mini|hochkant=1.2|St.-Nikolaus-Kirche (2013) St. Nikolaus ist die römisch-katholische Kirche in Tiftlingerode, einem Stadtteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die nach dem heiligen Nikolaus von Myra benannte Kirche gehört als Filialkirche zur Pfarrgemeinde St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim.

Geschichte der Vorgängerbauten Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass auf dem ehemaligen Kirchplatz bereits im 10. oder 11. Jahrhundert ein Kirchbau, wahrscheinlich in Form einer ottonischen Wehrkirche, stand. Auslöser für die Vermutung sind Flächengrabungen, die 1986 unter der Leitung von Klaus Grote im Rahmen der Umgestaltung des ehemaligen Kirchenhügels im Altdorfzentrum mit dem Ziel durchgeführt wurden, ältere Kirchenreste zu dokumentieren. Dabei fand man unter und neben dem Fundament der 1983 abgebrochenen St.-Nikolaus-Kirche die Überreste seines ottonischen Vorgängerbaus. Rekonstruktionen lassen den Schluss zu, dass es sich dabei um einen einschiffigen Saalkirchenbau mit einem eingezogenen quadratischen Chor und einer Gesamtlänge von ungefähr 20 Meter handelte. Die Kirche stand im Mittelpunkt einer ringförmigen Befestigungsanlage und befand sich im grundherrschaftlichen Einzugsbereich des benachbarten liudolfingischen Villikationshaupthofes von Duderstadt. Möglicherweise wurde die Kirche im Dreißigjährigen Krieg zerstört.Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Verlag CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 204. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 2. August 2026)

Auf Initiative des erzbischöflichen Kommissarius Herwig Böning erfolgte anstelle der ursprünglichen Kirche 1687 der Bau einer kleinen Barockkirche. Vermutlich wurde 1755 der Chor angebaut, worauf an der Außenwand der Apsis eingemauerte Steine mit der Inschrift ANNO 1755 hindeuten. 1867 erweiterte man die Kirche durch eine Ergänzung des Langhauses, dessen Länge von 17,4 auf 26,4 Meter vergrößert wurde. Auch bekam die Kirche an der Westseite einen hohen, sechsseitigen Dachreiter. Bereits im Dezember 1868 riss ein Orkan den Dachreiter wieder um, der 1869 wieder errichtet wurde. 1868 bekam die Kirche auch eine von Louis Krell erbaute Orgel, die über zwölf Register verfügte.

Am 12. September 1872 brach in der Schmiede ein Großbrand aus, der viele Gebäude im Ortskern von Tiftlingerode, unter anderem auch die Kirche, zerstörte. Nur das Mauerwerk und wenige Ausstattungsstücke blieben erhalten. 1873 fand der Wiederaufbau der Kirche, der nach Plänen der Architekten Tochtermann und Sante aus Hildesheim vorgenommen wurde, statt. Am 21. Dezember 1873 erfolgte die Benediktion der Kirche, die bischöfliche Konsekration nahm Bischof Daniel Wilhelm Sommerwerck am 4. Mai 1874 vor. 1912 wurde der Kirchturm durch einen Blitzeinschlag beschädigt, danach wurde ein Blitzableiter angebracht. 1958 wurde der Innenraum der Kirche erheblich verändert. Die Wandmalereien wurden übermalt und viele Ausstattungsstücke entfernt, teilweise auch zerstört.

Von der Barockkirche ist am alten Standort noch der Unterbau des Chorraums erhalten. Dieser Baurest wurde mit einem neuen Dach versehen und mit einem Gitter verschlossen, im Innern befinden sich ein steinerner Altartisch, ein Taufstein, ein Kruzifix sowie zwei Sandsteintafeln zum Gedenken an die Gefallenen der Weltkriege. Diese Reste des Chorpolygons der Vorgängerkirche sind im Denkmalatlas Niedersachsen unter der ID-Nr. 35202442 verzeichnet.Reste des Chorpolygons. Denkmalatlas Niedersachsen, abgerufen am 2. August 2026. Der ehemalige Standort der Kirche wurde 1986 zum Dorfplatz Alter Kirchplatz umgestaltet, am Standort der Kirchenschiffseitenwände wurden Baumreihen gepflanzt. Im Westen des Platzes erinnert eine neben der alten Glocke aufgestellte Bronzetafel an die Geschichte der Kirche. Eine Informationstafel informiert über die Geschichte der alten Kirche und des Kirchplatzes.

