mini|Haus am Werderschen Markt, 1965 Die SED-Bezirksleitung Berlin war bis zur Friedlichen Revolution von 1989 die höchste politische Autorität im Sowjetischen Sektor Groß-Berlins und später Ost-Berlins.

Die Bezirksleitung war formell das oberste Organ der Bezirksparteiorganisation, welcher 1986 etwa 176.000 Menschen als einfache SED-Mitglieder und -Kandidaten angehörten.

Die Bezirksleitung hatte ihren Sitz in einem Seitenflügel des Haus am Werderschen Markt, dem ZK-Gebäude.

Geschichte Die Berliner SED konstituierte sich als SED-Landesvorstand Groß-Berlin am 14. April 1946 im Großen Schauspielhaus, etwa eine Woche vor der eigentlichen Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED.

Am Vortag hatten sich KPD und Teile der SPD, welche die Einigungsbestrebungen des Zentralausschusses der SPD unterstützten, zu separaten Bezirksparteitagen getroffen, welche jeweils einer Vereinigung zustimmten. In den Westsektoren der Stadt konnte die SMAD die von einer großen Mehrheit der dortigen SPD-Mitglieder abgelehnte Vereinigung nicht durchsetzen, so kam es dort lediglich zu einer Umbenennung der Berliner KPD.

Die Berliner SED nahm Oktober 1946 an der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin teil, fiel allerdings selbst im Sowjetischen Sektor weit hinter die SPD zurück, welche aufgrund des Viermächtestatus auch dort aktiv sein durfte. Im November 1948 forcierte die SED die Spaltung Berlins, dessen Ostteil sie mit Unterstützung der Sowjetunion fortan alleine regierte.

Bis zum Mauerbau von 1961 unterstanden der Bezirksleitung weiterhin Kreisleitungen für die Bezirke Westberlins, die danach in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) aufgingen. Sowohl SED als auch SEW blieben bei Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus mit Ergebnissen von anfangs 2,7 bis 0,6 Prozent in den 1980er-Jahren bedeutungslos.

Organisation mini|Parteiaktivtagung der Bezirksleitung Berlin der SED, 1957 Bezirksleitung Bei der Bezirksleitung handelte sich um den Parteivorstand der Berliner SED mit ehrenamtlichen Mitgliedern und Kandidaten analog zum Zentralkomitee. Gewählt wurde die Bezirksleitung auf der Bezirksdelegiertenkonferenz, dem alle zweieinhalb Jahre stattfindenden Parteitag der Berliner SED.

Die letzte Bezirksdelegiertenkonferenz fand am 9. und 10. Februar 1986 im Palast der Republik statt, die gewählte Bezirksleitung umfasste 138 Personen, darunter 109 Mitglieder und 29 Kandidaten. Der Frauenanteil lag unter einem Drittel.

Die Bezirksleitung tagte in der Praxis alle 3 Monate, ihre wichtigste Aufgabe bestand darin, in ihrer konstituierenden Sitzung das Sekretariat und die Bezirksparteikontrollkommission zu wählen.

Wie bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED lag das eigentliche Machtzentrum nicht bei der Bezirksleitung als solche, sondern bei dessen Sekretariat und dem ihm unterstellten hauptamtlichen Parteiapparat (darunter Fachabteilungen für Landwirtschaft, Sicherheitsfragen usw.), welche gemeinhin unter dem Begriff der „Bezirksleitung“ verstanden wurden.

Anders als bei allen anderen Bezirksorganisationen der SED unterstand der Berliner SED keine eigene Zeitung; die Berliner Zeitung und die BZ am Abend wurden in Folge des Aufstands vom 17. Juni 1953 direkt dem ZK der SED unterstellt.

Kreisleitungen mini|Gebäude der Kreisleitung Prenzlauer Berg der SED, 1953 Der Bezirksleitung Berlin unterstanden neben den Parteiorganisationen für die zuletzt elf Stadtbezirke Ostberlins (welche jeweils den Rang einer Kreisleitung hatten) überdurchschnittlich viele, zeitweise bis zu 13, der sogenannten funktionalen SED-Kreisleitungen in großen VEB und Kombinaten, Ministerien, wissenschaftlichen und zentralen Einrichtungen.

