mini|Firmenlogo mini|Schwingel Kindereisenbahn im Märchenpark Heidelberg mini|Schwingel Kindereisenbahn im Holiday-Park Haßloch mini|Schwingel Lok aus dem ehemaligen Safariland, später in Berlin/Britz mini|Schwingel/Schöma von 1972 mini|Schwingel/Schöma Palmen-Express in Frankfurt mini|Schwingel/Schöma HL 20 BB im Rheinpark in Köln mini|Schwingel Werkfoto, Wunderlandexpress mini|Lokomotive C. P. Huntington, das Vorbild der späteren Parkbahnloks

Die Firma Schwingel aus Leverkusen war ein kleineres Unternehmen in der Stahlbearbeitung und erreichte beginnend in den 1960er Jahren überregionale Bekanntheit durch die Lieferung von Fahrgeschäften, später auch Lokomotiven in Feldbahn-Größe für Parkeisenbahnen

Geschichte Die von Paul Schwingel (* 21. Februar 1907 in Eisenberg/Pfalz; † 21. Juli 2006 in Leverkusen) im Overfeldweg 80 in Leverkusen gegründete Firma fertigte ursprünglich Maschinen für die Stahlbearbeitung. Die Erweiterung auf die Herstellung von Fahrgeschäften verschiedenster Art war zunächst ein Hobby des Firmeninhabers. Schon in den 1960er Jahren bot er als einer der Ersten in Modellbahnzeitschriften Gartenbahnen im Maßstab 1:8 und 1:6 an. Später kamen Einschienenbahnen wie zum Beispiel die 1968 in Betrieb gegangene allererste Monorail in Europa – die Einschienenbahn Drievliet im niederländischen Drievliet Family Park in Den Haag, Pferdereitbahnen, Anlagen für Schausteller und Verkehrsgärten, Sommer-Rodelbahnen, drehende Häuser und viele andere Fahrgeschäfte für Freizeitparks hinzu. Auf seinem Versuchsgelände am Standort im Schwingel-Werk in Leverkusen – nach eigenen Angaben das Größte dieser Art – waren verschiedene Fahrgeschäfte zur Präsentation aufgebaut.

Die Firmengeschichte endete am 1. Dezember 1994 in der Insolvenz. Die Produktion von Fahrgeschäften und Eisenbahnen war bereits 1985 eingestellt worden. In Hochzeiten beschäftigte Schwingel 160 Personen, die Hälfte von ihnen im Zweigwerk Kürten. An der Eifelstraße und am Rüttersweg errichtete der Unternehmer auch 40 Werkswohnungen. Zuletzt war die Firmenadresse in unmittelbarer Nähe zum Overfeldweg in der Moselstraße 32 in Leverkusen/Bürrig. Das ehemalige Verwaltungsgebäude gegenüber der Einmündung der Eifelstraße existiert bis heute.

Fahrzeuge (Miniatureisenbahnen) Schwingel baute im Wesentlichen zwei verschiedene Miniatureisenbahnen. Zum Einen elektrische Kindereisenbahnen auf 30 cm Spurweite und Feldbahngleisen vom Profil S5 für Jahrmärkte, Vergnügungsparks oder Weihnachtsmärkte.mini|Schwingel-Lok im Bahnhof des Bärwurz-Expresses im Feriendorf „Am Hohen Bogen“, Arrachmini|Bahnhof des Bärwurz-Expresses im Feriendorf „Am Hohen Bogen“, ArrachDaneben lieferte Schwingel auch Westernloks in Feldbahngröße auf 600 mm und 750 mm Spurweite. Diese fanden beziehungsweise finden auf Parkbahnen Verwendung. Im Gegensatz zu dem ab 1980 angebotenen Modell erinnerten diese frühen Lieferungen Bauart bedingt nur entfernt an ihre großen Vorbilder in Form von Schlepptenderlokomotiven mit der Achsfolge 2'B wie zum Beispiel der Baldwin-Baureihe SVR-Baureihe A4 aus den 1870er Jahren.

Kindereisenbahnen Die kleineren Bauarten waren von ihren Abmessungen nur für die Benutzung durch Kinder geeignet. Diese Westernloks mit der angedeuteten Achsfolge 2'B hatten im Tender zwei elektrisch betriebene Fahrmotoren, die jeweils ein Drehgestell antrieben und die motorlose Lokomotiv-Attrappe schoben. Äußerlich sind sich die bekannten Lieferungen dieser Größe – abgesehen von ein paar Accesoires – sehr ähnlich. Die Modelle hatten einen Kuhfänger nach dem Vorbild amerikanischer Lokomotiven, der Schornstein auf dem Kessel der Dampflok einen angedeuteten Funkenfänger, sie besaßen – wohl im Lieferzustand – funktionslose Kuppel- und Treibstangen, die im Betrieb später oft demontiert wurden und das Führerhaus der Dampflok-Attrappe hatte einen Falz in der Mitte. Bekannte Bahnen dieser Bauart waren beziehungsweise sind zum Beispiel Sommerrodelbahn Ibbenbüren Märchenparadies Königstuhl bei Heidelberg Hellabrunn-Express im Münchner Tierpark Hellabrunn (abgebaut mit Umbau Mühlendorf) Freizeitpark Märchenwald im Isartal, Wolfratshausen Plopsaland Deutschland vormals Holiday-Park Haßloch (2005) Safariland bei Groß Gerau Haus Waldfrieden in Dülmen (Stand 2023) Kampenwand-Bahn in Aschau (Oberbayern) Magic Park Verden (Baujahr 1958) Bärwurz-Express im Feriendorf „Am Hohen Bogen“ in Arrach (derzeit im Aufbau)

