Beim US-amerikanischen Angriff auf Venezuela am 3. Januar 2026 handelte es sich um eine militärische Intervention US-amerikanischer Streitkräfte auf venezolanischem Territorium mit dem Ziel der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Ehefrau. Diese wurden bei der unter dem Namen Operation Absolute Resolve (dt.: „Operation unbedingte Entschlossenheit“) firmierenden Aktion von Spezialkräften nach New York in die USA gebracht, wo sie wegen des Vorwurfs des Drogenhandels vor Gericht gestellt werden sollen. Bei der Operation wurden nach venezolanischen Angaben mehr als 100 Sicherheitskräfte getötet, darunter 32 kubanische Leibwächter Maduros. Unabhängige venezolanische Medienberichte bestätigten, dass die meisten Todesopfer Angehörige der Präsidentengarde waren. Zudem gab es zwei zivile Todesopfer.
Der Angriff stellte eine Eskalation des seit Sommer 2025 andauernden Konflikts der Vereinigten Staaten mit Venezuela dar. Sowohl der Angriff als auch die zuvor erfolgten Militärschläge gegen vermeintliche Drogenboote vor der Küste Venezuelas durch die USA werden von einer Mehrheit der politischen Beobachter als völkerrechtswidrig bewertet.
Hintergrund
mini|Belohnungsplakat für Nicolás Maduro, veröffentlicht von der US-amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) Venezuela befindet sich aufgrund seiner starken Abhängigkeit von Rohstoffexporten seit dem Ölboom der 2010er-Jahre in einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise. Maduro wurde seit seiner Amtsübernahme als Präsident Venezuelas 2013, als er Hugo Chávez nachfolgte, wegen eines zunehmend autoritären Regierungsstils kritisiert. Seine Wiederwahl 2018 blieb umstritten. Der gescheiterte Putschversuch venezolanischer Dissidenten und US-amerikanischer Söldner gegen Präsident Maduro im Jahr 2020 wurde mutmaßlich von der Regierung Trump unterstützt. Flores sah sich Vorwürfen von Korruption und Nepotismus ausgesetzt, während in der Vergangenheit mehrere ihrer Familienangehörigen in den Vereinigten Staaten wegen Kokainschmuggels verurteilt wurden. Die Regierung von Joe Biden erkannte die Legitimität der venezolanischen Regierung unter Nicolás Maduro nach den Wahlen von 2024 nicht an.
Die Regierung der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump äußerte 2025 wiederholt die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens in Venezuela und verfolgte das Ziel, den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro politisch zu schwächen. Ein Motiv ist auch die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin während der zweiten Amtszeit von Trump („Donroe-Doktrin“), die eine Vorherrschaft der Vereinigten Staaten in der westlichen Hemisphäre zum Ziel hat und in die Nationale Sicherheitsstrategie 2025 Eingang fand.Vgl. dazu Giuseppe Spatafora: Putting the Americas First? Trump’s new Monroe Doctrine and the Western Hemisphere. In: Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien (Hrsg.): LOW TRUST: Navigating transatlantic relations under Trump 2.0. 1. Oktober 2025, S. 50–57.Was steckt hinter der „Donroe“-Doktrin von US-Präsident Trump? In: deutschlandfunk.de, 6. Januar 2026, abgerufen am 6. Januar 2026.
Die Beziehungen beider Staaten waren von einer zunehmenden Eskalation aus der US-Regierung geprägt. In diesem Zusammenhang verlegten die US-Streitkräfte mehrere Kriegsschiffe in Gewässer vor der venezolanischen Küste. Darüber hinaus meldete das US-Militär die Zerstörung mehrerer mutmaßlicher Drogenboote, und die US-Küstenwache beschlagnahmte Öltanker, die zuvor aufgrund von Sanktionen gelistet worden waren.
