mini|Büste mit dem Abbild Brandts;1817 von Bertel Thorvaldsen geschaffen; Thorvaldsen-Museum, Kopenhagen
Henri François Brandt oder Heinrich Franz Brandt, genannt GrieurinAngaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (geboren 13. Januar 1789 in La Chaux-de-Fonds; gestorben 9. Mai 1845 in Berlin) war ein Schweizer Hof-Medailleur,Friedrich Müller: Heinrich Franz Brandt, online-Transliteration aus dem Lexikon Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857) Stempel- und SiegelschneiderJean-Marie Darnis, Renate Treydel: Brandt, Henri-François in der Datenbank Allgemeines Künstlerlexikon Online, abgerufen am 5. Januar 2026 Porträtzeichner, Bildhauer und Hochschullehrer.Hildegard Lehnert: Henri François Brandt. Erster Medailleur an der königlichen Münze und Professor der Gewerbe-Academie zu Berlin, (1789–1845). Leben und Werke, Berlin: Bruno Hessling 1897, passim; Volltext-Digitalisat Zeitgenosse unter anderem von Napoleon,Martin Gröger: Heinrich Franz Brandt, in: Neuer Nekrolog der Deutschen, Bd. 23 (1845), S- 411–414; Google-Books zählte er zu den bekanntesten Medailleuren Europas.Martin Gröger: Heinrich Franz Brandt, in: Neuer Nekrolog der Deutschen, Bd. 23 (1845), S- 411–414; Google-Books
Leben Brandt kam zu Beginn der Französischen Revolution zur Welt als Sohn eines Uhrmachers und dessen Ehefrau, einer geborenen Tissot. Wie seine zahlreichen Geschwister früh zur Selbständigkeit erzogen, wurde er schon im Alter von 10 oder 11 Jahren in seiner Heimatstadt in die Lehre bei dem Uhrmacher Perret gegeben und erlernte innerhalb von 7 Jahren das Gravieren auf Uhren und Edelmetalle. Dort machte er sich 1807 für kurze Zeit selbständig.
Ab 1808 ging er – mit Empfehlung seines Lehrherrn – zur Weiterbildung in die Werkstatt des Graveurs und Konservators Jean-Pierre Droz in der französischen Münzprägeanstalt Monnaie de Paris, in der er bis 1813 das Stempelschneiden, Medaillen-Gravieren und die Münzprägung erlernte. Anfangs parallel dazu studierte er von 1808 bis 1810 an der École des Beaux-Arts das Modellieren bei dem Bildhauer Pierre Charles BridanBei Henriette Lehnert wird "Bridan" genannt, möglicherweise ist Charles Antoine Bridau gemeint sowie das Fach Malerei bei Jacques-Louis David.
mini|links|1812 ausgelobt, 1813 vergebenen: Grand Prix de Rome de Gravure en Médaille für die Theseus-Umsetzung; Musée d’Art et d’Histoire de Neuchâtel
mini|Rückdatiert auf den 16. September 1812: Der Kreml, gestaltet gemeinsam mit Bertrand Andrieu auf den Einzug Napoleons in Moskau;Sammlung Landesmuseum Württemberg
In seiner Pariser Zeit – noch in der sogenannten „Franzosenzeit“ – errang Brandt im „Wetteifer mit seinem Nebenbuhler Michaud“ bei den Bewerbungen um verschiedene Stempelschneiderei-Preise den 1812 ausgelobten und 1813 vergebenen 1. Grand Prix de Rome im Wettbewerb zum Thema „Theseus, die Waffen seines Vaters auffindend.“
Bald darauf veranlasste der Archäologe Dominique-Vivant Denon den 24-jährigen Brandt zur Fertigung einer Allegorie auf die Geschichte von Napoleon Bonaparte mit dem Titel „der französische Adler am Dnjepr.“
1814 kehrte Brandt in seine Schweizer Heimat zurück und reiste von dort aus – mit Unterstützung der französischen Regierung, da der Kanton Neuenburg als Fürstentum Neuchatel dem Prinzen Berthier zugefallen war – für drei Jahre durch Italien. Auf seinem Weg nach Rom verweilte er einige Wochen in Mailand, wo er – nach der Abdankung und Verbannung Napoleons nach Elba – am 20. April 1814 Zeuge des Mailänder Aufstands und des Fenstersturzes des Grafen Giuseppe Prina wurde, der „nackend durch die Straßen geschleift wurde, während man sein Palais plünderte und zerstörte.“ In der Folge verließ Brandt Mailand und erreichte am 13. Mai 1814 über Florenz die Stadt Rom, um am damaligen Sitz der Académie de France à Rome in der Villa Medici zu wohnen.
