mini|Italienische Ausgabe der Commedia mit Illustrationen von Gustave Doré (ca. 1910) mini|Poster von Teodoro Wolf Ferrari für die Olivetti M1 Schreibmaschine (1911) mini|Domenico Peterlin: Dante im Exil (ca. 1860) mini|Dante in Begleitung von anderen Personen (Gustave Doré zugeschrieben) mini|Nicolò Barabino: Dante begegnet Matelda im Irdischen Paradies (1886–1887) mini|Jean Delville: Dante trinkt das Wasser des Lethe (1919) mini|Joseph Noel Paton: Studie für das Bild Dante und Beatrice im Mondhimmel (1853) mini|Tommaso De Vivo: Dante im Paradies vor dem heiligen Petrus (1863) mini|Jan Holger Jerichau: Dante im Profil (1915-1916) Die Göttliche Komödie von Dante Alighieri ist seit ihrem Erscheinen im frühen 14. Jahrhundert eine Quelle der Inspiration für Künstler, Musiker und Autoren. Dieser Artikel enthält Verweise, Wiederverwendungen, Neuinterpretationen, Adaptionen und Ähnliches in der klassischen Kunst und modernen Alltagskultur. Die Göttliche Komödie (italienisch: Divina Commedia) ist ein italienisches Versepos, das in drei Teile, den sogenannten cantiche,Aus dem Lateinischen abgeleitete Bezeichnung für die drei Teile der Göttlichen Komödie. Die Singularform ist cantica. gegliedert ist: Inferno (Hölle), Purgatorio (Läuterungsberg oder Fegefeuer) und Paradiso (Himmel oder Paradies) und gilt weithin als das herausragende Werk der italienischen LiteraturEncyclopedia Americana, 2006, Band 30, S. 605. und als eines der größten Werke der Weltliteratur.Harold Bloom: The Western Canon: the Books and School of the Ages (1st ed.). Harcourt Brace, New York 1994, ISBN 0-15-195747-9. OCLC 29637737. Die fantasievolle Vision des Jenseits in diesem Gedicht ist repräsentativ für die mittelalterliche Weltanschauung, wie sie sich im 14. Jahrhundert in der katholischen Kirche entwickelt hatte. Es trug dazu bei, die toskanische Sprache, in der es geschrieben ist, als standardisierte italienische Sprache zu etablieren.„Der florentinische Dialekt, wie wir ihn aus der Divina Commedia kennen, wurde zur Grundlage einer literarischen Standardsprache, zum Teil, weil dieser Dialekt im 14. Jahrhundert von hervorragenden Autoren verwendet wurde, zum Teil weil Florenz damals ein hohes politisches, wirtschaftliches und kulturelles Prestige genoß, zum Teil vielleicht auch weil die toskanischen Dialekte nicht nur geographisch, sondern auch sprachlich eine Mittelstellung zwischen Nord und Süd einnahmen.“ In: Anna Laura Lepschy, Giulio Lepschy: Die italienische Sprache. Francke Verlag, Tübingen 1986, ISBN 3-7720-1722-3 (Uni-Taschenbücher UTB; 1371), S. 18.