Eine Lieferliste ist bisher nicht bekannt, aber es gab Stand 2019 noch Vermietungen von Schaustellern und immer wieder tauchen abgestellte Exemplare oder ehemalige Bahnen auf, wie zum Beispiel im Freizeitgelände Waldsee bei Fornsbach, einem Stadtteil der Stadt Murrhardt im Rems-Murr-Kreis oder am Jauerling im Waldviertel.

Parkeisenbahnen Bisher sind als Ausgangsbasis für die größeren Schwingel-Umbauten nur Lieferungen aus dem Hause Schöma bekannt. Von einer ersten dokumentierten Lieferung aus dem Jahre 1968 durch Schöma an Schwingel, sind zwar Fabriknummer und Typ bekannt (3095, Typ CHL 14 G), nicht aber der Empfänger.

Die schon seit 1957 zur Eröffnung der Kölner Bundesgartenschau installierte Kleinbahn im Rheinpark erhielt zur zweiten Kölner Bundesgartenschau im Jahre 1971 die heutige Strecke mit der aktuellen Spurweite von 600 mm. Der Westernzug wurden nur anfänglich von einer Porschelok gezogen, wie sie sehr oft zur Erstausstattung von Bahnen anlässlich von Bundesgartenschauen zum Einsatz kamen. Schon im Folgejahr wurde diese verkauft und um 1972 kam fabrikneu die von Schöma mit der Seriennummer 3590 vom Typ CHL 20 G und bei Schwingel in eine Westernlok mit führendem Drehgestell umgebaute mit ebenfalls von Schwingel erworbenen fünf Wagen zum Einsatz. Sie war lange Zeit in den Farben schwarz und rot gehalten, war in den 2010er Jahren aber auch mal in blau gestrichen, und entspricht einem typischen Umbauschema auch für spätere Lieferungen, die sich äußerlich wenig voneinander unterscheiden.

1972 erhielt auch der Palmen-Express eine Umbaulok dieser Bauart, die unter der Fabriknummer 3474 an Schwingel geliefert wurde. Im Gegensatz zu allen anderen bisher bekannten Loks basiert dieser Umbau jedoch auf eine Akku-Lok des Schöma Typ CEL 8 oder CEL 20. Diese war auf dem Rundkurs im Palmen-Garten in Frankfurt bis zum Jahre 2011 im Einsatz und soll nach Hannover verkauft worden sein.

Im Jahre 1975 lieferte Schöma die baugleichen Loks Carla, Camilla und Monika des Typs CHL 40 G mit den Seriennummern 3963, 3964 und 3965 an die Firma Schwingel für den Safaripark in Groß Gerau/Wallerstädten mit der Spurweite 750 mm. Als Motor fand ein Deutz F4L 912 W mit 48 PS Verwendung, beim Getriebe handelt es sich um einen kompakten Hydrostat der Firma Linde-Güldner. Bei Schwingel erhielten die Loks zwei führende Achsen und das Aussehen einer amerikanischen Dampflok. Angetrieben waren nur die beiden großen Räder, die Treib- beziehungsweise Kuppelstangen sind ohne FUnktion. Ebenso hat das vordere Drehgestell nur eine optische Funktion. Nach Schließung des Parks im Jahre 1990 gingen die Pseudo-Dampfloks zunächst alle an das Heddesheimer Feldbahn-Museum in Guldental. Die Lokomotive mit der Herstellernummer 3963 im Jahre 1998 weiter an die Britzer Museumseisenbahn in Berlin. Die zwei im Guldental verbliebenen Westernloks erhielten einen neuen Aufbau und wurden wieder zu Feldbahnloks auf 600 mm Spurweite mit der Achsfolge B-dh (B steht für zwei über einen Motor angetriebene Achsen, dh steht für dieselhydraulisch) umgebaut. Die Maschine mit der Fabriknummer 3965 kehrte im Jahre 2001 sogar wieder in den aktiven Dienst beim Torfwerk Meiners in Borstel zurück. Die Lokomotive, die zur Britzer Kleinbahn im Berliner Bezirk Neukölln kam, verkehrte auf der zur Bundesgartenschau (BUGA) 1985 eröffneten 600 mm-spurigen Schmalspurbahn („Gartenschaubahn“) mit einem rund 6 km langem Rundkurs im dortigen großer Erholungspark. Mit dem Ende der bis 2013 unter privaten Regie von Klaus Gränert betriebenen Strecke unter dem Namen Britzer Museumsbahn dürfte ihre Abstellung erfolgt sein. Der folgende Betreiber setzte in erster Linie Lokomotiven des Typs Ns2f (Baujahr 1955) vom Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg auf der Parkbahn ein. Im Safaripark gab es auch eine kleinere Schwingel Kindereisenbahn.