Kirchenbau von 1978–1980 Die heutige St.-Nikolaus-Kirche besteht als dritter Kirchenbau in Tiftlingerode. Da die Kirche für die nach dem Zweiten Weltkrieg angewachsene Gemeinde zu klein geworden war, wurde 1978 mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche begonnen. Für dessen Standort wählte man nicht mehr den Ort der Vorgängerbauten, da das Grundstück dafür zu klein war. Der Neubau entstand nach Plänen des Architekten Wolfgang Tschirschwitz (1923–2022)Über uns. t+p architekten lohmann rumke PartGmbB, abgerufen am 3. Januar 2026. aus Braunschweig, die Bauleitung übernahm der Architekt Wilhelm Bringmann aus Bilshausen. Am 17. Dezember 1978 erfolgte der erste Spatenstich durch Pfarrer Josef Engelmeier, am 20. September 1980 nahm Heinrich Maria Janssen, Bischof von Hildesheim, die Kirchweihe vor.

Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Kuratie Duderstadt-Tiflingerode zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36. Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt; die Pfarrgemeinde St. Nikolaus, Duderstadt-Tiftlingerode, wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Mariä Verkündigung, Duderstadt-Breitenberg, St. Mariä Geburt, Duderstadt-Gerblingerode, St. Andreas, Duderstadt-Mingerode, St. Nikolaus, Duderstadt-Tiftlingerode, St. Johannes Baptist, Duderstadt-Westerode und über die Zuweisung des Gebietes zur katholischen Pfarrgemeinde St. Cyriakus, Duderstadt. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 236–238.

Am 22. März 2019 begann mit dem ersten Spatenstich die Sanierung und Erweiterung des Pfarrheims,Erster Spatenstich für das Gemeindezentrum St. Nikolaus Tiftlingerode. Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e. V., 25. April 2019, abgerufen am 3. Januar 2026. die nach Plänen des Architekten Gregor Bringmann aus Bilshausen erfolgte. Am 1. Februar 2020 fand die feierliche Wiedereröffnung statt. Das mit Unterstützung des Landes Niedersachsen umgestaltete Gebäude wird seitdem gemeinsam von der katholischen Pfarrgemeinde, der Stadt Duderstadt und dem Landkreis Göttingen für Veranstaltungen genutzt.Ort und Kirche nutzen das Pfarrheim künftig zusammen. Katholische Pfarrgemeinde St. Cyriakus, abgerufen am 3. Januar 2026.

Lage, Architektur und Ausstattung

Die geostete Kirche steht auf dem Grundstück Kaplan-Müller-Straße 10, an der Ecke zur Bergstraße, rund 250 Meter vom Standort ihrer beiden Vorgängerkirchen entfernt. Die Kirche, ihr Glockenturm und das Pfarrzentrum wurden in einem Bauensemble zusammengefasst.

Die heutige St.-Nikolaus-Kirche zeigt sich als ein gelb verklinkerter, achteckiger, eingeschossiger Kirchenbau mit schiefergedecktem Zeltdach und Anbauten für Räume, die von der Gemeinde genutzt werden. Ein separat stehender Glockenturm mit einer Höhe von insgesamt 21 Meter wird von vier freistehenden, nach außen gelb verklinkerten Betonpfeilern gebildet. Als Dach fungiert dabei ein tiefgezogener Schieferhelm.

