederzubeleben, indem die ungenutzten Teile für eine ihren Erhalt tragende Nutzung hergerichtet werden.Savage, S. 308. An entsprechende Projekte vergibt sie Zuschüsse. Förderungen des RHT sollen andere Einrichtungen dazu ermutigen, sich an den Projekten zu beteiligen. Um für einen Zuschuss in Frage zu kommen, muss eine Anlage • Im Eigentum von Network Rail oder Historical Railways Estate und • unter Denkmalschutz stehen, in einem Naturschutzgebiet oder einem historischen Denkmal liegen, • der Erhaltung, • Aufwertung oder • der Umsetzung einer neuen Nutzung für eine nicht mehr genutzte Eisenbahn-Immobilie dienen. Der Höchstbetrag für eine Förderung beträgt in der Regel 40 % der veranschlagten Sanierungskosten. Die Förderungen unterliegen nicht der Mehrwertsteuer.
Der Umfang des Ziels „neue Nutzung“ ist breit gefächert. Er kann von der Unterstützung bei der Umwandlung einer stillgelegten Eisenbahnbrücke oder eines Tunnels für einen Radweg bis hin zum Umbau in einem noch im Betrieb befindlichen Empfangsgebäude reichen, in dem dadurch zusätzlich ein kleiner gewerblicher Betrieb oder eine kommunale Einrichtung unterkommt. Bei nicht mehr dem Eisenbahnbetrieb dienenden Immobilien kann auch die Übertragung des Eigentums an eine lokale Stiftung oder eine andere interessierte Organisation oder dessen Translozierung an einen neuen Standort förderungsfähig sein. Nicht förderfähig sind dagegen die Restaurierung von Eisenbahnfahrzeugen, die reine Instandhaltung historischer Anlagen, der Betrieb von Unternehmen, die entsprechende Gebäude nutzen, Entwicklungs- oder Projektmanagementkosten.
Bei Großprojekten mit einer Förderung von über 100.000 £ durch den RHT spendiert dieser zusätzlich eine Info-Tafel, die die Geschichte der geförderten Anlage darstellt.
In den 35 Jahren von 1985 bis 2020 hat der RHT insgesamt 1825 Zuschüsse in Höhe von rund £ 59,5 Mio. gewährt und dabei weitere Mittel in Höhe von £ 76,7 Mio. eingeworben und es ermöglicht, dass Projektentwickler weitere Fördermittel von dritter Seite erhielten.Eine Liste von zwischen 1985 und 2025 umgesetzten Projekten findet sich hier und bei Savage, S. 308–310.
Beratung Der RHT berät zudem bei entsprechenden Projekten. Er hat in den letzten 35 Jahren umfangreich Erfahrungen mit Projekten im Bereich denkmalgeschützter Gebäude gesammelt. Dieses Wissen wird, wenn Mitarbeiter ausscheiden, möglichst weitergegeben. Der RHT stellt dieses Wissen in Form von Beratungsangeboten für Interessierte zur Verfügung und arbeitet dabei mit Einzelpersonen, Eisenbahnen, Museumsbahnen, Denkmalschutzbehörden, lokalen und nationalen Regierungsstellen zusammen.
Literatur Railway Heritage Trust (Hg.): Railway Heritage Trust. London, nach 2020. Andrew Savage: Railway Heritage in the UK. History of the Railway Heritage Trust. In: SBB Fachstelle Denkmalpflege / ETH Zürich – Lehrstuhl für Konstruktionserbe und Denkmalpflege (Hg.): Tagung Eisenbahndenkmalpflege. Dokumentationsband zur internationalen Tagung vom 23.–25. Juni 2022. Schwabe, 2024. ISBN 978-3-7965-4960-1, S. 306–313.
Weblinks Homepage des Railway Heritage Trust
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Denkmalpflege (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Organisation (London) als Thema Kategorie:Kulturelle Organisation (London) Kategorie:Schienenverkehr (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Gegründet 1985 Kategorie:Organisation (Immobilienwirtschaft)