Der Finished Work Pentecostalism (Pfingsttum vom „vollendeten Werk“) stellt neben dem Holiness Pentecostalism (Heiligungsbewegung) eine der beiden Hauptströmungen des klassischen, trinitarischen Pfingsttums dar. Die theologische Trennung beider Zweige resultierte aus der sogenannten „Finished Work Controversy“ in der frühen US-amerikanischen Pfingstbewegung. William Howard Durham gilt als Begründer des Finished Work Pentecostalismus. (Reformierte Pfingsttradition nach Durham)

Theologische Kernpunkte Der Hauptunterschied liegt im Verständnis der Heiligung nach der Bekehrung:

Finished Work Pentecostalism: Diese Strömung lehrt, dass ein Christ nach der Bekehrung progressiv in der Gnade wächst (progressive Heiligung). Die Vorstellung einer „vollständigen Heiligung“ (entire sanctification) als punktuelles Ereignis wird abgelehnt. Der Begriff leitet sich von dem Leitsatz „Es ist ein vollendetes Werk auf Golgatha“ ab, was bedeutet, dass sowohl Erlösung als auch Heiligung bereits durch den Tod Christi am Kreuz vollzogen wurden. Holiness Pentecostalism: Im Gegensatz dazu wird hier die wesleyanische Lehre der vollständigen Heiligung vertreten (Heiligungsbewegung). Diese wird als zweites, augenblickliches Gnadenwerk nach der Bekehrung definiert und gilt als notwendige Voraussetzung für die Geistestaufe.

Geschichte und Hintergrund

Wurzeln in der Heiligungsbewegung Die früheste Form der Pfingstbewegung, das Holiness Pentecostalism, entstand aus dem Umfeld von Geistlichen mit einem Wesleyanisch-Heiligungs-Hintergrund (Wesleyan-Holiness), darunter Charles Parham und William J. Seymour.

Grundlegend hierfür waren die Lehren von John Wesley, dem Begründer des Methodismus. Wesley vertrat das Konzept der „Christlichen Vollkommenheit“ (Christian perfection). Er lehrte, dass die „völlige Heiligung“ (entire sanctification) ein definitives Gnadenwerk sei, das der Bekehrung (Wiedergeburt) folge. In Anlehnung an die Vorstellung der Theosis (Vergöttlichung) argumentierte Wesley, dass die Heiligung die Motivation des Gläubigen verändere und bei entsprechender Pflege zu einer schrittweisen Vervollkommnung führe. Ein geheiligter Gläubiger könne zwar physisch noch sündigen, sei jedoch befähigt, sich bewusst gegen die Sünde zu entscheiden.

Diese Lehren bildeten die Basis der Heiligungsbewegung, die die methodistische Doktrin der völligen Heiligung verbreitete. Die Mehrheit der Vertreter dieser Bewegung lehrte in Übereinstimmung mit der methodistischen Theologie, dass Heiligung sowohl eine augenblickliche als auch eine fortschreitende Dimension besitze:

Zweites definitives Gnadenwerk: Die völlige Heiligung wurde als Erfahrung nach der Bekehrung verstanden, bei der die Neigung zur Sünde durch „vollkommene Liebe“ ersetzt werde. Praktischer Fokus: Während die „partielle Heiligung“ den Gläubigen noch in den inneren spirituellen Kampf verstrickt sehe, befreie die völlige Heiligung den Einzelnen, seine Aufmerksamkeit auf die Verbreitung des Evangeliums und den Dienst an der Gesellschaft zu richten.

Obwohl die Heiligungsbewegung primär innerhalb des Methodismus entstand, beeinflusste sie auch andere Traditionen, wie die Quäker sowie Teile der täuferischen, baptistischen und Restaurationsbewegungen.

Die Higher-Life-Bewegung (Keswick-Theologie) Parallel dazu entwickelte sich die Higher-Life-Bewegung, die eng mit der Keswick-Konferenz verknüpft ist. Die Keswick-Theologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der wesleyanisch-arminianischen (methodistischen) Sichtweise. In diese Bewegung gliederten sich auch führende Persönlichkeiten mit irvingianischem oder calvinistischem Hintergrund ein, wie Charles Finney, William Boardman und Dwight L. Moody.

Im Gegensatz zu den Wesleyanern lehnten diese evangelikalen Vertreter aus der reformierten Tradition das Konzept eines „zweiten Gnadenwerks“ im Sinne der Heiligungsbewegung ab. Stattdessen betonten sie das Ideal eines „siegreichen“ Lebens (overcoming life). Die Keswick-Theologie prägte insbesondere Denominationen wie die Christian and Missionary Alliance.

