Khadidja Hamdi (; geb. 30. August 1976, Smara, Spanisch-Sahara; gest. 11. Juli 2025) war eine Politikerin und Aktivistin der Sahrawis. Sie war als Ministerin für Kultur eine von zwei Ministerinnen der Regierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS).
Karriere Hamdi engagierte sich unermüdlich für die Rechte sahrauischer Frauen, den Wert des kulturellen Erbes und die Bedeutung von Bildung für junge Menschen, insbesondere für jene, die wie viele Sahrauis aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Ihre Arbeit in diesen Bereichen förderte die internationale Unterstützung für das Selbstbestimmungsrecht der Sahrawis, und 2009 leitete Hamdi die Delegation zum 2. Panafrikanischen Kulturfestival in Algier.
Während des Festivals forderte Hamdi das Königreich Marokko öffentlich auf, das Völkerrecht zu achten, um dem sahrauischen Volk Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu ermöglichen. Sie kritisierte die marokkanische Regierung und deren Umgang mit sahrauischen politischen Gefangenen scharf, insbesondere die Nachrichtensperre, die 2013 gegen eine Gruppe von 24 Aktivisten verhängt wurde.
Frauenrechte Öffentliche Auftritte bei internationalen Veranstaltungen waren ein wichtiger Bestandteil von Hamdis Ministerarbeit. Sie reiste viel, um über die Rechte der Sahrauis und insbesondere der sahrauischen Frauen zu sprechen – Frauen, die in Flüchtlingslagern oft Führungsrollen übernommen haben. 2013 reiste Hamdi im Rahmen einer Veranstaltung des Global Power Women Network Africa (GPWNA) nach Nigeria. Sie lobte die Unterstützung der nigerianischen Regierung für den Unabhängigkeitskampf und betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit von Frauen aus allen afrikanischen Ländern sei, um ihre Menschen- und Bürgerrechte einzufordern, zu stärken und auszuweiten. 2007 reiste sie auf Einladung von Jeremy Corbyn nach Großbritannien, um Abgeordnete des Parlaments zu informieren. Sie sprach dort gemeinsam mit Aminatou Haidar. Zuvor hatte Hamdi 2003 zusammen mit ihrer Kollegin Zahra Ramdan die Delegation der Nationalen Union der Saharauischen Frauen auf ihrer Tournee zu Parteitagen in Großbritannien geleitet. Diese Tour dauerte neunzehn Tage und sie warben um Unterstützung für die sahrauische Sache und trafen sich mit politischen Führern, darunter Tony Blair, Jack Straw und Glenys Kinnock.
Im Jahr 2006 sprach Hamdi im Rahmen der Solidaritätswoche mit der DARS in Algerien auf der Konferenz zum Thema „Die sahrauische Frau: Zwischen Befreiungspflicht und Staatsforderungen“ („The Saharawi woman: between duty of liberation and demands of the state“). Sie nahm an einer größeren Diskussion teil, an der auch Nouria Hafs, die Generalsekretärin des Nationalen Frauenverbands Algeriens (Union Nationale des Femmes Algériennes – UNFA), und Saida Benhabilès, Präsidentin der Algerischen Frauenbewegung für Solidarität mit Frauen auf dem Land, beteiligt waren. Bereits 2003 hatte Hamdi eine Delegation sahrauischer Frauen zu Algeriens Nationaler Volksversammlung geleitet und deren Präsidenten Karim Younes getroffen.
Kinderrechte Die Aufklärung junger Menschen über das sahrauische Erbe und die Kultur sowie der Zugang sahrauischer Jugendlicher zu besseren Bildungschancen waren wichtige Anliegen von Hamdi. 2007 sprach sie während eines Aufenthalts in London an zwei Schulen über den Kampf der Sahrauis. 2001 unterstützte Hamdi die Delegation der Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbewegung aus der Westsahara (Scouting and Guiding in Western Sahara) bei der Teilnahme an einem internationalen Forum, an welchem elf Jugendliche der Organisation teilnahmen. Ihr ganzes Leben lang setzte sie sich für einen besseren Zugang zu Bildung in Flüchtlingslagern ein.
Kulturelles Erbe Hamdi wurde 2014 für ihren „kulturellen Widerstand“ („cultural resistance“) gegen die Besetzung der DARS gelobt, als sie von der algerischen Kulturministerin Khalida Toumi in Algier empfangen wurde. Sie sprach sich öffentlich für die Bedeutung von Kultur aus, sowohl im Hinblick auf die Identitätspolitik in der Westsahara als auch darauf, wie Kunst und Poesie als Katalysatoren für das Selbstbestimmungsrecht wirken können. 2008 bat Hamdi den Generaldirektor der UNESCO, Koïchiro Matsuura, um Unterstützung für Bildungsprogramme in sahrauischen Flüchtlingslagern, sowie für Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung ihres kulturellen Erbes.
Film Hamdi war eng mit dem Sahara International Film Festival (Festival de Cine del Sáhara, ) verbunden. Sie eröffnete das 12. Festival im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Premierminister der DARS, Abdelkader Taleb Omar, und dem südafrikanischen Botschafter in Algerien, Dennis Thokozani Dlomo. Das Thema lautete „Universelle Gerechtigkeit“ („Universal Justice“), und es nahmen 423 Personen aus 20 Ländern teil. Während des Festivals 2012 überreichte Hamdi Javier Bardem und Alvaro Longoria für ihren Dokumentarfilm „Sons of the Clouds: Last Colony“ („Söhne der Wolken: Die letzte Kolonie“) die höchste Auszeichnung des Festivals, den Preis „Das weiße Kamel“ (The White Camel).
Archiv Im Jahr 2008 besuchte Hamdi Österreich, wo ein Team von GEZA am Aufbau eines nationalen elektronischen Archivs für die Westsahara arbeitete.National Electronic Archive for Western Sahara (archiviert am 17. Dezember 2019 in der Wayback Machine Archivlink). Sie leitete verschiedene Kulturprogramme für die Exilbevölkerung, von Projekten gegen Gewalt gegen Frauen bis hin zu einem Oral-History-Projekt namens „Erzähl mir, Großvater“ („Tell Me, Grandfather“), welches darauf abzielte, das sahrauische Kulturerbe gemeinsam mit jungen Menschen kontinuierlich zu stärken.
Kunst 2013 reiste Hamdi nach Finnland, um auf die Rechte von Frauen in der Westsahara, insbesondere in Flüchtlingslagern, aufmerksam zu machen und eine neue Ausstellung mit Werken des sahrauischen Künstlers Fadel Jalifa zu eröffnen.
Vorwürfe der Veruntreuung von Entwicklungshilfe Im November 2011 kursierten Gerüchte, dass eine CD-ROM in Flüchtlingslagern verschickt werde, die Details über die finanzielle Veruntreuung humanitärer Hilfe unter der Führung von Khadidja Hamdi enthalte.
Persönliches Khadidja Hamdi war verheiratet mit dem Präsidenten der DARS, Mohamed Abdelaziz, bis zu dessen Tod 2016.
Sie war auch Schriftstellerin, und ihr Buch „Hochzeit im Gefängnis“ („Wedding in a Prison“) war eines von 7000 Büchern, die vom algerischen Kulturminister an die DARS gespendet wurden.
Hamdi starb am 11. Juli 2025 nach längerer Krankheit.„a struggle with terminal illness.“ Leader Khadija Hamdi passes away. spsrasd.info. 11. Juli 2025.
Einzelnachweise
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