Dazu gehörten die SED-KL Bauwesen, Akademie der Wissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin, Zentrale Finanz- und Bankorgane, Zentrale Organe der Gewerkschaften, Zentrale Organe der Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Zentrale Organe des Verkehrswesens sowie die Kreisleitungen im Ministerium für Wissenschaft und Technik, dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und der Staatlichen Plankommission.

Die Kreisleitung Fernsehen der DDR war seit 1984 unmittelbar dem Sekretariat des ZK unterstellt, davor unterstand es als Zentrale Parteileitung des Fernsehens der DDR nicht der der Bezirksleitung Berlin, sondern der SED-KL Berlin-Treptow (in dessen Ortsteil Adlershof das Fernsehen der DDR seinen Sitz hatte). Grund für diese Verschärfung war, dass sich nach der Gründung des Privatfernsehens Januar 1984 24 Mitarbeiter des Fernsehen der DDR in die Bundesrepublik abgesetzt hatten.

Erster Sekretär Die SED-Bezirksleitung Berlin wurde von einem Ersten Sekretär (bis 1952: Vorsitzender) geleitet, welcher zugleich den Vorsitz der Bezirkseinsatzleitung (BEL) Berlin innehatte, ein 1960 gebildetes Gremium, das für die Planung, Realisierung und Kontrolle der Maßnahmen der Landesverteidigung und der inneren Sicherheit verantwortlich war.

Der Erste Sekretär hatte eine hervorgehobene Rolle in der SED im Vergleich zu anderen Bezirkssekretären, so waren alle Ersten Sekretäre seit Paul Verner Mitglieder des Politbüros und des Sekretariats.

+Erste Sekretäre der SED-Landesleitung Groß-Berlin/SED-Bezirksleitung BerlinErster SekretärAmtszeitHinweiseKarl Litke(Ex-SPD)(Ex-KPD)14. April 1946 – 28. November 1948SED-Landesleitung Groß-Berlin(Ex-SPD)(Ex-KPD)28. November 1948 – 4. Dezember 1949Hans Jendretzky4. Dezember 1949 – 8. August 1953Alfred Neumann8. August 1953 – 16. Februar 1957Hans Kiefert16. Februar 1957 – 1. März 1959Paul Verner1. März 1959 – 16. Mai 1971zugleich Sekretär des ZKKonrad Naumann16. Mai 1971 – 5. November 1985ab 24. Mai 1984 zugleich Sekretär des ZK per Politbüro-Beschluss am 5. November 1985 mit sofortiger Wirkung entferntHelmut Müller(amtierend)per Politbüro-Beschluss bis zur formellen Abwahl Konrad Naumanns durch die Bezirksleitung mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragtGünter Schabowskiab 21. April 1986 zugleich Sekretär des ZK, ab 30. Oktober 1989 mit Aufgabenbereich (Agitation)Heinz Albrecht14. November 1989 – 11. Februar 1990ab Dezember 1989 Bezirksvorstand SED/PDS

Sekretariat Der Erste Sekretär wurde unterstützt durch ein Sekretariat, welches den hauptamtlichen Parteiapparat leitete und das eigentliche Machtzentrum der Bezirksparteiorganisation bildete.

Das Sekretariat umfasste neben dem Ersten und Zweiten Sekretär einige weitere Sekretäre mit fest abgesteckten Ressort. Analog zu den anderen Bezirksleitungen waren der Oberbürgermeister und der Vorsitzende der Bezirksplankommission von Seiten des Ostberliner Magistrats sowie der Erster Sekretär der FDJ-Bezirksleitung und der Vorsitzende des FDGB-Bezirksvorstandes von Seiten der Massenorganisationen kraft Amtes ebenfalls Mitglieder des Sekretariats.

Das Sekretariat wurde Februar 1963 als Nachfolger des Büros der Bezirksleitung gegründet, welches noch – analog zum Politbüro des Zentralkomitees – zwischen Mitgliedern und Kandidaten unterschied, ansonsten jedoch ähnlich zusammengesetzt war.

