Die Proteste im Iran 2025/2026 sind eine Reihe von Massendemonstrationen und Streiks von Ende Dezember 2025 bis Januar 2026, die auf die anhaltende Wirtschaftskrise im Iran und die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der Regierung zurückzuführen sind. Die Bewegung entwickelte sich rasch zum größten Protest im Iran seit dem von 2022/2023 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini. Die darauf folgende Repression, die unter dem Befehl von Ali Chamenei und hochrangigen Beamten zur Verwendung von scharfer Munition gegen Protestierende durchgeführt wurde, führte zu Massakern, bei denen Tausende von Demonstranten getötet wurden.
Wirtschaftlicher Hintergrund Anfänglich wurde die Protestbewegung durch galoppierende Inflation, steigende Lebensmittelpreise, eine Wasserkrise, den plötzlichen Einbruch der Devisenkurse sowie den anhaltenden Wertverlust des iranischen Rials ausgelöst. Die jährliche Inflationsrate war im Oktober 2025 auf 48,6 % und im Dezember auf 42,2 % gestiegen und belastete die Haushaltsbudgets schwer. Am 29. Dezember 2025 war der iranische Rial auf ein Rekordtief von 1,45 Millionen pro US-Dollar gefallen. Die Preise für Güter des täglichen Bedarfs stiegen stark, sodass viele Iraner sich kaum das Nötigste leisten konnten. Die Währungskrise, die sich über mehrere Jahre hinweg entwickelt hatte, wurde 2025 durch den Zwölftagekrieg mit Israel und die erneuten UN-Sanktionen wegen des Atomprogramms verschärft.
Verlauf der Proteste Anwachsen der Proteste Ab dem 28. Dezember kam es in Teheran zu Protesten, nachdem der iranische Rial an Wert verloren hatte und die Inflationsrate auf 42,2 % gestiegen war. Die Proteste, die sich zunächst auf die Geschäftsviertel Teherans konzentrierten, weiteten sich auf andere Großstädte wie Isfahan, Schiras und Maschhad aus. In Teheran konzentrierten sich die Proteste auf den Großen Basar, wo Händler zunächst streikten und ein Eingreifen der Regierung forderten. Dabei erfassten die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studentenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf. Aufnahmen in den sozialen Medien zeigten, wie Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten, um Demonstranten auseinanderzutreiben. Mit zunehmender Größe der Demonstrationen forderten die Protestierenden in mehreren Städten sowohl wirtschaftliche Entlastung als auch politischen Wandel, darunter Rufe nach „Freiheit“ und offene Opposition gegen die Regierung. Die Demonstranten skandierten regierungskritische Parolen wie den – schon von früheren Protesten bekannten – Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ bis hin zu „Tod dem Diktator“. Berichtet wird auch von Rufen wie „Pahlavi wird zurückkehren“, „Es lebe der Schah“ oder „Reza Schah, ruhe in Frieden“.
Die Regierung ordnete an, sämtliche Behörden, Schulen, Universitäten, Banken und Kommunalverwaltungen im Großteil des Landes offiziell wegen Kälte und Energieknappheit zu schließen. Politische Beobachter werteten den Schritt jedoch als Versuch, die Proteste einzudämmen. Der Chef der iranischen Zentralbank, Mohammad Reza Farzi, trat Ende Dezember aufgrund der Proteste zurück; die Regierung ernannte Abdolnasser Hemmati, einen ehemaligen Wirtschaftsminister, zum neuen Präsidenten der Zentralbank. Präsident Massud Peseschkian forderte von den Menschen Solidarität statt Proteste; nur damit könne man die bestehenden Probleme überwinden. Kurz nach Protestbeginn hatte er in einer kurzen Botschaft noch wirtschaftliche Reformen versprochen. Die Regierung führte die Proteste auf eine „ausländische Verschwörung“ zurück.Präsident Peseschkian fordert Solidarität statt Proteste – Demonstrationen wegen schlechter Wirtschaftslage www.deutschlandfunk.de, 1. Januar 2026.