Im Vorfeld des nächtlichen Angriffs hatten US-amerikanische Behörden Präsident Nicolás Maduro beschuldigt, einen „Narco-Staat“ zu führen und die Wahlen 2024 manipuliert zu haben, die von der Opposition nach deren Angaben mit überwältigender Mehrheit gewonnen worden seien. Während Fachleute für organisierte Kriminalität in Lateinamerika das sogenannte „Sonnenkartell“ als ein Netzwerk beschrieben, in dem staatliche Akteure von Kooperationen mit Drogenhandelsstrukturen profitieren, stufte die US-Regierung unter Donald Trump dieses im Juli 2025 als globale Terrororganisation ein und benannte Maduro als deren Anführer. Im selben Monat wurde ein vertraulicher Befehl erlassen, der den Einsatz militärischer Gewalt gegen als Terrororganisationen eingestufte Kartelle genehmigte. In den Wochen vor dem Angriff schlossen die Vereinigten Staaten ein Abkommen mit dem benachbarten Inselstaat Trinidad und Tobago, nachdem die militärischen Operationen gegen überwiegend aus Venezuela stammende Schiffe begonnen hatten. Das Übereinkommen gewährte dem US-Militär Zugang zu mehreren Flughäfen des Landes.
Nach Berichten des Miami Herald soll es seit April 2025 Verhandlungen zwischen Teilen von Maduros Regierung und den USA gegeben haben, vermittelt durch Katar. Dabei soll es um eine Übergangsregierung und eine Transition zu einem „Madurismus ohne Maduro“ gegangen sein. Zu den venezolanischen Vorschlägen gehörten dabei eine Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez und Exil für Maduro in Katar oder der Türkei. Die Trump-Regierung hätte den Vorschlag im Herbst 2025 aber als nicht praktikabel abgelehnt.Antonio María Delgado: Exclusive: Venezuelan leaders offered U.S. a path to stay in power without Maduro, Miami Herald, 16. Oktober 2025, abgerufen am 4. Januar 2026 Amerikanische Medien berichteten jedoch, Maduro habe noch am 23. Dezember einen amerikanischen Vorschlag abgelehnt, ins Exil in die Türkei zu gehen. Daraufhin habe die US-Regierung den Angriff für Weihnachten ins Visier genommen, ihn aber aufgrund des Wetters verschieben müssen.Sofia Weisbach: So lief die Entführung von Maduro im Detail ab, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Januar 2026, abgerufen am 4. Januar 2026
Operation Absolute Resolve mini|Karte der US-Angriffe auf Venezuela mini|Präsident Donald Trump während der Operation Absolute Resolve zusammen mit CIA-Direktor John Ratcliffe und Außenminister Rubio mini|US-amerikanische F-35A-Jets auf der Marinestation Roosevelt Roads nach der Operation
Angriffsziele In der Nacht auf den 3. Januar kam es in Caracas zu mehreren Explosionen. Nach übereinstimmenden Medienberichten ereigneten sich Detonationen in der Nähe eines Stützpunkts der venezolanischen Luftstreitkräfte. Über dem Flughafen La Carlota wurden Rauchwolken beobachtet. Bewohner des Stadtteils Fuerte Tiuna berichteten zudem von Schüssen. Auch aus der nahen, nördlich gelegenen Küstenstadt La Guaira wurden Explosionen gemeldet. Dort wurde der Hafen aus der Luft angegriffen.Tom Phillips, Clavel Rangel, Camille Rodríguez Montilla, Patricia Torres: Airstrikes, helicopters and a snatch squad with a blowtorch: how the US raid on Caracas unfolded. In: theguardian.com, 3. Januar 2026, abgerufen am 10. Januar 2026.Emiliano Rodríguez, MegaArijeta Lajka, McKinnon de Kuyper: ‘They’re Invading Us’: The U.S. Attack Viewed From Venezuelans’ Cellphones. In: nytimes.com, 4. Januar 2026, abgerufen am 10. Januar 2026. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigten Feuer und aufsteigende Rauchsäulen. Die Angriffe betrafen demnach vor allem den südlichen und östlichen Teil der Hauptstadt.
