mini|Die Alte Synagoge in Chełm, 1939 Die Alte Synagoge befand sich in der polnischen Stadt Chełm, die zur Woiwodschaft Lublin gehört. Sie war eines der bedeutendsten Bauwerken der jüdischen Gemeinde. Ihre ursprüngliche Gestalt kann nicht mehr rekonstruiert werden, da es zu Zerstörungen, Wiederaufbauten und architektonischen Veränderungen kam.
Geschichte Die erste Synagoge in Chełm war ein hölzernes Gebäude, das 1583 durch einen Brand vernichtet wurde. Noch im selben Jahr erhielten die jüdischen Bewohner die Genehmigung, an gleicher Stelle ein steinernes Schulhaus zu errichten, dessen Mauern nicht höher sein durften als von den umliegenden Gebäuden. Dieses Dokument wurde 1650 von König Jan II. Kazimierz Waza bestätigt. Im Jahr 1660 folgte schließlich die Erlaubnis zum Bau einer neuen Synagoge.
Ein königliches Privileg von Jan III. Sobieski aus dem Jahr 1682 – später 1765 von Stanisław August Poniatowski bekräftigt – belegt, dass Chełm bereits damals über eine gewölbte, steinerne Synagoge verfügte. Um 1769 existierten sogar zwei Synagogen: eine steinerne und eine hölzerne. Ein erneuter Stadtbrand im Jahr 1848 zerstörte das Gebäude, das jedoch zwei Jahre später wieder aufgebaut wurde.
Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts kam es zu mehreren baulichen Veränderungen. 1879 entstand entlang der Nordwand ein Frauengebetsraum. Im Zuge einer erforderlichen Renovierung im Jahr 1933 wurde an der Westseite ein weiterer Anbau errichtet.
Die genaue Datierung der Haupthalle, dem ältesten Teil der Synagoge, ist aufgrund der vielen Brände, Umbauten und Wiederverwendungen von Baumaterial kaum eindeutig zu bestimmen. Es ist möglich, dass bei späteren Wiederaufbauten ältere Fundamente und Mauerreste integriert wurden. Sollte dies zutreffen, könnte der Kernbau bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts oder sogar in das späte 17. Jahrhundert zurückreichen. Der ungewöhnliche zweischiffige Grundriss der Haupthalle erschwert die Zuordnung zusätzlich. Die letzte europäische Synagoge dieser Art war die Alte Synagoge in Kazimierz bei Krakau. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Haupthalle im 18. Jahrhundert entstand und möglicherweise auf den Resten eines Vorgängerbaus aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert stand. Ihre endgültige, überlieferte Gestalt erhielt die Synagoge jedoch erst nach dem Wiederaufbau von 1848.
Zwischen 1940 und 1941 wurde die Synagoge während des Zweiten Weltkrieges von den deutschen Besatzungsbehörden abgerissen. Ihre Ruinen wurden vollständig beseitigt.Maria and Kazimierz Piechotka: Heaven’s Gates. Masonry synagogues in the territories of the former Polish – Lithuania Commonwealth. Seite 488. Polish Institute of World Art Studies & POLIN Museum of the History of Polish Jews, Warschau 2017, ISBN 978-83-942344-3-0. Geschichte.
Baubeschreibung Die massiven Mauern waren an den Ecken der Haupthalle durch kräftige, ziegelgedeckte Strebepfeiler verstärkt. Glatte Wandflächen, ein schlichter Fries mit rhythmisch angeordneten Nischen und ein Walmdach prägten das unaufdringliche Äußere. Der Innenraum der quadratischen, zweischiffigen Haupthalle besaß die Maße von etwa 15,85 × 12,40 m. Dessen Fußboden lag rund 60 cm unter dem umliegenden Geländeniveau und das Gewölbe erreichte eine Höhe von 7,60 m.
Zwei quadratische Pfeiler ohne Kapitelle, mit abgeschrägten Ecken, trugen das sechsteilige Kreuzgewölbe. Die Fenster waren an den Längsseiten dreifach und an den Giebelseiten zweifach angeordnet; der später angebaute Frauenraum verdeckte einige der Öffnungen auf der Nordseite. Der schlanke, hohe Aron HaKodesch war ein stuckierter, vermutlich aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammender Aufbau mit drei Geschossen. Die Bima bestand aus einem oktogonalen Podium. Ihre ursprüngliche hölzerne Balustrade wurde 1911 durch ein Eisengeländer ersetzt. Die Wände waren polychrom dekoriert und zeigten illusionistische Malereien, die Marmor imitierten, architektonische Gliederungen betonten und eine Vielfalt an vegetativen Motiven, Rocaillen, Darstellungen heiliger Städte und biblischen Wesen enthielten.Maria and Kazimierz Piechotka: Heaven’s Gates. Masonry synagogues in the territories of the former Polish – Lithuania Commonwealth. Seite 492. Polish Institute of World Art Studies & POLIN Museum of the History of Polish Jews, Warschau 2017, ISBN 978-83-942344-3-0. Baubeschreibung.
Weblinks Instytut Sztuki Polskiej Akademii Nauk
Siehe auch Kleine Synagoge (Chełm) Liste von Synagogen in Polen Jüdischer Friedhof (Chełm)
Einzelnachweise
Chelm Kategorie:Chełm Kategorie:Geschichte (Woiwodschaft Lublin) Kategorie:Ersterwähnung 1583 Kategorie:Erbaut 1850 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Polen