Erste Zeugnisse der Rezeption Die Rezeption der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri begann mit dem Vortragen von Auszügen und fand in Italien ihre ersten schriftlichen Niederschläge in Memorialen, in welchen in Bologna seit 1265 alle in der Stadt abgeschlossenen Verträge festgehalten wurden und in welchen Notare auch volkssprachliche Gedichte, darunter Fragmente aus der Commedia eintrugen.Auf dem Deckblatt eines Bologneser Gerichtsregisters ist das älteste dokumentarische Zeugnis aus der Commedia zu finden: Die Terzine aus dem dritten Gesang des Inferno (Verse 94-96) wurde vom Notar Therius Gani degli Useppi von San Geminiano transkribiert, der sich 1317 in Bologna im Gefolge des Podestà Nicolò Bandini da Siena befand. Quelle: In einem Bologneser Memoriale von 1321 wurden Verse aus dem Inferno – eine Invektive gegen die Korruption der Päpste – notiert. Quelle: Franziska Meier: Dantes Göttliche Komödie. Verlag C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-4067-1929-5, S. 115–116. Es folgte die Erstellung von handschriftlichen Abschriften von Teilen oder dem gesamten Umfang der Commedia und deren Verbreitung. Die erste bekannte Abschrift des verloren gegangenen Autographen stammt aus den frühen 1330er Jahren.“Nessun manoscritto c’è pervenuto che possa risalire ai primi anni di diffusione dell’Inferno e del Purgatorio, ovvero che possa discendere da un codice cosí antico. Perduti gli autografi danteschi, perdute le prime copie dell’intera Commedia all’indomani della morte del poeta, il primo manoscritto (perduto, ma conoscibile indirettamente) di cui si abbia notizia, è un esemplare fiorentino, scritto tra l’ottobre del 1330 e il gennaio del 1331 da un certo Forese Donati […]”. (dt.: „Es ist kein Manuskript erhalten geblieben, das auf die ersten Jahre der Verbreitung des „Inferno“ und des „Purgatorio“ zurückgeht, d. h. das aus einem so alten Kodex stammen könnte. Da die Autographen Dantes und die ersten Kopien der gesamten „Commedia“ nach dem Tod des Dichters verloren gegangen sind, ist das erste Manuskript (verloren gegangen, aber indirekt bekannt), von dem wir wissen, ein florentinisches Exemplar, das zwischen Oktober 1330 und Januar 1331 von einem gewissen Forese Donati geschrieben wurde […]“.). Quelle: La Divina Commedia. Testo critico stabilito da Giorgio Petrocchi. Con una sua nota introduttiva sul testo della Commedia. Einaudi, Turin 1975 (= Piccola Biblioteca Einaudi Testi, 6). S. VIII.Marcella Roddewig: Dante Alighieri: Die göttliche Komödie. Vergleichende Bestandsaufnahme der Commedia-Handschriften. Anton Hiersemann, Stuttgart 1984 (= Hiersemanns bibliographische Handbücher, 4).Die Fehleranalyse hat es ermöglicht, drei Haupttextarten zu identifizieren, die sich im ersten Jahrzehnt der Verbreitung als vollendetes Werk herausgebildet haben: 1) der Standardtext, 2) die editio von Forese, 3) eine „bolognesische” Tradition. Quelle: Giorgio Inglese: Dante Alighieri: Commedia. Introduzione. III Classificazione dei testi. Le Lettere, Florenz 2021, ISBN 978-88-9366-237-6, S. CXLI Später wurden vielfach Werkstätten für die Produktion von Abschriften beauftragt, wie z. B. diejenige von Francesco di ser Nardo da Barberino in Florenz, die den Gruppo del CentoDanti del Cento ist ein biblio-historiographischer Begriff, der von Kritikern, beginnend mit der modernen Forschung, verwendet wird, um eine Gruppe von Handschriften von Dante Alighieris "Göttlicher Komödie" zu bezeichnen, die textliche und materielle Merkmale teilen, die als ähnlich angesehen werden, ohne dass dies notwendigerweise die Existenz einer einzigen Stammfamilie impliziert. verfasste. Damit führte die Commedia bis 1480 nach der Bibel die Liste der meistkopierten Manuskripte an, die erst von Francesco Petrarcas Canzoniere überflügelt wurde.Franziska Meier: Besuch in der Hölle. Dantes Göttliche Komödie. Biographie eines Jahrtausendbuchs. C. H. Beck, München 1921, ISBN 978-3-406-76723-4, S. 68.

Kolorierungen Bereits in den frühesten Manuskripten wurde nebst der schwarzen Tinte die Farbe rot für Initialen und GesangsbezeichnungenIm Codex Bodmer 55 der Fondation Martin Bodmer in Cologny ist die Initiale der ersten Verszeile jeder Terzine mit roter Tinte hervorgehoben: sowie für die Auszeichnung der Rubriken (von lat. rubrum = rot),Zum Beispiel die Auszeichnung der Rubriken mit roter Tinte im Codex 204 der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz: die Farben rot und blau für InitialenAuszeichnung der Initalen im Codex 302 des Maestro Galvani in der Biblioteca Ricciardiana in Florenz und die ganze Farbenpalette für kunstvoll ausgemalte Initialen und illustrierende Miniaturen verwendet.Im Codex Bodmer 57 der Fondation Martin Bodmer in Cologny beginnt jede der drei cantiche mit einer historisierten Initiale: Anhand seines Farbenkonzeptes La Commedia Colorata kolorierte der Schweizer Dantist Dominik Meli die 14.233 Verse der Commedia nach Sprechenden und Sprechebenen.„Dante ist gleichzeitig Erzähler (schwarze Schrift), Protagonist (rot) und Autor (rot kursiv) sowie Sender von Nachrichten (rot fett), wenn er sich direkt an konkrete oder abstrakte Adressaten wendet. Bei den häufigen Vergleichen (ital. similitudini), welche die Jenseitswelt Dantes im Diesseits verankern, wird der jeweils „diesseitige“ Part rot kursiv gesetzt. Bei erklärenden oder belehrenden Einschüben wurde als Kontrast eine jeweils dunklere Farbe in Fettschrift verwendet, z. B. grün-dunkelgrün, blau-purpur, pink-purpur.“ Quelle: Angewandt auf Übersetzungen können nach diesem Farbenkonzept die entsprechenden Gegenstücke unmittelbar identifiziert werden, was die Analyse der Übersetzungsqualität erleichtert. Durch die Kolorierung wird evident, dass ein Großteil der Commedia aus direkter Rede besteht, während im Vergleich dazu die erzählenden Passagen mengenmäßig beschränkt sind.