Operationsablauf Auf landgestützten Basen waren mehrere Tarnkappenflugzeuge und EloKa-Flugzeuge verlegt worden; es gilt als wahrscheinlich, dass diese F-35A- und F-35B-Lightning-II- und EA-18G-Flugzeuge zu den ersten eingesetzten Luftfahrzeugen gehörten und durch Maßnahmen zur Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigungssysteme (SEAD) die Anfangsphase der Operation prägten. Venezuela besaß auch das russische Luftverteidigungssystem S-300WM, dessen Zerstörung US-Streitkräfte in den vergangenen Wochen gezielt geübt hatten. Zu den Angriffszielen zählten militärische Einrichtungen, Hafeninfrastruktur und Anlagen der Kommunikationsübertragung. Mehrfach angegriffen wurden die Hauptkommunikationseinrichtungen auf dem Cerro El Volcán, einem Berggipfel im Südosten von Caracas. Auch das Nationale Observatorium des Meteorologischen Instituts INAMEH wurde als strategisches Ziel bombardiert, da es u. a. militärische Radardaten verarbeitet. Nach Angaben des US-Generals John Caine waren rund 150 Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Der Angriff fand in der Dunkelheit statt, was sowohl auf den gewählten Operationszeitpunkt als auch auf die vom US-Militär veranlasste Sabotage der städtischen Beleuchtung in Caracas zurückzuführen war. Es handelte sich um die direkteste Intervention der Vereinigten Staaten in Lateinamerika seit der Invasion Panamas im Jahr 1989.
Trotz moderner russischer Systeme wie 9K317 Buk-M2, S-300VM („Antey-2500“) und 9K338 Igla-S-Raketen war ein Großteil der Luftabwehr aufgrund fehlender Wartung, unzureichender Modernisierung und mangelnder Ersatzteile nicht einsatzbereit. Hinzu kamen Cyberangriffe auf Kommandozentralen, der Einsatz von F-35- und F-22-Kampfjets, die schwer zu erkennen sind, sowie die schwierige Topographie von Caracas. Experten betonen zudem, dass menschliches Versagen und unvorbereitete Bedienung der Systeme entscheidend zum Zusammenbruch der Luftabwehr beitrugen.
Laut Semafor habe die US-Regierung vorab die Tageszeitungen The New York Times und The Washington Post über die Angriffspläne unterrichtet. Ähnlich früherer Fälle hätten sich diese gegen eine vorzeitige Veröffentlichung entschieden, um eine Gefährdung von Angehörigen der US-Streitkräfte zu minimieren.
Festnahme von Cilia Flores und Nicolás Maduro Maduro sei seit August durch ein CIA-Team vor Ort observiert worden, und der Nachrichtendienst habe auch eine Quelle im Umfeld des Präsidenten gehabt. Der Angriff sei seit mehreren Monaten von den Geheimdiensten unter dem Code „Operation Absolute Resolve“ vorbereitet worden.https://www.n-tv.de/politik/32-kubanische-Sicherheitskraefte-starben-bei-Maduro-Festnahme-id30202466.html Diese hätten detaillierte Kenntnisse über den Tagesablauf Nicolás Maduros besessen.https://www.military.com/daily-news/2026/01/06/least-24-venezuelan-security-officers-killed-us-operation-capture-maduro-officials-say.html Die Bewachung der Präsidenten koordiniert in Venezuela die Casa Militar. Ihr ist die Präsidentengarde GHP der Streitkräfte unterstellt. Diese, unterstützt durch reguläre Soldaten, sicherten den unmittelbaren Umkreis des Präsidentenwohnsitzes. Verstärkt wurden diese massiv durch offiziell in Venezuela stationiertes kubanisches Personal, das die Leibwache Maduros stellte, da um die Loyalität der GHP gefürchtet wurde. Darunter waren Kräfte des BMTE Avispas Negras.The Conversation: How Maduro’s capture went down – a military strategist explains what goes into a successful special op https://theconversation.com/how-maduros-capture-went-down-a-military-strategist-explains-what-goes-into-a-successful-special-op-272671
Gegen 1:00 Uhr Ortszeit erfolgte der Zugriff auf Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores durch Spezialkräfte der Delta-Force und des FBI in Maduros Anwesen in Caracas. Der Zugriff erfolgte so reibungslos, dass etliche Analysten die Vermutung geäußert haben, dass ein Insider aus dem Umfeld Maduros die Operation unterstützt haben könnte und so indirekt ein Putsch orchestriert wurde.Will Freeman: The Shock Waves of Venezuela: How Maduro’s Capture Could Transform Latin America. In: foreignaffairs.com, 6. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026.
Verschleppung Maduros nach New York mini|Die USS Iwo Jima (2016), eingesetzt bei der Gefangennahme von Nicolás Maduro 2026 mini|Menschenmenge und Pressevertreter vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan zur Anklageverlesung von Maduro und Flores, 5. Januar 2026