Der israelische Minister Amihai Eliyahu gab im israelischen Armeesender Galei Tzahal bekannt, dass israelische Agenten im Iran aktiv sind: „Unsere Leute sind gerade dort im Einsatz.“Did a minister just reveal Israeli assets were operating in Iran?. In: Israel HaYom, 8. Januar 2026Israeli minister reveals: our agents are operating in Iran now. In: Middle East Monitor (MEMO), 9. Januar 2026 Der ehemalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA Mike Pompeo lobte die Demonstrierenden und „jeden Mossad-Agenten, der an ihrer Seite geht“. In einem Interview erklärte Donald Trump, Demonstranten im Iran mit Waffen über kurdische Milizen versorgt zu haben. Diese hätten die Waffen jedoch nur teilweise weitergegeben und zum großen Teil behalten. Die iranische Exilopposition rief zu einem Generalstreik in den kurdischen Gebieten im Westen des Iran auf, der weitgehend befolgt wurde. Auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin von 2003 Shirin Ebadi warnte von Großbritannien aus vor einem möglichen, geplanten „Massaker unter dem Deckmantel des umfassenden Kommunikationsausfalls“. Sie erklärte, dass Augenzeugen von Hunderten verletzten Demonstrierenden in einem einzigen Krankenhaus in Teheran berichteten.
Repression durch die Sicherheitskräfte Am 31. Dezember wurde der 21-jährige Amirhesam Khodajarifard aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss von einem Mitglied der iranischen Sicherheitskräfte bei einer Protestaktion in Kuhdascht in der westlichen Provinz Luristan getötet. Die staatlichen Nachrichtenagenturen Islamic Republic News Agency und Mehr bestätigten den Todesfall und schrieben, dass Khodajarifard ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch sei. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw wies diese Darstellung der Mitgliedschaft zurück, vielmehr sei Khodajarifard ein gewöhnlicher Teilnehmer der Demonstrationen gewesen.
Im Verwaltungsbezirk Lordegan im zentralen Süden Irans eröffneten Sicherheitskräfte am 1. Januar laut der Menschenrechtsgruppe Hengaw das Feuer mit scharfer Munition. Bei einem mutmaßlichen Angriff auf eine Polizeiwache in der Provinz Luristan seien drei Menschen getötet und 17 verletzt worden, berichtete die Tagesschau (ARD).
In den folgenden Tagen stiegen die Meldungen von Opfern landesweit; ein Demonstrant wurde in Harsin in der Provinz Kermanschah von Sicherheitskräften am 2. Januar erschossen. Vier weitere Demonstranten wurden am folgenden Tag von Sicherheitskräften im Bezirk Malekschahi in der Provinz Ilam erschossen. Bis zum 6. Januar starben mindestens 29 Menschen, darunter auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte. Mehr als 1200 Menschen wurden festgenommen. Es gab in 27 der 31 iranischen Provinzen und in mindestens 88 Städten Protestkundgebungen. Die Justiz kündigte an, ohne Nachsicht gegen die Protestierenden vorzugehen. In den sozialen Medien des Iran kam es zu massiven Störungen. Bei Zusammenstößen mit regierungskritischen Demonstranten in Malard soll am 8. Januar ein Polizist getötet worden sein, die Zahl der verletzten Polizisten stieg auf 568.
In einer Audio-Nachricht, die an CNN gesendet wurde, erklärte ein iranischer Arzt aus der Stadt Neyshabur, dass iranische Sicherheitskräfte „mindestens 30 Menschen“ getötet hätten und dass „unter ihnen auch Kinder“ gewesen seien. Der Arzt berichtete weiter, dass „ein fünfjähriges Kind in den Armen seiner Mutter erschossen wurde.“ Laut der Beschreibung des Arztes schossen die Sicherheitskräfte auch auf Passanten und unbeteiligte Beobachter. Der Arzt fügte hinzu, dass „die Krankenhäuser extrem chaotisch sind und die Patienten aus Angst vor Identifizierung und Aufnahme in Panik geraten, weshalb wir versuchen, die Menschen zu informieren und sie in privaten Kliniken zu behandeln.“ NetBlocks meldete eine vollständige Internetsperre in Teheran und anderen iranischen Städten, die auch an folgenden Tagen noch andauerte.
