alternativtext=Bivona Pfirsich|rechts|238x238px|Bivona Pfirsich (Pesca di Bivona) Der Bivona-Pfirsich (italienisch Pesca di Bivona), auch bekannt unter der Bezeichnung Pescabivona oder auch Montagnola, aufgrund seiner Produktion in den Bergen (italienisch montagne), ist eine weißfleischige Pfirsichsorte (Prunus persica (L.) Batsch), die sich durch ein anhaltendes Aroma und einen süßen Geschmack auszeichnet. Er gilt als typische Spezialität Siziliens, wobei er in Bivona, einer italienischen Gemeinde in der Provinz Agrigento auf Sizilien, sowie in anderen benachbarten Gemeinden im Gebiet der Sicani-Berge angebaut wird und seit 2014 mit der geschützten geografischen Angabe (PGI) ausgezeichnet ist.
Einordnung und Ökotypen Die Bezeichnung Pescabivona greift ausschließlich auf Pfirsiche mit weißem Fruchtfleisch zurück, die sich in vier Ökotypen mit unterschiedlichen Ernteperioden und davon abhängigen Namen unterteilen lassen. Die Reifezeit der „Primizia“ (weiße Erstfrüchte) oder „Murtiddara“ reicht vom 15. Juni bis 15. Juli, während „Bianca“-Pfirsiche vom 16. Juli bis 15. August zu ernten sind. Agostina reifen meist vom 16. August bis zum 15. September, wohingegen die späteste Reifung, nämlich die der Settembrina, noch vom 16. September bis zum 20. Oktober stattfindet. Die genaue Planung des Reifungsprozesses, ermöglicht ganzjährig qualitativ hochwertige Früchte. Geschichte Die Geschichte der Pescabivona beginnt in den 1950er Jahren mit der Auswahl lokaler Pflanzen durch Landwirte, die allmählich die heute bekannten Ökotypen kultivierten, darunter die bekannteste, die Agostina, die aufgrund ihrer Reifezeit und organoleptischen Eigenschaften besonders geschätzt wird. Die Pfirsichsorte hat ihren Ursprung im Gebiet von Bivona, bekannt als die „Stadt der Pfirsiche“ in der Provinz Agrigent, im hydrographischen Einzugsgebiet des Magazzolo-Flusses, im Südwesten der Sicani-Berge. Der Anbau des Bivona-Pfirsichs hat eine wesentliche geschichtliche Relevanz für die Stadt, die sich bis heute in der Durchführung traditioneller Pfirsichfeste zeigt. Im Jahr 1984 beschloss die Gemeinde Bivona, Initiativen zu ergreifen, die darauf abzielten, ein breiteres Wissen über die lokale Pfirsichproduktion zu fördern. Dies erzielte sie mit dem Beschluss des Gemeinderats Nr. 104, also der Einrichtung des ersten Pfirsichfestes von Bivona. Neben dem Anbau in Bivona weitet sich das Produktionsgebiet aber auch auf angrenzende Gebiete wie Alessandria della Rocca, Santo Stefano Quisquina, San Biagio Platani und teilweise den Palazzo Adriano im Raum Palermo aus. Begünstigt wurde die Ausbreitung der Pfirsichbäume durch das gemäßigte Klima sowie die unterschiedlichen Bodenarten, welche durchlässig und tonig in den tieferen Lagen und kalkhaltig in den Höhen sind. Seit den 1950er Jahren haben sich die Plantagen vom Bezirk San Matteo auf etwa 1.200 Hektar ausgebreitet und machen rund 70 % der lokalen landwirtschaftlichen Produktion aus, was durch die Verfügbarkeit von Wasser durch den Castello-Staudamm begünstigt wird. Merkmale Die Pfirsichsorte ist mittelgroß mit weißem, festem Fruchtfleisch, das häufig von roten Adern durchzogen ist. Die Frucht ist kugelförmig, mit einer Grundfarbe aus Weiß, Gelb und Grün, die durch rote Färbungen ergänzt wird. Der rote Anteil darf nie mehr als 50 % der Fruchtoberfläche ausmachen. Besonders bei der Settembrina-Variante zeigt sich die Reduzierung des roten Anteils in Form eines roten Streifens entlang der Nahtlinie. Das Fruchtfleisch zeichnet sich durch einen süßen, aromatischen Geschmack und einen intensiven, anhaltenden Duft aus, wodurch sich die Sorte erheblich von anderen Pfirsichen unterscheidet. Es werden jedoch dennoch häufig Pfirsiche aus Sizilien fälschlicherweise als Pescabivona bezeichnet, obwohl sie es gar nicht sind. Deshalb werden die Früchte konstant überwacht und müssen strenge Qualitätsstandards erfüllen, um die Authentizität und Wiedererkennbarkeit zu garantieren. Anbau Über die Zeit entwickelten sich verschiedene Anbautechniken, welche aufgrund klimatischer und territorialer Bedingungen angepasst wurden. Heutzutage liegt die Pflanzdichte zwischen 400 und 1250 Pflanzen pro Hektar und es werden Unterlagen wie beispielsweise GF 677 oder MRS 2/5 verwendet. Düngung erfolgt sowohl organisch als auch mineralisch, begleitet von innovativen Techniken wie Fertigation oder Blattdüngung. Pflanzenschutzmaßnahmen werden nach agronomischen Richtlinien durchgeführt. Der maximale Ertrag beträgt 350 Quintale (1 Quintal entspricht 100 kg) pro Hektar, um ein Gleichgewicht zwischen Quantität und Qualität zu gewährleisten. Die Ernte erfolgt ausschließlich von Hand in mehreren Durchgängen, je nach Ökotyp, um den optimalen Reifegrad sicherzustellen. Kühllagerung kann genutzt werden, jedoch nicht länger als zwanzig Tage, um die Frische und Authentizität zu bewahren, welche durch die PGI-Spezifikation garantiert wird. Alle Phasen des Produktionsprozesses werden genau überwacht, einschließlich der Rückverfolgbarkeit von Ein- und Ausgängen. Beim Inverkehrbringen müssen die Früchte die festgelegten chemisch-physikalischen Parameter und Qualitätsmerkmale erfüllen. Verwendung Der Bivona-Pfirsich kann sowohl frisch als auch verarbeitet konsumiert werden, wird jedoch vorwiegend frisch verzehrt, aufgrund seines süßen, samtigen Geschmacks und des außergewöhnlichen Aromas. Er ist aber auch ein wichtiger Bestandteil der lokalen kulinarischen Traditionen und Kultur in Bivona und den umliegenden Gemeinden und wird auch häufig beispielsweise in Gebäck, Obstsalaten, Eiscremes und Granitas verarbeitet.
Einzelnachweise
Kategorie:Prunus (Rosengewächse) Kategorie:Steinobst Kategorie:Landwirtschaft (Sizilien) Kategorie:Fauna und Flora (Sizilien)