Wie für örtliche SED-Leitungen üblich, war das Sekretariat der Bezirksleitung Berlin im Wesentlichen mit Fragen der Planerfüllung und Versorgung beschäftigt.

+Sekretariat der SED-Bezirksleitung Berlin (1986)SekretärAufgabenbereichHinweiseGünter Schabowski1. SekretärHelmut Müller2. SekretärHeinz AlbrechtSekretär für WirtschaftEllen BrombacherSekretär für Wissenschaft, Erziehung und KulturReginald GrimmerSekretär für Agitation und PropagandaDezember 1988 ausgeschiedenErnst HeinzSekretär für LandwirtschaftHorst OswaldSekretärGerhard PoserSekretär für Bauwesen und InvestitionHans-Günter BurbachVorsitzender der BezirksplankomissionJuni 1986 ausgeschieden (Bezirksbürgermeister von Hellersdorf), Nachfolger Wolfgang PuppeAnnelis KimmelVorsitzende des FDGB-BezirksvorstandesErhard KrackOberbürgermeister von BerlinHelmut Meier1. Sekretär der FDJ-BezirksleitungOtto SeidelVorsitzender der BezirksparteikontrollkommissionLothar Witt1. Sekretär der Kreisleitung Berlin-Köpenick

2. Sekretäre Die 2. Sekretäre der Bezirksleitung Berlin: Adolf Deter (1948–1949) Ernst Hoffmann (1949–1952) Erich Hönisch (1952–1953) Hermann Axen (1953–1956) Willi Kuhn (1956–1959) Hans Kiefert (1959–1963) Hans Wagner (1963–1964) Konrad Naumann (1964–1971) Helmut Müller (1971–1989)

Bezirksdelegiertenkonferenzen +Delegiertenkonferenzen der Berliner SEDArtDatumOrtVereinigungsparteitag14. April 1946Großes SchauspielhausLandesdelegiertenkonferenz6. bis 7. September 1947Landesdelegiertenkonferenz27. bis 28. November 1948Landesdelegiertenkonferenz2. bis 4. Dezember 1949Landesdelegiertenkonferenz1. bis 2. Juli 1950Landesdelegiertenkonferenz27. bis 29. Juni 1952Bezirksdelegiertenkonferenz12. bis 14. März 1954Bezirksdelegiertenkonferenz16. bis 18. März 1956Bezirksdelegiertenkonferenz25. bis 27. Juni 1958Kongreßsaal des Ministeriums der Finanzen2. Tagung der Delegiertenkonferenz28. Februar und 1. März 1959Dynamo-SporthalleBezirksdelegiertenkonferenz10. bis 12. Juni 1960Dynamo-SporthalleBezirksdelegiertenkonferenz13. bis 15. Juni 1962Dynamo-Sporthalle2. Tagung der Delegiertenkonferenz1. bis 2. Dezember 1962Dynamo-SporthalleBezirksdelegiertenkonferenz13. bis 14. Juni 1964Dynamo-SporthalleBezirksdelegiertenkonferenz11. bis 12. März 1967Dynamo-SporthalleIX. Bezirksdelegiertenkonferenz31. Mai bis 1. Juni 1969Dynamo-SporthalleX. Bezirksdelegiertenkonferenz15. bis 16. Mai 1971Dynamo-SporthalleXI. Bezirksdelegiertenkonferenz9. bis 10. Februar 1974Werner-Seelenbinder-HalleXII. Bezirksdelegiertenkonferenz26. bis 27. März 1976Werner-Seelenbinder-HalleXIII. Bezirksdelegiertenkonferenz10. bis 11. Februar 1979Palast der RepublikXIV. Bezirksdelegiertenkonferenz14. bis 15. Februar 1981Palast der RepublikXV. Bezirksdelegiertenkonferenz11. bis 12. Februar 1984Palast der RepublikXVI. Bezirksdelegiertenkonferenz8. bis 9. Februar 1986Palast der Republik

Einzelnachweise

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