Im Jahre 1976 ging die Schöma 4144 vom Typ HL18 für den Freizeitpark Safariland Stukenbrock in Schloß Holte-Stukenbrock, Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen (Deutschland) an Schwingel, wo sie ihren Aufbau bekam. Abgesehen von einem als Dampflokomotivkessel mit Schornstein verkleideten Motorvorbau, hat man aber keine größeren optischen Angleichungen an eine Dampflokomotive vorgenommen. Sie verkehrt dort mit vergitterten Wagen als Orient Express durch ein Gehege von Berberaffen und war 2023 noch im Einsatz.World of Parks TV, 6.10.2020, Safariland Stukenbrock 2020 – Affen-Express Orient Express Onride Berberaffen Safaripark StukenbrockFreiteitpark Fotograf, 30.07.2023, Affen-Express ★ Safariland Stukenbrock

Anfang des Jahres 1977 lieferte Schöma mit der Fabriknummer 4188 eine weitere Lokomotive des Typs CHL 20G auf 600 mm Spurweite, die von Paul Schwingel für den Freizeitpark Bosbad Hoeven in SG Hoeven NL zur Pseudo-Dampflok umgebaut wurde. Von dort gelangte sie später zu einem Molecaten Recreation Ferienpark und von dort zum Industrieel Smalspoor Museum (ISM) in Emmen-Erica in der niederländischen Provinz Drenthe, wo sie im Sommer 2025 im Einsatz stand.

Im Jahre 1992 kam eine weitere Western-Dampflok zur Kleinbahn im Rheinpark in Köln und erhielt den Spitznamen „Grashöpper“. Sie war im Jahre 1980 bei Schöma über Schwingel für einen Freizeitpark bei Hannover hergestellt worden und zwischenzeitlich noch kurzzeitig im Ponypark Slagharen in den Niederlanden eingesetzt. Mit dieser Parkbahnlok – von Schöma als Typ HL 20 BB bezeichnet – änderte sich bei den in Zusammenarbeit von Schöma und Schwingel gebauten Lokomotiven Design und Antriebstechnik grundsätzlich. Das Vorbild war die 1863 von den Cooke Locomotive Works – später Teil der American Locomotive Company (ALCO) – an die Central Pacific Railroad (CP) gelieferte und als Nummer 3 eingereihte Tenderlokomotive mit dem Namen C. P. Huntington. Die im Original seltenere, aber leistungsfähige Bauart mit der Achsfolge 2'A2'n2t, beziehungsweise 4-2-4T nach der anglo-amerikanischen Whyte-Notation, war für den schnellen Personenverkehr konzipiert. Die Namensvergabe erfolgte zu Ehren von Collis Potter Huntington (* 22. Oktober 1821 in Harwinton, Connecticut; † 13. August 1900 in New York), einer der vier großen Eisenbahn-Tycoone der Vereinigten Staaten. Der für 590 mm Spurweite mit der Fabriknummer 4408 gelieferte Grashöpper hatte zwei angetriebene Drehgestelle mit 2 Achsen und mittig ein großes angedeutetes Spurkranz loses Antriebsrad einer Dampflok. Er war in Köln anfänglich grün und gelb lackiert und ist aktuell rot und schwarz lackiert eingesetzt. Das Führerhausdach war jetzt rund.

Neben einer historischen Linie der Vestischen Straßenbahn

verkehrte im Traum-Land-Park in Bottrop auch eine Parkbahn mit zwei Westernloks. Schöma lieferte an Paul Schwingel 1980 zwei Diesellokomotiven – vermutlich die Seriennummern 4488 und 4489 – zwecks Umbau zu Western-Dampfloks. Sie waren vom gleichen Typ HL 20 BB wie jene zuvor im gleichen Jahr gefertigten und heute in Köln eingesetzte zweite Parkbahnlok. Vor der Schließung des Parks im Jahre 1991 gingen beide im Jahre 1989 an den Freizeitpark Tolk bei Schleswig und verkehren dort mit den Nummern 1 und 2. Bei der Nummer 3 in diesem Park handelt es sich um ein Gefährt aus dem Hause Ihle.

Vermutlich aus den 1980er Jahren ist eine weitere Werksaufnahme eines größeren Parkbahnzuges im Hause Schwingel bekannt, die als Wunderland-Express beschriftet war und der neueren Bauart entsprach. Ob es sich um die heute in Köln oder Tolk vorhandene Maschinen handelt ist noch nicht bekannt.

Literatur Jens Merte u. a.: Lieferlisten, CD/Download http://www.werkbahn.de/eisenbahn/lokbau/cd-info/cd-info.htm

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