Marie-Rose Lortet (* 22. Juli 1945 in Straßburg) ist eine französische Textilkünstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.
Werdegang Marie-Rose Lortet wurde 1945 in Straßburg geboren und besuchte die dortigen Schulen. Sie wuchs in einem kreativen Umfeld auf und begann schon früh, Collagen aus gesammelten Gegenständen anzufertigen. Als Kind lernte sie von ihrer Mutter, ihren Tanten und Großmüttern das Stricken, Sticken, Durchbruchsticken, Häkeln, Zuschneiden und Nähen und schuf Objekte aus verschiedenen Materialien. Mit sechzehn Jahren arbeitete sie kurzfristig in der Nähwerkstatt eines Pariser Modehauses. 1967 ließ sie sich mit 22 Jahren dauerhaft in der Haute-Normandie nieder. Dort heiratete sie den Künstler und Bildhauer Jacques Lortet (1946–2005) und stellte regelmäßig gemeinsam mit ihm aus.
1969 lernte Marie-Rose Lortet Jean Dubuffet kennen, der sie förderte und einige ihrer Stücke erwarb. Er machte Alain Bourbonnais, den Gründer von La Fabuloserie auf sie aufmerksam. Seit den 1970er Jahren wurden Marie-Rose Lortets Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen außer in Frankreich auch in Europa, Japan und den USA gezeigt. 1978 wurden ihre Werke in die Sammlung „Neuve Invention“ aufgenommen, die integraler Bestandteil der Art-Brut-Sammlung im Museum Collection de l’Art Brut in Lausanne ist. Ihre Arbeiten sind auch in der niederländischen Stiftung Collectie De Stadshof vertreten. Die Sammlung befindet sich seit 2002 als Dauerleihgabe im Museum Dr. Guislain in Gent. Marie-Rose Lortet lebt und arbeitet in der Normandie.
Werk Marie-Rose Lortet gestaltet großformatige Werke bis hin zu filigranen Miniaturen. Ihre bevorzugten Materialien für ihre Strick- und Stoffskulpturen aus verfestigter Garnspitze sind Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide. Sie experimentiert aber auch mit anderen Materialien und verwendete für einige Arbeiten Spitze, Kordeln, Schnüre, Bänder, aber auch Schokoladenpapier, Weinblätter, Champagnerkorken oder Pflanzenmaterialien wie Rhabarber-, Spargel- und Zucchinischalen oder Kartoffelsprossen sowie Kupfertelefonkabel für den Außenbereich. Viele ihrer Arbeiten bestehen aus mehreren Lagen Stoff, Fäden und Strickgarnen.
Marie-Rose Lortets Arbeiten bestanden anfangs aus genähten Stoffen, die sie nach und nach durch Strickwaren ersetzte. Sie strickte Masken und Figuren. Ab 1976 schuf sie Miniaturkleidungsstücke, deren „Ärmel eher Engelsflügeln als den Armen von Modellen gleichen“, und fertigte anschließend kleine Gemälde aus Wolle und Stoffresten an. Ab 1978 begann sie, dreidimensionale, filigrane Arbeiten mit einer Technik aus mit Harz oder Zucker versteiften Fäden zu schaffen, oft in „Form von Häusern, Zimmern, Fenstern und häuslichen Szenen“, aber auch abstraktere Bilder und Collagen. In ihren frühen Werken bevorzugte sie Weiß, „Polychromie findet sich später in größeren, abstrakteren Werken“. In den 1990er Jahren begann sie, neue Werke durch die Kombination früherer Techniken zu schaffen.
Ausstellungen (Auswahl) 2022: La Fabuloserie, Paris 2017: La Fabuloserie, Paris 2016/2017: Marie-Rose Lortet, une incroyable histoire. Musée d’Art naïf et d’Arts singuliers, Laval 2016: Outsider Art Fair, Paris 2016: Les Quarante ans de la Fabuloserie. La Fabuloserie, Dicy 2015: Architectures. Collection de l’Art Brut, Lausanne 2014: Sous le Vent de l’Art Brut 2: la Collection de Stadshof. Halle Saint Pierre, Paris 2012: Sacré Blanc. Musée Jean Lurçat, Angers 2009: J’en parle à ma fenêtre. Musée Bernard d’Agesci, Niort 2007: Beautés insensées. Musée National de Monaco, Monaco 2007: L’Envers et l’Endroit. Collection de l’Art Brut, Lausanne 2006: Inner Worlds Outside. Irish Museum of Modern Art, Dublin 2004: Simultanément. Musée d’Art Moderne, Troyes 2003: Autres dentelles. Musée des Beaux-Arts et de la Dentelle, Calais 2002: Œil pour œil. Halle Saint Pierre, Paris 2001: La mariée, princesse d’un jour. Königliche Museen für Kunst und Geschichte, Brüssel 2000: Territoires de Laine – Architectures de fils, exposition rétrospective des œuvres de 1967 à 2000. Musée Jean Lurçat, Angers 1997: Neuve Invention. Museo de Navarra, Pamplona 1992: Jacques et Marie-Rose Lortet. Musée Blanche Hoschedé-Monet, Vernon 1990: Marie-Rose Lortet. Musée de la Création Franche, Bègles 1985: Architextures. Musée des Arts décoratifs, Paris 1978: Les Singuliers de l’Art. Musée d’art moderne de la Ville de Paris, Paris
Einzelnachweise Lortet, Marie-Rose. In: Collection de l’Art Brut. Abgerufen am 1. Januar 2025
Lortet, Marie-Rose. In: Collectie de Stadshof. Abgerufen am 1. Januar 2025
Marie-Rose Lortet. In: La Fabuloserie. Abgerufen am 1. Januar 2025
Marie-Rose Lortet, une incroyable histoire. In: Musée d’Art naïf et d’Arts singuliers. Abgerufen am 1. Januar 2025
Presseinformation: Marie-Rose Lortet, une incroyable histoire. In: Musée d’Art naïf et d’Arts singuliers. Abgerufen am 1. Januar 2025
Gloria Marchini: Marie-Rose Lortet. In: Outsider Art Now vom 18. September 2014. Abgerufen am 1. Januar 2025
50 Artists / 3. In: Raw Vision: Women in Outsider Art. Ausgabe 103, Herbst 2019, S. 32
Kategorie:Künstler (Art brut) Kategorie:Textilkünstler (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1945 Kategorie:Frau