Aljona Karawaj () ist eine ukrainische Kuratorin und Kulturmanagerin. Sie ist Mitbegründerin des Ausstellungsraums Asortymentna Kimnata in Iwano-Frankiwsk und rief im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine das spendenfinanzierte Residenzprojekt Working Room ins Leben. Sie thematisiert in ihrer Arbeit die Rolle von Kunst im Krieg sowie Themen wie Erinnerung und institutionelle Verantwortung.

Leben Karawaj wurde 1982 geboren. Sie stammt aus Donezk. Ihr kulturelles Engagement begann in Donezk und umfasste frühe Projekte wie ein 2004 mitbegründetes Theaterfestival und künstlerische Interventionen im Stadtraum. Im Jahr 2014 verließ sie Donezk, nachdem die Region von prorussischen Separatisten kontrolliert wurde. In Iwano-Frankiwsk suchte sie ein neues Zuhause und etablierte dort ihren Lebensmittelpunkt. Karawaj ist Mutter einer Tochter.

Wirken Karawaj baute in Iwano-Frankiwsk den Ausstellungsraum Asortymentna Kimnata mit auf, der junge Kunst fördern und lokale Kunstgeschichten kritisch befragen sollte. Nach Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022 rief sie gemeinsam mit der Künstlerin und Kuratorin Lesia Chomenko ein Residenz- und Arbeitsformat ins Leben, das unter dem Namen Working Room als „Residency/working laboratory“ angelegt wurde. Working Room wurde in der Frühphase vor allem durch Einzelspenden mitfinanziert und verstand sich als Schutzraum, der nicht primär auf schnelle Resultate ausgerichtet ist. Karawaj beschrieb das Programm zudem als spendenfinanziertes Projekt, das zu den wenigen Residenzangeboten für die Kunstszene innerhalb der Ukraine zähle. Sie betonte, dass zeitgenössische Kunst in der Ukraine im Krieg häufig stark realitätsnah werde und zugleich Räume brauche, in denen Zukunftsvorstellungen überhaupt wieder denkbar werden.

In Berlin wirkte sie an der Präsentation der Installation Lachen ist verdächtig von Fabian Knecht an der Neuen Nationalgalerie mit. Das Werk bestand aus einem rund 600 Quadratmeter großen Tarnnetz aus Alltagsstoffen, das in der Ukraine gefertigt wurde.

Karawaj setzt sich überdies zivilgesellschaftlich ein, etwa mit einer Klage gegen den Stadtrat von Iwano-Frankiwsk im Zusammenhang mit dessen Forderung nach einem Abtreibungsverbot. Sie betreut das Rechercheprojekt „Затоплення“ (‚Überschwemmung‘), das sich mit der Geschichte des Holocaust und Lücken des lokalen Erinnerns in Iwano-Frankiwsk auseinandersetzt.

Im Juni 2023 erhielt Karawaj gemeinsam mit ihrem Kollektiv den Kairos-Preis für Aktivitäten gegen die Zerstörung kulturellen Erbes und für die Rettung von Kunstwerken seit Kriegsbeginn.

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