Artikulation und Opposition

Die „Finished Work“-Lehre Im Jahr 1910 hielt William Howard Durham auf einer pfingstkirchlichen Konferenz im Mittleren Westen eine Predigt mit dem Titel The Finished Work of Calvary (Das vollendete Werk von Golgatha). Darin vertrat er die Ansicht, dass die Heiligung nicht – wie bis dahin in der Pfingstbewegung üblich – ein punktuelles Krisenerlebnis nach der Bekehrung sei, sondern ein lebenslanger Prozess, der mit der Bekehrung beginne.

Diese theologische Neuerung führte zu einer Spaltung der Pfingstbewegung in zwei Lager:

Drei-Stufen-Pfingstler (Holiness Pentecostalism): Diese ursprüngliche Sichtweise basierte auf der Wesleyanischen Heiligungslehre. Sie definierte drei Gnadenerfahrungen: die Bekehrung (Wiedergeburt), die gänzliche Heiligung (Christian Perfection) und die Geistestaufe als drittes Ereignis. Zwei-Stufen-Pfingstler (Finished Work Pentecostalism): William H. Durhams nicht-wesleyanische Sichtweise reduzierte die Stufen auf zwei Erlebnisse: die Bekehrung (die das Werk der Heiligung bereits einschließt) und die Geistestaufe.

Konflikt und Reaktionen Durham verbreitete seine Ansichten über seine Zeitschrift The Pentecostal Testimony. Als Anhänger dieser „neuen Lehre“ begannen, ihre Überzeugungen im Westen der USA zu teilen, stießen sie auf Widerstand. In Kreisen der Azusa-Street-Mission, in denen die punktuelle Heiligung als Orthodoxie galt, wurden Abweichungen mit Misstrauen betrachtet.

Kritiker sahen in Durhams Ansatz eine Abkehr von notwendigen geistlichen Voraussetzungen für die Geistestaufe. In der damaligen Auseinandersetzung wurde die Lehre von der Mehrheit als irreführend und von Vertretern der Heiligungsbewegung als Häresie eingestuft. Dies führte zu erheblichen sozialen Spannungen; Befürworter des Finished Work wurden oft gemieden, was in vielen Fällen zur Spaltung von Gemeinden und Familien führte.

Eskalation in Los Angeles Der Streit verschärfte sich im Februar 1911, als Durham nach Los Angeles reiste. Dort wurde ihm das Predigen in der Upper Room Mission und der Azusa Street Mission untersagt. Er wich daraufhin auf die Kohler Street Mission aus, wo er mit seinen Gottesdiensten eine große Anhängerschaft erreichte – sonntags bis zu 1.000 und an Wochentagen etwa 400 Besucher. Obwohl Durham noch im selben Jahr verstarb, blieb die Kontroverse um das „vollendete Werk“ ein prägendes Element der weiteren pfingstkirchlichen Geschichte.

Auswirkungen Die Auseinandersetzung führte zu einer Spaltung der jungen Pfingstbewegung in einen Zweig der Wesleyanischen Heiligungstradition (Wesleyan-Holiness) und einen Zweig der reformiert-evangelikalen Prägung. Die Lehre vom „vollendeten Werk“ (Finished Work) fand vor allem in unabhängigen, städtischen Gemeinden und Missionen Anklang.

Regionale und konfessionelle Unterschiede Insbesondere die im Süden der USA verwurzelten Pfingstkirchen lehnten die neue Doktrin weitgehend ab. Bis heute halten diese pfingstkirchlichen Denominationen der Heilungsbewegung an der Lehre der „völligen Heiligung“ (Entire Sanctification) als zweitem Gnadenerlebnis fest. Dazu zählen unter anderem:

Apostolic Faith Church Church of God (Cleveland) Church of God in Christ Pentecostal Holiness Church

Auch zugehörige Bildungseinrichtungen, wie das Heritage Bible College, lehren weiterhin diese Position.

Verbreitung nach 1911 Trotz des Widerstands innerhalb der wesleyanischen Strömung verbreitete sich die Auffassung des „vollendeten Werks“ in weiten Teilen der Pfingstbewegung. In der Folge schlossen sich die meisten nach 1911 gegründeten Denominationen dieser Lehre an. Dies zeigt sich heute in Gemeinschaften wie:

Assemblies of God International Church of the Foursquare Gospel Open Bible Churches Pentecostal Church of God

Einzelnachweise

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