Während seines Aufenthaltes in Rom – wo er unter anderem mit Jean Auguste Dominique Ingres zusammentraf, wurde Brandt von Antonio Canova, Bertel Thorvaldsen, Vincenzo Camuccini und Christian Daniel Rauch unterrichtet.
mini|1816, nach fünf Porträt-Sitzungen: Der aus der Gefangenschaft entlassene Papst Pius VII. „ANNO XVII“ seiner Regentschaft;National Gallery of Art, Washington
Der aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Papst Pius VII. gewährte Brandt fünf Sitzungen, um mit der Aufnahme seines Konterfeis für eine Medaille „eine Aehnlichkeit so gut, als irgend möglich herzustellen.“
Eine weitere Medaille in Bezug auf den Pontifex schuf Brandt anlässlich der Rückgabe der Provinzen an den Kirchenstaat; Vor Ort schuf der Medailleur zudem unter anderem das Bildnis des vor Ort amtierenden Akademie-Direktors Guillaume Guillon-Lethière und auf den französischen König Ludwig XVIII. als den Erhalter der Akademie in Rom und dessen Verdienste um die Wiederherstellung der benachbarten Kirche Santissima Trinità dei Monti.
1816 setzte Brandt seine Italienreise über Neapel nach Sizilien fort, schuf nach weiteren kleinen Reisen bald darauf im Auftrag von Domenico Barbaja und des Architekten Antonio Niccolini eine Denkmünze auf die Instandsetzung des abgebrannten neapolitanischen Opernhauses Teatro San Carlo.
mini|links|1818 Avers: Das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege mini|1818 Revers: Zar Alexander I. und Friedrich Wilhelm III. von Preußen
Auf Empfehlung von Christian Daniel Rauch wurde Brandt 1817 durch den Königlich Preußischen Finanzminister Hans Graf von Bülow unter Zusage eines angemessenen Gehalts nach Berlin berufen, wo er ab dem Folgejahr 1818 als Erster Medailleur der Königlich Preußischen Münze arbeitete.
1819 erhielt Brandt, der von Berlin aus noch zahlreiche Reisen durch Europa unternahm, ehrenhalber das Bürgerrecht der Stadt Valendis. Die Akademien von Berlin und Copenhagen, die Accademia di San Luca sowie die Accademia di Belle Arti di Napoli ernannten ihn zum Mitglied. Souveräne wie der König von Bayern, der König Louis-Philippe I. und König von Belgien verliehen im Auszeichnungen und ehrten ihn mit Geschenken.
mini|1823: Blanko-Medaille zur „Ausstellung Vaterländischer Gewerbserzeugnisse“ in Preußen
1824 wurde Brandt zum Hofmedailleur ernannt und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.Moniteur des Dates, 1871, S. 33; Google-Books Im selben Jahr unternahm er – gemeinsam mit Karl Friedrich Schinkel – eine weitere Italienreise, bevor er 1826 als Professor einer Berufung an die Königliche Gewerbeakademie folgte.
mini|links|Medaille auf Brandts Schwiegervater Franz Anton Begasse
Aus der am 27. Juni 1827 geschlossenen Ehe mit Gertrud (1800–24. April 1864 in Berlin), Tochter des Königlich Preußischen Kammerrats am Landgericht Köln Franz Anton Peter BegasseDeutsches Geschlechterbuch, Bd. 20 (1912), S. 5f.; Google-BooksDie dort teils unvollständigen Angaben nennen wohl versehentlich „Eduard Brandt“ als „Professor, Maler“ bei übereinstimmenden Geburtsjahr und exaktem Todestag und Schwester des Malers Karl Begas gingen 4 Kinder hervor, darunter der Maler Otto Brandt (1828–1892) sowie Emma, später „verwittwete Geheime Justizrat Lehnert“, deren Tochter Hildegard Lehnert 1897 eine umfangreiche illustrierte Gesamtschau zu Leben und Werk ihres Großvaters herausgab (siehe Abschnitt Literatur).Nach Hildegard Lehnert war Brandts ältester Sohn Otto – anders als verschiedentlich in der Literatur dargestellt – nicht als Graveur mit einem Preis ausgezeichnet worden, sondern erwarb sich als Maler einen Ruf. Zudem wurde im Thieme-Becker (s.d.) abweichend das Jahr 1832 als Datum der Eheschließung Brandts genannt.