Kommentare mini|Kommentar von Guido da Pisa im Ms. 597 (1424), folio 113 mini|Manuskript Pluteo 40.19 aus der Biblioteca Medicea Laurenziana (1400-1425) mit dem 'ottimo commento' (Ser Andrea Lancia zugeschrieben), folio 114v mini|Kommentar von Francesco da Buti, BNCF, banco rari 39 (ca. 1400-1410) mini|Der Beginn von Landinos Auslegung der Commedia im Widmungsexemplar der Erstausgabe seines Kommentars (1481) für die Signoria. Biblioteca Nazionale Centrale, Banco Rari 341, folio 1r.

Frühe Kommentare (Auswahl) Kurz nach der Verbreitung der ersten Manuskripte entstanden die ersten Kommentare auf Latein als auch in der Volkssprache. Die Website des Dartmouth Dante Project von Robert Hollander, Jeffrey Schnapp und anderen enthält 77 Kommentare von 1322 bis 2015. Im Laufe der Zeit entstanden in einigen Sprachen Standardkommentare, die eine zu ihrer Zeit gültige Interpretation lieferten.

Latein Graziolo Bambaglioli kommentierte das Inferno (1324). Guido da Pisa kommentierte ebenfalls das Inferno (ca. 1327/28 oder 1333 bis 1343). Pietro Alighieri kommentierte die Commedia in drei Fassungen (1340–1341, 1350–1355, 1358). Giovanni Bertoldi oder Giovanni da Serravalle erstellte von Februar 1416 bis Januar 1417 am Konzil von Konstanz eine lateinische Übersetzung und einen lateinischen Kommentar.Fratris Iohannis de Serravalle Ord. Min. Episcopi et Principis Firmani: Translatio et Comentum totius libri Dantis Aldigherii, cum textu italico Fratris Bartholomaei a Colle eiusdem Ordinis, nunc primum edita. A cura di Fr. Marcellino da Civezza M. O. & Fr. Teofilo Domenichelli M. O. Ex officina libraria Giachetti, filii et soc., Prati 1891. Benvenuto da Imola kommentierte die ganze Commedia in drei verschiedenen Fassungen (1375–1380).

Italienisch Jacopo Alighieri kommentierte das Inferno (1322–1329). Jacopo della Lana erstellte den ersten systematischen Kommentar zur Commedia (1323–1328). Andrea Lancia erstellte einen Kommentar (ottimo commento) zur Commedia in verschiedenen Fassungen (1333–1334, 1337–1343). Giovanni Boccaccio kommentierte die ersten 17 Gesänge des Inferno (1373–1374). Francesco da Buti kommentierte die Commedia (1395). Cristoforo Landino kommentierte die Commedia im Auftrag von Lorenzo de’ Medici (1480–1481).

Spätere Kommentare (Auswahl) Italienisch Alessandro Vellutello (1544) Bernardino Daniello (ca. 1560, 1568 publiziert) Ludovico Castelvetro (1570) Pompeo Venturi (1732) Baldassarre Lombardi (1791) Giovanni Andrea Scartazzinis Kommentar zur CommediaDante Alighieri, La Divina Commedia riveduta nel testo e commentata da G.A. Scartazzini, 4 Bde., F. A. Brockhaus, Leipzig 1874-1890. wurde später durch Giuseppe Vandelli ergänzt (1903). Tommaso Casini (1889) Giacomo Poletto (1894) Francesco Torraca (1905) Attilio Momigliano (1945) Natalino Sapegno (1955–1957) Giuseppe Giacalone (1968–1969) Umberto Bosco und Giovanni Reggio (1979) Anna Maria Chiavacci Leonardi (1991–1994–1997)

Deutsch Philalethes (1839-1965) Karl Witte (1865) Hermann Gmelin (1954, 1955, 1957) Hartmut Köhler (2010, 2011, 2012) Alfred Anderau (2015) Bernhard Christ (2021) Rudolf Georg Adam (2024)

Englisch Henry Wadsworth Longfellow (1867) Edward Moore (1894, zusammen mit seiner kritischen Ausgabe der Commedia) Charles S. Singleton (1970–1975) Allen Mandelbaum (1999, 2008) Robert Durling und Ronald Martinez (1996, 2003, 2011) Robert Hollander (2000–2007)

Französisch Balthasar Grangier de Liverdis (1596–1597) André Pézard (1965) Alexandre Cioranescu (1964–1968) Danièle Robert (2016–2018–2020)

Erste Übersetzungen