Am 10. Januar stieg die Zahl der bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften im ganzen Iran getöteten Demonstranten auf mindestens 78, die meisten davon durch Schussverletzungen. Die Zahl der Todesopfer unter den Sicherheitskräften stieg auf 12. Die Internetsperre erschwerte es, das Ausmaß der Demonstrationen sowie das Ausmaß der Polizeigewalt gegen die Protestierenden angemessen zu dokumentieren. The Guardian erhielt Berichte über Starlink, in denen es hieß: „Wir erheben uns für eine Revolution, aber wir brauchen Hilfe. Scharfschützen wurden hinter dem Tajrish-Arg-Gebiet [einem der wohlhabenden Stadtviertel von Teheran] positioniert.“ Ein weiterer Protestierender berichtete, dass viele Demonstrierende in der ganzen Stadt erschossen worden seien, und sagte: „Wir sahen hunderte von Leichen.“ Ein drittes Zeugnis eines Protestierenden bestätigte dies und erklärte, sie hätten eine „sehr hohe“ Zahl an getöteten Demonstrierenden gesehen, als die Sicherheitskräfte das Feuer auf sie eröffneten. Menschenrechtsaktivisten gaben an, dass diese Zeugenaussagen mit den Berichten übereinstimmten, die sie erhalten hatten. The Guardian berichtete, dass trotz der Internetsperre die Protestierenden darum gebeten hatten, dass internationale Medien die zunehmende Polizeigewalt dokumentieren, wobei ein Aktivist sagte: „Bitte macht klar, dass Menschen mit scharfer Munition erschossen werden.“
Am 11. Januar warf Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf den Protestierenden vor, die Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die „Feinde“ sollten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden. Zudem drohte er Israel und den USA mit Gegenschlägen im Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der Proteste.Stephanie Munk, Sandra Thomaser, Jens Kiffmeier, Nail Akkoyun: Proteste im Iran: Berichte über „übereinandergestapelte Leichen“ – Trump schaltet sich ein www.merkur.de, 11. Januar 2026. Die Behörden kündigten weiter harte Schritte gegen Protestierende an. Irans oberster Führer Ali Chamenei sagte danach in einer Rede, die „Schuldigen“ im Land würden nicht ungeschoren davonkommen. „Wir werden den Unruhestiftern den Rücken brechen“, so Chamenei.
Eingriff der USA Am 2. Januar drohte US-Präsident Donald Trump, im Iran zu intervenieren, sollte die dortige Regierung Demonstrationen gewaltsam niederschlagen. In einem Social-Media-Beitrag auf Truth Social erklärte er, dass die Vereinigten Staaten „zu Hilfe kommen“ würden, sollten Demonstranten erschossen werden. „Wir sind bereit und können loslegen“, fügte er hinzu, ohne jedoch zu erklären, was dieser Schritt in der Praxis bedeuten könnte.
Während US-Präsident Trump kaum verklausuliert mit der Tötung Ali Chameneis drohte, lobte Mike Pompeo, Ex-Direktor der Central Intelligence Agency (CIA) und Ex-Außenminister der USA im Kabinett Trump I, die Demonstranten und schrieb: „Frohes neues Jahr an alle Iraner auf den Straßen. Und auch an jeden Mossad-Agenten, der neben ihnen geht.“ Pompeos Äußerungen erfolgten wenige Tage, nachdem ein mit dem Mossad verbundener Social-Media-Account in Farsi Iraner zur Teilnahme an Protesten aufgerufen und behauptet hatte, der Geheimdienst werde sich den Demonstranten „vor Ort“ anschließen.Mike Pompeo praises Iranian protesters and 'every Mossad agent walking beside them'. In: The National, 1. Januar 2026 (englisch).Trump Is Briefed on Options for Striking Iran as Protests Continue. In: The New York Times, 10. Januar 2026 (englisch).