Im Innenraum der Kirche ziehen sich die holzvertäfelten Dachschrägen der freitragenden Dachkonstruktion bis über den Altarraum hin, der durch einige Stufen hervorgehoben wird. Ähnlich wie in anderen Kirchen des Untereichsfelds wurde der Altar, um den die rund 240 Plätze bietenden Kirchenbänke bogenförmig angeordnet sind, in einen weiten Winkel des Raumpolygonals eingepasst. Ein Weinstock trägt die Mensa des Altares, der aus Muschelkalk angefertigt wurde. Der Hintergrund des Altarraumes wird von einer Muschelkalkwand gebildet, die den Baum des Lebens darstellt und ein Kruzifix mit einem alten gotischen Korpus aus der unmittelbaren Vorgängerkirche trägt. Die Reliefmotive finden sich am Altar, am Ambo und am unter dem Kruzifix angeordneten Tabernakel wieder. Zu den wenigen aus der Vorgängerkirche erhaltenen Ausstattungsstücken gehören auch eine Strahlenkranzmadonna und eine Nikolausfigur, die den schon den Kirchenbrand von 1872 überstanden hatte. Ferner das ehemalige Altarbild, das heute als Ölgemälde an der Rückwand des Kirchenraumes hängt. Friedrich Eltermann aus Hildesheim schuf es 1873 als Kopie des Gemäldes Regina caeli von Ernst Deger.

Die Seitenwände werden von drei Rechteckfenstern unterteilt, auf denen Bildnisse aus der Marien-, Martins- und, neben der Nikolausfigur, Nikolauslegende dargestellt sind. Die Farben der oberen Fenster, gehalten in Rot, Orange, Blau und Grauabstufungen, verweisen auf die Symbolik „Tag und Nacht“ sowie „Sonne und Mond“. Die Buntglasfenster, der Ambo, der Altar, der Tabernakel und das Ewige Licht sind Werke des Künstlers Paul König (1932–2015) aus Hildesheim. 1999 schuf König noch das Taufbecken. Die Holzbildhauer Heinz Günther aus Hüpstedt und Johannes Merker aus Wilbich schufen die Kreuzwegstationen, die seit 1996 in der Kirche hängen. Die 1958 aus Lindenholz geschnitzte Strahlenkranzmadonna aus Ingolstadt hat ihren Platz in der Marienkapelle, wo sich auch das Taufbecken befindet. Das dort befindliche Buntglasfenster zeigt eine symbolische Darstellung von Wasser und Geist. Die Orgel ist ein Werk der Gebr. Krell aus Duderstadt. Das 1985 gebaute Schleifladen-Instrument hat 16Mario Diederich: St. Nikolaus – Tiftlingerode. In: Die Propsteikirche St. Cyriakus in Duderstadt und die Filialkirchen. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2012, ISBN 978-3-86944-058-3, S. 65. Register mit 1086 Pfeifen auf zwei Manualwerken und Pedal und wurde am 22. Dezember 1985 eingeweiht. mini|Chorraumrest der ehemaligen St.-Nikolaus-Kirche Siehe auch Liste der Kirchen im Eichsfeld Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim Liste von Nikolaikirchen

Literatur Maria Kapp: St. Nikolaus in Tiftlingerode. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart (= Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang). Hildesheim 2002, , S. 251–260. Mario Diederich: Tiftlingerode. Ein lebendiges Dorf und seine Menschen auf ihrer Reise durch die Zeit. Göttingen 2004, S. 233ff. Mario Diederich: St. Nikolaus – Tiftlingerode. In: Die Propsteikirche St. Cyriakus in Duderstadt und die Filialkirchen. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2012, ISBN 978-3-86944-058-3, S. 63–65. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Verlag CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 204. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 2. August 2026)

Weblinks

Duderstadt-Tiftlingerode St. Nikolaus, auf kirche-duderstadt.de Kath. Kirchenanlage St. Nikolaus Duderstadt-Tiftlingerode t+p architekten lohmann rumke PartGmbB (Nachfolgebüro des Architekten Wolfgang Tschirschwitz) Tiftlingerode, Website des Ortsrats Tiftlingerode Bild der Vorgängerkirche, in der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland Dorfchronik, auf tiftlingerode-digital.de (im Internet Archive)

Einzelnachweise

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