Nachdem Brandt längere Zeit in der Berliner Münzstraße 11 oder 12J. W. Boike's allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen auf das Jahr 1840, redigiert von dem Königlichen Polizeiinspektor Winckler, Bd. 19, Berlin: Verlag von Veit & Comp., 1840, S. 45; Digitalisat gewohnt hatte, bezog er mit seiner Familie das eigene Wohnhaus Louisenstraße 37, das er mit wertvollen Ölgemälden, Kupferstichen und Kunstwerken ausstattete. Die Abende zumeist zeichnend verbringend, las ihm seine Ehefrau in der im Haus gebräuchlichen Umgangssprache französisch vor.
Ende 1843 war Brandt Mitbegründer der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin. Zudem war er Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft.Ludwig Klipfel: Erinnerung an Henri François Brandt, Königl. Professor, Hof- und erstem Münz-Medailleur, gestorben zu Berlin, am 9. Mai 1845, in: Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt, Bd. 16 (1845), S. 30–32; Google-Books
Henri François Brandt starb nach längerem Leiden an der Wassersucht 1845 in Berlin im Alter von 56 Jahren. Er wurde auf dem Französischen Friedhof an der Liesenstraße beigesetzt.Brandt genannt Grieurin, Heinrich Franz im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure
Auguste Bachelin beschrieb Brandt in der Novemberausgabe 1880 der Musée Neuchâtelois als „einen gewissenhaften, aber etwas kühl lassenden Künstler, einen überzeugten Anhänger der akademischen Theoreme seiner Zeit, der Zeit Thorvaldsens und Canovas.“ Der Geheimrat Ernst Heinrich Toelken und der Berliner Münzmeister Ludwig Klipfel, der eine Sammlung nahezu aller Medaillen Brandts besaß, trugen in der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin Nachrufe vor.
Werke (Auswahl) Medaillen Mehr als 100 Arbeiten Brandts sind bekannt, darunter 1812: „Napoleons Ankunft in Moskau“ 1815: König Louis XVIII. 1818: Bertel Thorvaldsen Zar Alexander I. 1819: Blücher von Wahlstatt 1821: „Friedenskongress in Aachen“ Christian Fürchtegott Gellert 1828: Alexander von Humboldt 1840: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1841: Medaille auf die Vermählung von Zarewitsch Alexander Nikolaus mit Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt
Münzen Ab 1821 gestaltete Brandt die Avers, teilweise auch die Revers für rund 40 neue Münzprägungen, darunter 1821–1841: Silbermünzen für das Königreich Preußen 1826: Avers des Guldens für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin 1840–1844: Silbermünzen für Ernst-August, Königreich Hannover 1840/1841: Taler für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
Literatur M. Morel: Brandt, Henri François. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon, Bd. 1, Frauenfeld 1905, S. 202 (mit älterer Literatur; Digitalisat) Auguste Bachelin: H. Fr. Brandt, in: Musée Neuchâtelois, November 1880 Hildegard Lehnert: Henri François Brandt. Erster Medailleur an der königlichen Münze und Professor der Gewerbe-Academie zu Berlin, (1789–1845). Leben und Werke, Berlin: Bruno Hessling 1897; Volltext-Digitalisat über das Gateway Bayern Leonard Forrer: Brandt, Henri François, in ders.: Biographical dictionary of medallists, coin-, gem-, and seal-engravers, mint-masters, etc. ancient and modern. With references to their works, B. C. 500 – A. D., Bd. 1, London 1904, S. 263–268 u.ö.; Volltext-Digitalisat über archive-org Wolfgang Scheffler: Berliner Goldschmiede. Berlin 1968, S. 591–594
Weblinks
Brandt genannt Grieurin, Heinrich Franz im Biographischen Lexikon der Münzmeister und Wardeine, Stempelschneider und Medailleure (mmlo) Brandt, Heinrich Franz in der Deutschen Biographie
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Schweiz) Kategorie:Zeichner Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Medailleur Kategorie:Künstler des Klassizismus Kategorie:Bildender Künstler (Paris) Kategorie:Bildender Künstler (Rom) Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Unternehmer (Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Berlin) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1789 Kategorie:Gestorben 1845 Kategorie:Mann