Die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (kurz: PGFW) ist eine im Jahr 1925 gegründete Wissenschaftliche Gesellschaft mit Sitz in Speyer (Rheinland-Pfalz). Sie widmet sich in Form von Veröffentlichungen, Veranstaltungen und Forschungsprojekten der Landeskunde der Region Pfalz.

Geschichte Die Gründung der PGFW fiel in eine Zeit, in der es Ziel der französischen Besatzung war, die Bewohner des Rheinlandes politisch und kulturell dem übrigen Reich zu entfremden – „die Herzen und Sinne“ der Bevölkerung sollten für Frankreich gewonnen werden. Als wissenschaftliche Einrichtungen gab es Anfang der 1920er Jahre in der Pfalz lediglich das Historische Museum der Pfalz, das Bayerische Staatsarchiv, die Pfälzische Landesbibliothek, die von ihrem Direktor Georg Reismüller als „Bücherfront gegen Frankreich“ bezeichnet wurde, sowie die Pollichia.

Georg Reismüller, der Prähistoriker Friedrich Sprater und der Archivar Albert Pfeiffer regten Anfang 1925 bei der Landesregierung Bayerns, zu dem die Pfalz damals gehörte, die Gründung einer Wissenschaftlichen Kommission für Pfalzkunde an und stießen damit auf offene Ohren; man sah diesen Vorstoß im Einklang mit den Staatsinteressen, die man neben der französischen Kulturpropaganda auch durch die Pläne Badens bedroht sah, einen Rheinlandausschuss an der Universität Heidelberg zu bilden, um alte Verbindungen zum linksrheinischen Teil Bayerns wiederzubeleben.

Am 25. Oktober 1925 wurde im Sitzungssaal des Speyerer Kreistags die Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften gegründet – dieser Name wurde gewählt, da „Kommission“ für die französischen Behörden zu politisch geklungen hätte; auf „Akademie“ wurde aus Rücksicht auf die Landesregierung verzichtet, da es eine solche in der bayerischen Landeshauptstadt bereits gab.Dagmar Gilcher: Zeit und Raum zum Denken. In: Die Rheinpfalz, Ihr Wochenende. Nr. 277, 29. November 2025. Zu den Gründungsmitgliedern zählten der Weinbauhistoriker Friedrich von Bassermann-Jordan, der Historiker Albert Becker, der Geologe Daniel Häberle, der Heimatforscher Carl Pöhlmann, der Botaniker Hermann Poeverlein, Georg Reismüller und Friedrich Sprater.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Kurt Kölsch von Gauleiter Josef Bürckel zum Gaukulturwart ernannt; dieser erhob seinen Freund Hermann Emrich zum Präsidenten der PGFW; der abgesetzte Präsident Friedrich von Bassermann-Jordan wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt, da man auf seine finanziellen Mittel nicht verzichten wollte. Die Gesellschaft wurde von den neuen Machthabern nun ideologisch für „Völkische Wissenschaft“ vereinnahmt und ihr Sitz nach Neustadt verlegt, in die Heimatstadt des Gauleiters.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die PGFW 1950 wiederbelebt. Zwar wurde sie vom neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz anerkannt, zu dem die Pfalz nun gehörte, aber nicht finanziell unterstützt; der Bezirksverband Pfalz sprang hier ein. Mit der Geologin Ilse Plewe-Voelker wurde 1955 erstmals eine Frau in die Gesellschaft aufgenommen.

Präsidenten 1925–1933: Friedrich von Bassermann-Jordan 1933–1945: Hermann Emrich Nach dem Zweiten Weltkrieg ruhten die Aktivitäten der Gesellschaft 1950–1955: Friedrich von Bassermann-Jordan 1955–1961: Helmut Graf 1961–1969: Otto Sartorius 1969–1981: Friedrich Ludwig Wagner 1981–1998: Willi Alter 1998–2004: Franz Staab 2004–2013: Klaus Kremb 2013–heute: Lenelotte Möller

Aufgaben und Aktivitäten Die PGFW fungiert als Akademie der Wissenschaften. Sie befasst sich in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen hauptsächlich mit der Landeskunde der Pfalz. Im Halbjahresturnus erscheint die von der PGFW herausgegebene Zeitschrift Pfälzer Heimat. Pfälzer Lebensbilder ist eine von der PGFW publizierte Reihe von Kurzbiographien über bedeutende Pfälzer Persönlichkeiten. Das umfangreichste Publikationsprojekt der PGFW ist der Pfalzatlas, der Karten- und Textbände umfasst und die Pfalz sowohl historisch als auch geografisch beschreibt. Neben diesen und weiteren Publikationen richtet die PGFW auch Veranstaltungen aus unterstützt Forschungsprojekte. Sie kooperiert mit wissenschaftlichen Einrichtungen in und außerhalb der Pfalz.

Wappen Das Wappen der Gesellschaft zeigt den Pfälzer Löwen, der ein Buch als Symbol der Wissenschaft hält. Es wurde von Otto Hupp entworfen, von dem auch das Triumphkreuz im Speyerer Dom stammt.

Weblinks Offizielle Website

Literatur von und über die PGFW im Katalog des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation (Speyer) Kategorie:Wissenschaftliche Organisation in Rheinland-Pfalz Kategorie:Vereinsgründung 1925