Journal-Hijacking, deutsch etwa Journal-Kaperung, bezeichnet eine Form wissenschaftlichen Betrugs im akademischen Publikationswesen. Mit betrügerischen Absichten setzen Cyberkriminelle Webseiten auf, die bestehende, legitime wissenschaftliche Fachzeitschriften imitieren, um damit Autorinnen und Autoren zur Einreichung von Manuskripten zu verleiten.Jasmin Schmitz: Journal Hijacking: Neues Vorgehen stellt wissenschaftliches Publikationswesen vor weitere Herausforderungen. ZB MED-Blog, 20. Februar 2024. https://doi.org/10.48664/qbe3-mp68 Ziel ist das Erheben von Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APC), ohne eine tatsächliche Begutachtung (Peer Review) vorzunehmen. Andere Bezeichnungen im Englischen sind Clone Journal (geklonte Zeitschrift)Letter to the editor. Clone journals: a threat to medical research. Sao Paulo Medical Journal 137 (06), Nov-Dec 2019, Volltext bei SciELO: https://doi.org/10.1590/1516-3180.2018.0370160919 oder Copycat journal (Nachahmer-Zeitschrift).Jeffrey Beall: Another Respected Society Journal Victimized by Title Thief. Scholarly OA vom 19. Januar 2016, Weblog von Jeffrey Beall. Typischerweise nutzen Hijacked Journals (entführte Fachzeitschriften) täuschend ähnliche Titel, Logos und Webseiten legitimer Zeitschriften oder übernehmen die Identität und Domains von eingestellten oder nur in Printform erscheinender Zeitschriften. Der Begriff „Hijacked Journal“ kann sich sowohl auf die betrügerische als auch auf die legitime Zeitschrift beziehen. Ähnliches Hijacking kann auch bei wissenschaftlichen Konferenzen vorkommen.
Hijacked journals sind daher eine Sonderform der Predatory journals. Diese gelten als Zeitschriften, die ohne ausreichende wissenschaftliche Integrität betrieben werden, ebenfalls um ohne nennenswerte Gegenleistung die Publikationsgebühren einzustreichen; Hijacked journals begehen zusätzlich einen Identitätsdiebstahl (Cybersquatting).
Die Schäden, die durch Hijacked journals entstehen, gehen weit über die gezahlten Article processing charges hinaus: es ist eine Bedrohung für die Wissenschaft und die akademische Integrität im Allgemeinen, wenn Forscher und Leser nicht zwischen gefälschten Veröffentlichungen von gekaperten Zeitschriften und echten Veröffentlichungen von seriösen Zeitschriften unterscheiden können.Sune Dueholm Müller und Johan Ivar Sæbø: The ‘hijacking’ of the Scandinavian Journal of Information Systems: Implications for the information systems community. Information Systems Journal 34(2), März 2024, S. 364 383. https://doi.org/10.1111/isj.12481 Es gibt auch Hinweise darauf, dass Wissenschaftler gezielt Hijacked Journals auswählen in der Gewissheit, so leicht ihre Publikationslisten verlängern zu können (Publish or perish).Anna Abalkina: Do hijacked journals attract dishonest authors? Youtube-Video vom 11 März 2024. https://www.youtube.com/watch?v=ZezM-CAl7IU abgerufen am 2. Februar 2026
Stand Februar 2026 sind in der Datenbank des Weblogs Retraction Watch mehr als 400 Hijacked Journals gelistet.Retraction Watch Hijacked Journals CheckerRetraction Watch: The Retraction Watch Hijacked Journal Checker now has 400 entries. Interview mit Anna Abalkina, 26. Dezember 2025, abgerufen am 2. Februar 2026
Unterschiede zu Predatory Journals Predatory journals gelten trotz ihrer Verletzungen der Publikationsethik als legitime Journals in dem Sinn, dass die veröffentlichten Paper als offiziell publiziert gelten. Dagegen gelten Paper, die in hijacked Journals publiziert werden, nicht als anerkannte Publikationen. Es kann dennoch vorkommen, dass sie zitiert werden.
Geschichte Der Begriff “Hijacked journal” wurde 2012 von dem iranischen Redakteur Mehrdad Jalalian eingeführt.Mehdi Dadkhah, Fariborz Rahimnia, Philip Darbyshire, Glenn Borchardt: Ten (Bad) reasons researchers publish their papers in hijacked journals. Journal of clinical nursing, 27. Juli 2021 https://doi.org/10.1111/jocn.15947https://hdl.handle.net/11573/964806 Die erste gehackte Zeitschrift war die Schweizer Zeitschrift Archives des Sciences im Jahr 2011. In den Jahren 2012 und 2013 wurden über 20 wissenschaftliche Zeitschriften gehackt. Im Jahr 2012 begannen Cyberkriminelle damit, ausschließlich in gedruckter Form erscheinende Zeitschriften zu kapern, indem sie einen Domainnamen registrierten und eine gefälschte Website unter dem Namen der legitimen Zeitschriften erstellten. In einigen Fällen finden Scammer ihre Opfer in Konferenzberichten, extrahieren die E-Mail-Adressen der Autoren aus den Beiträgen und versenden gefälschte Aufrufe zur Einreichung von Beiträgen.
Es gab auch Fälle von Zeitschriften-Hijacking, bei denen Angreifer die bestehenden Domain der Zeitschrift übernahmen (Domain-Hijacking), nachdem der Herausgeber die Registrierungsgebühren für den Domainnamen nicht rechtzeitig bezahlt hatte.
Sonderformen Cyberkriminellen ist es auch gelungen, in großen kommerziellen Zitationsdatenbanken die Links auf die gekaperten Zeitschriften umzulenken, hier war vor allem Elseviers Scopus betroffen.
Beispiele für Hijacked Journals, Retraction Watch Hijacked Journals Checker Es gibt mehrere hundert dokumentierte Fälle von Journal-Hijacking; die von der Ökonomin und Osteuropaforscherin Anna Abalkina initiierte Datenbank von Retraction Watch hat im Dezember 2025 400 Einträge erreicht. Es folgen einige Beispiele:
Comptes Rendus de l'Académie Bulgare des Sciences Journal of Natural Products Natural History Novy Mir Positif
Literatur
Weblinks American librarian Jeffrey Beall's hijacked journal and authentic journal list Hijacked Journal Checker
Einzelnachweise
Kategorie:Wissenschaftliches Publizieren Kategorie:Computer- und Internetkriminalität